1. Diese Seite verwendet Cookies. Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies. Weitere Informationen
  2. Willkommen im grössten und ältesten Esoterik-Forum!
    Hier findest Du alles zu Astrologie, Lenormand und Tarot, Karten legen, Feng-Shui, Traumdeutung, Religion und Spiritualität, Engel, Familien-Aufstellung, Gesundheit, Reiki
    Registriere Dich kostenlos, dann kannst du eigene Themen verfassen und siehst wesentlich weniger Werbung

  3. Esoterikforum Adventkalender 2016
    Wir wünschen Dir einen friedlichen Advent.

Meditationstexte von Osho

Dieses Thema im Forum "Meditation" wurde erstellt von Emanuel Tunai, 17. Oktober 2005.

  1. Emanuel Tunai

    Emanuel Tunai Sehr aktives Mitglied

    Registriert seit:
    3. August 2004
    Beiträge:
    2.082
    Ort:
    Europa
    Werbung:
    Namasté

    An alle die es interesiert.

    Ich möchte ganz klar mich vom Inhalt distanzieren, ich habe auf keiner art und weise was mit diesem Inhalt zu tun weder finde ich ihn gut noch schlecht er ist einfach so wie er ist.
    Ich stelle ihn hier rein einfach so ;)
     
  2. Emanuel Tunai

    Emanuel Tunai Sehr aktives Mitglied

    Registriert seit:
    3. August 2004
    Beiträge:
    2.082
    Ort:
    Europa
    Osho, was genau ist Intelligenz? Und in welcher Beziehung steht die Intelligenz des Herzens zu der Intelligenz des Verstandes?

    Intelligenz ist die naturgegebene Fähigkeit zu sehen, wahrzunehmen. Jedes Kind wird intelligent geboren und dann von der Gesellschaft verdummt. Wir erziehen unsere Kinder zur Dummheit. Früher oder später promovieren sie in Stumpfsinn.

    Intelligenz ist eine ganz natürliche Erscheinung, genauso wie das Atmen oder die Sehkraft. Intelligenz ist die innere, intuitive Fähigkeit zu sehen und hat nichts mit dem Intellekt zu tun, vergeßt das nicht.

    Verwechselt Intelligenz nie mit Intellekt, das sind zwei völlig entgegengesetzte Dinge. Der Intellekt ist im Kopf. Er wird dir von anderen beigebracht, er wird dir aufgezwungen, Du mußt den Intellekt kultivieren, er ist etwas Entliehenes, etwas Fremdes, nichts Angeborenes. Aber Intelligenz ist angeboren, Intelligenz ist der Kern deines Wesens, deine ureigentliche Natur.

    Man tötet seine Intelligenz ab, wem man andere nachahmt. Wenn man intelligent bleiben will, muß man mit dieser Nachahmerei aufhören. Durch Imitation begeht die Intelligenz Selbstmord. Man wird zu einer schlechten Kopie. In dem Moment, wo du anfängst, darüber nachzudenken, wie du irgendjemand anderes werden kannst, verlierst du deine Intelligenz, du wirst dumm. In dem Augenblick, wo du dich mit einem anderen Menschen vergleichst, verlierst du dein naturgegebenes Potential, ganz du selbst zu sein. Von diesem Moment an wirst du nie mehr glücklich, nie mehr klar und frisch und durchsichtig sein. Du verlierst deine Klarheit, deine Wahrnehmungsfähigkeit. Du siehst mit geliehenen Augen. Aber wie kannst du durch die Augen eines anderen sehen? Du brauchst deine eigenen Augen. Du brauchst deine eigenen Beine zum Laufen, dein eigenes Herz zum Fühlen.

    Die Leute leben alle ein Leben am zweiter Hand, darum ist es so erstarrt. Diese Erstarrung läßt sie so dumpf und stumpfsinnig erscheinen. Wir brauchen eine völlig neue Art der Erziehung in dieser Welt! Ein geborener Dichter erweist sich als Dummkopf in der Mathematik, und ein Mensch, der ein großer Mathematiker hätte werden können, stopft sich unnötig mit Geschichte voll und fühlt sich dann minderwertig. Alles geht drunter und drüber, weil die Ausbildung nicht euren natürlichen Anlagen entspricht. Unsere Erziehung zollt dem Individuum nicht den geringsten Respekt, sie zwingt alle in ein bestimmtes Muster. Dieses Muster mag zufälligerweise für ein paar Menschen passend sein, aber die Mehrheit geht unter und daran zugrunde. Es ist die größte Qual im Leben, sich dumm, minderwertig und unintelligent zu fühlen.

    Aber kein Mensch wird unintelligent geboren, keiner kann ohne Intelligenz zur Welt kommen, denn wir kommen von Gott, und Gott ist die reine Intelligenz. Wir bringen etwas von diesem Duft, diesem Aroma Gottes mit, wenn wir auf die Welt kommen. Aber sofort stürzt sich die Gesellschaft auf euch und fängt an zu manipulieren, euch zu verändern, zu belehren, dies und jenes zu beschneiden, anderes hinzuzufügen, und schon bald habt ihr jede Form verloren.

    Die Gesellschaft möchte euch zu gehorsamen, orthodoxen Konformisten machen, und auf diese Weise wird eure Intelligenz zerstört.

    Mir geht es darum, euch aus diesem aufgezwungenen Muster herauszuholen. Ihr lebt in Gefängniszellen, und ihr könnt herauskommen. Aber es ist schwierig, denn diese Verhaltensmuster sind nicht mehr nur wie Zwangsjacken, die ihr tragt, sie sind zu eurer zweiten Haut geworden. Ihr habt derartig lange damit gelebt, daß sie nur schwer abgeworfen werden können, denn sie sind eure gesamte Identität. Aber sie müssen fallengelassen werden, wenn ihr euer wahres Wesen zurückgewinnen wollt.

    Wenn man wirklich intelligent sein will, muß man zum Rebellen werden. Nur ein Mensch der rebelliert, beweist, daß er Intelligenz besitzt. Aber was verstehe ich unter Rebellion? Damit meine ich das Fallenlassen von allem, was euch gegen euren Willen aufgezwungen wurde: die Moral, die Religion, die Politik, was es auch sein mag, werft alles von euch ab, was euch gegen euren Willen aufgezwungen wurde. Sucht wieder herauszufinden, wer ihr eigentlich seid. Fangt wieder völlig von vorne an. Bedenkt, daß ihr eure Zeit bis jetzt verschwendet habt, weil ihr anderen gefolgt seid.

    Kein Mensch ist dem anderen gleich. Jeder ist einzigartig. Das ist das Wesen der Intelligenz. Und jeder ist unvergleichlich. Vergleiche dich nie mit irgend einem anderen Menschen. Wie kannst du irgend welche Vergleiche anstellen? Du bist du, und der andere ist der andere. Ihr seid euch nicht ähnlich, also ist ein Vergleich unmöglich. Aber man hat uns beigebracht, Vergleiche anzustellen, und wir sind ständig damit beschäftigt, uns direkt oder indirekt, bewußt oder unbewußt, mit anderen zu vergleichen.

    Aber wenn man sich mit anderen vergleicht, kann man sich selbst niemals respektieren. Irgendjemand sieht immer besser aus als du, ist größer als du, gesünder als du oder sonstwas, irgendjemand hat eine so wohlklingende, musikalische Stimme, und du brichst unter der Bürde deiner Vergleiche immer mehr zusammen. Es gibt Millionen von Menschen! Irgendwann wirst du von deinen Vergleichen einfach erdrückt! Du hattest eine wunderschöne Seele, ein wunderbares Wesen, das aufblühen wollte, das sich zu einer goldenen Blume entfalten wollte, aber du hast es niemals zugelassen.

    Wirf alles beiseite, sei unbeschwert! Fordere deine Unschuld zurück, gewinne deine Kindheit wieder.

    Jesus hatte recht, als er sagte: "Solange ihr nicht neugeboren seid, kommt ihr nicht in das Himmelreich Gottes". Ich sage euch dasselbe: Solange ihr nicht neugeboren seid...

    Laßt euer Dasein zu einer Neugeburt werden. Werft all den Unrat ab, den man euch aufgebürdet hat. Seid taufrisch und fangt noch einmal von vorne an. Dann werdet ihr euch wundern, wieviel Intelligenz augenblicklich freigesetzt wird.

    Du fragst: Was genau ist Intelligenz? Es ist die Fähigkeit zu sehen, die Fähigkeit zu verstehen, die Fähigkeit dein eigenes Leben deiner eigenen Natur entsprechend zu leben. Das ist es, was Intelligenz ist.

    Und was ist Dummheit? Anderen zu folgen, andere nachzuahmen, anderen zu gehorchen, die Welt durch ihre Augen zu betrachten. Zu versuchen, ihr Wissen als dein Wissen auszugeben, das ist Dummheit. Das ist der Grund, warum viele Gelehrte fast ausnahmslos dumm sind. Sie sind Papageien, die alles nachplappern, Grammophonplatten, die alles getreulich nachsagen können, aber sobald eine neue Situation entsteht, die nicht in ihren Büchern beschrieben wird, sind sie verloren. Diese Leute haben keinen Funken Intelligenz. Intelligenz ist die Fähigkeit, in jeder Lebenssituation neu und unbeschwert zu agieren, ohne vorgefaßtes Programm. Nur unintelligente Leute haben ein Programm. Sie sind ängstlich, weil sie wissen, daß sie nicht genügend Intelligenz haben, dem Leben, so wie es ist, gegenüberzutreten. Sie müssen sich vorbereiten, Proben machen. Sie bereiten eine Antwort vor, bevor die Frage überhaupt gestellt wurde, und damit erweisen sie sich als unintelligent, denn die Frage bleibt nie die gleiche. Das Leben stellt immer neue Fragen.

    Jeder Tag bringt seine eigenen Probleme und stellt seine eigenen Anforderungen. Und jeder Moment erhebt seine eigene Frage. Wenn ihr irgendwelche vorgefertigten Antworten im Kopf habt, seid ihr noch nicht einmal in der Lage, die Frage richtig zu verstehen. Ihr seid so voll von eurer Antwort, daß ihr nicht fähig seid, richtig zuzuhören und alles, was ihr tut, entspricht eurer vorgefertigten Antwort, die irrelevant ist, die nichts mit der Realität, so wie sie ist, zu tun hat.

    Intelligenz ist, der Realität unvorbereitet zu begegnen. Es hat eine ungeheure Schönheit, dem Leben unvorbereitet ins Auge zu sehen. Dann ist das Leben neu und jung. Dann hat das Leben einen Fluß, eine Frische... und birgt viele Überraschungen. Und wenn das Leben voller \berraschungen ist, langweilt man sich nie.

    Dumme Leute sind immer gelangweilt. Sie langweilen sich, weil sie ihre Antworten von anderen übernommen haben und diese Antworten ständig wiederholen. Sie langweiligen sich, weil ihre Augen vom Verstandeswissen so verklebt sind, daß sie nicht sehen können, was wirklich passiert. Sie wissen zuviel, ohne irgendetwas wirklich zu wissen. Diese Menschen sind nicht weise, sondern nur gelehrt. Wenn sie eine Rose betrachten, sehen sie nicht diese Rose. Alle Rosen, über die die Dichter gesprochen haben, alle Rosen, die von irgendwelchen Malern gemalt und von den Philosophen diskutiert wurden, stehen ihnen vor Augen. Eine endlose Kette von Erinnerungen und Informationen. Diese Rose, die jetzt vor ihnen steht, geht in einer Masse von Informationen unter. Sie wird nicht wahrgenommen. Solche Menschen können sie nicht sehen, sie können nur wiederholen: "Die Rose ist schvn", und diese Worte sind ebenfalls nicht ihre eigenen, sie sind nicht wahr, sie sind unaufrichtig. Es ist die Stimme eines anderen, sie lassen nur ein Tonband ablaufen. Dummheit ist Wiederholung: andere einfach zu wiederholen. Das ist billige Ware. Billig, weil man dann selbst nichts lernen muß. Es ist mühsam, etwas zu lernen, dazu gehört Mut. Zu lernen bedeutet demütig zu sein; etwas Neues anzunehmen. Lernen bedeutet in einer unegoistischen Verfassung zu sein. Man kann nie wissen, wohin dieser Lernprozeß f|hrt.

