Mich interessiert einfach wo jeder seine Grenze sieht beim Gegenüber.
Grenzen wohin?
Sobald ich den Eindruck habe, dass sich für mich, für Angehörige oder auch allgemein für die Gesellschaft sehr unschöne Konsequenzen ergeben würden, wenn sich die Meinung meines Gegenübers mit der anderen Meinung durchsetzen würde. Das mindert natürlich nicht seine Rechte und würde keine diversen Übergriffe rechtfertigen, aber dann kann ich meine Meinung dem gegenüber stellen und vertreten.
Es gibt eine Meinungsfreiheit, aber sind wir auch bereit dafür?
Wie meinst Du die Frage? Meinst Du, ob wir als Personen bereit sind, andren ihre freie Meinung zu lassen? Oder meinst Du, ob die Menscheheit bereit ist, dass Meinungsfreiheit gut praktizierbar ist?
Meinungsfreiheit so wie das Recht der freien Meinungsäußerung bedeutet ja nicht Widerspruchsfreiheit und das Recht, dass die eigene Meinung unkommentiert stehen bleibt.
Mir scheint, dass viele Menschen auf andere losgehen ohne Rücksicht auf Verluste.
Ja, kommt vor, kam vor und wird wahrscheinlich noch sehr lange weiter immer wieder vorkommen.
Wenn ich Diskurse so von außen betrachte, fällt mir manchmal auf, dass einige Leute scheinbar sehr extrem kategorisieren. Für diese menschen scheint es nur die beiden Kategorien "nur gut" und "nur böse" zu geben, und jemand der auch nur einen Hauch abweicht bzw. vereinzelt Blödsinn erzählt, ist sofort komplett unten durch. Und das Bemühen alles 100% richtig zu machen, trägt dann manchmal skurile Blüten:
Die Friday for Future Bewegung in Deutschland hat zu einer Veranstaltung eine Sängerin eingeladen (ich weiß jetzt nicht mehr welche). Im Bemühen wirklich makellos zu sein, haben sie die Sängerin dann wieder ausgeladen, weil diese rastalocken trägt, was ja auch als
kultrelle Aneignung betrachtet werden könnte und somit rassistisch. Der Wunsch gegen Rassismus vorzugehen und nicht-rassistisch zu handeln, ist dabei absolut richtig, aber hier komplett falsch umgesetzt. "Gut gemeint" ist das Gegenteil von "gut gemacht".
Ein jüngeres Beispiel ist, dass es Boykott-Aufrufe zu einem Computerspiel über Harry Potter bzw. Hogwarts gab, weil J. K. Rowling sich mal transfeindlich geäußert hat. Warum? Ich finde die fraglichen Aussagen von Rowling zwar auch nicht ok - sie hat zu Recht dafür Kritik geerntet - aber auch nicht so schlimm, dass jetzt ihr ganzes Schaffenswerk zum Tabu erklärt werden müsste, an dem eben nicht nur sie verdient sondern jetzt auch ziemlich viele Programmierer und Spiele-Entwickler.
Einige Menschen müssten meiner Ansicht nach lernen, dass es eben nicht nur ganz oder gar nicht gibt, und dass ein Mensch nicht sofort zum Feind wird, wenn es in vereinzelten Punkten Meinungsverschiedenheit gibt. Wenn wir es schaffen könnten, dass bei mehr Menschen Leute mit unterschiedlicher Ansicht in vereinzelten Punkten, nicht sofort total "verscheißen" (man verzeihe mir den ausdruck), wäre glaube ich schon einiges gewonnen.
Damit will ich nicht sagen, dass man nun alle anderen Menschen mit anderer Meinung so differenziert betrachten muss - natürlich kann man immernoch andere Leute "in Gänze" ablehnen. Es brauch bzw. sollte aber eben nicht sofort sein.