Wyrm schrieb:
was war denn an den sozialen grundstrukturen (und der dynamik) anders vor 40 Jahren
(ich finds a bissal schad, dass so viele aussagen dieser art ohne tiefere begründung gemacht werden.)
Ich nehme an, lieber Wyrm, dass du noch sehr jung bist?
In mir siehst du ein
"Fossil", das vor 40 Jahren schon bewusst lebte, eine sehr gute Erinnerung an diese Zeit hat und dessen Leben durch den damaligen Zeitgeist lange gepraegt war.
Es war die Zeit nach dem 2. Weltkrieg bis zu den 68-igern.
Ein paar Beispiele, um zu demonstrieren, was sich alles in der Zwischenzeit geaendert hat und als "tiefere Begrundung":
1. Das Patriarchat schrieb damals den Frauen vor, dass sie jede Schwangerschaft austragen mussten, die ihnen widerfuhr.
Es wurde ueber das Leben von Frauen fremdverfuegt, und zwar von Maennern, denn ausschliesslich diese machten die Gesetze.
Gleichzeitigt war eine unverheiratete Mutter eine Ausgestossene und ihr Kind gleich mit, wie im Mittelalter!
Ueberhaupt galt eine unverheiratete Frau, ob jung oder alt, die Geschlechtsverkehr hatte, vielleicht sogar noch mit verschiedenen Maennern

, als
unanstaendig, und ein
anstaendiger Mann gab sich nicht mit ihr ab.
Fuer Maenner galt das uebrigens nicht, die sollten sich gerne die "Hoerner abstossen".
Doppelte Moral, wie heute im Islam!
Willst du im Ernst behaupten, dass es heute nicht voellig anders ist?
2. Eine verheiratete Frau durfte nur mit Zustimmung ihres Ehemannes berufstaetig sein. Legte er ein Veto ein, weil ihm das nicht passte, dann durfte die Frau das nicht!
Wieder die Fremdverfuegung! Dieser Paragraph wurde erst 1976 geaendert!!!
3. Die "haeuslichen Pflichten" oblagen einzig und allein der Frau, das war gesetzlich festgelegt!
4. Eine berufstaetige Mutter galt als Rabenmutter, eine Frau wurde einzig und allein auf ihre Biologie festgelegt.
Auch das hat sich geaendert, auch in den Koepfen!
Als ich jung war, hiess es allgemein: eine Frau darf nicht zu intelligent sein, sonst kriegt sie keinen Mann.
Heirat war das einzige Lebensziel einer Frau.
Ausbildung war nebensaechlich. Der Beruf war nur dazu da, die Zeit bis zur Ehe zu ueberbruecken und um eventuell "mitzuarbeiten", wenn der Verdienst des Ehemannes nicht ausreichte, um die Familie zu ernaehren. Das aber galt als Schande.
Die Maedchen, die studierten, taten das hauptsaechlich, weil ihre "vorausschauenden" Eltern wollten, dass sie geeignete Ehemaenner kennenlernten und, dass sie sich dann spaeter mit denen und den Bekannten intelligent unterhalten konnten.
An eine akademische Laufbahn dachte man nicht, die trat man dann notgedrungen an, wenn einem die erste Wahl (Heirat und Kinder) aus irgendwelchen Gruenden verweigert wurde.
Berufstaetige Frauen jenseits des heiratsfaehigen Alters (etwa ab 24) wurden belaechelt...
"Die ist ein Blaustrumpf (Akademikerinnen)" hiess es oder "die hat keinen abgekriegt (in den "niedrigeren" Bevoelkerungsschichten). Das waren keine "richtigen Frauen"!
Es war summa summarum so, dass eine Frau im Grunde keine Kontrolle ueber ihr Leben hatte, sie hatte sich in ein "Einheitsleben der Frau" zu fuegen und wehe, sie tat das nicht...
Genuegt das, lieber Wyrm, um zu verdeutlichen, dass sich doch so einiges geaendert hat in der Zwischenzeit?
Bijoux