    Das Leben eines Menschen, der immer weiter lernt, bleibt unvorhersagbar; es ist nicht vorauszusagen, was ein Lernender tun wird. Er selbst kann nicht vorhersagen, was morgen sein wird, und wo er morgen sein wird. Er bewegt sich in einem Zustand des Nicht-Wissens von einer Handlung zur anderen. Nur wenn man in einem Zustand des Nicht-Wissens, des unaufhörlichen Nicht-Wissens lebt, lernt man. Deshalb lernen Kinder so leicht. Wenn sie dann älter werden, hören sie allmählich auf zu lernen, weil sich schon eine Menge Wissen in ihren Köpfen angesammelt hat, und es einfach und billig ist, dieses Wissen zu wiederholen. Warum sich anstrengen? Es ist billig und leicht, dem alten Muster zu folgen, im Kreis herumzulaufen. Aber dann überkommt einen die Langeweile. Dummheit und Langeweile gehen Hand in Hand.

    Ein intelligenter Mensch ist so frisch wie die Tautropfen in der Morgensonne, so blank wie die Sterne in der Nacht. Er ist neu, so neu wie eine frische Brise, und jeder kann es fühlen. Intelligenz ist die Fähigkeit, immer wieder neu geboren zu werden. Intelligenz ist, der Vergangenheit gegenüber zu sterben, in der Gegenwart zu leben.
     
  3. Emanuel Tunai

    Emanuel Tunai Sehr aktives Mitglied

    Registriert seit:
    3. August 2004
    Beiträge:
    2.082
    Ort:
    Europa
    Du hast weiterhin gefragt: In welcher Beziehung steht die Intelligenz des Herzens zu der Intelligenz der Verstandes? Sie sind einander genau entgegengesetzt. Die Intelligenz des Kopfes ist überhaupt keine Intelligenz, sondern Gelehrtheit. Nur die Intelligenz des Herzens ist wirkliche Intelligenz und die einzige Intelligenz, die es gibt. Der Kopf ist nichts weiter als ein Speichergerät. Was er speichert ist immer alt: es ist nie neu, nie originell. Der Kopf ist gut, für bestimmte Zwecke brauchbar, zum Einordnen von Wissen ist er bestens geeignet. Man braucht ihn zum Leben, viele Dinge müssen im Gedächtnis gespeichert werden. Der Verstand, der Kopf, ist ein biologischer Computer. Man kann ungeheure Mengen von Wissen darin aufspeichern und wenn nötig, immer wieder abrufen. Er ist gut für mathematische Kalkulationen, gut für das alltägliche Leben auf dem Marktplatz. Aber wenn du denkst, das sei dein ganzes Leben, bleibst du dumm. Du erfährst nie, wie schön es ist, zu fühlen, du erlebst nie den Segensreichtum des Herzens, und du empfängst die Gnade nie, die nur mit dem Herzen gefühlt werden kann. Du kannst Gott nicht erfahren, und du wirst niemals erleben, was Andacht, was Poesie, was Liebe ist.

    Die Intelligenz des Herzens bringt Poesie in dein Leben, beflügelt deine Schritte und erfüllt dein Leben mit Festlichkeit und Freude. Sie schenkt dir das Lachen, den Sinn für Humor. Sie gibt dir die Fähigkeit, zu lieben und mit anderen zu teilen, und das ist das wahre Leben.

    Ein Leben, das vom Kopf bestimmt wird, ist ein mechanisches Leben. Du wirst zum Roboter, der vielleicht sehr leistungsfähig sein mag... Roboter sind leistungsfähig. Maschinen sind natürlich leistungsfähiger als Menschen. Du kannst durch Kopfarbeit zu viel Geld kommen, aber nicht zu Lebendigkeit. Dann hast du vielleicht einen höheren Lebensstandard, aber du lebst nicht wirklich. Nur das Herz lebt, und das Leben kann sich nur durch das Herz entfalten. Das Herz ist der Nährboden, auf dem die Liebe wächst, auf dem das Leben und das Göttliche gedeihen. Alles Schöne, alles wahrhaft Wertvolle, alles, was wichtig und sinnvoll ist, kommt aus dem Herzen. Das Herz ist das Zentrum deines Wesens.

    Der Kopf ist nur die Peripherie. Im Kopf zu leben bedeutet, an der Oberfläche leben, ohne die Schönheit und den Reichtum des Zentrums jemals wahrzunehmen. An der Peripherie zu leben, ist reine Dummheit.

    Du fragst: Was ist Dummheit? Im Kopf leben, das ist Dummheit! Im Herzen zu leben und den Kopf immer dann zu gebrauchen, wenn es nötig wird, ist Intelligenz. Aber das Zentrum, der innere Meister, sitzt im tiefsten Kern deines Wesens. Der Kopf ist nur ein Diener, der Meister ist das Herz. Das ist Intelligenz. Wenn der Kopf zum Meister wird und das Herz völlig vergessen, ist man dumm.

    Es ist deine Sache, dich für das eine oder das andere zu entscheiden. Vergiß nicht, daß der Kopf ein ausgezeichneter Diener ist, zu vielem zu gebrauchen, aber er ist ein sehr gefährlicher Meister. Als dein Meister zerstört und vergiftet er dein ganzes Leben.

    Du brauchst dich nur umzuschauen: Das Leben der Menschen ist vergiftet, vom Kopf vergiftet. Sie fühlen nichts, sie sind völlig unsensibel, sie sind von nichts mehr aufrichtig begeistert. Die Sonne geht auf, aber nichts geht gleichzeitig in ihrem Inneren auf. Sie betrachten den Sonnenaufgang mit leeren Augen. Die Sterne erscheinen am Nachthimmel, ein einziges Wunder, ein Mysterium, aber in ihrem Herzen rührt sich nichts, kein Lied steigt aus ihrem Herzen auf. Die Vögel singen, aber der Mensch hat vergessen, wie man singt. Die Wolken ziehen am Himmel, und die Pfaue tanzen, aber der Mensch weiß nicht mehr, wie man tanzt. Er ist zum Krüppel geworden. Die Bäume stehen in voller Blüte, aber der Mensch denkt, und wenn man kein Gefühl hat, gibt es kein Erblühen.

    Beobachte, prüfe dich, schau genau hin. Sieh dir dein Leben noch einmal genauer an. Niemand kann dir helfen. Du hast dich lange genug von anderen abhängig gemacht, deshalb bist du so dumm geworden. Jetzt paß ein bißchen mehr auf.

    Die Verantwortung liegt bei dir. Du bist es dir selbst schuldig, einen wirklich tiefen und durchdringenden Blick darauf zu werfen, was du mit deinem Leben machst. Hast du irgendwelche Poesie im Herzen? Wenn nicht, dann vergeude keinen Augenblick! Hilf deinem Herzen, Poesie in dein Leben zu weben. Gibt es noch irgendwelche Romantik in deinem Leben oder nicht? Wenn nicht, dann liegst du schon jetzt im Grab. Komm heraus aus deiner Gruft! Geh wieder auf Entdeckungsreisen. Millionen von Schönheiten und Herrlichkeiten warten auf dich.

    Du läufst ständig in den Außenbezirken herum und betrittst nie den Tempel des Lebens. Das Herz ist die Tür zu diesem Tempel.

    Darum sage ich, daß wahre Intelligenz vom Herzen kommt. Intelligenz ist nicht intellektuell, sondern emotional: nicht Denken, sondern Fühlen. Nicht Logik, sondern Liebe.
     
  4. Emanuel Tunai

    Emanuel Tunai Sehr aktives Mitglied

    Registriert seit:
    3. August 2004
    Beiträge:
    2.082
    Ort:
    Europa
    Die tantrische Vision ist ein unmittelbarer Weg zu Gott, zur Wirklickkeit, zu dem was ist. Tantra kennt keine Vermittler, keine Mittelsmänner, keine Priester. Es gibt nur den direkten Weg zu Gott, du kannst nicht durch einen anderen zu Gott gelangen, denn Gott ist Unmittelbarkeit. Du brauchst niemanden zu suchen, der dir hilft, zu Gott zu finden. Tantra ist keine Religion im herkömmlichen Sinn, denn es hat keine Rituale, es hat keinen Priester, es hat keine Schriften. Es ist ein individueller Weg zur Wirklichkeit.

    Ein Makler ist überhaupt nicht nötig. Der wahre Meister will kein Makler sein. Er hilft dir nicht zu Gott zukommen, er hilft dir nur dabei, dir bewusst zu machen, was schon da ist. Er ist nicht die Brücke zwischen dir und Gott, er ist nur die Brücke zwischen deiner Unbewusstheit und deiner Bewusstheit. In dem Moment, da du bewusst wirst, bist du direkt mit Gott verbunden, unmittelbar, und niemand steht zwischen dir und Gott.

    Diese tantrische Vision ist eine der grössten Visionen, die der Mensch je geträumt hat : eine Religion ohne Priester, eine Religion ohne Tempel, eine Religion ohne Organisation, eine Religion, die Individualität ungeheuer achtet, eine Religion, die dem einfachen Mann und der einfachen Frau vertraut. Und dieses Vertrauen geht sehr tief. Tantra vertraut deinem Körper. Keine andere Religion vertraut deinem Körper. Und wenn Religionen deinem Körper nicht vertrauen, schaffen sie eine Kluft zwischen dir und deinem Körper. Sie machen dich zum Feind deines Körpers, sie zerstören die Weisheit deines Körpers.

    Tantra vertraut deinem Körper. Tantra vertraut deinen Sinnen. Tantra vertraut deiner Energie. Tantra verneint nichts und transformiert alles. Wie kann man diese tantrische Vision verwirklichen ? Hier ist die Karte, dich auf den Weg zu bringen, dich nach innen zu bringen und dich über dich hinauszubringen :

    Das erste ist der Körper. Der Körper ist deine Basis, er ist dein Boden, er ist es, wo du geerdet bist. Wenn man dich zum Feind deines Körpers macht, vernichtet man dich, macht man dich schizophren, macht man dich unglücklich. Dein Leben wird zur Hölle. Natürlich bist du mehr als der Körper, aber das "mehr" kommt später. Erst einmal bist du der Körper. Der Körper ist deine grundlegende Wahrheit, deshalb sei niemals gegen den Körper. Wenn immer du gegen den Körper bist, wendest du dich gegen Gott. Wann immer du deinen Körper nicht respektierst, verlierst du den Kontakt zur Wirklichkeit. Dein Körper ist deine Brücke. Dein Körper ist dein Tempel. Tantra lehrt Ehrfurcht vor dem Körper, Liebe und Respekt für dem Körper, Dankbarkeit gegenüber dem Körper. Der Körper ist wunderbar. Er ist das grösste Geheimnis.

    Aber man hat dir beigebracht, gegen den Körper zu sein. So kommt es, dass du zwar manchmal zutiefst über einen Baum staunst, dass du manchmal tief vom Mond und von der Sonne berührt bist, dass du manchmal tief von einer Blume berührt bist, aber von deinem eigenen Körper noch nie überwältigt warst. Dabei ist dein Körper das komplexeste Phänomen in der ganzen Existenz. Keine Blume, kein Baum hat einen so schönen Körper wie du. Kein Mond, keine Sonne, kein Stern hat einen so hochentwickelten Mechanismus wie dein Körper.

