Hallo Maurizio,
Ich habe immer Mühe mit der Vorstellung, dass Gott die Schöpfung aus Sehnsucht gemacht hat, weil ihm irgendetwas fehlte. Er müsste sich ja dann irgendwie gelangweilt haben oder sich einsam gefühlt haben und das passt für mich nicht in die Vorstellung von Vollkommenheit. Sollte Gott eine Sehnsucht "gefühlt" haben, dann sollte es für ihn mit seiner Allmacht ein leichtes sein, diese Sehnsucht zu stillen. Wozu muss er da erst die Schöpfung machen? Diese Konzepte von Gottes Sehnsucht oder seinem Wunsch sich selbst zu erfahren gehen für mich irgendwie nicht auf, sie widersprechen einfach total meiner Vorstellung von Gott als etwas ewig Vollkommenes.
Gruß,
Bibo
Hi Bibo,
Judit, vielleicht auch You Did hat Holofernes den Kopf abgehackt.
Ganz recht, ein kausal bzw. final sehnsüchtiger Gott ist, so nah er Gott auch kommen mag, immer nur Ausdruck des Verstandes oder aber eines undoder weiterer menschlicher Systeme, zb. emotionaler oder sonstiger Verneblung. Du darfst wahrnehmen, was du halt gerade so wahrnimmst, all dieses Zeugs, dass du ja gar nicht wahrnimmst, sondern dir so denkst, es fehlt zwar der Zeuge, aber da wir DAS nicht mal mitbekommen, ist es irrelevant. Unbewusste Motivation. Die Vorstellung, Gott sei sehnsüchtig bzw. bedürftig gibt den hier erdachten Gott als Götzen zu erkennen.
Ein synchron sehnsüchtiger Gott ist Ausdruck deines ganz persönlichen Status Quo. Du darfst wahrnehmen, was du halt gerade so wahrnimmst, all dieses Zeugs, dass du ja gar nicht wahrnimmst, sondern dir so denkst oder gerade durch die Gegend fühlst, es fehlt aber der Zeuge nicht, und da wir DAS mitbekommen, ist es relevant. Bewusste Motivation. Die Sehnsucht bzw. das Bedürfnis Gott sei vollkommen macht Gott und damit dich als seine Spieglung vorstellig.
Nehmen wir hingegen mal versuchsweise ernst, dass wir Gott ähnlich sind, ein Ebenbild Gottes sind, könnte es durchaus möglich sein, dass wir auch etwas von der Selbsterschaffung Gottes erkennen können. Gehen wir im weiteren von der These aus, dass die Selbsterschaffung Gottes auch jetzt geschieht, da sie sowieso jenseits von Zeit und Raum geschieht. Gehen wir ausserdem davon aus, dass Gott uns durch das Universum Zeuge sein lässt von seiner Selbsterschaffung. Dann könnte man in jedem Entstehen eine Kopie der Selbsterschaffung Gottes erkennen, sofern man sie nicht als kausal bzw. zeitlich betrachtet.
Das ist interessant, was dein Freund hier schreibt.
Schau mal, zur Ergänzung und Erweiterung:
Wikipedia:
Zitat:
Zitat von Wikipedia Artikel zur Autopoiesis
Maturana und Varela liefern mit dem Begriff eines molekülbasierten autopoietischen Systems erstmals eine strenge Definition des Lebens, die z.B. einzelne Großmoleküle wie Viren oder die bisherigen künstlich von Menschen hergestellten Maschinen klar als Nichtlebewesen abgrenzt. Während biologische Zellen bei ihnen als autopoietische Systeme 1. Ordnung gelten, werden vielzellige Lebewesen als Metazeller und autopoietische Systeme 2. Ordnung aufgefasst, die selbst autopoietischen Charakter haben können.
Das Konzept der Autopoiese ist integraler Bestandteil der biologischen Theorie der Kognition, die Maturana und Varela in Der Baum der Erkenntnis (Orig. El Árbol del Conocimiento, 1984) umfassend ausformuliert haben. Diese verabschiedet sich von einer Auffassung der Welt als einer Ansammlung von zu erkennenden beobachterunabhängigen Objekten und verwebt die Prozesse der Autopoiese und der durch das Nervensystem hergestellten sensomotorischen Beziehungen (Korrelationen) des beweglichen Organismus zu einem ständigen Akt der Hervorbringung einer Welt im laufenden Prozess des Lebensvollzugs. Objekte tauchen demzufolge als fortlaufend erzeugte Konstanten oder Regelmäßigkeiten der Zustände des Nervensystems eines menschlichen Organismus auf in seinen insbesondere auch sprachlichen (sozialen) Handlungen in Bezug auf seine Umgebung, ohne dass auf eine Wirklichkeit außerhalb dieser Prozesse zurückgegriffen werden könnte (operationale Geschlossenheit des Nervensystems).
Die Handlungen (Operationen), die jedes autopoietische System in seiner Umgebung ausführt, werden als wirksame Handlungen verstanden, sofern sie den Fortbestand des Systems in seiner Umgebung erlauben und es damit weiter dort seine Welt hervorbringt. Maturana und Varela verstehen solche Systeme als kognitiv. Eine absolute Unterscheidung zwischen Realität und Illusion versteht Maturana anhand dieses mit dem Autopoiesebegriff unlösbar verbundenen Kognitionskonzepts als ausgeschlossen.