"Placebos sind der Schlüssel zu einer menschlichen Medizin"

FreeStar

Sehr aktives Mitglied
Registriert
28. Dezember 2022
Beiträge
7.283

"Placebos sind der Schlüssel zu einer menschlichen Medizin​

Wir haben eine Apotheke in uns, die wir kostenlos nutzen können. Der Placebo-Effekt ist so stark, dass wir eigentlich das gesamte Gesundheitswesen umkrempeln müssten"

Nun kommen sie auch langsam drauf, hier ein ZEIT-Artikel zum Thema:

Auszug:
"Nachahmungen winziger zellulärer Signalmoleküle etwa, in der Grundlagenforschung mühsam entdeckt, dann erst in Zellkulturen, später in Mäusen und oft auch in kleineren Studien mit Menschen mit vielversprechender Wirkung getestet. Plötzlich folgt in der großen klinischen Studie die Enttäuschung: Der Effekt geht nicht über Placebo hinaus. Das passiert ziemlich oft. Entwicklung gescheitert. Aber gleichzeitig zeigen die Studien: Den Menschen in der Placebo-Gruppe geht es häufig besser als vorher.

Im Prinzip wird der Placebo-Effekt seit über einem halben Jahrhundert ständig gemessen. Die Frage ist, warum nutzt ihn kaum jemand? Warum ignorieren ihn Ärzte, Forscherinnen und Gesundheitspolitiker? Oft erscheint er eher wie eine lästige Nebenwirkung. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird er mit "bringt nichts" gleichgesetzt: Ist ja nur Placebo."


Die Frage ist schnell beantwortet, für jeden, der ein bisschen denken kann.
Ich beantworte sie daher nicht....
Der Artikel ist trotzdem sehr lesenswert, weil er u.a. genau erklärt, was das eigentlich wirklich ist, Placebo.
 
Werbung:
Im Prinzip wird der Placebo-Effekt seit über einem halben Jahrhundert ständig gemessen. Die Frage ist, warum nutzt ihn kaum jemand?

Fast jeder nutzt ihn. Zum Beispiel, wenn er einem Kind auf das verletzte Knie pustet.

Nur: Der Placeboeffekt wirkt nicht über Alltagswehwehchen hinaus. Daher wird der Nutzen von Placebos oft überschätzt.
 
Weiterer Auszug:

"In der Schmerztherapie ist der Placebo-Effekt besonders erstaunlich: In einer experimentellen Studie verdoppelte sich die Wirkung des Schmerzmittels Remifentanil, wenn Ärzte den Patienten sagten, dass der Schmerz mit dem Mittel verschwinde. Bei einer negativen Erwartung, also der Aussicht, dass die Schmerzen schlimmer werden, verliert es einen großen Teil seiner Wirkung. Das ist schon irre: Wir reden hier nicht von einer halben Tablette Aspirin, sondern von einem Opiat, das 200- bis 300-mal so stark ist wie Morphin."(!)

Im Klartext, die Ärzte haben gesagt, "Wahrscheinlich wirkt es kaum oder gar nicht" daraufhin verlor es einen Großteil der gesamten Wirkung, bei extrem hoher Konzentration.
 
Zuletzt bearbeitet:
Noch n Schnipsel, es liest ja eh kaum einer:
"Wissenschaftler aus Israel brachten Probanden kürzlich bei, wie sie durch positive Erinnerungen bestimmte Hirnareale aktivieren können, die mit Dopaminausschüttung in Verbindung stehen. Das führte dazu, dass sie nach einer Hepatitis-B-Impfung mehr Antikörper gegen das Virus bildeten als Probanden, die einfach so geimpft wurden."

Also das im Artikel erwähnte Buch "Dein Körper glaubt dir alles" von Ulrike Bingel ist schon auf meiner Liste.

Das Problem denke ich ist nur, wenn man es überhaupt mehr anwenden will, woran ich erstmal in der Praxis so bald nicht glaube, wie macht man das?
Man geht dann ja nicht zu einem "Spezialisten für Placebo-Effekt", dann wirkt es ja schon wieder nicht.
Obwohl... vielleicht doch grade, wenn es die Berufsbezeichnung gibt!
"Ich gehe jetzt zu einem Placebo-Spezialisten!" - wirkt bestimmt auch.
Das Gehirn ist schon ein extrem abgefahrenes Teil..
 
Die Frage, die mich auch dabei interessiert ist die, wie kriegt man es selbst hin?
Im Grunde ist es nichts als Suggestion, also bekannt. Nur, je schlauer man ist, desto mehr kann man sich selbst
sabotieren dabei. Wie kriegt man das geknackt?
Das ist die alte ewige Frage dabei..

weiterer Auszug:
"In ihrem Buch gibt Bingel praktische Tipps, wie man den Placebo-Effekt für sich nutzen kann. So empfiehlt sie etwa, bei einer chronischen Krankheit mit den Ärzten unbedingt über alle Sorgen hinsichtlich einer Behandlung zu sprechen. Denn wenn die Ärzte den Patienten Ängste nehmen können, wird die Therapie mit großer Wahrscheinlichkeit wirksamer. "


Wenn das einer der Exclusivtipps ist, dann kann man ihn bereits vergessen. Ärzte sprechen kaum noch
mit Patienten, von "Ängsten nehmen" ganz zu schweigen. Meine Erfahrung.
 
... Denn wenn die Ärzte den Patienten Ängste nehmen können, wird die Therapie mit großer Wahrscheinlichkeit wirksamer. "

Wenn das einer der Exclusivtipps ist, dann kann man ihn bereits vergessen. Ärzte sprechen kaum noch
mit Patienten, von "Ängsten nehmen" ganz zu schweigen. Meine Erfahrung.
Bevor ich diesen letzten Satz las, hab ich ihn schon gedacht.
Ich könnte zig Beispiele nennen, wo mir nicht richtig zugehört wurde, meine Fragen vom Tisch gefegt wurden und ganz schnell ein Rezept rübergeschoben wurde, wo mir dann die Naturheilkunde & Homöopathie erst tatsächlich geholfen haben. Ich habs ja noch nie so mit dem System der Schulmedizin gehabt und mit fortschreitendem Alter, wo einem eine gute, vertrauensvolle Behandlung gut täte, wurde es noch schlimmer.
Da gibt es nun soviel gute Möglichkeiten der Diagnostik und viele neue Erkenntnisse, aber so viele Götter in weiß haben meist einen Tunnelblick.
Bei dem abwertenden Satz: ist ja nur ein Placebo, hab ich schon früher gedacht: ja, ist doch gut!
 
Da gibt es nun soviel gute Möglichkeiten der Diagnostik und viele neue Erkenntnisse, aber so viele Götter in weiß haben meist einen Tunnelblick.
Die oben schon nicht gegebene Antwort darauf lautet natürlich, weil damit kein Geld zu verdienen und kein persönlicher Machtstatus zu festigen ist. Und: Sie sind schlecht gelaunt, arbeiten zuviel und hängen teils auch selbst im System fest wie die Hamster, jedenfalls die Fachärzte.
Es gibt immer noch Hausärzte, die zuhören, wenn auch vereinzelt.

Aber da das alles bekannt ist, und das Lamento darüber einen nicht weiterbringt, habe ich den Artikel eigentlich als Motivation eingestellt.
Für sich selbst.
 
Werbung:
Zurück
Oben