aus der Liebe

Bis zum sechsten Lebensjahr wurde ich zwei mal aus einer liebevollen Norm gerissen. Die zweite war noch schlimmer als die erste. Wie ich von meinen Großeltern radikal entrissen wurde und von meinen Eltern wieder nach Wien gebracht wurde, war schon alles zu spät. Ich konnte mit 4 1/2 jahren kein Wort Deutsch, versteckte mich wochenlang unterm Esstisch und sprach eine sprache die niemand verstand, es war weder deutsch noch jugo. Schon als Kind wollte ich sterben, nicht bewusst, aber saß am äusseren Fensterbrett im 3ten Stock. Zufällig kam meine Mutter von der Arbeit, sie wusste wenn sie jetzt schreit fliege ich. Ich war nicht mehr zu bändigen, egal ob Gürtel, kochlöffel, holzschlapfen, fußtritte oder die Flache Hand, nichts konnte mir mehr eine Norm beibringen. Ich habe eine eigene Norm für mich gefunden und in diese möchte ich für mich anwenden. Sie ist besser als die Standart kollektive Norm, sie ist individuell auf mich zugeschnitten. Tut echt gut darüber zu schreiben. Hm......
Schreib hier herein, was du möchtest. Es ist alles in Ordnung so. Man kann vieles nicht rückgängig machen. Man muss lernen damit zu leben. Der Umgang ist sehr schmerzhaft, aber die Kraft hast du ja. Das weißt du ja auch ;)
 
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Damals war es die Hölle, heute hat es mich dort hin geführt wo ich mich gerade befinde. Ich würde auch nie die Zeit zurück drehen wollen damit es eine andere Wende nimmt. Ohne dem ganzen Packet hätte ich wahrscheinlich nie die tiefe in Erfahrung bringen können. Mich würde interessieren was ich wochenlang versteckt unterm Tisch geredet habe, mein Gefühl sagt mir das ich nach Hause wollte, meine Mutter sagt es war ein Wort mit G, doch das hat niemand verstanden. Schwer zu glauben wenn ich sage dieser ganze Weg hat sein müssen. Deshalb habe ich schon eine Norm für mich zugeschnitten, mit ihr funktioniere ich für mich und alle Lebewesen unserer Umwelt. Finde das gerade ur Interessant mich selber zu lesen, habe diesen Teil meines Lebens noch nie ausgearbeitet. @SunnyAfternoon Danke das du deine Erfahrun mit mir teilst. Ich find sowas wunderschön. :kuesse::kiss3:
Weißt Du, gerade wenn eigene Eltern Kindern Gewalt antun, ist es ganz besonders schwer, als Kind das zu verstehen und/oder zu verzeihen, weil das Urvertrauen zerstört wird, mit dem jedes Kind in diese Welt geht.

Aber vielleicht kannst Du besser damit umgehen, wenn Du Dir vergegenwärtigst, dass auch Deine Mutter ein Produkt ihrer eigenen Geschichte, ihrer Ängste, ihrer Hilflosigkeit, eingebettet in ihrem Familiensystem ist und war und manchmal nicht anders handeln konnte, selbst wenn sie es gewollt hätte.

Das heißt nicht, alles vergeben und verzeihen, aber vielleicht verstehen!

Ich habe es auf diese Weise leichter verschmerzen können, weil ich heute weiß, dass diese Menschen, die uns brutal misshandelt hatten, selbst Gefangene ihrer Geschichte waren. Sadistische "Aufseher", Relikte aus der Nazizeit, die nichts anderes kannten als Krieg und Gewalt und keinen anderen Weg kannten, als uns Kinder mit Gewalt zur Raison zu bringen und uns ERziehung beizubringen.
Sie kannten es nicht anders und konnten es nicht anders.....
 
