@Joey, in deinem Text kann ich den Sinn nicht erkennen. Wofür bzw. wogegen argumentierst du denn?
Ich wollte einen Beitrag zur Begriffsklärung leisten. Es war kein Beitrag, wo ich konkret für oder gegen etwas argumentieren wollte..
Kannst du ganz ohne Links mit eigenen Worten sagen, was du unter „Placebo“ verstehst?
Ok, ich versuche es dann mal ohne Links und mit eigenen Worten nach eigenem Verständnis.
Placebo ist nicht ein einzelner Effekt, der da wirkt, sondern ein Sammelbegriff vieler Effekte, von denen ich exemplarisch einige mal beschreiben will:
Stark vereinfacht wird
Placebo ja mit
Einbildung abgetan. Und in Diskussionen über "Alternative Heilmethoden" wird Kritikern derer gerne an den Kopf geworfen, die Heilung wäre nicht eingebildet und deswegen sicher kein Placebo, sondern sichaer auf die besprochene Heilmethode zurück zu fühlen. Und DAS ist zu kurz gedacht.
Am ehesten mit
Einbildung könnte man
Suggestion beschreiben. Und Suggestion spielt bei einigen der Placebo-Effekten eine Rolle.
Als ich 10 oder 11 Jahre alt war, hatte ich einmal ziemlich heftige Zahnschmerzen (daraus wurde dann ein paar Tage später meine erste Wurzelfüllung... nur so nebenbei als Bericht). Meine Mutter gab mir eine aufgelöste Schmerztablette, ich trank... und ziemlich abrupt waren die Schmerzen weg. Meine Mutter kam dann nochmal aus der Küche mit dem Beipackzettel in der Hand und las vor: "Hier steht, dass es erst in etwa 20 Minuten wirken wird." Und prompt waren die Schmerzen wieder da, um dann aber auch tatsächlich im Zeitrahmen von 20 Minuten wieder nachzulassen. Ich war da offensichtlich ziemlich anfällig für Suggestionen (und bin es möglicherweise auch immernoch).
Alleine schon das Vertrauen bzw. die Erwartung, dass Schmerz verschwinden wird, nimmt die Berdrohung, macht den Schmerz etwas weniger unangenehm, bewirkt, dass wir ihm "entspannter" spüren und betrachten können, was wiederum Linderung mit sich ziehen kann.
Es gibt Forschungen darüber, wie man mittels Suggestionen die Dosis von Medikamenten reduzieren kann (und damit auch deren Nebenwirkungen). Sinnvoll ist das beispielsweise bei Medikamneten, die das Immunsystem nach einer Organtransplantation etwas unterdrücken sollen.
Das ist so das, was man am ehesten sich unter dem klassischen Placebo-Effekt vorstellen könnte, womit aber noch nicht alles abgedeckt ist, was noch da mit rein spielt.
Es ist nunmal so, dass wir ein Immunsystem und diverse Reparatur-Mechanismen haben, die bewirken, dass viele unserer Erkrnakungen ganz von alleine verschwinden. Und im Rahmen dessen ist unser Erleben auch nicht gleichförmig, sondern ein Auf- und Ab. Wenn wir chronisch krank sind beispielsweise nehmen wir Medikamente zur Linderung tendenziel eher dann, wenn es uns überdurchschnittlich schlecht geht. Da unser Erleben aber nicht gleichförmig ist, unterliegt es eh einem Auf- und Ab um "die Mitte" herum. Wenn sich das Befinden also wieder der Mitte nähert, es sich also von alleine bessert, sind wir trotzdem geneigt, das ursächlich der Behandlung zutzuschreiben.
