Kann die Wunde jemals heilen? Chiron-Betrachtungen

WildSau

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Ich bin derzeit daran, wieder mal ein wenig über Chiron zu recherchieren - und bleibe einigermaßen deprimiert zurück, weil die vorherrschende Ansicht jene ist, dass die Chiron-Wunde im persönlichen Horoskop nie wirklich heilen kann. Sehr oft wird als ultimatives Ziel in Aussicht gestellt, man könne -so man Chiron irgendwann zu "meistern" vermag - anderen dabei helfen, mit einer ähnlich gelagerten Thematik besser umzugehen (das wären dann wohl Chirons Heiler-Eigenschaften). Das, finde ich, ist ein nettes Goodie. Aber der Schmerz bleibt einem selbst dann ja trotzdem erhalten ...

Könnt ihr (evtl. aus eurer eigenen Erfahrung) berichten, dass es eben doch möglich ist, Chiron in Zeichen und Haus in etwas Positives, Produktives zu transformieren?

Ich kann von mir selbst berichten: bei mir steht Chiron in Stier in 10. Also Status und öffentliches Ansehen. Ich bin in der Mitte meines Lebens, und habe es nicht geschafft, selbiges in einem Ausmaß zu erlangen, wie es mir aber wichtig wäre. Meine Gedanken kreisen ganz oft darum, wie ich dennoch schaffen könnte, einen gewissen gesellschaftlichen Status zu erlangen. Es schmerzt, dass ich bisher nichts Nennenswertes erreicht habe. Und ich kann es auch nicht einfach "gut sein lassen". Das habe ich mir lange nicht eingestanden, in letzter Zeit ist mir dieser Umstand aber sehr bewusst geworden. Die Wunde klafft offen, um so mehr noch, als ich eine Steinbocksonne bin. Und natürlich frage ich mich jetzt, wie ich es doch noch schaffen könnte. Und ob es - mit dieser Chiron-Stellung - überhaupt möglich ist, beruflich erfolgreich zu sein.

Was sind eure Beobachtungen und Erfahrungen mit eurem eigenen Chiron? Hat jemand vielleicht so etwas wie Heilung erfahren können, wo die Wunde im Horoskop liegt?
 
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Stracciatella

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Hallo @WildSau !
Hallo in die Runde!

Ich bin tatsächlich gerade auf einem guten Weg.
Mein Chiron steht in Löwe in Haus 11 - a) Geringschätzung der eigenen Kreativität und Schöpfungskraft sowie b) ein Gefühl des Ausgestoßenseins aus der Gruppe.

Chiron in Löwe:
Ich merke, wie meine Kreativität in den letzten (fast) 2 Jahren vermehrt zu fließen begonnen hat - lustigerweise - oder eigentlich passenderweise -, seit ich durch die vielen Lockdowns verstärkt auf mich selbst zurückgeworfen worden bin: Irgendwie musste ich mich ja beschäftigen und da habe ich meine Leidenschaft für meine Hobbys wiederentdeckt (Astrologie, Geschichten schreiben). Ich weiß jetzt, in mir selber drin, das ich gut (genug) darin bin und den Vergleich mit anderen nicht zu scheuen brauche. Das ist es, wofür mein Herz brennt, was ich machen will, egal, was andere vielleicht sagen.

Zu Chiron in H11:
Ich fühle mich nicht länger als Außenseiter, jedenfalls stört es mich nicht mehr, wenn ich anders bin und ich habe auch weniger Probleme, irgendwo anzuecken und deshalb "ausgestoßen" zu werden. In den letzten 2 Jahren habe ich lernen dürfen, dass es wirklich ich selbst bin, die über mein Leben bestimmt, und niemand sonst. Ich habe ja Mond Opposition Pluto im Radix, da habe ich die ersten 20 Jahre nicht mal gescheit gemerkt, dass ich überhaupt einen eigenen Willen habe, und war ziemlich von anderen und ihrer Meinung abhängig...
Es gab auch viele Meinungsverschiedenheiten, die ich austragen musste, aber spannend, spannend ziehe ich seither plötzlich neue Menschen an, die viel besser zu mir passen als meine alten Freunde. Sie kommen ganz von selbst in mein Leben.

