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mdelajo
Guest
Angel66 schrieb:Auch ich bin der Meinung, dass als erstes die Industrie die Energie zurückdrehen muß....
? Du nicht? (Genau die Haltung, die ein globales Umdenken verhindert. "Ich aber nicht, mach du mal erst, dann vielleicht ich.")
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Nachdem in Nordamerika bereits erhöhte radioaktive Strahlungs-Werte gemessen wurden, wollte ich jetzt nochmal wissen, wie lange eigentlich Brennstäbe ohne Kühlung verbleiben können, bis sie dann schmelzen.
Vorab, sie liegen mehrere Jahre nach Aktivität im Abklingbecken und müssen dort permanent unter Wasser gehalten werden. Sollte ein Reaktor abgeschaltet werden, per Hand oder per Notabschaltsystem, so kommen 93% der Kettenreaktionen, die für die Energieproduktion nötig sind, zum Stillstand. Die restlichen 7% jedoch brauchen viel, viel länger. Daher ist die Abschaltung kein Garant für "Gefahr erkannt, Gefahr gebannt", wie sie beim Besuch eines AKW´s den Besuchern mitteilen (lief gestern eine Sendung dazu).
Wie lange kann ein Brennstab ohne Kühlung auskommen, bis es tatsächlich zu einer Kernschmelze kommt?
Die Frage lässt sich nicht ohne Weiteres beantworten, da zum einen die Höhe der Nachzerfallsleistung im Laufe der Zeit abnimmt und zum anderen die Wärme auch dann zum Teil noch abgeführt wird, wenn der Brennstab teilweise nicht mehr mit Wasser bedeckt ist. Unter ungünstigen Umständen treten erste Schäden an den Brennstäben nach einigen Minuten auf, wenn überhaupt kein Wasser mehr vorhanden sein sollte, dauert der Prozess eine bis mehrere Stunden.
Welche Folgen hat eine Kernschmelze?
Bei einer Kernschmelze werden die gasförmigen und flüchtigen (niedriger Siedepunkt) Spaltprodukte aus den Brennstäben freigesetzt. Das heißt aber noch nicht, dass sie auch tatsächlich in die Umwelt gelangen, sondern sie werden, wenn das Kernkraftwerk über einen Sicherheitsbehälter verfügt, in diesem zurückgehalten. Außerdem reagiert das Metall (Zirkonium) der Brennstäbe bei den auftretenden hohen Temperaturen mit Wasserdampf und es bildet sich Wasserstoff. Dieser kann zusammen mit Luft ein explosionsfähiges Gemisch bilden. Der geschmolzene Kern kann, wenn die Kühlung nicht wiederhergestellt wird, durch den Boden des Reaktordruckbehälters schmelzen und reagiert dann mit den darunter liegenden Beton-Strukturen.
Diese Zerfallswärme muss mittels Kühlung abgeführt werden, sonst droht eine Kernschmelze. Die Zerfallswärme nimmt nach dem Abschalten rasch ab: Nach einem Tag ist sie von sieben Prozent auf circa 0,6 Prozent der Reaktorleistung im Betrieb abgesunken, nach einem Monat auf circa 0,17 Prozent.
Allerdings entsprechen 0,17 Prozent der Leistung bei einem großen Atomkraftwerk noch rund 7.000 Kilowatt. Das ist mehr als ausreichend, um den Kern ohne Kühlung doch zur Schmelze zu bringen.
Was, wenn die Stromversorgung ausfällt?
Wenn nun ein Atomkraftwerk, wie zum Beispiel das in Neckarwestheim abgeschaltet wird, müssen die Brennelemente innerhalb des Kraftwerks für mehrere Jahre weiter mit Wasser gekühlt werden. Fällt hier die Stromversorgung aber aus und versagt auch der Notstrom, können die Brennstäbe überhitzen und undicht werden. Dann kommt es zur Freisetzung von radioaktiven Stoffen in der Anlage.
Damit ist die Gefahr, die von einem abgeschalteten Kernkraftwerk ausgeht, mit dem Abschalten nicht gebannt, sie besteht jahrelang weiter.
http://www.sonnenseite.com/Aktuelle+News,Wie+wird+ein+Atomkraftwerke+abgeschaltet,6,a18558.html
Diese Teilkernschmelze ist zwar katastrophal für die Anlage, aber im Hinblick auf die Strahlenbelastung außerhalb des Reaktors noch nicht so problematisch. Denn der Druckbehälter bleibt bei diesem Vorgang intakt. Dramatisch wird die Situation, wenn der Wasserstand im Reaktor unter die Marke von 50 Prozent fällt. "Dann ist die Hälfte der Brennstäbe ohne Kühlung und die Menge radioaktiven Materials, das sich am Boden sammelt entsprechend größer", sagt Gerhard Schmidt.
Auf dem Boden sammelt sich die sogenannte Schmelze, die bis zu 2500 Grad heiß werden kann und die unkontrollierbar sowie hochgradig radioaktiv ist. Es beginnt ein Prozess, den man nur noch begleitend anschauen kann: Das heiße Gemisch greift die untere Schicht des Reaktorkerns an, frisst sich gleichsam durch. Explosionen, bei denen radioaktives Material an die Luft katapultiert wird, könnten diesen Prozess begleiten. Sollte die Schmelze sich durch den Boden des Reaktorkerns durchfressen, gelangt es in den Sicherheitsbehälter, der den Reaktorkern umgibt.
Auch hier könnte das Material durchschmelzen. "Dann trifft das Material auf die Basisplatte, auf der aus statischen Gründen das Atomkraftwerk steht", erklärt Gerhard Schmidt. Diese Platte ist aus Beton. Die große Hitze der Schmelze entzieht dem Beton die Flüssigkeit, so dass er porös und damit durchlässig wird. Nun wäre der Weg für die Schmelze ins Erdreich frei.
Folgen
In jedem Fall wären die Folgen für die Menschen in der Umgebung verheerend. Denn sowohl bei einer Explosion als auch bei einem allmählichen Durchschmelzen des Reaktorkerns träten hohe Anteile der gasförmigen radioaktiven Stoffe wie Jod und Cäsium sowie bei explosiver Wechselwirkung von Metall- und Brennstoffschmelze mit Wasser auch ein kleiner Anteil des extrem strahlenden Plutoniums frei. Diese Stoffe wären dann in Gesundheit gefährdender Menge in der Umwelt vorhanden und würden große Schäden bei Menschen und in unserem natürlichen Lebensraum anrichten.
Autor: Matthias von Hellfeld
Redaktion: Kay-Alexander Scholz
http://www.dw-world.de/dw/article/0,,14912609,00.html
Nun rechnen wir uns aus, wie lange die Brennstäbe bereits offen liegen, schauen wir uns den Sprühregen an, der in einem Akt der Verzweiflung (was sicher von der Absicht her löblich ist, aber ohne Wirkung) per Hubschrauber darauf und vorbei gegeben wurde, dann wissen wir, daß die Teile schon mächtig über die Zeit freiliegen. Dann können wir uns als nächstes angucken, was bei einer Kernschmelze genau passiert.
Aber das größte Problem dabei ist, wie ja nun schon mehrfach und aus mehreren Richtungen gesagt wurde, die Endlagerung, der unglaublich viele radioaktive Müll, für den es definitiv keine (Entsorgungs-)Lösung gibt.
Fazit: Es gibt kein RestRisiko, es gibt nur ein, großes, massives vorher- und unvorhersehbares Hauptrisiko, die AKW´s selbst.