Lieber @revilO !
Sich etwas von der Seele schreiben hilft oft mehr, als darüber zu sprechen, weil man da ganz bei sich bleibt. Ich spreche aus eigener Erfahrung.
Ich war lange in Therapie, aber wenn ich meinen Kummer zu Papier gebracht habe, hat mich das oft ein Stückchen weitergebracht.
Und gerade dieser dein Thread eignet sich ganz besonders dafür, weil hier kaum blöd dazwischengefunkt wird.
Du bist auf einem guten Weg, warum auch immer, und das wird so bleiben, auch wenn du von Zeit zu Zeit in alte Muster fallen wirst, so wie wir alle, denn das gehört zum Menschsein dazu. Alles andere wäre mir eh suspekt.;)
 
Schreib hier herein, was du möchtest. Es ist alles in Ordnung so. Man kann vieles nicht rückgängig machen. Man muss lernen damit zu leben. Der Umgang ist sehr schmerzhaft, aber die Kraft hast du ja. Das weißt du ja auch ;)
Ja, werde mit bedacht schreiben.
Jo die Kraft ist da, ich zapfe nicht unerlaubt andere Lebewesen an, oft wurde ich angezapft.
Woher diese Energie kommt soll ein Rätsel bleiben, sie ist sehr tief und versteckt.
Und wenn ich von anderen Lebewesen Energie erhalte dann nur weil ich sie mir verdiene und sie es mir gerne, wie freiwillig geben, wie durch Zeichnungen und bestimmte tiefgreifende Handlungen. :)
 
In erster Linie geht es hier nicht um Mitleid, für das war dieses NichtsSein im Forum und hat seine Lebensgeschichte geschrieben, aber zu der Zeit brauchte ich den Mitleid
In zweiter Linie ist das nicht so eine Dramaturgie, auch wenn der Gürtel mein bester Freund war, ich habe Menschen kennen gelernt die weitaus schlimmere Erfahrungen machen durften, sie hängen heute noch in dieser Schleife.

Das war eine sehr wichtige Sache mit meiner Mutter, sie hörte damit auf als ich mit ca. 12 Jahren das letzte mal die Schläge meiner jüngeren Schwester im Gesicht zählte, ich drehte beim 16 Klatscher durch, iwann stand das Jugendamt durch mich vor der Tür und alles änderte sich schlagartig in ihr, aber ich nicht, mein Prozess zog sich noch über Jahre hinweg.

Ich bin nicht mehr im Prozess, doch die Prägung durch diese Erfahrung bleibt mir bis zum ableben
Es gab mit Anfang 20 eine Zeit wo ich mir eine Woche lang in meinem Kinderzimmer Vodka hineinschüttete, ich wartete nur auf sie, den Auslöser.
Als die Bombe explodierte weil sie es nicht verstand machte ich ihr klar was sie angerichtet hat.
Sie zerbrach in tausend Teile, ihr wurde das erste mal im Leben bewusst was sie durch ihre Handlungen angerichtet hat.
Sie bat um tiefste Vergebung, sie sah ihre Fehler ein und das war mein erster Schritt mir selber zu verzeihen und ihr automatisch, sie hatte Einsicht gezeigt.
Meine Mutter ist eine liebevolle Seele, sie wusste es damals nicht besser, hatte genauso ihre Prägung aus ihrer Kindheit.
Ich konnte ihr verzeihen, doch ich hing noch weitere Jahre in dieser Schleife.
Irgendwann fing ich an meine Fehler zurück zu verfolgen, dann fand ich mich bei meinen Eltern und deren Eltern und deren Eltern.

Ich bekam irgendwann das generationsübergreifende Ausmaß mit, bei meinen Urahnen hörte ich auf und fing an im System Fehler zu suchen.
Heute gebe ich niemanden die Schuld, Schuldzuweisung hat für mich kein Gewicht in der Erkenntnis, doch ich fand in unserem System viele Fehler vor.
Damals beschuldigte ich unser System, doch es half nichts, das einzige das geholfen hat, ist, sich selber zu verändern, nur durch uns können wir diesen Kreislauf der Gewalt beenden.

So wurden auch meine zwei wunderbaren Söhne, nicht von der Prägung verschont, doch sie durchliefen diesen Gewaltakt nicht mehr.

Ich sah früher in meiner Mutter und meinem Vater immer nur die Täter, doch das führte zu nichts, es förderte nur meinen Hass.
Als ich in den Tätern die Opfer erkannte, konnte ich an mir weiter arbeiten.
Sie waren keine absichtlichen Täter, sie waren Opfer generationsübergreifender Erziehung.

