opti schrieb:
Mir scheint, du hast einige Dinge noch nicht erkannt bzw. durchdacht. Wenn du meinst, du hast mit dem Rechtsradikalismus nix am Hut, so ist das nur die halbe Wahrheit. Unsere Erziehung hat dazu geführt, dass wir alle, und zwar ohne jede Ausnahme, so viel Hass in uns angesammelt haben, dass es locker zum Serienkiller reicht.
Ich erkenne in deiner Aussage Richtiges aber auch Beschreibungen, mit denen ich nicht übereinstimme. Das ist normal. Du vergißt vielleicht, dass es Menschen gibt, die unterschiedlich in ihrer Entwicklung vorangeschritten sind. Nicht in der Höhe, aber in der Breite, zu ebener Erde also, hatten sie unterschiedliche Lernaufgaben zu bestehen. Manche haben vielleicht noch mit dem angestauten Hass zu ringen andere haben diesen mehr oder weniger aufgearbeitet und wieder andere sind möglicherweise vollkommen hassfrei. Gibt es eine Verpflichtung, den Hass zu pflegen? Muss der Mensch ein gewisses Potenzial an Hass immer in sich tragen um lebensfähig zu sein? Ich weiß es nicht aber ich glaube nicht daran.
Mir kommt es vor, du denkst, wenn jemand versucht hassfrei an eine Situation heranzugehen wie eben die des Threadthemas, ist er nicht in der Lage, gegebenenfalls richtig zu aggieren wenn er in eine entsprechende Situation kommt. Ich darf dir sagen, ich weiß sehr gut bescheid über das Maß meiner eigenen Gewaltbereitschaft. Ich habe mich lange genug mit diesem Thema - nicht rational wissenschaftlich, aber doch recht intensiv - befasst. die etwas überzeichnete Geschichte mit dem Serienkiller, der (laut mancher psychologischer Studie) in uns allen steckt, ist nicht neu für mich und ich würde sie auch nicht pauschal verneinen. Ich habe in meinem Leben einiges an Gewalt erlebt und auch ausgelebt. (Bitte tu mir jetzt nicht wieder ein Trauma unterjubeln. Das liegt hinter mir

Aber ich brauch die Gewalt nicht mehr zu studieren, ebensowenig wie rechtsextremes Gedankengut. Dafür gibt es noch genug andere Dinge die ich zu lernen habe. Ich schreib jetzt noch was über Gewalt wie ich es erlebe, du brauchst ja nicht weiterzulesen. Das liegt bei dir. Es ist nicht besonders interessant und auch nur eine von vielen Möglichkeiten, diese Angelegenheit zu sehen.
Hier gehts um Rechte und Linke und im weitern um Gewalt! Und Gewalt hat mich lange in ihren Bann gezogen und ebenso die ihr zugrundeliegende Angst. Gewalttäter haben Angst. Bis ins Gebein sind sie mit der Angst vor der sinnlosen Leere in ihrem Inneren erfüllt und oft ist diese Leere entstanden, weil ihnen als Kinder die Liebe und das Vertrauen ins Leben aus dem Leib geprügelt wurde oder weil sie zusehen mussten, wie der Vater regelmäßig die Mutter getögelt hat. Diese Art der inneren Leere und Sinnlosigkeit gibt es und viele Gewalttäter wenden sich nach Außen, damit sie nicht in diese Leere in ihrem Inneren blicken müssen und auch aus dem Bedürfnis, mit ihrer Umwelt in Verbindung zu treten. Sie wollen etwas loswerden und mir etwas geben, das ich nicht habe. Diese Leere in ihrem Inneren und ihre Angst vor dieser Leere. Dieser sinnlosen und gottlosen Leere. Und sie hassen sich vor allem selbst, wegen dieser Leere in ihrem Inneren. Und wenn sie sich zu Gruppen zusammenfinden, begegne ich einer großen Verdichtung von sinnloser Leere und Angst.
p.s. Hassfreiheit ist nicht gleichbedeutend mit Ignoranz und Gleichgültigkeit aber erfordert einen sorgsamen Umgang mit den eigenen Emotionen. Wenn jemand gute Ideen hat, diese gesellschaftlichen Probleme zu lösen, dann soll er/sie es bitte tun. Aber wenn er versucht etwas zu tun und dabei getragen ist, von dem Hass in seinem eigenen Inneren wird wieder nur eine Übergangslösung dabei rauskommen.