@ FIWA:
Ja, es wird immer mehr eine Kontrolle durchgeführt. Ich find das auch nicht schlecht.
Wenn man aber so weit geht, kann man konsequenterweise auch über eine Impfpflicht nachdenken. Dazu gibt es zwei Ausprägungen:
- Eine Impfpflicht
de jure - also man muss vom Gesetz her gewisse Impfungen vorweisen lassen, wie das in vielen unserer Nachbarländern der Fall ist. Das ist wg. Art. 2 GG teilweise umstritten - nicht zu unrecht. Kein Mensch muss sich ohne seinen Willen einer medizinischen Behandlung aussetzen. Dagegen kann man einwenden, dass man nicht nur selbst eine positives Recht auf Unversehrtheit hat, sondern andersrum auch andere das Recht haben, nicht in ihrer Unversehrtheit beschädigt zu werden. Das ist gerade bei Impfungen gegen Infektionskrankheiten ein starkes Argument, warum man Art. 2 einschränken könnte. So ist es zum Beispiel ja auch erlaubt, Menschen in Quarantäne zu stecken, wenn sie besonders infektiöse Krankheiten haben. Für Impfungen wie Tetanus, wo es sich nicht um ansteckende Krankheiten handelt, gilt das selbstverständlich nicht.
- Eine Impfpflicht
de facto - man kann also weiterhin selbst entscheiden, welche Impfungen man sich "antut", ein Verzicht auf gewisse Impfungen hat aber Konsequenzen im gesellschaftlichen Leben, sodass die Kinder keine öffentlichen Einrichtungen besuchen dürfen sondern nur private Kitas oder Erziehungsanstalten, dass man bei gewissen Arbeitsplätzen nicht eingestellt werden darf ohne Immunisierung und dass man im Falle einer Erkrankung mit anschließendem Krankenhausaufenthalt u.U. auf einem erhöhten Selbstkostenbeitrag sitzen bleibt. Das wäre eine grundrechtskonformere Form einer Impfpflicht.
Obwohl die zweite Lösung recht elegant wäre, stellt sie doch Probleme: erstens ist man fremden Menschen nicht nur in der Schule und am Arbeitsplatz, sondern auch generell an öffentlichen Orten, beim (Zahn)arzt, in öffentlichen Verkehrsmitteln, im Supermarkt, etc ausgesetzt. An diesen Orten ist eine Infektionsgefahr nicht weniger gering als am Arbeitsplatz oder in der Schule (in Öffis sogar noch höher) - so starke Einschränkungen kann man dann aber doch nicht machen, allein aus praktischen Gründen. Zweitens übersieht die letztere Variante, dass man ja nicht nur für sich selbst, sondern auch für seine Kinder verantwortlich ist, die teilweise nichts dafür können, wenn ihre Eltern bekloppt sind. Es ist - meiner Meinung nach - nicht einzusehen, warum man solche Kinder "ihrem Schicksal überlassen" sollte, denn auch diese haben ein Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit und - über diverse UNO-Chartas - auch ein Menschenrecht auf Impfungen.
Danke Tarbagan - mich hätte so eine Studie tatsächlich interessiert. Obwohl ich denke dass die Voraussetzungen nicht gegeben sind dafür. Es gibt keine Rückmeldepflicht soviel ich weiß, ist auf freiwilliger Basis. und auch der Zeitraum ist eingeschränkt.
Es wäre schön, wenn es eine bessere Datenlage gäbe, ja. Andererseits sind solche Nebenwirkungen oft schwer zu erfassen - auch einfach deswegen, weil durch die geringe Anzahl an Nichtgeimpften in solchen Studien gern statistische Artefakte entstehen. Und Kinder absichtlich für Studien ungeimpft zu lassen wäre unethisch.
So bekommt man halt leider kein neutrales Gesamtbild. Wenn die Einen nur befürworten und die Anderen nur verdammen.
Nunja, ich für meinen Teil befürworte ja nicht "
nur".
Ich sage: Kritik an Impfen bitte dort, wo sie angebracht ist, und nicht irgendwelche vagen Behauptungen, Unterstellungen oder Panikmache, die keinerlei Grundlage hat.
Und ich sage: Dort wo Impfungen ein gutes Risiko-Nutzen-Profil haben, sollte jeder geimpft werden - außer die, die nicht geimpft werden können. So kann man eine Herdenimmunität erreichen, sodass am Ende auch wirklich alle sicher sind, ähnlich wie in Amerika, wo Masern schon als ausgerottet gelten wegen der hohen Durchimpfung.
Und ich sage: Wenn eine Impfung starke Nebenwirkungen zeigt, dann muss bei ihrer Verabreichung entweder sorgsamer abgewägt werden oder aber - bei besonders unberechenbaren Nebenwirkungen oder einer unzuverlässigen Immunisierungswirkung - sie vom Markt verschwinden.
Was ich nicht abkann, ist dieses allgemeine Gefasel ohne jegliche Substanz. Das verunsichert Leute unnötigerweise. Wer konkrete Daten zur Unsicherheit konkreter Impfungen hat, soll sie ruhig posten. Aber nicht Sachen wie "
Quecksilber ist giftig und Quecksilber ist in Thiomersal drin und Thiomersal ist in Impfungen drin" - denn der Konsens bis jetzt ist, dass die Menge an Hg in Impfungen viel zu gering ist, um Schäden zu verursachen. Wenn dazu neue konkrete Studien auftauchen, kann man diese wiederum gern posten. Was ich auch nicht abkann sind Behauptungen wie "
Impfen ist persönliche Entscheidung" - denn das ist sie nicht. Rechtlich gesehen vielleicht schon, aber ethisch bestimmt nicht, denn wenn wegen der eigenen - uninformierten - Enscheidung ein fremdes Kind sterben muss, dann muss man sich dafür ethisch irgendwie rechtfertigen. Und dann zu sagen "
ich hab ein Recht darauf, dumme Dinge zu tun" finde ich persönlich krank.