    Doch man hat dir beigebracht, eine Blume schön zu finden. Man hat dir beigebracht, einen Baum schön zu finden. Man hat dir sogar beigebracht Steine, Felsen, Berge und Flüsse schön zu finden, aber niemals wurde dir beigebracht, deinen eigene Körper zu achten und ihn zu bewundern. Ihr nehmt ihn für gegeben hin, und deshalb ist es so leicht, ihn zu vernachlässigen. Aber er ist das allerschönste Phänomen überhaupt.

    Wenn du eine Blume bewundest, sagen die Leute : "Wie ästhetisch" und man hält dich für einen Mystiker, einen Dichter. Wenn du das Gesicht einer schönen Frau anschaust oder das schöne Gesicht eines Mannes, sagen die Leute : "Das ist Lüsternheit". Wenn du zu einer Frau oder zu einem Mann hingehst, in grosser Ehrfurcht und Hochachtung vor ihr stehst und die Frau mit grossen Augen betrachtest, und deine Sinne ihre Schönheit trinken, dann wirst du von der Polizei abgeführt. Keiner hält dich für einen Mystiker oder einen Dichter, keiner kann billigen, was du da tust.

    Irgendetwas ist schief gegangen. Wenn du auf der Strasse einen Fremden ansprichst und sagst : "Was für wunderschöne Augen sie haben!" wirst du verlegen und er fühlt sich verlegen. Er kann nicht einfach "Dankeschön" zu dir sagen. Im Gegenteil, er ist beleidigt. Er wird eingeschnappt sein, denn wer bist du, dass du es wagst, dich in sein Privatleben einzumischen ? Wie kannst du so etwas wagen ?

    Wenn du einen Baum berührst, freut sich der Baum. Aber wenn du einen Menschen berührst, fühlt er sich beleidigt. Was ist schiefgelaufen ? Irgendetwas ist da zerstört worden, gründlich und sehr tief.

    Tantra lehrt dich, die Achtung und die Liebe zu deinem Körper zurückzugewinnen. Tantra lehrt dich, deinen Körper als Gottes grösste Schöpfung zu betrachten. Tantra ist die Religion des Körpers. Natürlich geht Tantra über den Körper hinaus, aber es verlässt ihn niemals. Tantra ist im Körper verwurzelt. Tantra ist die einzige Religion, die tatsächlich in der Erde verwurzelt ist. Andere Religionen sind wie entwurzelte Bäume, morsch, abgestumpft, tot; es fliesst kein Saft mehr in ihnen.

    Tantra ist wirklich saftig, sehr lebendig. Als erstes musst du lernen, den Körper zu achten. Du musst den ganzen Unsinn vergessen, den man dir über den Körper beigebracht hat. Sonst wird dich nichts je auf den Weg bringen, wird dich nichts nach innen bringen, wird dich nichts über dich selbst hinausbringen.

    Fange beim Anfang an. Der Körper ist der Anfang. Der Körper muss von vielen Repressionen gereinigt werden. Er braucht eine grosse Katharsis. Der Körper ist vergiftet worden, weil du dich gegen ihn gestellt hast; du hast ihn auf vielerlei Weise unterdrückt. Dein Körper vegetiert am Minimum, deshalb bist du unglücklich. Tantra sagt : Seligkeit kommt erst, wenn du am Optimum existierst, niemals vorher. Seligkeit ist nur möglich, wenn du intensiv lebst.

    Du bist immer nur lauwarm. Das Feuer ist abgekühlt. Über Jahrhunderte hinweg hat man das Feuer gelöscht. Das Feuer muss neu entfacht werden. Tantra sagt : reinige zuerst den Körper - reinige ihn von allen Repressionen. Lass die Körperenergie fliessen, beseitige die Blockaden. Es ist sehr schwierig, jemand zu treffen, der keine Blockaden hat, es ist sehr schwierig, jemand zu treffen, dessen Körper nicht verspannt ist. Lockere diese Verspanntheit. Die Verspanntheit blockiert deine Energie. Bei dieser Verspanntheit ist kein Fliessen möglich.

    Warum sind alle so verklemmt ? Warum kannst du dich nicht entspannen ? Hast du einmal eine Katze beobachtet, wenn sie am Nachmittag ein Schläfchen hält ? Wie einfach und wie schön die Katze sich entspannt. Kannst du dich nicht genauso entspannen ? Wir müssen lernen wie die Katzen zu schlafen, der Mensch hat es vergessen.

    Tantra sagt : lernt von den Katzen - wie sie schlafen, wie sie entspannen, wie unverkrampft sie leben. Die ganze Tierwelt lebt unverkrampft. Der Mensch muss es wieder lernen, denn er ist falsch konditioniert worden. Schon in früher Kindheit hat man euch beigebracht, verspannt zu sein. Ihr atmet nicht... aus Angst. Aus Angst vor ihrer Sexualität atmen die Menschen nicht, denn wenn man tief atmet, geht der Atem direkt ins Sexzentrum, massiert es von innen, erregt es. Weil man euch beigebracht hat, dass Sex gefährlich ist, atmet schon das Kind ganz flach. Der Atem kommt nicht über die Brust hinaus. Weiter kommt das Kind nicht. Sobald es tiefer atmet, wird es plötzlich erregt : Die Sexualität wird geweckt, und Angst kommt auf. Sobald ihr tief atmet, wird Sexenergie frei.

    Die Sexenergie muss freigesetzt werden. Sie muss dein ganzes Wesen durchströmen. Dann wird dein Körper orgasmisch. Aber du hälst den Atem an vor lauter Angst, und die Lungen füllen sich fast bis zur Hälfte mit Kohlendioxid. In den Lungen gibt es sechstausend Hohlräume, und normalerweise werden dreitausend davon nie gereinigt; sie sind immer voller Kohlendioxid. Ausserdem sind viele so unvernünftig und Verunreinigen ihre Lungen tagtäglich durch das Rauchen. Auch die Luft in den Städten und Industrieregionen ist durch Autoabgase und dem Ausstoss der Fabriken permanent verschmutzt. Deshalb seid ihr träge, deshalb seht ihr nicht wach aus, deshalb fällt Bewusstsein so schwer. Es ist kein Zufall, dass sowohl Yoga als auch Tantra lehren tief zu Atmen - pranayama - um die Lungen vom Kohlendioxid zu entlasten. Das Kohlendioxid ist nicht für euch bestimmt, es muss ständig ausgestossen werden, man muss neue, frische Luft einatmen, man muss mehr Sauerstoff atmen. Sauerstoff entfacht euer inneres Feuer, Sauerstoff entflammt euch. Aber Sauerstoff wird auch eure Sexualität entfachen. Also kann nur Tantra wirklich tiefes Atmen zulassen, nicht einmal Yoga erlaubt euch, richtig tief zu atmen. Yoga erlaubt euch nur, bis zum Bauchnabel zu atmen, nicht darüber hinaus. Ihr sollt nicht durchs Hara-Zentrum gehen, nicht durch den Swadhistan-Punkt; denn wenn man erst einmal durch Swadhistan geht, springt man ins muladhar, ins Sexzentum.

    Nur Tantra lässt euch total sein und total fliessen. Tantra gibt euch bedingungslose Freiheit, so wie ihr seid und wie immer ihr eben zu sein vermögt. Tantra setzt euch keine Grenzen; es definiert euch nicht, es gibt euch einfach totale Freiheit. Die Erkenntnis dahinter ist die, dass wenn ihr total frei seid, vieles möglich ist.

    Nur sexuell sehr lebendige Menschen sind intelligente Menschen. Nun, es muss die Vorstellung sein, dass Sex Sünde ist, was die Intelligenz zerstört hat. Wenn du wirklich im Fluss bist und nicht gegen deine Sexualität ankämpfst, sondern mit ihr im Einklang bist, dann wird dein Verstand optimal funktionieren; du wirst intelligent, wach und lebendig sein.

    Man muss sich den Körper zum Freund machen, sagt Tantra. Wenn ihr dem Strom der Körperelektrizität erlaubt, von der Fussspitze bis zum Kopf zu fliessen, wenn ihr der Energie, der Bioenergie, totale Freiheit lasst, dann werdet ihr zu einem Fluss und spürt den Körper überhaupt nicht mehr. Ihr werdet euch beinahe körperlos fühlen. Alle Schmerzen und Spannungen, die ihr sonst spürt, sind dann mit einem Male verschwunden. Wenn ihr nicht mit dem Körper kämpft, werdet ihr körperlos. Wenn ihr gegen den Körper kämpft, wird der Körper zur Last. Und wenn ihr euren Körper wie eine Last mit euch herumtragt, werdet ihr niemals zu Gott gelangen.

    Der Körper muss schwerelos werden, so dass du den Boden fast nicht mehr berührst, das ist die tantrische Art zu gehen. Du bist so schwerelos, dass es keine Schwerkraft gibt, du hast fast das Gefühl zu fliegen. Doch das kommt nur, wenn du Ja sagen kannst zu deinem Körper.

    Es wird nicht leicht sein, deinen Körper zu akzeptieren. Du verurteilst ihn, findest immer etwas daran auszusetzen. Du achtest ihn nicht, liebst ihn nicht, aber dann erwartest du ein Wunder : dass einer kommt und deinen Körper liebt. Wenn du selbst ihn nicht lieben kannst, wie willst du dann jemanden finden, der deinen Körper liebt ? Wenn du selbst ihn nicht lieben kannst, wird niemand deinen Körper lieben, denn deine Ausstrahlung wird die Leute abstossen. Man kann sich nur in jemanden verlieben, der sich selber liebt. Anders geht es nicht. Zuerst musst du dich selber lieben und erst aus dieser Mitte heraus, können sich andere Formen der Liebe entfalten. Du liebst deinen Körper nicht. Du versteckst ihn ständig auf tausendundeine Art. Du versteckst den Geruch deines Körpers, du versteckst deinen Körper in Kleidern, du versteckst deinen Körper hinter Schmuck. Du versuchst eine gewisse Schönheit herzustellen, die dir ständig zu fehlen scheint, und genau durch dieses Bemühen wirst du künstlich. Nun, man stelle sich nur eine Frau vor, die sich die Lippen bemalt hat. Lippen sollten aus Lebensfülle rot sein, sie sollten nicht bemalt werden. Sie sollten aus Liebe lebendig sein, sie sollten deshalb lebendig sein, weil du lebendig bist.

    Habt ihr schon einmal einen hässlichen Vogel gesehen ? Habt ihr schon einmal ein hässliches Reh gesehen ? Das gibt es einfach nicht. Sie gehen in keinen Schönheitssalon und fragen keinen Fachmann. Sie akzeptieren sich einfach, und ihre Schönheit liegt in diesem Akzeptieren. Gerade in diesem Akzeptieren lassen sie die Schönheit über sich regnen. Sobald ihr euch akzeptiert, werdet ihr schön. Wenn ihr euch an eurem eigenem Körper erfreut, werdet ihr auch andere mit ihm erfreuen. Viele Leute werden sich in euch verlieben, denn ihr seid selbst in euch verliebt.

    Warum kamen so viele Menschen zu Buddha, warum kamen so viele Menschen zu Saraha ( buddhistischer Tantriker und Mönch, ein Schüler Buddhas, der vor über 2000 Jahren in Indien lebte, und dessen Schriften die Grundlage für diesen Text sind ), warum kamen so viele Menschen zu Jesus ? Diese Mystiker waren in sich selbst verliebt. Sie trugen solch eine Liebe in sich, sie erfreuten sich so sehr an ihrem Wesen, dass jeder, der vorbeikam, ganz natürlich von ihnen angezogen wurde; sie waren wie Magneten. Sie waren so bezaubert von ihrem Wesen, wie konnte man sich diesem Zauber entziehen ? Einfach bei ihnen zu sein, war reine Glückseligkeit.
     
