Ich möchte zur Diskussion hier noch ein paar weitere Aspekte einbringen, die bisher ziemlich unter den Tisch gefallen sind:
Zur gesetzlichen Situation sehe ich es ebenfalls so, dass es (relativ) klare Regelungen gibt, wer was wann tun darf.
Was ich in der Praxis allerdings auch sehe, dass es gerade in der Esoterik sehr viele Menschen mit sehr geringem Interesse und Kenntnis der gesetzlichen Lage gibt (die Gesetze sind in der Regel nicht Gegenstand einer esotherischen/energetischen Ausbildung). Das führt natürlich dazu, dass oft frei zugängliche Seminare absolviert werden und die Techniken dann angewandt werden, die ausserhalb des rechtlich gedeckten Bereiches sind. Oft halt wirklich aus Unkenntnis, oder in Ausnützung oder manchmal auch Überschreitung gesetzlicher Grauzonen.
Auch der Gestzgeber trifft manchmal sehr fragwürdige Entscheidungen. So wurde z.B. in Ö Reiki aus dem Gewerbe des Energetikers herausgenommen. Toll für alle Hausfrauen die nebenbei ein bisschen Reiki machen um sich ein paar Euro dazuzuverdienen. Aber tatsächlich kann mit Reiki alleine kaum als Selbständiger überleben, was letztendlich dazu führt, dass der klassische "Reikianer" heute gesetztlich keine Ausbildung mehr braucht. Aber was passiert, wenn dieser sich weiterentwickelt, entweder aus Eigeninteresse oder aus wirtschaftlichem Druck? Jeder entwickelte Energetiker betreibt meist "the best of" mehreren Richtungen. Wann beginnt dann die Gewerbescheinpflicht?
Andererseits wäre auch die Qualität der Ausbildungen sicherzustellen. In sehr vielen Fällen darf ich als Esoteriker/Energetiker bereits nach einem Seminar arbeiten. Hier wären aus meiner Sicht durch den Gesetzgeber in jedem Fall Mindeststandards für das Gewerbe vorzuschreiben (Coachingausbildung, medizinische Grundlagen, Notfallshilfe (Krisen und physische Notfälle), fachliche Ausbildung) und auch zu überprüfen um die Qualität der Beratung sicherzustellen.
Zum Thema "Professionisten" habe ich eine etwas andere Einstellung als jene, die bisher hier vertreten wurde. Hier klafft sicherlich eine grosse Lücke zwischen den gesetzlichen Vorgaben und der Praxis. Auch ein Studium stellt, wie die Praxis zeigt, in keiner Weise sicher, dass sich diese Menschen verantwortungsbewusst und professionell an den Klienten herangehen. Vom Psychiater der mehr spinnt als seine Patienten, bis zu Allgemeinmedizinern, die Psychopharmaka wie Zuckerl verschreiben (und ohne mindesten den pflichtgemäßen Hinweis auf die Notwendigkeit einer Therapie!) gibt es hier eine sehr grosse Bandbreite von Verstößen. Nur haben die "eingesessenen" Fachrichtungen hier eine wesentlich bessere Lobby in ihren Fachverbänden und in der Politik.
Was passiert einem Esoteriker/Energetiker, wenn er sich einmal nicht "wohlverhält"? Er ist seinen Gewerbeschein los. Was passiert einem Arzt, wenn er einen Patienten schädigt oder umbringt? "Verschnitt gibt's überall" - gedeckt durch Kollegen, kollegiale Sachverständige, Fachverbände. Von Informationspflichten braucht man bei Ärzten sowieso heute noch immer nicht reden.
Ich möchte einem "unprofessionellen" Menschen seine Qualifikation nicht absprechen. Es gibt Menschen die ein derartiges Gefühl für andere Menschen haben, die ihnen mit derartiger Liebe und Zuwendung begegnen, dass das sehr oft das Fehlen von "professionellen" Werkzeugen aufwiegt. Und diese können oft (in ihren Grenzen) mehr erreichen, als ein desinteressierter, nur einen "Job" machender Psychotherapeut.
Die Praxis zeigt sich auch immer wieder, dass im Rahmen des Energetikergewerbes Hilfe für Klienten möglich ist, die von den sogenannten "Professionisten" schon aufgegeben worden sind. Weil sich bisher in der "Schulmedizin" (heissen ja so, weil sie noch viel zu lernen haben

) ganzheitliche Betrachtungsweisen bisher noch kaum durchgesetzt haben. Hier gibt es für alle Beteiligten (inklusive den Kassen) anscheinend noch ein gewaltiges Nachholpotential bzw. viel Potential für Zusammenarbeit.
Was auch noch anzusprechen wäre, wäre meine eigene Beobachtung, dass es gerade in der Esoterik (aber auch in Psychologie und Psychotherapie) sehr viele Menschen gibt, die selber sehr grosse Themen zu lösen haben, und gerade deshalb eigentlich für sich in diesem Gebiet arbeiten. Es ist natürlich ein Unding, hier seine eigenen Themen über die Klienten auszutragen (Lebensblockaden, Depressionen). Gerade diese Menschen sind es aber, die dem Ruf der Esoterik/Energetik extrem schaden. Auch hier wäre eine gewerberechtliche Vorschrift zu einer psychologischen Überprüfung sicherlich hilfreich, die schlimmsten Auswirkungen zu vermeiden.
Ebenso auch eine Vorschrift zu einer laufenden Supervision, wie sie für Psychotherapeuten und Lebensberater (Ö) vorgeschrieben ist.
Zusammenfassend: Aus meiner Sicht ist der Esoteriker/Energetiker im Durchschnitt weder besser noch schlechter als andere "professionelle" Fachrichtungen. Es wäre aus meiner Sicht sowohl vom Gesetzgeber, als auch von den ausbildenden Stellen und in der Verantwortung des Einzelnen sehr viel möglich, um den Ruf der Esoteriker/Energetiker zu heben. Aber so lange es esoterische Telefonhotlines gibt, deren Mitarbeiter professionelle Esoteriker fragen müssen, was einzelne Tarotkarten oder Kartenbilder bedeuten, so lange Esoteriker aus eigenen Themen heraus handeln, so lange Esotheriker in Unkenntnis und mit schlechter Ausbildung im Feld stehen, wird sich am schlechten Ruf wahrscheinlich kaum etwas ändern.
So, und jetzt dürft's mit hauen

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Liebe Grüße