Sie sprach ihn an. Er ist Herr über seine Reaktion und erwiderte. Dann konnte sie kontern. So laufen Gespräche ab, nicht? Es sind Duelle oder Duette auf Augenhöhe.
Worte können natürlich verletzen.
Wenn man sagt, was man natürlich kann, dass es Brüderle erlaubt sein sollte so zu reagieren wie er es tat, dann muss man konsequenterweise aber auch sagen, dass er mit dem aktuellen Resultat auch klarkommen muss... das auch der Artikel dann erlaubt ist.
Ich hingegen würde sagen: Brüderle hat sich wie ein Idiot verhalten. Die Stern-Redaktion ebenfalls. Die ganze Geschichte ist eine Geschichte der Fehler... Sie hat ihn schon auf ne dumme Art angequatscht. Er hat auf eine idiotische Weise reagiert. Sie hat einen Artikel geschrieben der aus journalistischer Hinsicht schlecht ist, schon die Art wie er geschrieben ist. Die Stern-Redaktion heizt das Ding auf ne Art an die den Artikel noch unterbietet. Brüderle schweigt und gießt genau damit Öl ins Feuer. Die Öffentlichkeit diskutiert oberflächlich das Thema, ist aber vor allem daran interessiert wie sich der Krieg zwischen den Akteuren entscheiden wird.... wird er Schaden nehmen, wird sie demontiert?
Die ganze Sache ist m.A.n. ein Lehrstück in Idiotie.
Ich bin gegen eine vorauseilende Rücksichtnahme auf individuelle Befindlichkeiten. Es engt den (rechtlichen) Entfaltungsspielraum ein. Für mich sind Worte frei, aber nicht frei von Verantwortung. Wenn sie dich verletzen, stehe ich dir denselben Schachzug zu. Das ist auf die körperliche Ebene nicht übertragbar.
Kann man so sehen... dann ist aber eben auch fair was jetzt geschieht. Und in diesem Fall sehe ich das sogar so. Laura Himmelreich tut mir etwas leid, weil ich glaube, dass sie ziemlich naiv in etwas hineingestolpert ist das sie nicht richtig überblickt hat und sich vermutlich insturmentalisieren ließ.
Aber meine persönliche Ansicht ist, dass man respektvoll miteinander umgehen sollte. Man kann doch an der aktuellen Situation sehen das es kaum Gewinner gibt wenn überhaupt. Brüderle, Himmelreich, Stern... die verlieren momentan alle. Der Stern macht zweimal ne gute Auflage, aber verliert gerade extrem an Ansehen.
Respektvoller Umgang bringt Gewinner auf allen Seiten. So simpel ist m.A.n. der Unterschied.
Wenn zb Sage sagt, dass sie bezüglich der Herrenwitze keinen Humor aufbringt, dann ist das okay, und ich würde ihr (!) gegenüber damit nicht aufwarten. Das fundamentale an Kommunikation ist nämlich das Aktions-Reaktions-Schema. Daraus entstehen nicht nur die großen gesellschaftlichen Normen (Grabschen = Belästigung, internationale Beziehungen - Diplomaten bringt man nicht um) sondern auch die Regeln über den persönlichen Umgang mit konkreten Individuen.
Wer das Maul hält und auf Rücksicht hofft, hat zumindest in meinen Augen nie die Chance auf Augenhöhe.
Es ist eine Frage der Perspektive. Ich denke, für jede Frau wäre es ideal, nicht auf Rücksicht zu hoffen und ihn auch nicht einzufordern, sondern zu lernen wie man auch mit Situationen umgeht. Das kann ja dann auch wehrhaft sein... Aber für Männer ist es sicherlich ideal, wenn sie lernen, Frauen einfach auf Augenhöhe zu behandeln.
Abgesehen davon ist das eh nicht nur eine Frage zwischen den Geschlechtern. Alleine das Thema Mobbing beweist ja Missstände in Sachen Respekt.
Meines Erachtens hat Brüderle Himmelreich nicht diskriminiert, weil er ihren Busen ansprach. Dazu waren die auf sie bezogenen negativen Folgen zu schwach. Verstehst du die Überlegung? Sie hatte dadurch keine nenneswerten objektiven Nachteile. Und das ist ein sehr sehr wichtiger Punkt.
Ideale sind schön und gut, ich persönlich finde den konkreten Umgang damit lächerlich, er ist Ausdruck schlechter Erziehung. Materielle(faktische) Auswirkungen aber sind unstreitbar vorhanden oder nicht. Darauf sollten wir uns konzentrieren.
Diskriminierung ist ja nichts das man objektiv festmachen kann. Menschen fühlen sich diskriminiert oder nicht. Und manche wollen diskriminieren oder nicht. Ich glaube, das Brüderle sie nicht diskriminieren wollte. Er war betrunken und hat versucht auf eher plumpe Art zu flirten. Aber ich glaube auch, dass er sie etwas in die Schranken weisen wollte... was zumindest teilweise sogar verständlich sein kann, denn die Art wie sie ihn ansprach war ja auch nicht gerade respektvoll. Unterm Strich haben sich da schon die Richtigen getroffen und müssen jetzt mit den Folgen klarkommen.
Es gibt aber m.A.n. Möglichkeiten auf eine Art zu kommunizieren, die Diskriminierung ausschließt.