Das ewige Persien

So ist es auch, wenn man andere Länder bereist. Mit einer organisierten Reisegruppe oder -tour sieht man halt die tollen Sehenswürdigkeiten, aber man wird nie die Atmosphäre des Landes kennenlernen. Das ist das Tolle, dass ich durch meinen Mann ganz andere Seiten des Landes gesehen habe, obwohl für ihn der Iran der Islamischen Republik auch völlig fremd ist, er hatte Iran 1980 verlassen und hat diese Entwicklung dadurch nur am Rande mitbekommen. Für ihn ist das auf jeden Fall nicht mehr das Land, dass er kennt und dort würde er unter keinen Umständen mehr leben wollen!
Wie ist das für ihn? Hat er eine Heimat verloren? Und eine andere gewonnen? Kann die neue Heimat die ersetzen, in der er einmal verwurzelt war?
Viele Fragen, entschuldige bitte. Ich frag das für viele hier lebende Menschen, die ihre Kindheit/Jugend in anderen Kulturen verbracht haben. Will Dir oder Deinem Mann nicht zu nahe treten.....
 
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Wie ist das für ihn? Hat er eine Heimat verloren? Und eine andere gewonnen? Kann die neue Heimat die ersetzen, in der er einmal verwurzelt war?
Viele Fragen, entschuldige bitte. Ich frag das für viele hier lebende Menschen, die ihre Kindheit/Jugend in anderen Kulturen verbracht haben. Will Dir oder Deinem Mann nicht zu nahe treten.....

Alles gut, Du trittst mir oder meinem Mann nicht zu nahe!:umarmen:

Ich denke schon, dass er eine Heimat verloren hat. Und leider hat er hier nicht wirklich eine neue Heimat gewonnen. Es war sehr schwer hier für ihn, auch durch den latenten Rassismus, gegen den man im Studium oder im Berufsleben ankämpfen muss. Was er hier sehr schätzt, ist die Freiheit und dass man hier nicht über den Tisch gezogen wurde (das ist leider inzwischen nicht mehr so, inzwischen kann man schon eher oder öfter reingelegt werden).
Es ist auch noch für meinen Sohn schwer mit dem Rassismus, es gibt da immer wieder bestimmte Fragen oder Verhaltensweisen, die da bei Menschen aus anderen Kulturkreisen oder bei Kindern aus binationalen Ehen auf Empfindlichkeiten stoßen. Das ist etwas, was viele nicht nachvollziehen können, die so etwas nicht erleben oder meinen, dass das doch nicht so schlimm sein kann.
Allgemein muss man sich doppelt oder dreifach anstrengen, um Anerkennung oder Akzeptanz zu finden, als es ein Einheimischer müsste.
 
Aber ansonsten weißt Du schon, dass im Gegensatz zu Saudi-Arabien Frauen im Iran studieren, ihren Berufen nachgehen und selber Auto fahren? Da gibt es keine Einschränkungen. Das heißt natürlich nicht, dass es im Iran super für Frauen ist, aber es gibt ja bekanntlich Länder, in denen es (noch) schlimmer ist!
Interessant, ich hatte ein Gespräch mit einer jungen, aus Afghanistan geflüchteten Frau, die seit 2024 in Deutschland lebt.

Sie sagte auch, dass es im Iran trotz allem weit freier zugeht, als in Afghanistan, seit die Taliban wieder zurück an die Macht gekommen sind. Sie konnte vorher noch in Kabul ihr Abitur machen, dort studieren, musste sich nicht verhüllen. Das hat sich natürlich massiv mit Rückkehr der Taliban geändert. Die Frauen dürfen nicht alleine das Haus verlassen, nichts ohne männliche Begleitung machen, die Sittenpolizei ist ständig unterwegs und die Kleidung wird kontrolliert, wehe, wenn da etwas abweicht oder Haare sichtbar sind. Verhaftungen und Inhaftierungen folgen, mit sexualisierter Gewalt etc.

Es gibt nichts zu tun, außer zuhause zu bleiben und zu warten, dass die Zeit herum geht.

