Hallo,
Ich hab ein Problem, welches ich trotz ewigen Nachdenkens und dem tausendfachen Versuch, mich selbst zu verstehen und damit das Problem vielleicht einer Lösung näherzubringen, einfach nicht aus der Welt bekomme.
Mein Freund und ich sind seit 10 Jahren ein Paar.
Seit längerer Zeit müssen wir eine Fernbeziehung führen und sehen uns nur alle paar Wochen. Wir telefonieren zwar, aber auf die Dauer ist das nicht dasselbe, deswegen mehren sich die Streits, je länger wir uns nicht gesehen haben. Das sind dann richtig üble Streits mit Schreien und Auflegen, etc. Er ist sehr dominant und möchte immer, dass ich es so sehe wie er, aber ich bin halt ein ganz anderer Mensch. Er neigt zu Hauruck-Standpunkten und die lehne ich ab und das macht ihn wahnsinnig vor Wut.
Zudem sind wir in vielen Belangen komplett verschieden (über die gehen dann auch die Streits) aber wenn wir zusammen sind, ist das alles wiederwie weggeblasen.
Ich habe mich in ihn damals verliebt, weil ich ihn trotz aller Schwierigkeiten für absolut ehrlich und integer hielt, für jemanden, der seinem Herzen nachfühlt und zu seinen Grundsätzen steht.
Ich lehne Pornografie absolut ab, für mich ist das aufgrund von Kindheitserfahrungen ein echt schwieriges Thema.
Das wusste er und er hat wohl manchmal mich damit ein bisschen aufgezogen, aber liebevoll und ohne wirklich zu verletzen. Ich dachte, wir wären da auf einer Linie (wie sind beide seit Kindertagen spirituell, waren deshalb Außenseiter, das Übliche halt.)
Nun habe ich durch Zufall erfahren, dass er die ganzen Jahre Pornos geguckt hat. Vielleicht nicht oft, aber immer wieder.
Das macht mich total fertig.
Dazu kommt die räumliche Trennung.
Ich habe nun das Gefühl, irgendwie betrogen worden zu sein. Wenn auch nur virtuell, trotzdem ist das alles beschmutzt, was ich dachte, nur mit ihm zu teilen. Auf einmal sind da künstliche, verschwitzte andere Frauen, von denen er sich vorgestellt hat, sie zu ..... und diese Vorstellung und der Gedanke an all die Jahre, in denen ich dachte, es wären nur wir zwei, das Vertraute, dass wir diesen Bereich nur mit uns teilen, ist für mich so schmerzhaft. Ich muss jedes Mal heulen, wenn ich dran denke. Es hat seine ganze zauberhafte Unschuld und Nähe für mich verloren.
Ich dachte echt, wir wären eine Ausnahme und das war mir so kostbar.
Und wir sind es nicht.
Ich hab nun diverse Male mit ihm drüber geredet und er sagt nun solche Sachen, wie, dass wenn wir uns nicht so oft am Telefon streiten würden, er sich mit vielleicht nahe genug fühlen könnte und keine Pornos bräuchte. (Er geht davon aus, dass ich an allen Streits Schuld sei, weil ich nicht einsehe, dass er Recht hat)
Das empfinde ich als Erpressung und ich kann jetzt nicht immer so tun, als gäbe ich ihm Recht, aus Angst, wir könnten wieder streiten, dann legt er auf und guckt Pornos.
Das kann ich ihm aber nicht begreiflich machen. Für ihn ist das ganz logisch und dann wäre alles gut. Er sieht keine Erpressung, wurde sogar böse, als ich es so nannte.
Ich fühl mich so in der Zwickmühle. Ich ekele mich vor ihm, wegen der Pornos. Es fühlt sich alles so fremd an und mein Vertrauen ist weg. Ich kann nicht mehr offen sein, wenn ich mit ihm schlafe.
Ich habe ihm gesagt, dass ich nur weiter mit ihm Zusammensein kann, wenn er das nicht mehr guckt. Da kam raus, dass er ein paar Lieblingsfilme sogar auf seinem PC gespeichert hat und die keinesfalls löschen will, weil "sie ihm was bedeuten."
Es wird also weitergehen. Außer ich werd jm der ich nicht bin und da das sowieso auffliegen würde, würde es auch auf diese Art mit den Pornos weitergehen, nur vielleicht ein bisschen später.
Ich weiß nicht, was ich machen soll.
Ich bin seit zehn Jahren mit ihm zusammen, das ist nicht gerade kurz. Aber ich kann die Beziehung so nicht weiterführen.
Kann mir jemand helfen?
Er wird mich heute noch anrufen und ich weiß nicht, was ich sagen soll.
Bitte keine Kommentare à la "Pornos haben für Männer keine Bedeutung" und so. Er hat Lieblingspornos mit Lieblingsfrauen, die er keinesfalls löschen will, eher noch trennen wir uns. Es hat also eine Riesenbedeutung!
Außerdem finde ich Pornos widerlich und demütigend und frauenfeindlich niedrigschwingend und ich finde, sie dürfen ruhig mal hinterfragt werden, wenn man sich spirituell nennt.