Bei mir war der Schlüssel: zu mir selbst stehen und einfach machen, egal, was andere denken mögen :)

Deinen Frust mit Chiron in Stier in H10 kann ich auch gut verstehen. Vielleicht findest du ja deine Lösung doch noch, vielleicht schon bald, wie ich auch. Ich drück dir die Daumen!

Lg Stracciatella
 

Stracciatella

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Kennst du die Deutungen zu Chiron aus der Astrowoche? Ich glaube, sie sind von Michael Allgeier.
Die finde ich sehr treffend.

Chiron in den Zeichen:

Chiron in den Häusern:
 

Stracciatella

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Meine Gedanken kreisen ganz oft darum, wie ich dennoch schaffen könnte, einen gewissen gesellschaftlichen Status zu erlangen. Es schmerzt, dass ich bisher nichts Nennenswertes erreicht habe. Und ich kann es auch nicht einfach "gut sein lassen". Das habe ich mir lange nicht eingestanden, in letzter Zeit ist mir dieser Umstand aber sehr bewusst geworden. Die Wunde klafft offen, um so mehr noch, als ich eine Steinbocksonne bin. Und natürlich frage ich mich jetzt, wie ich es doch noch schaffen könnte. Und ob es - mit dieser Chiron-Stellung - überhaupt möglich ist, beruflich erfolgreich zu sein.
Mit einer Steinbock-Sonne hast du natürlich das Gefühl, dass du was erreichen musst.

Bei Chiron in Stier in H10 denke ich da gar nicht unbedingt an eine besonders "hohe" Stellung, sondern - analog zu Allgeier - eher an einen Beruf, der für dich sinnstiftend ist und dir so ein Gefühl gibt, dass du ein "wertvoller", weil nützlicher Teil der Gemeinschaft bist - wodurch du fühlst, dass du ein Recht hast, dazuzugehören, und du somit ein Gefühl der Sicherheit bekommst.

Ist das stimmig für dich?

Allgeiers Lösung schaut so aus, dass du Sicherheit nicht im Außen suchen sollst, sondern in dir selbst, indem du die Verantwortung für dich und dein Wohlergehen übernimmst - was dir dann das sichere Vertrauen gibt, dass du dein Leben meistern kannst und mit allen Unannehmlichkeiten fertig wirst.
 

Stracciatella

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Was bei Chiron oft nicht genannt wird: Seine Umlaufbahn liegt zwischen derjenigen von Saturn und Uranus. Ich denke, das erklärt Chirons Natur eigentlich recht gut.

Ja, der Zwiespalt zwischen Konformität und den Erwartungen gerecht zu werden - und dem Gefühl, nicht dazu zu gehören und seinen eigenen Weg finden zu müssen/wollen.
 

Green~

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Ich bin derzeit daran, wieder mal ein wenig über Chiron zu recherchieren - und bleibe einigermaßen deprimiert zurück, weil die vorherrschende Ansicht jene ist, dass die Chiron-Wunde im persönlichen Horoskop nie wirklich heilen kann.
Das Quadrat von t-Saturn auf deinen Chiron ist seit dem 5.12.2021 zu Ende. In dieser Zeit war dein Chiron-Jupiter Trigon unterbrochen - zu dem t-Saturn im Quinkunx war - was just heute zu Ende gegangen ist. Vllt. kommt dir da auch noch selbst etwas an eigener für dich stimmiger Erklärung.

Ich könnte mir bei dir und deiner Konstellation auch vorstellen - dass es nicht à priori dein Stier-Chiron in Haus 10 ist - der dich da unzufrieden sein lässt. Ich halte das eher für von deinem Jupiter kommend- der generell für höhere Ansprüche (auch an sich selbst) steht - besonders, wenn er Haus 5 regiert und mit Mond, Sonne, Merkur und Mars in Verbindung steht.