  5. Emanuel Tunai

    Emanuel Tunai Sehr aktives Mitglied

    Registriert seit:
    3. August 2004
    Beiträge:
    2.082
    Ort:
    Europa
    Das erst, was Tantra lehrt, ist : sei liebevoll zu deinem Körper, mache dir deinen Körper zum Freund, achte und respektiere deinen Körper, sorge gut für deinen Körper, es ist ein Geschenk Gottes. Behandle ihn gut, und er wird dir grosse Geheimnisse offenbaren. Dein Wachstum hängt davon ab, was für eine Beziehung du zu deinem Körper hast.

    Und das zweite, vorüber Tantra spricht, sind die Sinne. Und wieder sind die Religionen gegen die Sinne. Sie versuchen, die Sinne und die Sensibilität abzustumpfen. Die Sinne sind eure Tore zur Wahrnehmung, die Sinne sind das Fenster zur Wirklichkeit. Was ist dein Auge ? Was sind deine Ohren ? Was sind dein Mund und deine Nase ? Fenster zur Realität, Fenster zu Gott. Wenn du richtig sehen kannst, kannst du Gott überall sehen. Also dürfen die Augen nicht zu sein, sie müssen richtig aufgemacht werden. Das gleiche gilt für alle Sinne, denn sie sind Tore zum Göttlichen.

    Die Vögel singen Mantras. Die Bäume halten Vorträge über das Schweigen. Alle Töne sind Gottes Töne, und alle Formen sind seine Formen. Wenn Du also keine Sensibilität, keine Sensitivität in dir hast, wie willst du Gott erkennen können ? Man schickt euch in eine Kirche, in einem Tempel, in eine Moschee, um ihn dort zu finden. Dabei ist er doch überall. Aber wenn du ihn erkennen willst, brauchst du dazu klare, reine Sinne.

    Tantra lehrt also, dass die Sinne die Tore der Wahrnehmung sind. Man hat sie abgestumpft. Eure Sinne müssen gereinigt werden. Eure Sinne sind wie ein Spiegel, der stumpf geworden ist, weil sich so viel Staub auf ihm angesammelt hat. Der Staub muss weggewischt werden.

    Seht euch den tantrischen Ansatz an. Tantra sagt : Koste Gott in jedem Geschmack. Tantra sagt : Fliesse total in deine Berührung ein, denn was immer du berührst, ist göttlich. Es ist eine radikale Revolution, sie setzt bei den Wurzeln an. Berühre, rieche, schmecke, schaue, höre so total wie möglich. Ihr werdet diese Sprache erst lernen müssen, denn die Gesellschaft hat sie euch vergessen lassen.

    Jedes Kind wird mit wunderbaren Sinnen geboren. Wenn es etwas anschaut, geht es völlig darin auf. Wenn es mit seinen Spielsachen spielt, vergisst es die ganze Welt um sich herum. Wenn es schaut, wird es ganz Auge. Seht euch die Augen eines Kindes an. Wenn es hört, wird es ganz Ohr. Wenn es etwas isst, dass ist es mit allen Sinnen Zunge. Es wird zu einem einzigen Schmecken. Seht euch ein Kind an, wenn es einen Apfel isst. Mit welchem Genuss ! Mit was für einer Energie ! Mit welcher Lust ! Seht euch ein Kind an, wenn es im Garten hinter einem Schmetterling herrennt. Es geht so darin auf, dass selbst Gott es nicht ablenken könnte. So ein totaler, meditativer Zustand, und ohne jede Anstrengung. Seht euch ein Kind an, dass Muscheln am Strand sucht, als ob es Diamanten wären. Alles ist kostbar, wenn die Sinne lebendig sind, alles ist klar, wenn die Sinne lebendig sind.

    Später im Leben wird dasselbe Kind die Wirklichkeit so wahrnehmen, als wäre sie hinter einer abgedunkelten Scheibe verborgen. Viel Rauch und Staub haben sich auf dem Glas niedergeschlagen, und du hast dich dahinter versteckt. Du guckst, und alles sieht dumpf und matt aus. Du betrachtest einen Baum, und der Baum sieht glanzlos aus, weil deine Augen stumpf sind. Du hörst ein Lied, und es spricht dich nicht an, weil deine Ohren abgestumpft sind. Selbst wenn du ein Lied von Saraha hörst, gefällt es dir nicht, weil deine Intelligenz abgestumpft ist. Versuche, deine vergessene Sprache zurückzugewinnen. Wann immer du Zeit hast, geh' mehr in deine Sinne hinein. Wenn du isst, iss nicht einfach nur, sondern versuche, die vergessene Sprache des Schmeckens wieder zu lernen. Berühre das Brot, fühle seine Struktur. Fühle es mit offenen Augen, fühle es mit geschlossenen Augen. Wenn du kaust, kaue wirklich : du kaust Gott. Vergiss das nicht. Es wäre respektlos, nicht richtig zu kauen, nicht richtig zu schmecken. Lass es ein Gebet sein, und ein neues Bewusstsein wird in dir aufsteigen.

    Berühre die Menschen mehr. Wir sind voller Berührungsängste. Wenn jemand mit dir spricht und dir zu nahe kommt, weichst du zurück. Wir schützen unser Territorium. Wie berühren niemanden und erlauben auch anderen nicht, uns zu berühren; wir halten uns nicht an den Händen, wir umarmen uns nicht. Wir freuen uns nicht aneinander.

    Geh zu einem Baum und berühre ihn. Berühre den Felsen. Geh zum Fluss und lass den Fluss durch deine Hände rinnen. Fühle ihn! Schwimme und spüre das Wasser so, wie der Fisch es spürt. Lass keine Gelegenheit aus, deine Sinne wiederzubeleben. Und es gibt jeden Tag tausendundeine Gelegenheit. Du brauchst dir nicht extra Zeit dafür zu nehmen. Der ganze Tag ist ein Sensitivitätstraining. Nutze alle Möglichkeiten. Wenn du duschst, nutze die Gelegenheit und spüre, wie sich das Wasser anfühlt, das dir über die Haut rinnt. Lege dich nackt auf den Boden und spüre die Erde. Leg dich an den Strand und fühle den Sand. Lausche dem Klang des Sandes, lausche dem Klang des Meeres. Nutze jede Gelegenheit, nur so kannst du die Sprache der Sinne wieder lernen. Und Tantra kann nur dann verstanden werden, wenn dein Körper lebendig ist und wenn deine Sinne fühlen können. Befreit eure Sinne von Gewohnheiten : Gewohnheiten sind eine der Ursachen für eure Abgestumpftheit. Sucht nach neuen Wegen. Erfindet neue Arten zu lieben.

    Die Menschen haben feste Gewohnheiten. Selbst in der Liebe sind sie immer in der gleichen Stellung, der Missionarsstellung. Lasst euch mal was anderes einfallen. Jede Erfahrung sollte mit grosser Einfühlsamkeit erlebt werden. Wenn du mit einer Frau oder mit einem Manne schläfst, mache ein Fest daraus. Und bring jedesmal neue Kreativität in den Liebesakt, lass dir jedesmal etwas Neues einfallen. Ihr könnt tanzen, bevor ihr euch liebt. Ihr könnt beten, bevor ihr euch liebt. Ihr könnt in den Wald laufen und euch danach lieben. So wird euch jedes Liebeserlebnis sensibler machen, und die Liebe wird nicht fad und langweilig werden.

    Findet neue Wege, wie ihr den anderen entdecken könnt. Nichts sollte zur Routine erstarren. Man kann sich immer etwas neues einfallen lassen, euren Erfindungen sind keine Grenzen gesetzt. Manchmal kann schon eine kleine Veränderung eine grosse Abwechslung bedeuten. Ihr esst immer am Tisch. Geht doch manchmal einfach hinaus auf den Rasen, setzt euch hin und esst dort. Und ihr werdet ungeheuer überrascht sein : es ist eine völlig andere Erfahrung. Der Geruch des frischgeschnittenen Grases, die Vögel, die herumhüpfen und singen, und die frische Luft, und die Sonnenstrahlen, und das feuchte Gras unter dir. Das ist etwas völlig anderes, als wenn du auf einem Stuhl am Tisch sitzt und isst, es ist eine völlig andere Erfahrung, alles ist anders.

    Versuche einmal nackt zu essen, und du wirst überrascht sein. Es ist nur eine kleine Veränderung, nicht viel, du sitzt nackt da, aber es wird eine völlig andere Erfahrung für dich sein, weil etwas neues dazugekommen ist. Normalerweise isst du mit Messer und Gabel, nun iss zur Abwechslung einmal mit den Händen. Das wird eine ganz andere Erfahrung für dich sein. Entdeckt neue Wege in allem, was ihr tut.

    Tantra sagt : Wenn ihr es schafft, jeden Tag neue Wege zu entdecken, wird euer Leben spannend, ein Abenteuer. Ihr werdet euch nie langweilen. Ihr werdet immer wissbegierig sein, ihr werdet immer auf der Suche nach dem Neuen und Unbekannten sein. Eure Augen bleiben klar und eure Sinne bleiben klar.

    Die Psychologen sagen, dass Dummheit im Alter von sieben Jahren beginnt. Sie beginnt eigentlich schon im Alter von vier Jahren, aber mit sieben wird sie dann ganz offensichtlich. Kinder werden dumm, sobald sie sieben sind. Tatsächlich ist es so, dass ein Kind fünfzig Prozent von allem, was es in seinem ganzen Leben lernen kann, mit sieben Jahren bereits gelernt hat. Wenn der Mensch siebzig Jahre alt wird, dann hat er dreiundsechzig Jahre gebraucht, um die anderen fünfzig Prozent zu lernen.

    Der Mensch hört mit zunehmendem Alter auf zu lernen. Was die Intelligenz angeht, fängt ein Kind mit sieben an zu altern. Körperlich beginnt das Altern später. Ab fünfunddreissig Jahren baut der Mensch körperlich ab. Aber geistig hat der Verfall schon längst begonnen.

    Ihr mögt es kaum glauben, dass euer geistiges Alter bei zwölf Jahren liegt. Die Menschen wachsen geistig nicht weiter, sie bleiben stehen. Deshalb gibt es so viel kindisches Verhalten auf der Welt. Beleidige einmal einen Sechzigjährigen und in zwei Sekunden wird er zum zwölfjährigen Kind. Und er benimmt sich so, dass du es nicht glauben kannst, eine erwachsene Person vor dir zu haben. Der Mensch verbirgt sein wahres geistiges Alter unter einer hauchdünnen Oberfläche. Man braucht nur ein wenig zu kratzen, und ihr wahres geistiges Alter tritt zutage. Die Menschen sterben als Kinder, sie werden nie erwachsen.

    Tantra sagt : Lerne alles auf immer neue Weise zu tun und befreie dich so weit wie möglich von Gewohnheiten. Und Tantra sagt : Imitiere nicht, sonst stumpfen deine Sinne ab. Finde deinen eigenen Weg, die Dinge anzugehen. Hinterlasse in allem, was du anpackst, deine eigene Handschrift. Bringt Individualität in die Dinge.

    Und drittens sagt Tantra : Erstens also muss der Körper von Repressionen gereinigt werden. Zweitens müssen die Sinne wieder lebendig werden, und drittens muss der Verstand alles neurotische Denken, zwanghafte Denken aufgeben und muss Wege der Stille lernen. Wann immer es möglich ist, entspanne dich. Wann immer es möglich ist, lass den Verstand aus dem Spiel. Jetzt werdet ihr sagen : "Das ist leicht gesagt, aber wie kann ich den Verstand beiseite lassen?" Er rattert und rattert. Aber es gibt einen Weg.

