Russland greift Ukraine an

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Ist Dir noch nie in den Sinn gekommen, dass sich die kleinen, ehemaligen Sowjetrepubliken nicht ganz zu unrecht von Putin bedroht fühlen?

Also, ich hab ja eine recht große, polnisch sprechende Verwandtschaft (teils in Deutschland, teils in Oberschlesien und teils in den USA lebend).
Und da winken fast alle ab, was Putin betrifft.
Die halten ihn fast alle schon seit Jahrzehnten für einen Despoten und Imperialisten, und alle sind froh, in der NATO zu sein.

Ja, das weiß ich. Allerdings würde ich nie empfehlen nur in "Putin" zu denken. Als Polen in die Nato eintrat war Putin noch nicht auf der Bildfläche und die Beziehungen zu Russland waren nicht so schlecht.

Und ich persönlich bin nicht der Ansicht, dass die NATO jedem Land Einland gewähren muss dass sich bedroht fühlt. Und das tut die NATO auch nicht. Die NATO ist eine Interessengemeinschaft. Und selbst wenn es ausschließlich um Sicherheitsinteressen ginge, dann sollte bedacht werden das es zu Konflikten führen kann, wenn die eigene Sicherheit auf Kosten anderer Mächte ausgebaut werden soll.

Das ist doch schon mit Ab- und Aufrüstungsspiralen sichtbar. Diese Dynamiken sind einfach tatsächlich hoch komplex. Im Kern geht es um Vertrauen oder den Mangel daran. Und während in den frühen Jahren nach der Wiedervereinigung viel Vertrauen gebildet wurde, wurde später viel Vertrauen zerstört. Ich sage nicht, dass das nur von einer Seite kam. Das war eine Abwärtsspirale.
 
Und ich persönlich bin nicht der Ansicht, dass die NATO jedem Land Einland gewähren muss dass sich bedroht fühlt. Und das tut die NATO auch nicht. Die NATO ist eine Interessengemeinschaft. Und selbst wenn es ausschließlich um Sicherheitsinteressen ginge, dann sollte bedacht werden das es zu Konflikten führen kann, wenn die eigene Sicherheit auf Kosten anderer Mächte ausgebaut werden soll.
Sicherlich.
Aber was wäre gewesen, wenn die Ukraine bereits 2013 in die NATO aufgenommen worden wäre?
Wäre Putin dann trotzdem in die Ukraine einmarschiert bzw. hätte er die Krim dann annektiert?
Wohl eher nicht, oder?
Und damals saß ja noch ein Putin-treuer Vasall im Regierungsamt.

Ich würde sagen:
Daran merkt man, weshalb die Ukraine lieber schon vor 10 Jahren in der NATO gewesen wäre als es bis jetzt nicht zu sein.
 
Zuletzt bearbeitet:
Nein, Verstehen/Verständnis schließt Härte nicht aus wenn sie nötig sein sollte. Im Übrigen ist Verstehen der anderen Perspektive auch hilfreich wenn man einen Konflikt im eigenen Interesse entscheiden will. Das ist nie schlecht.

Deutschland ist eigentlich ein Beispiel. Denn Deutschland war eine weitgehend positive Kraft in der Russland-Politik, hat z.B. immer wieder "Nein" zur Aufnahme der Ukraine in die Nato gesagt. Hätte Deutschland den Einfluss der USA wären die Dinge wahrscheinlich besser gelaufen. Genau jetzt agiert Deutschland aber ebenfalls durchaus hart und in sehr weitgehender Einigkeit mit allen anderen.
Natürlich kann auch Verstehen/Verständnis ein gutes Werkzeug sein... ein sehr gutes sogar. Wenn ich verstehe, wie jemand tickt, kann ich ihm z.B. einen Schritt voraus sein oder ich kann eine Person in eine bestimmte Richtung lenken, und man fühlt sich nicht gleich von jedem Pippifax provoziert und kann dadurch vieles im Nichts verpuffen lassen. ABER es kann eben auch dazu führen, dass man zu verständnisvoll und weich wird. Das ist selbstverständlich nicht nur so oder so, beides ist möglich. Jedoch hab ich dich bisher immer in allen möglichen Perspektiven gesehen, jedoch noch nie so richtig in DEINER.

Es ist eben auch wichtig zu unterscheiden, wo ist der Perspektivwechsel wichtig und hilfreich und wo arbeite ich dadurch gegen mich selbst und für den Anderen.
 
Sicherlich.
Aber was wäre gewesen, wenn die Ukraine bereits 2013 in die NATO aufgenommen worden wäre?
Wäre Putin dann trotzdem in die Ukraine einmarschiert bzw. hätte er die Krim dann annektiert?
Wohl eher nicht, oder?

Ich hoffe, er wäre nicht so verrückt. Aber man sollte nicht erwarten, dass ein Land wie Russland sich einfach nur fügt. Russlands Weg ist nicht ohne Folgerichtigkeit. Ich habe die Frage ja schon mal gestellt: Wie würden die USA sich wohl verhalten, wenn z.B. Russland oder China ein Verteidigungsbündnis mit Staaten einginge die den USA geographisch nahe liegen. Nehmen wir an dabei wäre Kanada und Südamerikanische Länder.

Würde sich irgendjemand wundern, wenn die USA sich dagegen wehren würden? Und würden die Medien das dann auch so falsch finden? Es würde ganz anders interpretiert und es gibt natürlich einen bedeutenden Unterschied: Die USA sind so mächtig, die können sich tatsächlich wehren ohne besondere Konsequenzen befürchten zu müssen. Die aktuelle Krise, und dazu gehört auch die massive Reaktion gegen Russland, ist nicht zuletzt eine Konsequenz der Schwäche Russlands.

Noch kurz zu Deiner Frage: Wäre die Ukraine einfach in die NATO aufgenommen worden dann wäre Russland in große Probleme geraten, denn deren Flottenstützpunkt Sewastopol liegt ja auf der Krim. Und Russland hatte einen Vorschlag gemacht:

"Laut US-Berichten im Jahr 2008 soll Putin im NATO-Russland-Rat davon gesprochen haben, dass bei einem NATO-Beitritt der Ukraine die Krim und die Ostukraine von der Ukraine abgelöst und an Russland angegliedert werden könnten."


Ein Problem ist: Russland wurde fast ausschließlich mit Härte begegnet. Deshalb haben sie die Krim dann militärisch abgelöst. Das wiederum wurde nie akzeptiert, weshalb Russland vor dem Problem steht: Wenn die Ukraine beitritt, sich dann auf den Bündnisfall beruft weil die Russen die Krim haben, dann gibts im schlimmsten Fall einen Weltkrieg. Anders gesagt: Nur weil die Russen die Krim haben könnte der Bündnisfall eintreten. Aus russischer Sicht gibts kein Szenario das nicht komplett unberechenbar wäre. Das ist wie bei einer Ratte die in der Ecke sitzt.

Gleichzeitig hätte es vom Westen aus schon Möglichkeiten gegeben die Situation zu entspannen, u.a. zu akzeptieren dass die Krim, die sowieso ganz überwiegend russische ist, auch zu Russland gehört.
 
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