Dein Chiron im Stier steht in einem Venus regierten 10. Haus - Venus steht im Wassermann - da gelten andere Werte - als nur die materiellen. Wassermann ist ein Luftzeichen - geistiger und überpersönlicher Natur - eine höhere Gemeinschaft - Sinn für Gemeinschaft - und dass es nicht egal ist - was jeder Einzelne tut, sondern dass das wie -eines jeden Einzelnen im grossen Ganzen eine Rolle spielt - weil wir alle miteinander vernetzt und verbunden sind - Wassermann- Luft - die wir alle atmen. .

Auch hat Stier nicht den reinen Anspruch auf Status und Ansehen - Stier lebt unter dem Motto "Gemeinsam sind wir stark" - dem Stier geht es in jedem Haus in erster Linie, darum das eigene Territorium abzustecken, zu schützen und zu verteidigen und darin etwas zum Wachsen zu bringen.

In Haus 10 geht es um eigene Massstäbe, die man für sich selbst individuell und persönlich finden muss, denen man selbst "dienen will" - und die einem selbst dann auch dienen (sollen) - wo etwas wachsen soll und Früchte tragen sollen. Die aber das Geniessen dürfen mit einschliessen und es muss auch etwas Sichtbares, Anfassbares dabei herauskommen.

Ein Stier-Chiron in Haus 10 könnte eine Schwachstelle sein, sich von gesellschaftlich als anerkannten Massstäben zu lösen und die Angst davor zeigen - dann "allein auf weiter Flur"damit da zu stehen - dieses Risiko einzugehen. Damit sich aber auch die Chance zu nehmen, eine neue Gemeinschaft zu finden - wo die eigenen echten gefühlt/gefunden Massstäbe hineinpassen und zum gefühlten Lebenssinn führen können.

Unzufriedenheit mit dem, was man bisher ereicht hat - wird ja an etwas gemessen...und da nimmt man dann das als Bewertung - was als erfolgreich im Aussen allgemein gilt.

Und da kann ein Merkur im Steinbock -als Jungfrau-Herrscher, in dessen Haus Jupiter steht- ein gnadenloser (selbst)-kritischer Richter sein. Aber auch ein exzellenter Analytiker, der anhand von Fakten herausfinden kann - was wirklich persönlich für einen zählt.

Im Aussen erfolgreich zu sein und Ansehen zu geniessen - ist kein Garant für innere Zufriedenheit. Sonst würden sich nicht so viele Prominente, die alles haben - in Alkohol und Drogensucht flüchten - um die innere Leere zu füllen.

Beim Stier geht es für mich generell und auch im 10.Haus - darum, etwas Sinnvolles und Nützliches zu tun, etwas das einen Nutzen hat und irgendwie auch einen bleibenden und sichtbaren Wert hat.


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Green~

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Chiron bringt ja jeder auch schon mit in diese Welt und ich halte ihn auch nicht für eine aktiv wirkende Kraft aus sich heraus - wenn er nicht an aktive Planeten angebunden ist.

Und je nachdem - wie er eingebunden ist im eigenen Horoskop - und wenn mit Planeten im 12. Haus in angespannter Verbindung zum eigenen Chiron- kann es sich ja unter Umständen auch um eine Schwachstelle handeln - die man noch vorgeburtlich übertragen bzw. mitbekommen hat.

Wo man noch nicht das aktive Vermögen und die Fähigkeit hatte, zu analysieren und auszusortieren (Jungfrau)- was ein ICH und zu mir gehörend und DU und zu dir gehörend -anging.. Weil eben in dieser Phase im Fruchtwasser - gefühlt - alles eins war - unsortiert wahrgenommen dann als "alles meins und zu mir gehörend". Was aber gar nicht stimmen muss. Und dann in die körperliche Existenz als körperlich gespeichert mit hineingenommen wird (H2) - mit recht enger Verbindung des 12. Haus Planeten zu Planeten im 2. Haus..

Z.B.- über Ängste und Gedanken der Mutter während der Schwangerschaft - die in dieser Zeit das Gefühl hatte, in einer gesellschaftlich nicht anerkannten Situation /Position zu sein -vllt. damals Schwierigkeiten mit dem Partner hatte und unter Befürchtungen litt- evtl. mit Kind dann allein da zu stehen und gesellschaftlich ausgegrenzt zu sein/werden.

