Grooti
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Das wollte ich noch durchkauen.
Wenn ich mich recht an Paul Watzlawick erinnere – ähnlich wie beim Ego-Tunnel von Metzinger und nicht zu vergessen den mystisch-okkulten "Kram" von Robert Wilson –, dann kann man die sogenannte Realität durchaus als „virtuell“ etikettieren.
Wir wissen letztlich nicht, was „real“ ist.
Ich zitiere kurz:
"Wie konstruiert sogar dieser materielle Körper ist, zeigt z.B. das berühmte Experiment der Gummihand-Illusion: Probanden sitzen an einem Tisch und blicken auf eine vor ihnen liegende, lebensechte Gummihand. Ihre richtige Hand halten sie hingegen versteckt unter der Tischplatte. Dann berührt der Experimentator sowohl das Imitat als auch die echte Hand simultan mit einem Pinsel. Die widersprüchliche Kombination aus visuell wahrgenommener und gefühlter Berührung erzeugt bei den Freiwilligen den Eindruck, die vor ihnen liegende Hand sei ihre eigene. Außerdem erleben sie einen vollständigen „virtuellen Arm“, das heißt eine durchgehende Verbindung von der Schulter bis zur Handattrappe. Es entsteht ein Gefühl der Meinigkeit. Die phänomenale Einbettung der Gummihand in unser bewusstes Selbstmodell ist das Ergebnis der genauen Korrelation zwischen den Inputs aus dem Tastsinn und dem Gesichtssinn. Weil das Gehirn die Gleichzeitigkeit der Sinnesreize entdeckt, bildet es ganz automatisch eine neue zusammenhängende Repräsentation. (Metzinger u.a."
Also, so entsteht gewissermaßen die mentale Repräsentation. Aber ob sie „real“ ist oder nicht, kann man am Ende nur vermuten.
Na ja, ich denke, du bist von Beruf Physiker – sicher bin ich mir nicht. Mit solidem Hinter-grund-wissen bestimmt. Tschuldigung. LG.
In unserem Modell der Wahrnehmung unterscheiden wir klar zwischen Realität und Wirklichkeit. Realität bezeichnet dabei das unveränderliche Fundament allen Seins – das, was niemals vergeht, keinen Verfallszeitpunkt hat und außerhalb jeder Erfahrung liegt. Wirklichkeit hingegen ist das, was im Bewusstseinsraum erscheint: relational, bedingt und temporär. Sie wirkt, verändert sich und entsteht durch die Interaktion von Erscheinungen, ist also immer ein dynamisches Phänomen.
Ein anschauliches Beispiel liefert die Gummihand-Illusion: Durch synchrones Berühren einer verdeckten eigenen Hand und einer sichtbaren Gummihand entsteht das Gefühl, dass die Gummihand zum eigenen Körper gehört. Dieses Erlebnis zeigt, dass Körpergefühl und Ich-Erleben keine festen Größen sind, sondern kontinuierlich im Bewusstsein konstruiert werden. Sobald die synchronen Reize wegfallen, verschwindet die Illusion ebenso schnell wieder – ein klarer Hinweis darauf, dass Wirklichkeit bedingungenabhängig ist.
Paul Watzlawick betont Ähnliches: Was wir als „real“ wahrnehmen, ist eine Konstruktion, geprägt durch Sinnzuschreibung und Kommunikation. Objektive Wahrheit ist nicht zugänglich; Wissenschaft liefert Modelle, die brauchbar, aber jederzeit veränderbar sind. In diesem Sinne ist alles, was wir erfahren, Teil der relationalen Wirklichkeit, während die Realität an sich außerhalb empirischer Beobachtung liegt.
Auch Thomas Metzinger beschreibt das Selbst radikal als Modell: Das Gefühl eines einheitlichen Subjekts ist eine „transparente Selbstsimulation“. Es gibt kein festes Ich jenseits dieser Konstruktion. Dies korrespondiert mit dem buddhistischen Prinzip der Leerheit (śūnyatā): Alle Phänomene, einschließlich Ich- und Körpergefühl, sind bedingt und leer von eigenständiger Substanz.
Fazit:
Wirklichkeit ist dynamisch, relational und bedingt, sichtbar nur unter bestimmten Bedingungen im Bewusstseinsraum.
Realität ist unveränderlich, grundlegend und jenseits der Erfahrung.
Das Ich und Körpererleben sind temporäre, selbstgenerierte Modelle des Bewusstseins, vergleichbar mit den Effekten der Gummihand-Illusion.
Unsere gesamte Erfahrungswelt ist konstruiert, das zugrundeliegende Bewusstsein bleibt dabei unverändert.
Alles, was wir als „wirklich“ empfinden, ist also ein dynamisches Wirklichkeitsmuster, abhängig von Bedingungen, während der unveränderliche Hintergrund (Realität) unberührt bleibt. Die entscheidende Frage „Was ist wirklich?“ wird so zu einem erkenntnistheoretischen Problem, das unsere Wahrnehmung, Konstruktion und Bedingtheit der Wirklichkeiten deutlich macht.