Mein persönliches astrologisches(!) Märchen ist das "Vom Fischer und seiner Frau": Der Fischer entspricht meinem Sonnenzeichen "Fische", die Frau meinem Ascendenten "Jungfrau".
Der Fischer im Märchen ist still und verträumt, gutmütig und opferwillig, müßiggängig, aber verlässlich arbeitsam, bescheiden und mit den jeweiligen Gegebenheiten zufrieden. Wenn nur sein Leben gemach verläuft und kontinuierlich ruhig dahingleitet, ist die Welt für ihn in Ordnung.
Seine Frau stellt das extreme Gegenstück dar: Sie ist egoistisch, nörglerisch, weiß alles besser, ist pedantisch, geizig und habgierig. Sie ist schnell jeder bestehenden Lebenssituation überdrüssig und will sogleich das Nächstbeste und Nächstideale.
Die diametrale Polarität zwischen Jungfrau und Fische erzeugt denkbar markante, kontrastreiche Spannungen und Aktivitäten untereinander, die jedoch gleichsam - künstlerisch-phantasievoll gehandhabt - sich vollendet ergänzen.
Der wundersame sprechende Butt, den der Fischer eines Tages fängt und der ihn gegen Erfüllung all seiner Wünsche um seine Freilassung bittet, ist der "Glücksbringer" Jupiter in den Fischen, nicht weit von der Sonne entfernt und welche beide ohne dazwischenstehende Drittplaneten einander unmittelbar "anblicken" können.
Wir wissen, dass der anspruchslose Fischer, der in seinem kleinen ärmlichen "Pott" glücklich und zufrieden ist und es so auch bleiben möchte, dem Wunder-Butt fortwährend nicht seine, sondern seiner habgierigen Frau Wünsche vorträgt - und er sie auch nach und nach in Erfüllung gehen lässt, je anmaßender und größenwahnsinniger sie auch werden.
Tatsächlich spielten sich in meinem Leben viele Jahre lang regelrechte und mitunter lebensgefährliche Kämpfe ab zwischen Mäßigkeit und Maßlosigkeit, zwischen Bescheidenheit und realistischem Hoffen und irrationalem Wünschen und Wollen; und mit großer Zuverlässigkeit erfolgte nach jedem Übertritt einer gesetzten Grenze - welchen wirklich wiederholt zunehmend bedrohliche "Wetterlagen" vorausgingen - der jähe Absturz und Rückfall in die Ausgangssituation. Den anspruchsvollen Begehrlichkeiten meines Jungfrau-Ascendenten konnte selbst der endlos wohlwollende Jupiter auf Dauer nicht entsprechen - und musste sie zuletzt jedesmal, dem höheren Harmonie-Gesetz folgend, allesamt wiederum zurücknehmen.
Die Tatsache, dass in meinem Geburtsbild Jupiter dem Ascendenten gegenübersteht und nicht mit der Jungfrau verbunden ist, entspricht der Märchen-Situation: Denn der Wunderfisch wendet sich nicht der Frau auf dem Festland (Jungfrau = ERDE), sondern dem Fischer (Sonne) auf dem Meer (Fische = WASSER) zu, und dort trägt ihm der Fischer die Wünsche seiner Frau vor.
Sonne und Ascendent stehen nicht in direkter Opposition zueinander, sondern bilden eine relative starke Quinkunx. Planeten-Aspekte zu den Häuserspitzen sind anders zu betrachten als reine Planeten-Aspekte; hier gilt es, auf die jeweilige Position der Planeten im geozentrisch ausgerichteten Himmelsraum zu achten. In meinem Falle berührt die Sonne fast die Spitze des 6. (nicht des 8.) Hauses, welches im Tageskreis dem - Jungfrau-Zeichen entspricht! Damit wäre im Horoskop auch die "eheliche Verbundenheit" zwischen Sonne und Ascendent dargestellt, die auch in der räumlichen Distanz besteht...