Mal ganz abgesehen davon, dass das m.E. Absicht ist, dass es in den letzten zehn Jahren durchs Internet "normal" geworden ist und überall verfügbar. Das war es davor ein paar tausend Jahre nicht und ich glaube, dass das menschliche Bewusstsein mit diesem dauernd verfügbaren Starkreiz nicht wirklich klarkommt. Außerdem ist es so leer.....
Warum sieht er das alles nicht? Er ist ansonsten bei sowas total kritisch und richtet sich nach seinem Herzgefühl, aber da nicht.
Was soll ich tun??
Liebe Lichtgeist,
ich erkenne Dein Problem und auch, dass Du, obwohl Du eigentlich alles weißt was bis jetzt geschrieben wurde, es nicht ändern kannst.
Du möchtest ja so nicht fühlen aber Du kannst nicht anders.
Als erstes, ohne jetzt Deinen Freund in Schutz nehmen zu wollen, würde ich an meiner Abneigung von Pornographie arbeiten.
Du schreibst, Du hast etwas in Kindheitstagen erlebt was Dich so denken/fühlen lässt.
Gibt es eine Möglichkeit für Dich, an diesem Erlebnis zu arbeiten, es zu verändern vielleicht sogar aufzulösen? Dich dem zu stellen?
Diese Abneigung wird ansonsten immer zwischen Dir und Deinem Partner stehen. Selbst wenn Du Dich von Deinem jetzigen trennst ist das kein Gewehr, das der nächste Mann diese Vorliebe nicht hat.
Wenn alles andere zwischen Euch wunderbar ist, Ihr schon so lange zusammen seid wäre es sehr schade, wegen solch einem Problem sich zu trennen.
Ich nehme mal an, Dein Partner tat so, (aus Liebe zu Dir und Deiner Vergangenheit), dass ihn Pornos nicht interessieren. Vielleicht wollte er Dich so sehr, dass er seine eigenen Bedürfnisse hinter Deine stellte. Wahrscheinlich konnte er sich das dann auch eine Zeitlang erfolgreich einreden nur irgendwann zerfällt ein Lügengebäude oder besser, das, was man an sich nicht möchte aber da ist, bricht hervor.
Es tut weh aus einem Traum zu erwachen, den andern so zu sehen wie er eigentlich ist. Eine Ent-Täuschung ist das Ende einer (Selbst-)Täuschung.
Du hast ihn gesehen oder zu dem gemacht, wie Du ihn haben wolltest, nun bist Du erwacht aus Deinem Traum.
Wen liebst Du, Deine Vorstellung von diesem Mann oder ihn, wie und wer er ist?
Wie willst Du geliebt werden, als die wie er Dich sehen will, was er von Dir erwartet, wie er Dich haben will, wie Du sein solltest oder so, wie Du wirklich bist?
Du liebst mich nur, wenn
ist keine Basis für eine erfüllte Liebe und diese Liebe die Du dann erhälst, ist an Deine Bedingungen geknüpft und nicht frei und offen.
Da sie nicht aus freiem Herzen geschenkt wird, steht sie auf sehr wackeligen Beinen und meist will sie dann auch eine Bedingung als Motivation oder Ersatz der Veränderung.
Wenn Du aus Liebe etwas für ihn lässt oder Dich änderst solltest Du Dich fragen, ob Du es wirklich freiwillig tust oder aus Angst, sonst seine Liebe zu verlieren. Dadurch vielleicht eine Extraprotion zu erhalten.
Wenn er Dir sagt, Pornos sind nicht so wichtig aber die Filme von seinem PC nicht löschen mag, kann es sich um eine Lüge handeln. Vielleicht verbindet er mit diesen Filmen aber auch eine Erinnerung an was auch immer.
Ist es eine Lüge, lügt er um Dich nicht zu verletzen da er weiß, Du magst das nicht. Würde er zu seiner Neigung stehen würde er eingestehen müssen, Dich in Eurer Anfangszeit belogen zu haben.
Er löscht sie nicht und ist bereit, Diskussionen auf sich zu nehmen und somit ein Teil seines Naturells durchzusetzen egal, wie Du damit umgehst. Ein Stück Ehrlichkeit zu sich und Dir.
Nun liegt es an Dir, wie Du damit umgehst. Wie tief Deine Liebe zu Dir selbst sowie auch zu ihm ist.
Ich habe eine gute Freundin dessen Mann sogar zu Haus, separater Fernseher, sich Softpornos anschaut. Es war früher ein ständiger Streitpunkt. Sie hat alles versucht, das abzustellen. Sogar Sexentzug war im Programm enthalten. Sie spürte sehr schnell, dass er durch seine Abstinenz unausgeglichen war und heute ist sie bereit, es zu tolerieren.
Es stört sie immer noch allerdings hat sie eine Möglichkeit gefunden, damit zu leben. Sie hat auch erkannt, dass sie selbst sehr, sehr viele Verhaltensweisen hat, die er tolerieren muss, da sie sich nicht verbiegen will und wird.
Liebe Lichtgeist, ich wünsche Dir die Kraft, Dich Deines Problems zu stellen um ein befreiteres Leben führen und somit auch eine freiere Entscheidung treffen zu können, ob Dein Partner der Partner für Dich ist.
Lg enna