Wie ich es schon mal gesagt hab. Du benutzt einfach nur ein anderes Wort, als andere. Eines, womit deine Logik klar kommt. Denn inhaltlich wäre es jetzt das Gleiche, wie zu sagen, der Zeuge bezeugt nur, er bleibt völlig unberührt.
Der Spiegel bleibt völlig unberührt von dem, was sich in ihm spiegelt.
U.s.w.
Der Beobachter, verstanden als Zeuge, ist nicht die höchste Qualität, die es gibt. Seine Notwendigkeit besteht darin, dass die sinnlichen und kognitiven Fähigkeiten auf ”jemanden“ bezogen werden können, den ich als ”mich“ empfinde. Diese Beobachter-Funktionalität, um es mal so zu benennen, gewährleistet die Erfahrbarkeit von Sinneswahrnehmungen und kognitiven Denkprozessen. Er ist nicht die höchste Instanz des Bezeugens, sondern das unverzichtbare Hilfsmittel, das zu einer Erfahrbarkeit führt und erst damit ein Bezeugen ermöglicht. Doch er ist nicht meine wahre Natur.
Wie ich finde, lässt sich das an dem von mir gerne benutzten Spiegelbeispiel aufzeigen, welches besagt:
Wenn ich in einen Spiegel schaue, dann weiß ich, dass ich weder Derjenige bin, der im Spiegel zu sehen ist, noch Derjenige, der in den Spiegel hineinblickt.
Meine wahre Natur ist vielmehr das, was ermöglicht, dass es Jemanden gibt, der in den Spiegel schaut.
Hierbei wird deutlich, dass der primäre Punkt des Bezeugens nicht im Beobachter liegt, sondern in einer Distanzierung.
Was auch immer erfahren werden kann, es liegt immer ein Bezugsverhältnis von Beteiligten vor. Die Beteiligten sind dabei stets:
(1) der Beobachter (auf den die zu machende Erfahrung bezogen werden kann)
(2) die Fähigkeit des Beobachtens (=Aufmerksamkeit)
(3) das zu Beobachtende (=Objektivierung, Gedanken, Gefühle, das Wahrzunehmende)
Ein solches Bezugsverhältnis ist erst dann komplett bzw. kommt erst dann zustande, wenn das Vorhandensein der Beteiligten (1) und (3) zugleich bezeugt wird. Das heißt: Dazu gehört unverzichtbar das Bezeugen, dass es jemanden gibt, der in den Spiegel schaut. Das ist die sogenannte Selbstbeobachtung, die in Wahrheit jedoch keine ist.
Meine wahre Natur ist daher nicht die eines Bezeugenden, sondern Aufmerksamkeit, die das Vorhandensein eines Zeugen ermöglicht. Das ist ein enormer Unterschied.