Da hat dein Mond, der in Verbindung mit deinem Chiron steht - aber seinerseits noch immer die Chance gefühlt und wahrnehmungsmässig etwas herauszufinden - mit dem noch bis zum 7.2.2022 andauernden Quadrat von t-Uranus. Vllt. kommt dann in dieser Zeit dann doch noch das für dich noch fehlende "Erkenntnis-Highlight". :)


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WildSau

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Hallo Stracciatella,
und danke für deine Beiträge! :)

Erst mal find ich es schön, dass du schreibst, dass du dich langsam mit deinem Chiron aussöhnst. :)
und war ziemlich von anderen und ihrer Meinung abhängig...
Es gab auch viele Meinungsverschiedenheiten, die ich austragen musste, aber spannend, spannend ziehe ich seither plötzlich neue Menschen an, die viel besser zu mir passen als meine alten Freunde. Sie kommen ganz von selbst in mein Leben.

Bei mir war der Schlüssel: zu mir selbst stehen und einfach machen, egal, was andere denken mögen :)
👍

Zu deinen Links: dass es bei Chiron im Stier, bzw. dem Stierzeichen generell um Zugehörigkeit geht, ist mir völlig neu. Und spontan würde ich dieser Meinung nicht zustimmen. Aber es stimmt tatsächlich, dass ich mich mein Leben lang noch nicht zugehörig gefühlt habe - im Sinne von: meinesgleichen gefunden. Nicht mal in meiner Familie fühlte ich mich so. Ich hatte immer den Eindruck, ich müsste in Wahrheit adoptiert worden sein, oder im Krankenhaus vertauscht, oder so. Deswegen werd ich das ernsthaft in Betracht ziehen, dass das mit dem Stierzeichen/2.Haus zu tun haben könnte.

Mit dem zweiten link triffst du den Nagel auf den Kopf. Ich suche seit je her nach meiner Berufung, regelrecht verzweifelt sogar. Hab viele Jahre hinter mir, wo ich alles mögliche versucht habe. Aber das richtige war nie dabei.
Bei Chiron in Stier in H10 denke ich da gar nicht unbedingt an eine besonders "hohe" Stellung, sondern - analog zu Allgeier - eher an einen Beruf, der für dich sinnstiftend ist und dir so ein Gefühl gibt, dass du ein "wertvoller", weil nützlicher Teil der Gemeinschaft bist - wodurch du fühlst, dass du ein Recht hast, dazuzugehören, und du somit ein Gefühl der Sicherheit bekommst.

Ist das stimmig für dich?
Es ist sogar noch etwas komplizierter, und zwar deshalb: Ich bin von meiner politischen Überzeugung her sehr weit links zu verorten. Ich lehne den Kapitalismus aus tiefstem Herzen ab. Das war so, als ich jung war, und das haben mir die Jahre nicht austreiben können. Es heißt ja: wer mit 20 nicht links ist, ist ein Arschloch, wer mit 40 noch immer links ist, ist ein Idiot. Und so gesehen bin ich wohl einer.
Daraus ergibt sich aber für mich ein Dilemma: einerseits empfinde ich als Steinbock es höchst attraktiv, eine wichtige Position einzunehmen, was darzustellen in den Augen der Gesellschaft. Gleichzeitig lehne ich das System ab, in dem wir leben, und will mich ihm nicht unterwerfen. Ich habe mir nie vorstellen können, in der Privatwirtschaft Karriere zu machen, weil mir der Sinn dahinter - Profite zu maximieren, ohne Rücksicht auf Verluste - nichts gibt. Mehr noch, ich verachte es, dass wir uns kollektiv dem Kapital unterwerfen, und damit einer Lebensweise, die höchst schädlich ist - für Mensch, Tier, Umwelt, ja den ganzen Planeten.
Das war auch mit ein Grund, warum ich mich dazu entschlossen habe, einen helfenden Beruf zu ergreifen - um mich da ein Stück weit raus zu nehmen und diesem System nicht auch noch zu dienen. Wie ich vor kurzem feststellen musste, war aber auch das nicht das richtige für mich. Es war der kopfgesteuerte Versuch, mich irgendwie passend zu machen. Mit dem Herzen war ich nie dabei.
Ich habe in den letzten Jahren versucht, mich einzugliedern, um ein Nützliches Mitglied der Gesellschaft zu werden. Dennoch muss ich mich täglich verbiegen - weil ich unsere Lebensweise zutiefst verachte und im Grunde meines Herzens nicht mittragen will.
Vielleicht ist das gar kein so schlechtes Sinnbild für meinen Chiron in 10?
 
