Hallo Simi!
Wäre es Dir möglich, diesen entscheidenden Schritt zu präzisieren? Warum ist es notwendig, in das Reich der Schatten einzutreten? Was erwartet ihn dort? Und ist es nicht so, daß zugleich sich eine andere Dimension offenbart, die nicht zum Reich der Schatten zugehört?
Der Suchende sieht zuerst ein paar Schäbigkeiten seines Charakters, dann sieht er Gott, dann offenbart sich ihm seine Berufung, die immer darin besteht, der leidenden Menschheit zu eben dieser Offenbarung zu verhelfen- und genau damit scheitert er. Das ist der Lauf der Dinge.
Warum scheitert der von Gott Berufene? Er hat doch einen klaren Auftrag erhalten, dem geht er nach. Jaja- er hat einen klaren Auftrag erhalten, von Höchster Stelle- aber eine Sekunde nach Erteilung des Auftrags hat sich sein Ego eingemischt und den klar erteilten Auftrag in seinem Sinne verfälscht. Ich nenne das: die Wahrheit nehmen und eine Lüge draus basteln. Und ich kenne niemanden, der nicht genau das tut. Ausser ein Verwirklichter natürlich.
Was ist das für eine Lüge, die das Ego aus dem Berufungsauftrag bastelt? Es ist die Liebes-Lüge, wie immer. Der Drang nach Zweisamkeit, obwohl es ja um das Gegenteil geht: die Einheit. Das Ego will aus zwei eins machen, dazu sucht es die zwei- den anderen. Natürlich ist der andere vor allem anderen Geschlechts, schliesslich geht's ja um die Liebe. Darum entfalten Menschen, die den Standort Kraft/XI erreicht haben, einen solchen Missionseifer. Sie wollen unbedingt jemanden auf den Weg bringen, damit der sie dann dafür liebt. Dieser persönliche Liebeswunsch ist aber unbewusst- tatsächlich ist der Betreffende davon überzeugt, gemäss seinem Auftrag zu handeln und Gutes zu tun.
Natürlich klappt das nicht, was zunehmenden Frust mit sich bringt. Insgeheim beginnt er, sich über die 3er zu ärgern, während er äusserlich ihr Unwissen entschuldigt und ihnen möglichst liebevoll begegnet. "Wir sind doch alle eins.

" Wenn sich der Suchende seinen Frust eingesteht, dann bleibt er am Gehängten/XII hängen- er hängt buchstäblich in der Luft, weiss nicht mehr ein noch aus. Er hat einen Auftrag zu erfüllen, er weiss, nur dies bringt ihm wahres Glück- aber er vermag es nicht. Diese Stelle, dieses völlige in der Luft hängen, ist unerträglich, darum gelingt es den Wenigsten. Hier wird kapituliert- oder es geht zurück zu Kraft/XI, neuer Versuch. Mit vorprogrammiertem Scheitern- am Gehängten/XII kommt keiner vorbei. Wer hier wirklich absolut kapituliert, dem offenbart sich eine neue Art der Liebe: die, die unabhängig ist von einem zweiten.
Mit dieser Offenbarung begreift man, dass Liebe kein Gefühl ist, sondern ein Zustand des Sehens der Tatsache, dass die Dinge im Äusseren so sind, wie man sie dachte. Das Sehen und Erkennen des Zusammenhangs zwischen Denken und Materie an einem praktischen Beispiel des eigenen Lebens hat als Begleiterscheinung diese Art der Liebe im Gepäck. Ein anderer Mensch, der vor einem steht, ist auch genau so, wie man ihn zuvor dachte- er entspricht einem.
Die Offenbarung dieser Liebe gehört bereits zur nächsten Station: Tod/XIII. Denn gleichzeitig mit dieser Offenbarung von wahrer Liebe wird einem klar, dass alles, wirklich alles, was man vorher getan hat, nur einem Motiv zugrunde lag: Liebe, aber die falsche, nämlich eine Zweierkiste, zu suchen. Dieses Verhalten stirbt am Tod/XIII- und damit die ganze Welt. Alles, was man jemals in der Welt tat, tat man nur aus einem Grund: man wollte geliebt werden. Diese Art der Liebe hat sich aber nun als wertlos herausgestellt angesichts dessen, was Liebe wirklich ist, deshalb gibt man am Tod/XIII diese Suche auf. Und ist damit allein- und zwar völlig.
Es gibt am Tod/XIII nur eine Zuflucht: Gott. Denn der Wunsch nach der Zwei ist nicht gänzlich ausgerottet, unbewusst wirkt er weiterhin. Unbewusst fleht man Gott an, er möge jemanden schicken, der versteht, was man hier gerade durchmacht, allein, wie man ist. Jemanden, der auch die Welt hat sterben lassen, weil ihm die wahre Liebe das Wichtigste ist. Man weiss, Gott wird ihn schicken. Weil- in Wirklichkeit ist man es ja selbst. Man hat ja gesehen: was man denkt, verwirklicht sich. Man braucht also nur absolut ehrlich zu sein und wirklich alle Verhaltensweisen ablegen, die darauf abzielen, die falsche Liebe zu gewinnen.
