Welche zwei Seiten? Nicht alles ist rein Licht?
Es gibt den Baum des Lebens und den Baum der Erkenntnis , und beide sind in der Wurzel verbunden.
Gottes Wort ist geschrieben in Buchstaben. Diese bilden Wörter und diese verbinden sich zu Sätzen, diese zu Sinneinheiten, Geschichten.
Diese Sätze und Geschichten in der Bibel haben nun eine äußere, wörtliche Seite, die linear ist. Dort gibt es keine Sprünge, es ist räumlich, zeitlich, historisch, buchstäblich eben.
Aber in den Buchstaben, Wörtern und Sätzen gibt es ja auch eine verborgene Seite, die sich nicht so leicht offenbart. Darum ist sie heilige Schrift, weil sie ganz ist, weil sie Gott hier in der Welt erscheinen lässt.
Der Körper, der Buchstabe, das Zeichen, und darin verborgen die Botschaft.
Das Wort ist die Arche (Arche hebräisch= teba, Wort), die das Göttliche bewahrt, transportiert durch die Fluten der Zeit, die alles verschlingen.
Und so ist die ganze Schöpfung sowohl Zeichen als auch Verborgenes, Göttliches, das sich im Zeichen und Wort ausdrückt.
Du meinst das im Sinne von "laßt die Toten die Toten begraben"? Wenn ja, hätte ich Zweifel, ob das zusammenpasst. Damit sehe ich Menschen gemeint, die dem Weltlichen mehr folgen als dem lebendigen Geist. Also z.B. viel Wert auf gewohnte Rituale legen, auch wenn der Geist ruft.
Das ist doch sinngemäß das, was ich schrieb. Die Toten sind die, die nur die endliche Seite sehen oder sehen wollen, das ewige Leben ist ihnen fremd.
Wer nun einen Menschen nicht als ewige göttliche Seele sieht, als Kind Gottes, der tötet ihn in dem Sinne, als er ihm die Ewigkeit abspricht, ihn beraubt seiner göttlichen Herkunft, des ewigen Lebens.
So verstehe ich auch das Wort: Du wirst nicht töten. Neben der wörtlichen Ebene, dass ich kein biologisches Leben nehmen werde, wenn ich erwacht bin, so werde ich auch niemanden als endliches Wesen sehen, sondern immer als ewige göttliche Seele.
Das meinst du als Gegenpol zur zitierten Bibelstelle, in der meiner Meinung nach gemeint ist, daß weltliche Menschen sich von denjenigen trennen und distanzieren, sie anfeinden, die zuerst dem Geist, dem Leben aus Gott folgen?
Nein, das bezog sich eigentlich nicht auf die Stelle. Aber in gewisser Weise tut sie es doch.
Alles, was in der Bibel steht, ist für mich vor allem etwas, was im Menschen geschieht. Sie erzählt vom Menschen und seiner Beziehung zu Gott.
Diese Geschichten finden also zuerst mal in mir selbst statt. Es gibt in mir selbst Kämpfe und Anfeindungen. Die Begegnung mit Jesus bringt zuerst mal nicht den inneren Frieden, denn er stellt alles infrage, was wir hier als Erdenbürger so lernen oder gelehrt werden. Die Welt, in der wir leben (das Erscheinende, Weltliche, Mater-ielle ist in der Bibel das Weibliche, die Frauen und Töchter sind Ausdruck dieser Anteile von uns), lässt uns das Ewige oft vergessen. Daher ist es ratsam, sich immer wieder aus Einseitigkeiten rauszuholen, sich nicht in der Zeit zu verlieren.
Sie ist für den Weg? Mit Freunde meinst du Freude an weltlichen Dingen?
Die Frage ist, was du unter weltlichen Dingen verstehst?
Und was du unter Freude verstehst?
Das Wort Juda hat mit Freude zu tun. Ein Jude ist aus dem Hebräischen übersetzt jemand, der Gott lobt, der Freude im Herzen trägt. Freude ist also sinngleich mit Lob Gottes.
Wenn ich Freude an etwas habe, dann geschieht das dort, wo meine Seele Gott in der Schöpfung erkennt, wo das Leben in diesem Geiste gelebt wird. Dann erfüllt mich der Gesang eines Vogels mit Freude, wie auch der Geschmack des guten Brotes auf meinem Teller oder ein Gespräch mit einem Freund oder eine unverhoffte Begegnung oder die Geburt eines Kindes oder eine lauer Wind am Abend, der in der Blättern flüstert.
Diese Schöpfung macht den Weg möglich. Wir sind gefallen, verloren unser Lichtkleid, und haben hier im Fleisch auf der tiefen materiellen Ebene die Möglichkeit über die Entwicklung und Vielheit, den Baum der Erkenntnis, den wir wählten, den Weg zu Gott zurück zu finden.
Dieser Weg, der einerseits Fall und Entfernung von Gott ist, ist gleichzeitig die Möglichkeit, aus freiem Willen zu Gott heimzukehren.
Es gibt im Jüdischen den Spruch: "Warum gibt es den Weg, warum all das? - Weil das Heimkommen so überaus schön ist."