    Tantra sagt : Beobachte diese drei Bewusstheiten.

    Bewusstheit Eins : lass den Verstand los; dein Kopf ist voller Gedanken, aber du schaust sie dir einfach nur an, unbeteiligt. Du brauchst dich nicht darüber zu beunruhigen, beobachte einfach. Sei einfach Beobachter, und nach und nach wirst du sehen, dass es zwischen den Gedanken auch Lücken der Stille gibt.

    Danach dann : Bewusstheit Zwei : Sobald dir bewusst ist, dass zwischen den Gedanken auch Lücken auftreten, mache dir bewusst, dass das der Beobachtende ist. Beobachte den Beobachter und neue Lücken werden auftreten. Der Beobachter wird allmählich verschwinden, genau wie die Gedanken. Eines Tages wird auch der Denker allmählich verschwinden. Dann entsteht die wirkliche Stille.

    Mit der dritten Bewusstheit gibt es kein Objekt und kein Subjekt mehr. Du bist in die Dimension des Jenseits eingetreten.

    Wenn du diese drei Dinge geschafft hast - der Körper ist gereinigt von Repression, die Sinne sind befreit von Dumpfheit, der Verstand ist erlöst von zwanghaftem Denken - dann kann eine Vision in dir aufsteigen, die frei ist von allen Illusionen. Das ist die tantrische Vision.
     
  6. Emanuel Tunai

    Emanuel Tunai Sehr aktives Mitglied

    Registriert seit:
    3. August 2004
    Beiträge:
    2.082
    Ort:
    Europa
    Werbung:
    Es gibt zwei Wege Realität wahrzunehmen : den Weg des Intellekts und den Weg der Intelligenz. Der Weg des Intellekts ist, über die Realität zu theoretisieren, über sie nachzudenken, über sie zu spekulieren. Aber alle Spekulationen sind sinnlos, denn wie kannst du über das spekulieren, was du nicht kennst ?

    Das Unbekannte kann nicht gedacht werden, es gibt keine Möglichkeit, über das Unbekannte nachzudenken. Alles was du denkst, kennst du schon und es wiederholt sich ständig in deinem Kopf. Ja, du kannst dir neue Kombination alter Gedanken ausdenken, aber durch neue Kombinationen allein wirst du das Wirkliche nicht entdecken.

    Der Intellekt ist der grösste Betrüger der Welt. Durch den Intellekt macht der Mensch sich seit Urzeiten etwas vor. Durch den Intellekt zerredet ihr die Wirklichkeit, erklären tut ihr sie nicht. Durch den Intellekt wirbelt ihr so viel Staub auf, dass ihr die Wirklichkeit überhaupt nicht mehr wahrnehmen könnt und von der Existenz abgeschnitten seid. Ihr verliert euch in euren Heiligen Schriften, woanders ist noch nie ein Mensch verlorengegangen. Nur im Dschungel der Schriften, gehen die Menschen immer verloren.

    Tantra ist der Weg der Intelligenz, nicht des Intellekts. Es beantwortet keine Fragen. Es ist kein Fragen, es ist ein Suchen. Tantra erkundigt sich nicht über die Wahrheit, Tantra erkundet die Wahrheit. Es dringt in die Wirklichkeit ein. Es versucht, alle Wolken aufzulösen, die dich umfangen, damit du die Wirklichkeit so wahrnehmen kannst, wie sie ist.

    Tantra bedeutet, über das Denken hinauszugehen. Deshalb haben die Tantriker die Liebe so sehr gepriesen. Deshalb konnte der Liebesorgasmus zum Symbol für die höchste Wirklichkeit werden. Und zwar, weil ihr nur im Liebesorgasmus für kurze Augenblicke den Kopf verliert. Nur auf diesem Wege kann der gewöhnliche Mensch den Zustand von Nicht-Denken erreichen. Das ist die einzige Möglichkeit, die ihr habt, einen Einblick in die Realität zu bekommen.

    Deshalb ist der sexuelle Orgasmus auf dem tantrischen Wege so ungeheuer wichtig geworden. Nicht etwa, dass er euch die höchste Wirklichkeit bescherte, aber er gibt euch wenigstens eine Chance, einen Einblick über den Verstand hinauszuwerfen. Er öffnet euch ein kleines Fenster, nur kurz, nur für einen Augenblick, dennoch ist das die einzige Möglichkeit für euch, mit der Wirklichkeit in Kontakt zu treten. Sonst seid ihr ständig von euren Gedanken umnebelt, und die Gedanken erklären euch nichts. Alle Gedanken sind reiner Unsinn.

    Die Wirklichkeit des Menschen ist ein Mysterium. Es gibt keine Antwort auf sie, denn sie ist keine Frage. Sie ist ein Mysterium, das gelebt werden muss. Das Mysterium kommt nicht aus dem Verstand, also kann es der Verstand auch nicht lösen. Das Mysterium des Lebens, dieses Mysterium der Existenz, das euch umgibt, diese Bäume, diese Sterne, diese Vögel, die Menschen, du selbst, wie kannst du sie mit dem Verstand begreifen ? In der Existenz ist der Verstand ein Neuling, eben erst angekommen. Die Existenz hat lange, lange ohne den Verstand existiert. Der Verstand ist dann dazugekommen. Die Wissenschaftler sagen, wenn wir die Geschichte des Menschen in vierundzwanzig Stunden einteilen, ein einziger Tag, dann ist der Verstand gerade erst vor zwei Sekunden dazugekommen.

    Wieso sollte der Verstand also irgendetwas lösen können ? Er kennt nicht den Anfang, er kennt nicht das Ende. Wer wirklich wissen will, was dieses Unbekannte ist, muss aus dem Verstand aussteigen, muss in der Existenz aufgehen. Das ist der Weg des Tantra.

    Tantra ist keine Philosophie. Tantra ist durch und durch existenziell. Wenn ich sage Tantra ist existenziell, dann meine ich damit nicht den Existentialismus von Satre, Camus, Marcel und anderen. Diese Existentialisten des Westens sind nur auf das Negative gestossen : Schmerz, Angst, Depression, Traurigkeit, Sorge, Hoffnungslosigkeit, Sinnlosigkeit, Zwecklosigkeit. Tantra ist auf alles gestossen, was schön, freudig, glückselig ist. Tantra sagt : Die Existenz ist ein Orgasmus, ein ewiger Orgasmus, der weiter und weiter und weiter geht. Die Existenz ist für immer und ewig ein Orgasmus, eine Ekstase.

    Tantra sagt : Denken ist nicht die Tür, es führt nirgendwo hin, es ist eine Sackgasse. Philosophie ist wunderbar, wenn du einfach nur ein bisschen spinnen willst. Dann ist Philosophie grossartig : Du kannst Maulwurfshügel zu Bergen machen und deinen Spass dabei haben.

    Philosophie funktioniert in etwa so : Gestern war ich in einem Restaurant und bestellte etwas zu essen. Ich sass am Tisch mit einer kleinen Gruppe von Leuten, die sich alle eine Kleinigkeit bestellt hatten. Nicht etwa, na, ja, sechs, sieben Leute am Tisch... ich weiss nicht, vielleicht waren es acht Leute, neun.... na, an die vierzig Leute assen zu Mittag. Eine kleine Gruppe von Leuten eben.

    Zu trinken hatte ich ein Glas Milch bestellt. Ich trinke ja gerne Milch. Sie wissen ja, was ich von Buttermilch halte. Aber Milch trinke ich gerne. Ich liebe Milch. Am liebsten frische, kalte Milch. Warme Milch... e-kel-haft ! Wenn ich sie nur rieche... Jedenfalls die Milch kam. Und ich wollte gerade trinken, als ich bemerkte, dass oben auf der Milch ein winziges, klitzekleines, schwarzes Pünktchen schwamm. Und glauben sie mir, so wahr ich hier sitze, es gab für mich nichts Wichtigeres mehr auf der Welt als diesen kleinen schwarzen Punkt. Es wurde für die nächsten Minuten zur allerwichtigsten Sache in meinem Leben. Zuallererst würde ich dieses verdammte Ding nicht runterschlucken, das war mal sicher !

    Wer weiss denn heutzutage schon, was das ist ? Es hätte ja eine fette Portion Strontium 90 sein können, oder ? Oder vielleicht eine ganze Kolonie von Typhuserregern. Jedenfalls, ich wollte es nicht schlucken.

    Natürlich habe ich früher schon schwarze Punkte gesehen, ich bin ein Mann von Welt, ich kenne das Leben. Und bestimmt haben Sie sie auch schon gesehen. Man findet sie überall. Jedenfalls am häufigsten, glaube ich, entdeckt man sie in Zuckerdosen. Mehldosen und Haferflocken sind auch voller schwarzer Punkte. Ehrlich gesagt, ich glaube, Haferflocken sind voller schwarzer Punkte. Aber das nur nebenbei. Also, was mich bedenklich stimmte über diesen schwarzen Punkt war, dass ich nicht wusste, wo er herkam, das beunruhigte mich wirklich. Ich wusste, wo die Milch herkam. Das beunruhigte mich eigentlich auch. Aber wenigstens wusste ich, wo sie herkam. Also entschloss ich mich, den schwarzen Punkt aus der Milch herauszuholen.

    Wissen sie, was das für eine Arbeit ist ? Diese schwarzen Punkte sind gerissen wie der Teufel ! Sie riechen einen Löffel schon auf einen Kilometer Entfernung. Sobald du den Löffel in die Hand nimmst, fangen sie an, im Glas herumzuflitzen. Du pickst sie heraus und sie springen zurück. Du fischt sie heraus und sie entkommen. Und du musst ganz behutsam sein, sonst kommen sie dir auf die Schliche und tauchen unter bis auf den Grund ! Und dann sitzt du da wie ein Idiot und wartest, bis sie wieder auftauchen.

    Aber es gibt eines, was du machen kannst. Du nimmst einfach die Spitze deines Fingers und berührst den Punkt ganz sanft, und er bleibt an deinem Finger kleben, und der Punkt ist draussen. Aber du weisst ja, wenn du in einer Gruppe von Leuten bist, dann wirst du wohl kaum deinen Finger in die Milch stecken, oder ? Irgendein Klugscheisser kann es sich sonst nicht verkneifen zu sagen : "Na, sowas ! Was machst du eigentlich mit deinem Finger in der Milch ?"

    Und was sagst du dann ? "Ich versuche, einen schwarzen Punkt herauszufischen ?" Oder was ? Da fällt dir nichts ein. Es gibt noch etwas anderes, was du machen kannst. Du kannst die Milch ganz vorsichtig trinken und dabei die ganze Zeit den schwarzen Punkt im Auge behalten ! Sobald er sich auf dich zubewegt, hörst du auf ! Du führst den kleinen Teufel einfach an der Nase herum ! Aber das geht nur, wenn der Punkt auf der von dir abgewandten Seite des Glases ist. In diesem Fall war er direkt vor mir und wartete. Also, was machst du ? Du drehst das Glas...

    Und das verdammte Ding bleibt an der gleichen Stelle ! Also, ich sage Ihnen jetzt, was ich getan habe, damit Sie sich, wenn es Ihnen passiert, in dieser Situation ähnlich verhalten können. Ich stand auf, ging um den Tisch herum auf die gegenüberliegende Seite... und trank es dort. Der Punkt hat es bis heute nicht bemerkt !

    Ja, so ist das mit der Philosophie. Sie macht aus Maulwurfshügeln Berge. Damit kann man ewig weitermachen, es ist kein Ende abzusehen. Seit mindestens fünftausend Jahren philosophieren die Menschen über alles und jedes und nicht eine einzige Frage wurde gelöst.