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WildSau

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Hallo Eireen. :)
danke dass du mir schreibst!
Das Quadrat von t-Saturn auf deinen Chiron ist seit dem 5.12.2021 zu Ende. In dieser Zeit war dein Chiron-Jupiter Trigon unterbrochen - zu dem t-Saturn im Quinkunx war - was just heute zu Ende gegangen ist. Vllt. kommt dir da auch noch selbst etwas an eigener für dich stimmiger Erklärung.
Dieses Transit-Quadrat hatte ich gar nicht auf dem Schirm. Ich dachte, was mir derzeit so sehr zu schaffen macht, ist die immer exakter werdende Saturn-Oppo zu meinem Mond. Aber es kommt sicher nicht von irgendwo her, dass genau dieses Thema für mich aufploppt.
Dein Chiron im Stier steht in einem Venus regierten 10. Haus - Venus steht im Wassermann - da gelten andere Werte - als nur die materiellen. Wassermann ist ein Luftzeichen - geistiger und überpersönlicher Natur - eine höhere Gemeinschaft - Sinn für Gemeinschaft - und dass es nicht egal ist - was jeder Einzelne tut, sondern dass das wie -eines jeden Einzelnen im grossen Ganzen eine Rolle spielt - weil wir alle miteinander vernetzt und verbunden sind - Wassermann- Luft - die wir alle atmen. .
Das passt ja in gewisser Weise ziemlich gut zu der Problematik, die ich oben an @Stracciatella formuliert habe - Systemkritik bei Venus im Wassermann.
In Haus 10 geht es um eigene Massstäbe, die man für sich selbst individuell und persönlich finden muss, denen man selbst "dienen will" - und die einem selbst dann auch dienen (sollen) - wo etwas wachsen soll und Früchte tragen sollen. Die aber das Geniessen dürfen mit einschliessen und es muss auch etwas Sichtbares, Anfassbares dabei herauskommen.

Ein Stier-Chiron in Haus 10 könnte eine Schwachstelle sein, sich von gesellschaftlich als anerkannten Massstäben zu lösen und die Angst davor zeigen - dann "allein auf weiter Flur"damit da zu stehen - dieses Risiko einzugehen. Damit sich aber auch die Chance zu nehmen, eine neue Gemeinschaft zu finden - wo die eigenen echten gefühlt/gefunden Massstäbe hineinpassen und zum gefühlten Lebenssinn führen können.

