Liebe Michi!
Michi schrieb:
Inzwischen geht es besser.
Ich komme zurecht.
Die Traurigkeit und Verzweiflung ist immer wieder da.
Das Gefühl des verlassen worden sein ist groß.
Ich kann das gut nachvollziehen. Das muß wirklich schlimm für dich gewesen sein.
Meine Großmutter war ja auch das Liebste, was ich hatte. In ihrem letzten Lebensjahr hatte ich sie leider, leider sehr selten besucht. Eines Tages hörte ich dann, dass sie im Krankenhaus ist. Zuckerschock. Ich besuchte sie natürlich sofort. Als ich reinkam in ihr Krankenzimmer saß sie auf ihrem Bett und schaute uns leicht abwesend an. Ich begrüßte und umarmte sie. Sie sagte in dem Moment. "Ach jetzt könnt ihr kommen" und schaute mich enttäuscht dabei an. Das tat so weh. Ich weiß ja, dass ich sie öfter hätte besuchen sollen. Aber ich war doch damals so voller Probleme. Ich war froh, wenn ich zuhause war. Ich wollte keinen sehen. Ich fühlte mich so unendlich schuldig. Nach einer Weile verabschiedete ich mich von ihr und ich wußte, als ich ging, das war das letzte Mal, das ich sie lebend sah. Ich weinte im Krankenhausflur bitterliche Tränen. Ich konnte mich garnicht wieder beruhigen. Am nächsten Tag starb sie. Sie hatte alles verweigert. Essen, Medikamente. Sie wollte nicht mehr leben.
Vor ein paar Tagen träumte ich von ihr. Ich war am Strand. Die Sonne schien. Ich war im schönen warmen Wasser. Da ruft mitmal einer. Schau mal, da ist Oma. Ich sah sie und rannte voller Freude zu ihr. Aber sie schaute mich nur enttäuscht an. So wie damals im Krankenhaus.
Heute Morgen erinnerte ich mich dann an noch einen Traum. Ich lag im Krankenhaus und hatte gerade die Mandeln rausbekomen. (5. Chakra - da habe ich schon sehr lange ein Problem mit) Ich lag im Bett und weinte. Aber keiner kam. Keiner kümmerte sich um mich. Ich war sehr traurig.
Als ich so über die beiden Träume nachdachte, fiel mir plötzlich ein, was mein Hauptproblem ist. Und zwar schon mein ganzes leben. Das alleine sein. Das Gefühl "im stich gelassen zu werden". Das Gefühl "mir hilft ja doch keiner".
Dasselbe Gefühl, dass meine Oma ausstrahlte im Krankenhaus und im Traum.
Das erste Mal, wo ich alleine gelassen wurde war, als ich mal gerade ein paar Wochen alt war. Meine Mutter bekam eine Brustwarzenentzündung und mußte für lange Zeit ins Krankenhaus. Ich war also alleine. Meine Mutter ließ mich alleine.
Dann mein Vater, der mir nie Liebe gab. Mich immer zugucken ließ, wenn er mit meiner Schwester geschmusst hat.
Meine Mutter, der eh alles egal war. Von ihr bekam ich absolut keine Unterstützung.
Wie oft war meine Mutter mit meiner Schwester im Urlaub. Ich mußte zuhause bleiben. Man ließ mich alleine.
In der Pubertät. Ich war voller Komplexe, kein Selbstbewußtsein, Ängstlich, Traurig, alleine. Keiner, der mit mir sprach, keiner, der sich um mich kümmerte. Ich saß alleine in meinem Zimmer und habe so oft geweint.
Dann später. Verheiratet. Ich war krank. Mein Mann mußte arbeiten. Ich rief meine Mutter an. Bat sie, mir zu helfen. Sie meinte aber nur, sie müßte zuhause bleiben, weil sie am Wochenende auf meinem Neffen aufpassen mußte. Meine Schwester wollte tanzen gehen und ihr Sohn sollte dann bei seiner Oma sein. Ich fühlte mich wieder im Stich gelassen.
Auch heute noch. Wenn ich mal nicht kann. Meine Kinder helfen mir nicht. Ich warte immer darauf, dass sie von selber mal was machen, aber da warte ich wohl bis zum jüngsten Tag.
Ich lebe hier auf dem Lande. Keine Freunde. Nur meine eigene kleine Familie. Niemanden, mit dem ich reden könnte.
Das fiel mir heute Morgen so alles ein. Wärend ich noch so nachdachte und überlegte, ob es überhaupt jemanden gibt in meinem Leben, der mir mal zuhört, der mir hilft, rief meine Schwester an. Ich erzählte ihr das. Sie hörte geduldig zu und gab mir sehr hilfreiche Ratschläge.
Mein Problem mit dem 5. Chakra ist, dass ich nichts sage. Das ich mich nicht dagegen wehre. Das ich meine Kinder nicht mal gehörig die Meinung sage sondern sie geweren lasse. So wie immer. Mir hilft ja doch keiner also ziehe ich mich zurück.
Aber das ist so falsch. Auch das fiel mir heute Morgen ein. Meine wunderbare Schwester hilft mir. Immer und immer wieder. Ihr hier im Forum hilft mir. Mein Mann hilft mir, wo er nur kann.
Ich bin durch diese Träume eine ganze Ecke weiter gekommen. Ich kenne jetzt mein Problem und werde in Zukunft anders reagieren. Ich habe, genauso wie Chira, nicht genau hingesehen. Ich sah immer nur das negative. Keiner hilft mir, alle lassen mich im Stich. Seit heute Morgen sind mir schon so viele Leute eingefallen, die mir helfen und mich nicht im Stich lassen. Nur ich habe da nie drauf geachtet. Ich sah nur das Negative. Meine Programmierung ändert sich.
Liebe Grüße
Nordluchs