Es geht bei dieser Frage ja zum großen Teil um Kommunikation. Und während einer Krise zählen auch nicht nur Ergebnisse und was schon bewiesen werden kann, denn man muss ja mit einer bereits laufenden Dynamik umgehen und darauf reagieren bevor man sie voll versteht. Daher dürfen natürlich auch Meinungen eine Rolle spielen. Ich habe nichts dagegen wenn z.B. Drosten spekuliert oder Streeck usw. Es ist nur wichtig, dass Wissenschaftler eben mit dazu erklären, dass das was sie sagen nur eine Möglichkeit ist die sie aktuell für wahrscheinlich halten aber noch nicht bewiesen usw. Und die machen das in aller Regel auch.
Und wenn man sich den perfekten Wissenschaftler vorstellt, eine Art Ideal, dann würde ich folgende Punkte aufzählen:
1) Absolute Priorität auf die Frage "was ist wahr?"
2) Kompetenz
3) Transparenz
4) Aufrichtigkeit
Sobald Wissenschaftler, z.B. durch Gedanken an finanzielle Förderung, nicht mehr transparent sein können oder bestimmte Hypothesen beweisen oder widerlegen wollen, verliert Wissenschaft sowohl an Wert und dann auch schnell an Glaubwürdigkeit.
Wenn es um die Laborhypothese geht, und vielleicht nicht nur da, wurde unwissenschaftlich kommuniziert und vielleicht auch unwissenschaftlich gearbeitet. Und damit haben sich nicht nur die Personen selbst angreifbar gemacht und ihrer persönlichen Reputation Schaden zugefügt, sondern der Wissenschaft insgesamt. Ich halte das für wirklich schwerwiegend.
Nebenbei: Es wurde in diesem Thread immer mal wieder behauptet, Drosten habe nur diesen einen offenen Brief betreffend die Labor-Theorie als Verschwörungstheorie bezeichnet und somit einfach ausgeschlossen. Das stimmt nicht. Er hat dasselbe auch am 12. Mai 2020 im Podcast getan. Ich kann das nicht herauskopieren, aber:
1) Er spricht über neue Erkenntnisse zur Furinspaltstelle
2) Er sagt "Da kommen wir in diesen Verschwörungsbereich rein, in den Laborursprung"
3) Dann erklärt er, warum die Furinspaltstelle kein Beweis für Labor sei sondern auch natürlichen Ursprungs sein könnte
4) Er beschließt seine Vortrag dann damit, dass er sagt die Labortheorie sei damit "vom Tisch".
Quelle:
https://www.ndr.de/nachrichten/info/coronaskript194.pdf
Und das ist eine ziemlich verrückte Logik und vollkommen unwissenschaftlich. Es ist das eine zu sagen, dass ein bestimmtes Indiz kein Beweis für eine bestimmte Hypothese ist oder sein muss. Er aber dreht das sofort um. Die Tatsache, dass die Furinspaltstelle kein Beweis ist führt ihn zur Schlussfolgerung die gesamte Hypothese sei damit vom Tisch. Und wieder benutzt er den Begriff "Verschwörung(...)".
Mein Respekt vor Drosten ist echt gefallen....