Joey
Sehr aktives Mitglied
Es geht mir überhaupt nicht um Aufrechnung, oder der Gleichen. Ich will verstehen, warum man das eine als besonders grausam ansieht, Gedenkfeiern und Gedenktage existieren und das andere ist zwar auch schlimm, aber wird halt irgendwie unter den Teppich gekehrt. Nach dem Motto "Pech gehabt, ward ja selbst Schuld, "ihr" (Deutschland) habt ja angefangen" . Aber was macht es mit einem Menschen, der daran beteiligt war, an den Massenvergewaltigungen und Morden? Und was ist ein einzelnes Leben überhaupt wert?
Für mich ist es eben die unschöne Wirklichkeit, wenn das Deckmäntelchen , Zivilisation, mal fällt.Betrügen wir uns da nicht ein bisschen selbst?
Ich verstehe, was Du meinst, sehe es aber nicht so. Es ist eine schmale Gratwanderung, die Geschehnisse einerseits nicht in der Form zu behandeln, wie Du es beschreibst, und gleichzeitig sie nicht gegeneinander aufzurechnen. Aber den meisten Historikern, die ich zu dem Themenkomplex gehört/gelesen habe, gelingt diese Gratwanderung ganz gut. Da gibt es zum Beispiel die Radio-Sendung "eine Stunde History" bei Deutschlandfunk Nova, an der auch der Historiker Matthias von Hellfeld beteiligt ist. Ich finde, sie haben es ziemlich gut geschafft, z.B. über die Bombadierung Dresdens oder letztens auch dem Kriegsende am 8.Mai zu berichten, ohne Taten gegeneinander aufzurechnen und auch ohne irgendein Leid zu ignorieren bzw. mit "selber Schuld" einfach abzutun.
Finde ich ebenso! Und ich habs hier mehrfach genauso zum Ausdruck gebracht. Verklingt aber in deren Ohren (leider) einfach unverstanden.
Da verfällt "Meinungsfreiheit" einfach zu einer Worthülse.
Ja, absolut.
Haben sie "wir" es denn verdient?
Eine sehr schwierige Frage. Sagen wir mal so: Wir - die heutige Generation - haben nicht verdient, die Schuld an den Geschehnissen zu tragen. Wir haben die Taten nicht begangen. ABER "wir" sind teilweise noch Nutznießer davon. Diverse Firmen, die die Nazis mit Waffen, Chemikalien uvm. versorgt haben, oder die Zwangsarbeiter oder KZ-Häftlinge missbraucht haben, existieren noch, und sie sind teilweise nur deswegen so reich oder existieren gar nur deswegen noch, WEIL sie so am Krieg und an der Shoa verdient haben. Ich finde es nicht einfach, damit umzugehen.
Alleine schon die rein materielle Wiedergutmachung - die den Juden weggenommenen Güter, Immobilien etc. den rechtmäßigen Beistzern oder deren Nachkommen zurück zu geben oder diese angemessen zu entschädigen - ist eine sehr schwierige Aufgabe, die nicht wirklich erfüllt wurde und wohl auch nie wirklich vollständig erfüllt werden kann. Da zerbrechen sich auch heute noch Historiker, Politiker und Juristen den Kopf drüber, und ich finde es wichtig, dass da noch lange mindestens drüber nachgedacht wird.
Auf jeden Fall Aber ich bin mir ziemlich sicher, du und andere wissen sehr genau, was ich damit meinte!
Jain. Ich wollte Dich nicht zum absoluten Parzifisten stempeln. Aber gerade diese Feststellung finde ich zu komplex, um sie nur mit diesem einen Satz zu beschreiben.