Unzufriedenheit mit dem, was man bisher ereicht hat - wird ja an etwas gemessen...und da nimmt man dann das als Bewertung - was als erfolgreich im Aussen allgemein gilt.
Das trifft mich so punktgenau, das ist wirklich erstaunlich. Um das zu erklären muss ich ein wenig ausholen:
Ich spüre ja schon seit Monaten den Druck, den mir die Saturn-Opposition zu meinem Mond bereitet, und bin teilweise schon fast verrückt geworden, weil ich keinen Weg fand, damit umzugehen. Bis sich letztes Wochenende etwas in mir Bahn gebrochen hat. Seither ist alles anders.
Ich bin in meinen 20ern draufgekommen, dass ich ein gewisses bildnerisches Talent habe. Damals hatte ich eine Phase, in der ich viel gezeichnet habe, und ich habe dabei tolle, ermutigende Rückmeldungen bekommen. Aus den verschiedensten Gründen habe ich es dann wieder sein lassen. Einer davon war, dass meine Ansprüche an mich selbst unendlich hoch waren, und ich das Gefühl hatte, ihnen nicht gerecht werden zu können. in anderer war, dass ich das Gefühl hatte, nicht kreativ genug zu sein. Keine Ideen zu haben. Dass es mir an Phantasie fehlt. Also hab ich es irgendwann wieder sein lassen.
Mitte dreißig hatte ich dann noch einmal eine Phase, wo ich recht produktiv war. Aber mit dem selben Gefühl wie beim ersten Mal habe ich es wieder sein lassen.
Bis dieses Wochenende, wo es regelrecht aus mir herausgebrochen ist. Seither male ich wie eine verrückte. Und ich finde in mir so viel, was heraus und festgehalten werden will. Es ist wie ein Strom, der auf die Leinwand gebracht werden will.
Ich war die Monate davor emotional völlig blockiert. Ich hatte ständig körperliche Schmerzen, gleichzeitig fühlte ich nichts. Ich war wie ein Druckkochtopf - kurz vorm explodieren, betäubt von dem Druck, aber ins Fließen wollte nichts kommen.
Während ich den Sonntag mit Malen verbracht habe, begannen meine Gefühle auf einmal zu fließen. Und ich habe mich wieder erinnert, wie es damals war, als ich meine kreativen Phasen hatte: jedes Mal ging es mir besser.

Mit einem Mal sehe ich auch mein Radix ganz anders: ich kann anerkennen, dass ich den Zugang zu meinem verlorenen Löwe-Mond als Herrscher von 12 in 12 darüber finde, dass ich kreativ zum Ausdruck bringe, was in mir vorgeht. Dass ich dadurch auch Zugang zu meinen zahlreichen Verdrängungen (IC im Skorpion) erhalte. Dass ich die emotionalen Schlacken heben kann, indem ich sie male.

Und noch viel mehr: mir ist klar geworden, dass ich diesen riesigen, unbeachteten, ungeliebten, verdrängten Teil von mir integrieren MUSS, um ganz zu werden, um mich zu spüren, und dieses Spüren endlich zu integrieren: Schließlich ist die Sonne, der Löweherrscher meine Lebenskraft, mein Ich, meine Wirklichkeit. So gesehen ist der kreative Ausdruck zentraler Bestandteil meiner Persönlichkeit. Diese Erkenntnis ist für mich epochal!

Und das führt mich zu den von dir angesprochenen "gesellschaftlichen Maßstäben". Ich habe mich immer nach diesen gerichtet - danach, was ich glaubte, dass das Außen von mir verlangt. Jetzt beginne ich plötzlich zu verstehen, dass mein Innenleben den Maßstab vorgibt, nach dem ich mein Leben ausrichten muss. Dass ich mir selbst gerecht werden muss und meinem Wohlergehen.

Auch @Stracciatella hat das oben schon angesprochen. Und ja, endlich kann ich verstehen, was damit gemeint ist - letzte Woche hätte ich das vielleicht noch nicht gekonnt.

Steinbock steht ja nun auch für "Meisterschaft". Vielleicht ist das meine Aufgabe in diesem leben: meinen kreativen Selbstausdruck (die Sonne steht ja außerdem noch in 5) zur Meisterschaft zu bringen.
Bei diesem Gedanken wird mein Herz plötzlich ganz leicht und weit.
Und plötzlich fällt der Druck von mir ab, etwas leisten zu müssen, um Status zu erreichen. Weil ich merke, dass genau das mein innerster Wunsch ist. Weil ich endlich weiß, was ich brauche um erfüllt zu sein. Und die Außenwirkung plötzlich an Bedeutung verliert. Die Leerstelle in mir ist plötzlich gefüllt.
Beim Stier geht es für mich generell und auch im 10.Haus - darum, etwas Sinnvolles und Nützliches zu tun, etwas das einen Nutzen hat und irgendwie auch einen bleibenden und sichtbaren Wert hat.
Aber auch Schönes zu erschaffen würde doch zum Stier passen, oder?
 
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