    Um die Wahrheit zu erkennen brauchst du Mut und Abenteuerlust und keine Philosophie. Du musst dich in das grösste Abenteuer stürzen, das es gibt. Du kannst dich verirren, wer weiss ? Du kommst vielleicht nie mehr zurück, wer weiss ? Oder du kommst zurück und hast dich völlig verändert, und wer weiss, zum Guten oder Schlechten ?

    Der Weg ist unbekannt, die Route ist so unbekannt, dass du sie nicht einmal planen kannst. Du musst einen Sprung wagen. Mit verbundenen Augen musst du hineinspringen, bei dunkler Nacht, ohne Wegkarte, ohne zu wissen, wohin du springst, ohne zu wissen, was dich erwartet. Nur einige wenige Tollkühne machen sich auf diese existenzielle Suche. Deshalb hat Tantra immer nur wenige Menschen angezogen, aber sie waren das Salz der Erde. Saraha ist einer von ihnen.

    Versuche immer in der Realität zu bleiben, ohne zu interpretieren, und langsam öffnen sich Türen. Langsam kommen Momente, die nichts mit dem Verstand zu tun haben. Einblicke in die Wirklichkeit ohne Sprache, Einblicke in die Wirklichkeit ohne Kopf, und diese Momente bereiten dich vor.

    Gehe mit offenem Herzen auf sie zu, mit Empfänglichkeit, mit einem einladenden Wesen, nimm sie in dich auf. Wo immer Freude ist, ist Gott. Wo immer Gott ist, da ist Freude. Das ist die Botschaft des Tantra.

    Freude hat drei Ebenen : Die erste ist das, was wir "Genuss" nennen. Genuss gehört dem Körper an. Die zweite ist "Glücklichsein". Glücklichsein gehört dem Geist an. Die dritte ist "Glückseligkeit". Glückseligkeit ist spirituell. Alle drei haben aber eine Wirklichkeit gemein, und diese Wirklichkeit ist Freude. Freude, umgewandelt in die Sprache des Körpers, wird zu Genuss. Freude, die über den Körper empfangen wird, verwandelt sich zu Genuss. Freude, die über den Geist empfangen wird, wird zu Glück. Freude, weder durch den Geist noch durch den Körper empfangen, wird zu Glückseligkeit.

    Freude ist die einzige Wirklichkeit. Freude ist Gott ! Freude ist der Stoff, aus dem die Existenz gemacht ist.

    Saraha sagt : Sei offen für Freude, woher auch immer sie kommen mag. Lehne sie nicht ab. Verdamme sie nicht. Wenn sie körperlich ist, warum nicht ? Dann klopft Gott an die Tür deines Körpers. Wenn Du beim Essen Freude empfindest, wenn du dein Essen geniesst, ist es Gott. Du nimmst ihn auf.
     
  7. Emanuel Tunai

    Emanuel Tunai Sehr aktives Mitglied

    Registriert seit:
    3. August 2004
    Beiträge:
    2.082
    Ort:
    Europa
    Du hälst die Hand einer Frau oder eines Mannes, eines Freundes oder irgendeines anderen Wesens, sehr liebevoll und eine erregende Spannung kommt auf, es beginnt ein Tanz, ein inniger Tanz eurer Körperenergien. Du bist erregt, etwas vibriert in dir wie Elektrizität, etwas kräftigt dich, verjüngt dich, etwas macht dich lebendiger, als du jemals warst: das ist Freude, ist Gott, der durch den Körper wirkt.

    Wenn du beim Musikhören ein ungeheures Glücksgefühl empfindest, ist es Freude, die über den Geist kommt. Wenn du eine Blume anschaust, ohne sie zu berühren und ohne den Geist ins Spiel zu bringen, kommt ein Moment, da Glückseligkeit herrscht, subtile, stille, tiefe Seligkeit, eine Segnung. All das sind verschiedene Manifestationen von Freude.

    Tantra sagt, das Wichtigste ist, dass du offen für die Freude bist. Ihr werdet euch überrascht fragen, warum ich so sehr darauf beharre : "Sind wir denn nicht etwas offen für Freude ?" Ihr seid nicht offen, keiner ist offen dafür. Ja, es ist traurig genug, das zu sagen, aber es ist so. Gegenüber dem Leiden sind wir viel empfänglicher. Wir sind eher bereit, zu leiden, als das wir bereit sind, uns zu freuen. Diseses hat seine Gründe. Die Freude raubt dir dein Ego, und das Unglücklichsein stärkt dein Ego. Ein Moment der Freude... und du verlierst dich in ihm. Also noch einmal : weil wir Egoisten sind, sind wir offener für das Leiden, für das Unglück, die Traurigkeit, die Niedergeschlagenheit.

    Seit Jahrhunderten erzählt man euch, dass ihr in den Himmel eingeht, wenn ihr das Ego loslasst. Ich sage euch : Wenn ihr das Ego loslasst, zieht der Himmel in euch ein. Wenn ihr ohne Ego seid, seid ihr der Himmel. Wenn ihr voller Ego seid, seid ihr die Hölle. Die Hölle ist nicht irgendwo unten, und der Himmel ist nicht irgendwo oben. Himmel und Hölle sind in euch. Und je nachdem wie ihr lebt, erlebt ihr das eine oder andere.

    Wenn du bist, bist du die Hölle. Wenn du nicht bist, bist du der Himmel. Und wenn Du zu sehr an deinem Ego hängst und dich fühlen willst, als etwas Besonderes, als einzigartig, als andersartig, als dieses oder jenes, dann bleibst du unglücklich. Und schon ein einziger Moment der Freude, sagt Saraha, reicht aus, dich zu verändern.

    Und der Geist wird niemals durch Philosophieren bereichert. Er wird nicht durch Theorien bereichert, nicht durch Wissen bereichert, nur durch Erfahrung. Ein reicher Geist ist ein Geist, der etwas vom Wirklichen, etwas von der Wahrheit erfahren hat. Es gibt nur einen Reichtum, den der Wahrheit. Solange du die Wahrheit nicht kennst, lebst du mit Lügen, Illusionen, Projektionen, Träumen.

    Warum fiebern die Leute gewöhnlich nach äusseren Dingen ? Der eine will ein Auto, der andere will ein Haus, wieder ein anderer will Macht. Warum rennen die Leute Objekten nach ? Was ist die Ursache, der eigentliche Grund für ihre Sucht und ihre hektischen Aktivitäten ? Ihr werdet es kaum glauben. Tantra sagt : Sie wollen vor sich selber davonlaufen. Sie rennen nicht Objekten nach, sie wollen ganz einfach vor sich selbst fliehen. Die Objekte sind Vorwände. Sie helfen dir, dir selbst den Rücken zuzukehren. Du hast Angst vor dir selbst. Du hast Angst um dich selbst.

    Es passiert hier jeden Tag. Wann immer jemand der Meditation näher kommt, kriegt er Angst. Warum ? Weil du niemanden vorfindest, wenn du in dich hineinschaust. Das reine Nichts, ein Abgrund, abgrundtiefes Nichts. Du zitterst, du stehst auf einer Klippe. Ein falscher Schritt und es ist aus mit dir. Man rennt vor sich selber davon. Die Leute rennen nicht etwa hinter etwas her, sie rennen vor sich davon. Und dieses Etwas ist ihr eigenes Sein.

    Deshalb geht es euch gut, solange ihr beschäftigt seid. Sobald du keine Beschäftigung hast, wirst du sehr unruhig, sehr nervös. Gibt es denn nichts zu tun ? Du fällst dir selber auf die Nerven. Wenn du etwas zu tun hast, wenn du abgelenkt bist, dann kannst du diesen Abgrund vergessen. Dieser Abgrund ist Gott. Wer diesen Abgrund akzeptiert, wer sich mit diesem Abgrund anfreundet, macht den ersten Schritt in Richtung Wirklichkeit.

    Saraha sagt : Gewöhnliche Leute rennen den Dingen nach, weil sie vor sich selber davonlaufen. Aber ein Mensch, der erfahren hat, was die Wahrheit ist, lässt sich nicht täuschen, auch dann nicht, wenn er sich den Objekten zuwendet, denn er kann auch geniessen. Tatsächlich ist er der einzige, der die Dinge richtig geniessen kann. Wer die Wahrheit erfahren hat, braucht vor nichts wegzulaufen. Er flieht vor nichts. Er kann die Dinge geniessen. Wie sollt ihr die Dinge geniessen können, wo ihr doch ständig vor eurem eigenen Sein Angst habt ?

    Saraha sagt : Wenn du einen Tantriker siehst, der sich mit einer Frau vergnügt oder sich das Essen schmecken lässt oder der Wein trinkt, dann verurteile ihn nicht, auch wenn er aussieht wie ein gewöhnlicher Mann. Er ist nicht gewöhnlich. Der Unterschied geht sehr tief. Der Unterschied ist sehr wesentlich. An der Oberfläche sehen beide gleich aus. Wie kann man unterscheiden, ob ein Mann, der einer Frau nachläuft, ein gewöhnlicher Mann ist oder ein Tantriker? Von aussen kann man das sehr schwer feststellen, denn von aussen sehen beide fast gleich aus.

    Ein Tantriker sitzt neben einer Frau und hält ihre Hand, und ein gewöhnlicher Mann tut das gleiche, auch er hält die Hand einer Frau. Wie kann man einen Unterschied zwischen beiden feststellen ? Der gewöhnliche Mann ist auf der Flucht vor sich selbst. Er möchte sich in der Frau verlieren, damit er sich selber vergessen kann. Sich selber liebt er nicht, deshalb liebt er diese Frau, um seine Realität zu vergessen. Er benutzt die Frau wie ein alkoholisches Getränk. Diese Frau macht ihn betrunken, und er vergisst sich. Es hilft ihm, es verschafft ihm eine gewisse Entspannung. Wenigstens für ein paar Augenblicke steckt er nicht in seinen üblichen Ängsten.

    Und der Tantriker hält mit innigster Freude die Hand der Frau. Er will nicht fliehen. Wohin sollte er fliehen, und wer sollte fliehen, da es ihn als Ego gar nicht mehr gibt ? Er hält einfach die Hand dieser Frau, um ihr etwas ungeheuer Wertvolles zu geben.

    Du kannst nicht alles jedem geben. Es gibt einige wenige Dinge, die du nur in der Liebe geben kannst. Es gibt einige wenige Dinge, die du nur im Vertrauen geben kannst.

    Die Leute fragen mich, warum ich nicht zu den Massen spreche. Ich spreche nicht zu ihnen, weil ich etwas zu geben habe, das nur im tiefen Vertrauen und nur in tiefer Liebe gegeben werden kann. Ich kann nur zu Menschen sprechen, die mich lieben. Sonst ist es sinnlos. Sie würden mich nicht verstehen, sie würden mich missverstehen. Es gäbe keine Möglichkeit, mich verständlich zu machen. Es kann nur dann weitergegeben werden können, wenn ihr es in euch aufnehmen könnt. Wenn eure Herzen bereit sind, offen sind, kann ich eure Herzen erklingen lassen, und dann kann eine wunderschöne Musik daraus entstehen. Wenn ihr aber verschlossen seid, ohne Vertrauen, voller Zweifel, kann ich mit euren Herzen nicht musizieren. Es ist unmöglich, weil ihr mir nicht erlaubt, in euren innersten Wesenskern einzudringen, um auf euren Herzen zu spielen. Wenn ihr es mir nicht erlaubt, wird auch keine Musik geboren.

    Und dann wollt ihr wissen, ob die Musik existiert. Der einzige Weg euch bewusst zu machen, dass sie existiert, ist der, sie in euch zu erzeugen. Ihr sagt : "Ja, wenn ich die Musik erfahren kann, werde ich auch Vertrauen haben." Das Problem ist, dass ihr die Musik erst erfahren könnt, wenn ihr Vertrauen habt, Vertrauen ist die Grundvoraussetzung.