Wir haben auch viel über den Islam gesprochen, ich konnte ihr sogar etwas zum Sufismus zeigen, bei Rumi sind wir dann hängen geblieben. 💖
 
Alles gut, Du trittst mir oder meinem Mann nicht zu nahe!:umarmen:

Ich denke schon, dass er eine Heimat verloren hat. Und leider hat er hier nicht wirklich eine neue Heimat gewonnen. Es war sehr schwer hier für ihn, auch durch den latenten Rassismus, gegen den man im Studium oder im Berufsleben ankämpfen muss. Was er hier sehr schätzt, ist die Freiheit und dass man hier nicht über den Tisch gezogen wurde (das ist leider inzwischen nicht mehr so, inzwischen kann man schon eher oder öfter reingelegt werden).
Es ist auch noch für meinen Sohn schwer mit dem Rassismus, es gibt da immer wieder bestimmte Fragen oder Verhaltensweisen, die da bei Menschen aus anderen Kulturkreisen oder bei Kindern aus binationalen Ehen auf Empfindlichkeiten stoßen. Das ist etwas, was viele nicht nachvollziehen können, die so etwas nicht erleben oder meinen, dass das doch nicht so schlimm sein kann.
Allgemein muss man sich doppelt oder dreifach anstrengen, um Anerkennung oder Akzeptanz zu finden, als es ein Einheimischer müsste.
Ist wohl der Zeitgeist!?
Vielleicht war das vor 1-2 Jahrzehnten besser!?
Bin aber nicht involviert, so das ich dies mit Sicherheit behaupten kann - nur so ein Gefühl...


Aber sorry - ein OT, ansonsten kann ich nicht wirklich was beitragen zum Threadthema.

Den " Medicus" habe ich natürlich gesehen -
und ich weiß wohl um die Bedeutung dieser Kultur für die Entwicklung des Abendland (ansonsten hätten wir wohl fast bei Null anfangen müssen!?)
Ich glaube die mittelalterliche Kloster- Medizin fußt auch auf das,
was die persische Kultur bewahrt hat!?
 
Zuletzt bearbeitet:
Ist wohl der Zeitgeist!?
Vielleicht war das vor 1-2 Jahrzehnten besser!?
Bin aber nicht involviert, so das ich dies mit Sicherheit behaupten kann - nur so ein Gefühl...


Aber sorry - ein OT, ansonsten kann ich nicht wirklich was beitragen zum Threadthema.

Den " Medicus" habe ich natürlich gesehen -
und ich weiß wohl um die Bedeutung dieser Kultur für die Entwicklung des Abendland (ansonsten hätten wir wohl fast bei Null anfangen müssen!?
Ich glaube die mittelalterliche Kloster- Medizin fußt auch auf das,
was die persische Kultur bewahrt hat!?


Nein, mein Mann ist schon seit 1980 in Deutschland. Die Einstellung der Leute hat sich hier nicht so sehr geändert, es wird jetzt nur offener gezeigt!

Ich glaube, es hat wohl schon bis ins späte Mittelalter gedauert oder war sogar noch später, bis das, was Avicenna und andere orientalische Wissenschaftler von den alten Griechen weiterentwickelt und an Schriften in die Neuzeit rüber gerettet haben, von westlichen Gebildeten aufgegriffen wurde. Leute wie Thomas von Aquin hatten wohl antike Schriften als heidnisch verboten und die wären dann wahrscheinlich ohne den Orient völlig in Vergessenheit geraten. Ich kann jetzt nicht genau sagen, ob in den Klöstern während des Mittelalters da bessere Bedingungen für Studienzwecke im medizinischen Bereich war. Da waren wohl Leute wie Hildegard von Bingen auch eher Ausnahmen, obwohl Klöster die einzigen Orte im Mittelalter waren, in denen man sich überhaupt bilden konnte.:)
 
Alles gut, Du trittst mir oder meinem Mann nicht zu nahe!:umarmen:
😘
Ich denke schon, dass er eine Heimat verloren hat. Und leider hat er hier nicht wirklich eine neue Heimat gewonnen.
Das hatte ich vermutet.....
Es war sehr schwer hier für ihn, auch durch den latenten Rassismus, gegen den man im Studium oder im Berufsleben ankämpfen muss.
Auf den Rassismus hätte ich selber auch kommen können 😢
Was er hier sehr schätzt, ist die Freiheit und dass man hier nicht über den Tisch gezogen wurde (das ist leider inzwischen nicht mehr so, inzwischen kann man schon eher oder öfter reingelegt werden).
In wieder? Hängt auch das mit der Herkunft zusammen?
Es ist auch noch für meinen Sohn schwer mit dem Rassismus, es gibt da immer wieder bestimmte Fragen oder Verhaltensweisen, die da bei Menschen aus anderen Kulturkreisen oder bei Kindern aus binationalen Ehen auf Empfindlichkeiten stoßen.
☹️
Das ist etwas, was viele nicht nachvollziehen können, die so etwas nicht erleben oder meinen, dass das doch nicht so schlimm sein kann.
Doch, es ist schlimm.
Allgemein muss man sich doppelt oder dreifach anstrengen, um Anerkennung oder Akzeptanz zu finden, als es ein Einheimischer müsste.
Ja, struktureller Rassismus. Es ist schlimm....

