Joey
Sehr aktives Mitglied
@Joey @McCoy
Politische Diskussionen sind immer ein leidliches Thema und liegen mir nicht. Und wenn jemand hier, im Rahmen von Grabungen, mal Soldaten aus ihren Gräben geborgen hat (um sie nach 70 Jahren nach Hause zu bringen), der wird auf diese Diskussion ein anderen Blick haben. Und das sind nicht nur Deutsche gewesen....
Wir sind hier in einem Eso Forum, also erlaube ich mir, zu behaupten, das ich es spüren (und hören) konnte, das Leid, die Angst und die Einsamkeit im Angesicht der Aussichtlosigkeit eines Soldaten/Krieger der in einer Schlacht fiel, für oder gegen Nazi Deutschland. Eine Schande!
Das waren teilweise einfach Kinder, wie Kinder die nach ihren Müttern riefen, als sie starben. Und das es so war, ist leider keine Fantasie...
Ja, richtig. Der Krieg bedeutete viel Leid für die Soldaten auf allen Seiten. Und Nazi-Deutschland hat diesen Krieg angefangen. Nazi-Deutschland trägt die Schuld an diesem Leid - auch an dem, den Du gerade hier beschreibst. Darüber hinaus auch an dem Leid von Menschen, die in Massen-Gaskammern der KZ ermordet wurden, oder die in Nazi-Gefängnissen geköpft oder sonstwie ermordet wurden, weil sie eben eine abweichende Meinung äußerten als die damals durch die Diktatur vorgegebene. Ich weiß, dass das alles keine Phantasie ist.
Und an diesem 8. Mai 1945 hat die deutsche Wehrmacht, die dieser Leid-bringenden Diktatur gedient hat, im zweiten Weltkrieg bedingungslos kapituliert. Und ich bin nach wie vor sehr froh, dass Nazi-Deutschland so den zweiten Weltkrieg verloren hat. Damit negiere oder ignoriere ich nicht das Leid der Menschen, das Du beschreibst. Denn zum einen wäre dieses Leid nicht kleiner gewesen, hätte Nazi-Deutschland gewonnen, und desweiteren hätte es noch sehr viel mehr Leid über Europa und evtl. die Welt gebracht, wenn Deutschland gewonnen hätte. Ein Szenario, was ich mir nur kaum vorstellen mag.
Man kann sich also vorstellen, welche Ablehnung ich diesem Thema gegenüber habe und auch nicht verstehen kann, warum es nicht endlich eine Versöhnung über den Gräbern geben kann. Und zwar über alle gleichermaßen. Hass erzeugt m.M. immer noch mehr Hass. Und das muss genauso aufhören, wie das ehem. Nazi Deutschland.
Womit spreche ich mich hier gegen Versöhnung aus?
Wir sind alles Menschen und ich respektiere genau das, egal welche Meinung dieser Mensch vertritt, er soll sie haben dürfen. Man kennt halt auch nicht immer die Geschichte jedes einzelnen Menschen.
Natürlich. Ich sehe nicht, dass ich oder irgendwer sonst einem anderen Menschen diese Freiheit nimmt. Denn das schlimmste, was ich einem anderen Menschen mit anderer Meinung antun kann, ist ihm deutlich zu widersprechen, und unter Umständen ab und zu ist mir dieser andere Mensch danach unsymphatisch. Mehr kann und will ich nicht tun.
Wenn ich jetzt anfange, beispielsweise Symbolik zu "verbrennen" und sie als grundsätzlich schlecht zu sehen(oder Volkslieder, Vaterlandliebe), weil irgendeine Ideologie sie missbraucht hat. Dann bin ich dem anderen Extrem schon zu nahe und ich verschließe mich auch leider. Es stimmt, es ist (noch) nicht so schlimm wie das was Deutschland sehen musste. Deshalb schrieb ich, das andere Extrem (nicht das Gleiche). Und das treibt bereits jetzt seltsame Blüten und bringt auch Gewalt hervor (nicht nur körperlich), macht blind und taub.
Das Symbol des Hakenkreuz bzw. ähnlich aussehende Symbole lehne ich ab, weil sie in der aktuellen Lage stark mit der Nazi-Ideologie verwoben und assoziiert sind. Damit lehne ich es nicht "grundsätzlich" ab, sondern eben aufgrund dieser Verknüpfung. Wenn es irgendwann irgendwie gelingen sollte, diese Verknüpfung, diese Assoziation zu lösen... nur zu. So lange diese Assoziation besteht, ist das Hakenkreuz aber für mich ein NoGo.
Ich liebe Deutschland. Ich liebe Deutschland als ein Land, in dem es eine Pressefreiheit gibt - die sogar so frei ist, dass sich freie Journalisten hinstellen können und implizit behaupten, dass es diese Pressefreiheit nicht gäbe oder wir in einer Diktaur leben würden, und sie bleiben am Leben, auf freiem Fuß und behalten auch weiter ihren Presseausweis. Ich liebe Deutschland als ein Land, was weltoffen ist und Menschen, die aus anderen Kulturkreisen zuziehen nicht abverlangt, sich komplett assimilieren zu lassen. Ich liebe Deutschland als ein Land, in dem ich gut aufwachsen konnte und eine Schuldbildung bekam. Ich liebe Deutschland als ein Land, welches die Todesstrafe ächtet. uvm. Und Nazi-Ideologie tritt viele Werte, für die ich Deutschland liebe, mit Füßen. Ein Nazi-Deutschland würde ich in der aktuellen Situation sehr schnell aufhören zu lieben.
Man kann natürlich hier anmerken, dass ich wohl anders denken würde, wäre ich damals in Nazi-Deutschland aufgewachsen. Ja, vermutlich, leider. Jetzt denke ich aber so, wie ich eben jetzt denke.
Von anderen Völkermorden auf dieser Welt mal ganz zu schweigen. Aber das ist eben eine andere Geschichte....
Die allesamt auch angemessenes Gedenken bekommen sollten. Sie ändern aber nichts dran, dass Deutschland den zweiten Weltkrieg angefangen hat und einen Genozid begangen hat. Und ich bin froh, dass das hier vorbei ist. Und ich will, dass auch das in unserer Erinnerung bleibt.