    Der Tantriker hält die Hand einer Frau. Er kann die Hand jedes beliebigen Menschen halten, aber die Energie, die ihm wiederfahren ist, kann er nur einem Menschen geben, der liebt.

    Tantra ist kein Standpunkt des "Entweder-Oder", sondern des "Sowohl-als-auch"; es ist allumfassend. Alle Religionen wirken in dieser Hinsicht arm, denn sie nehmen euch die Welt. Sie sagen, entscheide dich entweder für die Welt oder für Gott. Sie setzen Gott gegen die Welt. Tantra ist die einzige Religion, die einzige totale Religion. Beides...

    Tantra sagt : Da gibt es überhaupt nichts zu unterscheiden, es gehört alles euch. Ihr könnt auf dem Marktplatz sein und ihr könnt den Marktplatz geniessen, und dennoch könnt ihr über ihn hinausgehen und könnt auch das geniessen. Tantra zwingt euch nicht, euch zu entscheiden. Es liegt nur an diesen Religionen mit der "Entweder-Oder"-Haltung, dass die Welt noch immer weltlich ist. Wer schert sich schon um Gott ? Gott ist so weit weg, ist nicht besonders real. Und dann denkt man sich : "Später mal... Gott lässt sich auf die lange Bank schieben, das Leben ist so schnell vorbei, geniesse es erst einmal."

    Die Religionen, die dem Menschen diese Entscheidung aufzwingen, haben ihn gezwungen, weltlich zu bleiben. Von einer Millionen Menschen wird einer religiös. Eine unnötig schwere Wahl. Er muss der Welt entsagen, er muss sich von seiner Familie lösen, er muss Freunde verlassen, er muss sich gegen alles entscheiden, was ihm lieb ist. Ihr zwingt ihn unnötigerweise.

    Und dann taucht ein weiteres Problem auf. Die Leute, die bereit sind, sich für Gott und gegen die Welt zu entscheiden, sind mehr oder weniger perverse Leute, die im Leben irgendwie gescheitert sind, die irgendwo nicht intelligent genug sind, das Leben zu meistern, die irgendwo neurotisch sind. Sie können nur vor der Welt fliehen. Sie können sich nur selber quälen. Genau das heisst, bis auf den heutigen Tage - Askese : quäle dich selbst. Tu dir Gewalt an. Bringe dich um. Vergifte langsam dein Wesen. Diese Leute sind keine gesunden Leute.

    Tantra stiftet eine völlig neue Religion. Es besagt, dass man sich nicht zu entscheiden braucht. Wo immer du auch bist, genau da, kann Gott erfahren werden. Tantra ist nicht gegen die Welt, es ist für Gott. Und sein Gott ist so grenzenlos, dass er die Welt einbeziehen kann.

    Und mir scheint es sehr, sehr einleuchtend, dass die Schöpfung, die reale Welt, in den Schöpfer einbezogen ist. Wie kann sie denn gegen ihn sein ? Wenn Gott dich erschaffen hat, wenn Gott deinen Körper erschaffen hat, deine Sexualität, deine Sinnlichkeit, dann kann das doch nicht gegen Gott gerichtet sein.

    Ein gewöhnlicher Mensch kann nur eine begrenzte Freude erleben, in der Musik, in der Meditation, im Tanz. Aber ein Tantriker erfährt grenzenlose Freude. Wenn du die letzte Vollendung kennst, spiegelt sich das Letztendliche in allem, was du tust. Wenn Du Gott erfahren hast, dann kannst du hingehen, wo du willst, du gehst auf heiligem Boden. Dann kannst du hinsehen, wo du willst, du siehst Gott. Dann kann dir begegnen wer will, du begegnest Gott.

    Die Höchste Erfahrung spiegelt sich auch in der "niedrigsten" Erfahrung. Darum können die Leute die Tantriker nicht verstehen, die sagen, dass selbst im Sex samadhi, Erleuchtung möglich ist. Es ist verständlich, warum sie es nicht verstehen. Sie kennen kein samadhi, sie kennen nur den gewöhnlichen Sex. Sie kennen nur Frustration durch ihn, sie kennen nur Wollust durch ihn. Die gewöhnliche Liebe ist nichts weiter als Wollust und Gier. Wie kann der einfache Mensch verstehen, dass sich in der Liebe das Absolute wiederspiegeln kann ?

    Die Knospen des Lebens sind von Genuss und Freude, die Blätter sind von Herrlichkeit. Aber gewöhnlich werdet ihr nur einfache Blätter sehen, es sei denn, das Höchste hat sich ereignet. Wenn euch das Absolute wiederfährt, erkennt ihr, dass selbst die einfachen Blätter eures Lebens keine einfachen Blätter sind. Erst durch sie konnte sich die höchste Blüte entfalten. Und nun wisst ihr, dass der gleiche Saft, der zur höchsten Blüte fliesst, zu den Knospen von Genuss und Freude, auch der gleiche Saft ist, der zu den Blättern fliesst. Sie tragen allesamt dazu bei, den tausendblättrigen Lotus hervorzubringen. Blätter der Herrlichkeit bedeutet : Blätter der Gnade und Dankbarkeit. Du fühlst das Herrliche der Existenz, dein Leben ist herrlich. Es ist kein gewöhnliches Leben mehr, es strahlt vor Göttlichkeit.

    Und wann öffnet sich dieser tausendblättrige Lotus ? Er öffnet sich, wenn nichts hinausfliesst. Genuss ist, wenn die Energie nach aussen fliesst, körperlicher Genuss. Freude ist, wenn die Energie nach innen fliesst, psychologische Freude. Und wann kommt Glückseligkeit ? Wenn die Energie nirgendwo hinfliesst, wenn sie einfach nur da ist.

    Du gehst nirgendwo hin, du bist einfach nur da, du bist einfach nur. Nun hast du keine Ziele, nun hast du keine Wünsche, die du dir erfüllen musst. Du hast keine Zukunft, du bist einfach im Hier und Jetzt. Wenn die Energie sich in einem Sammelbecken sammelt, nirgendwo hingeht, nirgends hingeht, nirgendwo hinfliesst... kein Ziel, das es zu ereichen gilt, nichts, das es zu finden gilt, du bist einfach hier, mit deiner ganzen Präsenz, du bist total hier. Dieses Jetzt ist die einzige Zeit, die dir bleibt, und dieses Hier ist der einzige Raum. Dann plötzlich wallt diese gesammelte Energie, die nirgendwohin will, die weder vom Körper noch vom Geist abgelenkt wird, in dir hoch, und der tausendblättrige Lotus öffnet sich.

    Und dann kommt die Frucht. Freude und Genuss sind die Knospen, Gnade, Dankbarkeit und Herrlichkeit sind die Blätter, und diese höchste Blüte der Seligkeit ist die Erfüllung, die Frucht. Du bist zu Hause angekommen. Und nun weist du, dass alles, was geschehen ist, nur ein Traum war. Nun weisst du, dass Karma, das Handeln, bedeutungslos ist. Du hast nur Linien auf dem Wasser gezogen, die immer wieder verschwinden. Aber es war hilfreich, nützlich, es hat dich zur Wirklichkeit geführt.

    Wenn du wirklich nach Hause kommst und siehst, was ist, wirst du nicht das Gefühl haben, befreit zu sein. Im Gegenteil, du wirst denken : "Wie lächerlich, dass ich je geglaubt habe, nicht befreit zu sein." Ein grosser Unterschied. Falls du, wenn du nach Hause gekommen bist, ein erhabenes Gefühl bekommst und total euphorisch wirst und sagst : "Jetzt bin ich befreit", dann beweist das nur, dass du noch nicht befreit bist.

    Saraha sagt : Wenn du wirklich befreit bist, befreit von allem Richtig und von allem Falsch, befreit von allem Gut und allem Böse, dann bist du nicht nur von der Knechtschaft befreit, dann bist du auch von aller Befreiung befreit.

    Wie kannst du noch gefesselt werden ? Niemand ist da, der gefesselt werden könnte, es gibt nichts zu fesseln. Die Fesseln sind verschwunden, und mit ihr der Gefesselte. Saraha verkündet hier Buddhas grösste Erkenntnis. Buddha sagt : Es gibt keine Substanz und es gibt kein Selbst. Substanz existiert nicht, alles ist leer. Diese Leere endlich erkennend... in Leere schwebende Bewusstheit, reine Bewusstheit, grenzenlose Bewusstheit. Diese Bewusstheit ist Leere selbst, oder andersherum, diese Leere ist Bewusstheit. Die Leere leuchtet vor Bewusstheit, voller Bewusstheit.

    Tantra ist eine grossartige Einsicht in die Dinge, wie sie wirklich sind.


    Nicht-Denken ist die Tür zu Tantra.
    Nicht-Denken ist der Weg zu Tantra.
    Der Schlüssel zu Tantra heisst : Erfahren.
     
  8. Emanuel Tunai

    Emanuel Tunai Sehr aktives Mitglied

    Registriert seit:
    3. August 2004
    Beiträge:
    2.082
    Ort:
    Europa
    Tantra ist Transzendenz. Es ist weder Ausschweifung noch Unterdrückung. Es ist ein Seiltanz, es ist einer der grössten Balanceakte überhaupt. Es ist nicht so leicht, wie es aussieht, es verlangt eine sehr feinfühlige Bewusstheit. Es ist eine grosse Harmonie.

    Für den Verstand ist Ausschweifung sehr leicht. Auch das Gegenteil fällt ihm leicht, Entsagung. Ins Extrem gehen, ist für den Verstand sehr leicht. In der Mitte zu bleiben, genau in der Mitte, ist für den Verstand das Allerschwerste, denn das wäre für den Verstand Selbstmord. Der Verstand stirbt in der Mitte, und der Nicht-Verstand steigt auf. Deshalb hat Buddha seinen Weg, den Weg der Mitte genannt.

    Saraha ist ein Schüler Buddhas, mit der gleichen Erkenntnis, mit der gleichen Bewusstheit. Dieses ganz Grundsätzliche muss also verstanden werden, sonst werdet ihr Tantra missverstehen. Was ist dieses auf "Messers Schneide" ? Was ist dieses "exakt in der Mitte sein" ?

    Um in der Welt auszuschweifen, braucht man keine Bewusstheit. Um irdische Wünsche zu unterdrücken, braucht man ebenfalls keine Bewusstheit. Eure sogenannten weltlichen Menschen und eure sogenannten Heiligen unterscheiden sich fast gar nicht. Sie mögen Rücken an Rücken stehen, aber sie sind nicht sehr verschieden. Sie haben genau dieselbe Art von Psyche. Der eine giert nach Geld, und der andere verabscheut Geld so sehr, dass er es nicht über sich bringt, einen Geldschein auch nur anzusehen. Er bekommt sonst Angst, und ein inneres Zittern erfasst ihn. Diese Leute unterscheiden sich nicht, bei beiden spielt Geld eine sehr wichtige Rolle. Der eine steckt in der Gier, der andere in der Angst; aber die Wichtigkeit des Geldes ist die gleiche, beide sind vom Geld besessen.

    Der eine denkt ununterbrochen an Frauen, träumt, phantasiert. Der andere hat so viel Angst vor Frauen, dass er in den Himalaja flieht, um ihnen zu entkommen, aber beide sind gleich. Beiden ist die Frau wichtig, oder der Mann; der andere ist wichtig. Ersterer sucht den anderen, letzterer meidet den anderen, aber der andere bleibt ihr Fokus.

    Tantra sagt : Der andere darf nicht der Fokus sein, weder so noch so. Aber dazu gehört ein grosses Verstehen. Man muss die Begierde nach den Frauen verstehen, nicht erliegen, nicht fliehen, sondern verstehen.