Ihr werdet gute Freunde haben, stelle ich mir vor, die das vielleicht einigermaßen ausgleichen......

Ich wünsche Euch im Augenblick, dass Ihr Nachrichten von seiner/Eurer Familie aus dem Iran bekommen könnt, wenigstens ab und zu.
🫂🫶🫂
 
😘

Das hatte ich vermutet.....

Auf den Rassismus hätte ich selber auch kommen können 😢

In wieder? Hängt auch das mit der Herkunft zusammen?

☹️

Doch, es ist schlimm.

Ja, struktureller Rassismus. Es ist schlimm....

Ihr werdet gute Freunde haben, stelle ich mir vor, die das vielleicht einigermaßen ausgleichen......

Ich wünsche Euch im Augenblick, dass Ihr Nachrichten von seiner/Eurer Familie aus dem Iran bekommen könnt, wenigstens ab und zu.
🫂🫶🫂


Ich schreibe jetzt nur kurz etwas zu dem Reinlegen, dann sollten wir das Off-Topic lassen;) :kiss4:

Nein, das bezieht sich nicht auf seine Herkunft, sondern dass sich in Deutschland scheinbar in der Hinsicht, dass man wirklich gute Qualität oder Leistung, wofür Deutschland bekannt war/ist, nicht mehr wirklich finden kann, da z.B. viele Firmen ihre Standorte ins Ausland verlegt hatten, um billiger herstellen zu können, was dann die Qualität und den Standard nicht hält, obwohl man als Kunde nicht weniger bezahlt. Und damit kann man sich darauf nicht mehr verlassen und solche Verhaltensweisen kennt mein Mann eher aus dem Iran. Wenn man dort anfangs mit einem guten Produkt oder gutem Essen Kunden anlocken kann und dies auch zahlreich, lässt man danach in seiner Qualität nach, in der Hoffnung, dass der Kunde so blöd ist und es nicht merkt. Sowas in der Art, wenn Du verstehst, was ich meine.:)
 
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Interessant, ich hatte ein Gespräch mit einer jungen, aus Afghanistan geflüchteten Frau, die seit 2024 in Deutschland lebt.

Sie sagte auch, dass es im Iran trotz allem weit freier zugeht, als in Afghanistan, seit die Taliban wieder zurück an die Macht gekommen sind. Sie konnte vorher noch in Kabul ihr Abitur machen, dort studieren, musste sich nicht verhüllen. Das hat sich natürlich massiv mit Rückkehr der Taliban geändert. Die Frauen dürfen nicht alleine das Haus verlassen, nichts ohne männliche Begleitung machen, die Sittenpolizei ist ständig unterwegs und die Kleidung wird kontrolliert, wehe, wenn da etwas abweicht oder Haare sichtbar sind. Verhaftungen und Inhaftierungen folgen, mit sexualisierter Gewalt etc.

Es gibt nichts zu tun, außer zuhause zu bleiben und zu warten, dass die Zeit herum geht.

Wir haben auch viel über den Islam gesprochen, ich konnte ihr sogar etwas zum Sufismus zeigen, bei Rumi sind wir dann hängen geblieben. 💖


Ja, Afghanistan ist nochmal ein anderes Kaliber für Frauen, richtig schlimm! Und die Afghaner sind im Iran auch keine gern gesehenen Gäste, was mir sehr leid tut, denn es ist für Afghaner eigentlich am einfachsten, als Flüchtlinge nach Iran zu gehen, da die Sprache dieselbe ist. Also es gibt natürlich Unterschiede in der Aussprache und manche Worte werden auch anders verwendet, vergleichbar mit Deutsch und Österreichisch. Es gibt natürlich auch noch andere Sprachen in Afghanistan, die dem Persischen nicht ähnlich sind, das ist im Iran aber auch so.

Kannte die junge Frau Rumi nicht?*staun*
 
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