Ich bin der gegenteiligen Meinung. Sie wird auf jeden Fall zu den Gewinnern gehören. Bei etwaigen Gehaltserthohungsverhandlungen kann sie immer darauf verweisen, daß sie ja berühmt ist, jeder kennt ihren Namen als die Frau, die Brüderle zur Strecke brachte.

...jo, Du bist vielleicht ein Optimist.
Aber ernsthaft: Das schadet Brüderle vielleicht etwas, aber es wird ihn nicht fallen lassen denke ich. Die FDP müsste ihn ja fallen lassen und das wird sie nicht. In ein paar Wochen ist die Story für ihn wieder irrelevant und in einem halben Jahr erst Recht.
Für sie aber tatsächlich nicht. An ihr bleibt das eher hängen. Natürlich auch positiv... aber nicht nur. Denn es gibt sehr viele, die die Story journalistisch unsauber finden.
Noch mal etwas ausführlicher hierzu:
Nach wie vor sehe ich nicht einmal den Ansatz einer Differenz zwischen ihr und dem Stern-Chefredakteur. Und daß sie nicht zufrieden ist über die neueste Entwicklung einer allgemeinen Debatte über Sexismus - wo nimmst du diese Vermutung her?
Das ist völlig ins Blaue geschossen. Dafür sehe ich nirgends auch nur einen Anhaltspunkt. So jetzt fängt aber Jauch an.
Über die
allgemeine Debatte ist sie mit Sicherheit glücklich. Aber sie ist nicht glücklich darüber, welche Eigendynamik ihr Artikel entwickelte. Sie hat ein (sehr unschmeichelhaftes) Porträt geschrieben, das mit der Situation an der Bar beginnt. Aber es geht noch drei Seiten weiter... über Politik, über Brüderles Art die FDP anzufachen, über dumme Sprüche über ne Kuh (wäre sexistisch der Kuh gegenüber

) usw. Sie sagt aber nirgendwo das er sie noch mal bedrängt hätte und hat auch keine andere Story dieser Art auf Lager.
Genau diesen Eindruck hat die Chefredaktion aber bewusst erweckt. Er hat in den ersten 10 Minuten bei Jauch etwas gesagt, wo Zuhörer denken könnten, Brüderle habe ihr mehrfach zu nahe getreten... sie selbst sagt das aber an keiner Stelle. In Online-Artikeln erweckte er den Eindruck auch.
Und Osterkorn rechtfertigte die Tatsache, dass Frau Himmelreich auch nach dieser Bar-Begegnung weiter mit Brüderle auf die Reise geschickt wurde damit, das ja noch andere Personen (Pressesprecher von Brüderle) mit im Auto war... was subtil impliziert, er hätte ansonsten die Sorge, Brüderle könne sie wirklich angreifen oder sowas. Das ist im Grunde unter aller Sau.
Und online hatte der Stern diesen Stil die ganze Zeit drauf... Sie reduzierten den Onlin-Artikel am Mittwoch voll auf die Sexismus-Vorwürfe und hat anfangs sogar verheimlicht, dass diese Begegnung ein Jahr zurückliegt. Der Artikel wurde, nachdem Spiegel-Online berichtete in mehrerer Hinsicht verändert. Sie verwiesen anfangs z.B. auch auf Brüderles Frau, und das ihr das sicher nicht gefallen wird usw. Das war aus journalistischer Sicht unterirdisch und hatte absolut nichts mit Porträt zu tun.
Unterm Strich: Frau Himmelreich musste sich für Dinge verteidigen die sie so gar nicht geschrieben und gemeint hatte. Sie hat sogar gesagt, dass die Redaktion vor einem Jahr noch nicht drucken wollte. Und sie sagte, dass sie diese Debatte auf diese Art nicht beabsichtigt hat. Es ist aber absolut klar, dass die Stern-Chefredaktion es
genau so beabsichtigt hat. Osterkorn behauptet bei Jauch zwar, er sei überrascht... aber das ist glatt gelogen. Denn sie taten online alles um ein Porträt auf den Sexismus-Vorwurf zu reduzieren und unsachlich anzuheizen.
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Übrigens: Stern facht die Story weiter an... dahinter steht eine klare Strategie. Denn Osterkorn sagte ja, das kommende Woche das Thema "verbreitert" wird. Aus seiner Perspektive ist das höchst clever. Zuerst wird der Fokus auf eine Person gelenkt, die gerade eh im Fokus steht und das Thema wird emotionalisiert. Dann wenn alle darüber sprechen wird das Thema verallgemeinert und bringt noch mal Auflage. Es ist also wirklich clever, aber für Frau Himmelreich ist es m.A.n. alles andere als gut und sie hat gerade absolut keine leichte Zeit. Und wie gesagt: Dann wenn die Story für Brüderle schon vergessen sein wird werden noch viele denken, dass der Artikel und auch wie er entstand (Brüderle an der Bar ansprechen während er keinen Bock auf Gespräche über Politik hat) journalistisch unsauber war.