Und auch Heilungen geschehen gerne von alleine bzw. im Rahmen auch anderer Behandlungsmaßnahmen, die man nicht auf dem Schirm hat, wenn man überlegt, warum es einen besser geht. Ich hatte mal eine Diskussion über Homöopathie mit einer Mutter, die meinte, sie hätte die Neurodermitis ihrer Tochter mit Homöopathie geheilt. Mit ein wenig Nachfragen kam raus, dass zum einen Homöopathie nicht das einzige war, womit die Neurodermitis im Schach gehalten wurde, sondern natürlich auch die Ernährung stärker betrachtet und reguliert wurde. Und darüber hinaus, dass die Heilung auch nicht schnell erfolgte, sondern über Jahre hinweg die Homöopathie verwendet wurde, ehe die Neurodermitis dann so in der Pubertät der Tochter verschwand. Nun ist (oder sollte) auch bekannt sein, dass diese Krankheit sehr häufig ohnehin von alleine während der Pubertät verschwindet. Ein Hinweis, dass die Heilung hier irgendwie mit der Homöopathie zusammenhängt, ist DAS nicht.
Um zu unterscheiden, ob eine Linderung oder Heilung aufgrund einer Behandlung oder Mittelgabe erfolgt, bzw. ob eine Behandlung überhaupt ursächlich mit dazu beitragen kann, macht man Vergleichsstudien. Man teilt die Versuchsteilnehmer randomisiert - also rein vom Zufall abhängig - in mindestens zwei Gruppen ein. Die eine Gruppe, die
Versuchsgruppe bekommt die Behandlung, während die andere gruppe, die
Kontrollgruppe nur zum Schein behandelt wird (bzw. eben ein wirkunsloses aber ansonsten von den Sinnen her ununterscheidbares Mittel bekommt). Weder dieTeilnehmer selbst noch die Ärzte,die sie jeweils untersuchen und ihren Zusatnd beurteilen und bewerten, wissen, welcher Teilnehmer in welcher der Gruppen ist. Suggestion und andere Placebo-Effekte sind also in beiden Gruppen gemittelt identisch. Wenn die Aufteilung und Verblindung sauber durchgehalten wurde und sich dann ein Unterschied im Ausgang zwischen den Gruppen zeigt, zeigt sich DAMIT dann eine Wirkung über Placebo-Effekte hinaus, alsoeine Wirkung die wirklich auf diese Behandlung zurückzuführen ist.
So eine Vergleichstudie zu bestehen, ist nicht einfach, aber wirksame Behandlungsformen schaffen das.
Gerade im Rahmen solcher Vergleichsstudien zeigt sich dann aber auch häufig, wie mächtig die Placebo-Effekte mitunter sein können. Der Mediziner Edzard Ernst hat selbst viele Studien zu "alternativen Heilmehoden" designt und durchgeführt. Unter anderem hat er mit Geilstheilern zusammen eine solche Vergleichsstudie übers Geistheilen durchgeführt (an deren Design auch Geistheiler selbst mit gestalten konnten und Input liefern konnten, was sie glauben zu können und was nicht). Er berichtet, dass eine Studienteilnehmerin starke Rückenschmerzen hatte und zu Beginn der Studie kaum gerade das behandlungszimmer betreten konnte. Ernst berichtete dann mal in einem Interview, dass er irgendwann mittendrin diese Frau in einem Treppenhaus getroffen hätte, wie sie fröhlich und schnell die Treppe rauf ging und ihm berichtete, wie gut die Behandlung ihr tut. Er war beeindruckt und schaute dann am Ende der Studie, als die Daten "entbilndet" wurden, in welcher der Gruppen diese Frau war: Sie war in der Kontrollgruppe.
Als Fazit kann ich nur wiederholen, was ich vorhin schon schrieb:
Placebo bedeutet NICHT nur Einbildung, sondern es ist ein Sammelbegriff von Effekten, von denen Suggestion nur einer ist. Placebo ist auch keine Schande oder Dummheit. Wenn man aber irruieren will, was genau wie hilfreich ist, müssen Placebo- und Kontexteffekte extrahiert werden, was zum Beispiel in gut geführten randomisierten Doppelblindstudien geschieht.