Naja, das sagt sich so leicht. Tatsächlich hab' ich drei Monate gebraucht. Ich hatte nur die Karten als Wegbeschreibung, die nächste war die Mässigkeit/XIV, ich habe darauf vertraut. Auf mich und auf alles, was sich mir bis dato offenbart hatte. Während der drei Monate traf ich jemanden, der war wie ich am Tod/XIII, das war faszinierend, aber er hatte was an sich, das war widerlich, ich konnte ihn nicht ausstehen. Völlig unabhängig voneinander kamen wir zeitgleich zum Abschluss vom Tod/XIII, an der Mässigkeit/XIV erging der Befehl: "durch ihn zu mir", sagte Gott- der Typ war mein Seelenpartner.
Am Teufel/XV durfte ich mich dann wiederholt davon überzeugen, dass der Kerl wirklich so war, wie ich ihn mir zuvor am Tod/XIII unbewussterweise gedacht hatte. In allen Einzelheiten. Umgekehrt war es natürlich nicht anders: ich war genau so, wie er mich zuvor unbewussterweise gedacht hatte.
Natürlich wollte keiner von uns beiden diese Tatsache wahrhaben- Schuld war der andere, wer sonst?

Was für ein Gemetzel!
Der SP, der Gottbefohlene, ist die fleischgewordene Versuchung, eine Projektion des eigenen Schattens, dh der vielen unbewussten egoistischen Wünsche. An ihm und seinem Verhalten kann man genau ablesen, was man dachte und wünschte, er deckt alles auf. Das ist ein extrem schmerzhafter Prozess, man kann der Versuchung nur widerstehen, wenn man schaut, in welcher Angst sie begründet liegt. Und natürlich ist es wieder die Angst, nicht geliebt zu werden, was auch sonst. Diese Angst ist es, die das Herz verschliesst, es öffnet sich jedesmal völlig, wenn man erneut den Zusammenhang zwischen Denken und Geschehen erlebt und in der wahren Liebe badet.
Erst wenn Satan, der Versucher, sich wandelt zu Luzifer, dem Lichtbringer, dh wenn man das Licht sieht, kann man beginnen, den Turm/XVI zu bauen. Das Herz wurde entleert von Wünschen und Ängsten und ist jetzt rein und offenen- und nun kann man seiner Berufung nachgehen. Das tut man dann auch, der Turm/XVI ist ein Ruheplatz. Bis der Blitz einschlägt und ihn sprengt. Auf den Trümmern sitzend erkennt man, dass man auch das gedacht hat.
Dann wird's richtig schwierig- weil man erkennt, dass zwar alles so geschieht, wie man es denkt, man kann sein Denken aber nicht steuern, es ist unwillkürlich. Man kann aber auch nicht nicht-denken. Was soll man tun? Kapitulieren, lach. Diese Kapitualtion ist gleichbedeutend mit Erleuchtung Stufe 1 oder der Stern/XVII- der Offenbarung, dass dem Denken Schöpferpotential innewohnt. "Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott."- und ich hab's gesprochen, das wurde mir offenbar.
Jokkmokk schrieb:
Simi hat zweifellos etwas sagen. Gleichwohl irrt sie, wie jeder Mensch.
Natürlich, das sag' ich doch immer. Wäre ich ohne Irrtum, wäre ich ein 7er.
Auf der 2. Hälfte der 4. Stufe wird der Schatten integriert, auf der 5. Stufe Anima und Animus- an dem Thema bin ich gerade dran und da bin ich doch tatsächlich einem Irrtum erlegen. Diesen Irrtum hab' ich hier im Forum als Wahrheit dargestellt, aber den stelle ich ein anderes Mal klar.
Jokkmokk schrieb:
Das ist es, was Entwicklung kennzeichnet: ein Mosaikspiel - doch das Bild wird sich niemals vervollständigen, denn der Geist kann die unendliche Intelligenz nicht umfassen, schon garnicht sprachlich.
Falsche Haltung, Jokkmokk. Solchen Aussagen zeigen, wie ernsthaft du bist.
Wenn ich jemals gedacht hätte, dass sich das Mosaik nicht zusammensetzen lässt, dann hätte ich gar nicht begonnen.
Jokkmokk schrieb:
Was ist denn das Nicht-Ich? Kann Nicht-Ich benannt werden?
*schmunzel*
Benannt werden kann überhaupt nur das Nicht-Ich. Oder anders gesagt: alles Nennbare bin nicht Ich. Dahin geht die Reise nämlich: ins Nichts. In das Unaussprechliche, das Nicht-Nennbare, das ist das Ich. Gott. Realität. Der Entwicklungsweg ist im Grunde eine Negierung: zuerst begreift man, dass man nicht seine Angst ist, dann, dass man nicht das Denken ist. Das Fühlen ist man auch nicht. Und zum Schluss wird man gewahr, dass man sich auch in der Adresse des Körpers geirrt hat- der ist ein bisschen grösser, als man glaubte, lach.