Meine Mutter ist ein wundervoller Mensch, erst durch sie kann ich da sein wo ich mich gerade in diesem Moment befinde, das ich so darüber schreibe und versuche halbwegs Sachlich zu bleiben.
Ich kann Menschen nicht aus ihren hamsterrädern befreien, doch ich kann ihnen Hoffnung mitgeben, Energie, damit sie sich selber davon befreien.

Ja @*Eva* schreiben hat viel Energie, ich habe auch 2 1/2 Jahre Therapie Erfahrung.
Obwohl ich nicht gegen Gesprächstherapie abgeneigt bin und es viel hilft, indem einfach ein Mensch der nicht Involviert ist zuhört und die Objektivität im Überblick behält, finde ich das dass schreiben die beste Therapie ist und ich liebe sie.

Nach meinem kalten Entzug wurde ich ein paar Wochen drauf weggesperrt, ich habe 280 Seiten geschrieben und ich schrieb in zweiter Form zu mir selber.
Irgendwas schaltete mein Hirn aus und fing an mir selber Texte zu schreiben, dieses gewisse etwas "ich" erklärte mir alles, in Bezug zu meinen Eltern und mir, es erklärte mir das ganze Ausmaß, ich habe alle Seiten noch bei meiner Mutter.
Es schrieb wie ein Arzt und erklärte mir alles was für mich wichtig war, es dauerte noch weiter sieben Jahre, doch dieses gewisse etwas war mein Grundstein, ich baute auf das was ich mir selber geschrieben habe alles auf.

Und so bin ich heute bei euch, wie ich bin und was ich bin.
Ich bin sehr froh darüber. :)
Wie mein allerliebster Tolkin sagte; im kreise besonderer Menschen.

LG Oli
 
Ja, werde mit bedacht schreiben.
Jo die Kraft ist da, ich zapfe nicht unerlaubt andere Lebewesen an, oft wurde ich angezapft.
Woher diese Energie kommt soll ein Rätsel bleiben, sie ist sehr tief und versteckt.
Und wenn ich von anderen Lebewesen Energie erhalte dann nur weil ich sie mir verdiene und sie es mir gerne, wie freiwillig geben, wie durch Zeichnungen und bestimmte tiefgreifende Handlungen. :)
Gepetto ;)
 
Und schon wieder hat sich eine Junge, Liebe und nette Seele ins Jenseits geschossen.
Hm.....war schon drei Jahre Clean, aber dürfte psychisch wie physisch mit der Nüchternheit nicht klar gekommen sein.
Shice!
Schade, aber ja man kann sich nicht Leben erwarten wenn man sich den Tod in die Venen drückt.
Er wurde 30 Jahre alt, er war einer der Jüngsten Drogenabhängigen bei uns im Bau.
Er zog sich das Gift schon mit 12 Jahren rein, er wurde durch seinen Vater abhängig, er schickte ihn schon als Kind Drogen aufstellen.
Könnte sogar sein das ihm sein Vater mit 12 Jahren den ersten Schuss verabreicht hat, vielleicht war es auch mit 14, macht schon keinen Unterschied.
Hm....Generationsübergreifende Erziehung ? hm......was ist mit den Menschen nur los?

In Gedenken an Sascha Z. ruhe in frieden gute Seele, da wo du jetzt bist, bist du besser aufgehoben als in dieser Drogenspirale.
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Realität in unserem Bau, unserer Umwelt, ist ein hartes Pflaster.

Entweder schafft man es,
oder man tretet sehr früh seine Heimreise an.
Und wenn man nicht das Glück auf die Heimreise hat,
dann verweilt man bis dahin in einem desolaten und zutiefst destruktiven Zustand.
 
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Realität in unserem Bau, unserer Umwelt, ist ein hartes Pflaster.

Entweder schafft man es,
oder man tretet sehr früh seine Heimreise an.
Und wenn man nicht das Glück auf die Heimreise hat,
dann verweilt man bis dahin in einem desolaten und zutiefst destruktiven Zustand.
Das tut mir leid, Oli.
 
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