Ich weiß nicht genau wie ich das ausdrücken kann ohne, dass mir Dinge unterstellt werden.
Ich versuche es mal: Russland wurde in eine Ecke gedrängt und verhält sich wie ein bockig Kind. Ein gefährliches bockiges Kind. Das macht es so schwierig. Aber jahrelang wurde antirussische Propaganda betrieben von westlicher Seite. In fast jedem Hollywood Schinken sind die Bösewichte Russen.
Sehe ich nicht so. Das war während dem kalten Krieg der Fall - der schien aber schon länger vorbei zu sein. Mir fällt kein Holywood-Film jüngerer Vergangenheit - also nach etwa 2000 - in bzw. mit dem antirussische Propaganda betrieben wurde.
Und auch in der Realität war schon gut eine Annäherung zu sehen. Ich schrieb schon davon: USA, Europa und Russland haben zusammen die ISS gebaut. Deutschland hielt trotz diverser Warnungen an der Zusammenarbeit mit Northstream 2 fest - was aus vielerlei Hinsicht ein Fehler war, aber eben eben Vertrauen und Zusammenarbeit signalisierte.
Und dieses Vertrauen und Zusammenarbeit werden wir auch für die Zukunft brauchen? Die Frage ist: Wie gut können wir einem Land vertraten, was mal eben ein Nachbarland angegriffen hat? Wie gut könnten wir dem noch vertrauen, wenn Russland in der Ukraine all seine Ziele durchsetzt?
Ich bin der Meinung, dass diplomatischen Geschick wichtig ist. Man muss Russland und die Ukraine an einen Tisch bekommen und jemand Neutrales leitet die Gespräche.
Wie das? Das ist auch wieder nur der Wunsch nach einer diplomatischen Lösung, aber ohne konkreten Vorschlag, wie genau diese herbeigeführt werden kann, so dass das Ergebnis auch wirklich fair ist.
Sowas wird seit Wochen ausdauernd versucht. Macron telefoniert noch relativ regelmäßig mit Putin, Nehammer war da, Gutterres, der dann auch auf seinem nachfolgenden Besuch in Kiew einen Angriff life miterleben konnte. Gerhard Schröder hat versucht seinen persönlichen Freund umzustimmen - wenn es ihm gelungen wäre, wäre er mein persönlicher Held geworden. Es ist ihm aber nicht gelungen; ich weiß noch nicht mal, ob er Putin bei seinem Aufenthalt in Moskau überhaupt gesehen hat.
Es ist nicht abzusehen, dass Russland sich still an ein Verhandlungstisch setzen wird. Und erst Recht wäre das nicht absehbar, falls die Ukraine wehrlos bleibt. Dann wird Russland sich wahrscheinlich nur mit der bedingungslosen Kapitulation zufrieden geben. Sein Ansehen vor der Völkergemeinschaft ist Putin egal, bzw. er nutzt die eintretende Missgunst dafür, sich weiter als Märtyrer zu wähnen.
Wie genau also würdest Du Putin dazu bewegen wollen, an einem Verhandlungstisch Platz zu nehmen, einen Kompromiss auszuhandeln und auch anzunehmen, der auch den Namen "Kompromiss" verdient? Welches Druckmittel hätte die Ukraine? Welches Druckmittel hätte die neutrale, leitende Partei?