    Tantra sagt : Wissen befreit. Wenn du genau weisst, was Gier ist, bist du frei von Gier; du brauchst der Gier nicht zu entsagen. Entsagung ist nur notwendig, weil du nicht verstanden hast, was Gier ist. Die Notwendigkeit ein Gelübde gegen den Sex abzulegen, rührt nur daher, dass du nicht verstanden hast, was Sex ist. Und die Gesellschaft erlaubt dir nicht, es zu verstehen.

    Die Gesellschaft hilft dir, nicht zu verstehen. Durch die Jahrhunderte hindurch hat die Gesellschaft die Themen Sex und Tod verdrängt. Man soll nicht über diese Themen nachdenken, man soll sich nicht damit befassen, man soll nicht darüber diskutieren, nicht darüber schreiben, man soll sie nicht erforschen, sie sind zu meiden.

    Diese Verdrängung hat dazu geführt, dass man über den Sex überhaupt nichts wusste, und diese Ignoranz ist die Wurzel des Übels. Diese Unwissenheit hat diese beiden Menschentypen hervorgebracht : Der eine ist ausschweifend bis zum Wahnsinn, der andere ist es müde und ergreift die Flucht.

    Tantra sagt : Der eine, der krankhaft ausschweifend ist, wird nie verstehen, weil er einfach eine Gewohnheit ständig wiederholt. Und er ist unfähig, sich diese Gewohnheit anzuschauen und ihren Ursprung zu erforschen. Der ursächliche Zusammenhang wird ihm nicht klar. Und je mehr er sich seinen Ausschweifungen hingibt, desto mechanischer wird er. Habt ihr es nicht beobachtet ? Eure erste Liebe war etwas ganz Besonderes, die zweite war nicht so besonders, die dritte war sogar noch gewöhnlicher, die vierte war einfach profan. Was ist passiert ? Warum war die erste Liebe so besonders ? Warum sagen die Leute seit jeher, dass die wirkliche Liebe nur einmal im Leben kommt ? Warum ? Weil es beim ersten Mal nicht mechanisch war, deshalb warst du ein bisschen aufmerksamer bei der Sache. Das nächste Mal hat die Liebe dich nicht überrascht, du warst vorbereitet : Du warst nicht mehr ganz so wach. Beim dritten Mal glaubtest du schon, alles über die Liebe zu wissen, also gab es da nichts mehr zu entdecken. Das vierte Mal war es einfach profan; du warst schon in deiner Routine erstarrt.

    Durch Ausschweifung wird Sex zur Gewohnheit. Ja, du kannst ein bisschen Stau loswerden, genau wie beim Niesen, aber mehr ist es nicht. Es ist eine physische Entladung von Energie. Die Energie staut sich auf, du schleuderst sie heraus und baust sie wieder auf, durch Nahrung, durch Sport, durch Sonnenlicht, du baust sie auf und verschleuderst sie wieder. Das ist es, was ein ausschweifender Mensch ständig tut. Er baut viel Energie auf und dann erlädt er sie, ohne Sinn und Zweck. Wenn sich die Energie aufbaut, leidet er unter Spannung. Wenn er sie verschleudert hat, leidet er unter Schwäche. Er leidet nur.

    Glaubt bloss nicht, dass ein ausschweifender Mensch ein glücklicher Mensch ist. Niemals ! Er ist der unglücklichste Mensch der Welt. Wie kann er glücklich sein ? Er hofft, er wünscht sich Freude, aber er wird immer nur enttäuscht.

    Aber merkt euch, wenn Tantra gegen Ausschweifung ist, dann heisst das nicht, dass ihr in das andere Extrem verfallen sollt. Tantra sagt nicht, dass ihr dieser Welt der Ausschweifung entfliehen sollt. Denn dieses Fliehen wird auch nur wieder zu einer mechanischen Gewohnheit. Was immer ihr unterdrückt, wird in eurem Inneren sehr mächtig.

    Tantra sagt : Hütet euch. Hütet euch vor Ausschweifung und hütet euch vor Entsagung. Hütet euch vor beidem. Beides sind Fallen. Und so oder so geht ihr dem Verstand in die Falle. Was ist also der rechte Weg ?

    Tantra sagt : Bewusstheit ist der Weg. Ausschweifung ist mechanisch, Unterdrückung ist mechanisch; beides sind mechanische Gewohnheiten. Der einzige Weg, der aus mechanischen Gewohnheiten herausführt, ist der, bewusst und aufmerksam zu sein. Geht nicht in die Höhle im Himalaja, bringt die Stille des Himalaja in euer Dasein ein. Flüchtet nicht, werdet wachsamer. Schaut euch eure Gewohnheiten aufmerksam an, ohne Angst, schaut sie genau an. Kümmert euch nicht um das, was die sogenannten religiösen Leute sagen. Sie wollen euch nur Angst machen. Sie erlauben euch nicht, euch mit dem Sex zu befassen. Sie haben eure Ängste seit jeher rücksichtslos ausgebeutet.

    Wenn du einen Menschen ausbeuten willst, musst du ihm Angst einjagen. Wenn ihr erst mal Angst habt, seid ihr reif dafür, ausgebeutet zu werden. Angst ist die Voraussetzung, sie muss zuerst geschaffen werden. Man hat euch Angst eingejagt. Sex ist Sünde. Angst ist auch Sünde, denn nicht einmal wenn ihr mit eurer Frau schlaft oder mit eurem Mann, dringt ihr tief in den Sex ein. Ihr macht Liebe und umgeht den Sex. Ihr macht Liebe und gleichzeitig vermeidet ihr sie.

    Tantra ist eine Begegnung mit den Realitäten des Lebens. Und Sex ist etwas Fundamentales, genau wie der Tod. Das sind die beiden Basis-Chakras muladhar und sawdhistan. Wenn du sie verstehst, öffnet sich das dritte Chakra, manipura. Wenn du das dritte verstehst, öffnet sich das vierte, anahata. Und so weiter und so fort. Wenn du die sechs Chakras verstanden hast, berührt dieses Verständnis das siebte Chakra, sahasrar, und es blüht auf als tausendblättriger Lotus. Dieser Tag ist ein Tag höchster Herrlichkeit. An diesem Tag kommt Gott zu dir und du kommst zu Gott. Das ist der Tag der Verschmelzung.
     
  9. Emanuel Tunai

    Emanuel Tunai Sehr aktives Mitglied

    Registriert seit:
    3. August 2004
    Beiträge:
    2.082
    Ort:
    Europa
    Das ist der Tag des kosmischen Orgasmus. An diesem Tag umarmt das Göttliche dich, und du umarmst das Göttliche. An diesem Tag verschwindet der Fluss im Ozean für immer und ewig. Von nun an gibt es kein Zurück mehr.

    Aber auf jeder Stufe des Geistes muss man zum Verstehen gelangen. Wo immer du bist, auf welcher Stufe du auch bist, hab keine Angst. Das ist die Botschaft des Tantra : wo immer du bist, sei nicht ängstlich. Die Angst ist das einzige, was du loslassen musst. Es gibt nur eines, wovor man sich fürchten muss : vor der Angst. Was immer die Realität ist, schaue sie dir angstfrei und mutig an. Wenn du ein aggressiver Mensch bist, schaue dir deine Wut genau an. Wenn du gierig bist, schaue es dir an. Wenn du dir deine Realität genau anschaust, gehst du schon durch sie hindurch. Du beobachtest und gehst hindurch. Wenn du den Weg in die Gier, in den Sex, in die Wut, in die Eifersucht mit offenen Augen gehen kannst, befreist du dich davon. Das ist das Versprechen des Tantra : Wahrheit macht frei. Wissen ist Freiheit.

    Bewusstheit bringt eine andere Qualität in dein Leben. Mit Bewusstheit verändern sich die Dinge, verändern sich ganz erheblich. Und nicht etwa, dass du sie veränderst, überhaupt nicht. Ein bewusster Mensch verändert nichts. Ein unbewusster Mensch versucht ständig, etwas zu verändern. Aber dem unbewussten Menschen gelingt es nie, etwas zu verändern. Der bewusste Mensch nimmt nur wahr, dass sich Veränderungen, unheimlich wichtige Veränderungen, einfach ereignen.

    Veränderung kommt durch Bewusstheit zustande, nicht durch Anstrengung. Warum kommt sie durch Bewusstheit zustande ? Weil Bewusstheit dich verändert, und wenn du anders wirst, wird die ganze Welt anders. Die Frage ist nicht, wie die Welt verändert werden kann, die Frage ist lediglich, wie du dich verändern kannst. Du bist deine Welt, also verändert sich deine Welt, wenn du dich veränderst. Du kannst versuchen, die Welt zu verändern, so viel du willst; wenn du dich nicht veränderst, passiert gar nichts, wirst du immer nur wieder dieselbe Welt schaffen.

    Du schaffst dir deine eigene Welt. Deine Projektionen von der Welt kommen aus dir. Tantra sagt : Bewusstheit ist der Schlüssel, der alle Türen des Lebens öffnet.

    Durch Mantras, durch Klänge kann man eine gewisse geistige Ruhe erzielen. Ja, durch die Transzendentale Meditation von Maharishi Mahesh Yogi ( TM ) kann man eine gewisse Täuschung erzeugen : Wenn Du einen Ton, ein gewisses Wort immerzu wiederholst, dann beruhigt dich das. Es erzeugt einen gewissen Rhythmus im Kopf, es ist rhythmisch. Wenn Du "Om, Om, Om" oder ein anderes Mantra vor dich hinsagst, liebevoll und mit Respekt, dann wird dir das helfen. Du kannst auch eine Vase mit Blumen aufstellen und eine Schale mit Früchten dazustellen. Du musst eine Atmosphäre schaffen. Du kannst ein paar Räucherstäbchen abbrennen und das Mantra wiederholen. Wenn du es nur lange genug tust, dann besteht durchaus die Möglichkeit, dass du dich gut fühlst. Du hast dich selbst hypnotisiert, du hast dir suggeriert, dass Ruhe einzieht, Stille einzieht, Freude einzieht. Es ist nichts weiter als Autosuggestion, eine sehr indirekte Autosuggestion.

    Emile Coue schlägt direkte Suggestion vor. Du denkst : "Ich werde glücklicher" ist eine direkte Suggestion. Emil Coue ist ein Mann des Westens, ehrlich, wahr und gradlinig. Maharishi Mahesh Yogi legt euch nahe, " Om, Om, Om" oder "Ram, Ram, Ram" herzusagen, das ist indirekt und typisch für den östlichen Verstand; nicht direkt, sondern indirekt. Aber lauter solche indirekten Vorschläge macht er euch : "Wenn du dieses Mantra zweimal am Tag hersagst, zwanzig Minuten am Morgen und zwanzig Minuten am Abend, wirst du gesünder, wirst du ruhiger, wirst du glücklicher, dies und das." Dir wird das Blaue vom Himmel herunter versprochen, sogar, dass sich dein Einkommen erhöht, dass du die Karriere machen wirst und die ganze Welt dir helfen wird deine ehrgeizigen Pläne zu unterstützen. Das läuft alles indirekt. Und dann bist du nicht an dem Mantra interessiert, sondern an den anderen Dingen : Gesundheit, Wohlstand, Macht, Prestige, Stille, Freude, das sind die Dinge, für die du dich interessierst. Und weil das so ist, wiederholst du die Mantras. Aber jedesmal, wenn du dein Mantra wiederholst, glaubst du, dass diese Dinge eintreten werden. Und diese Mantras können nur in dem Masse wirken, wie du an sie glaubst. Wenn du nicht daran glaubst, funktionieren sie auch nicht. Wenn du nicht daran glaubst, dann sagt dir Maharishi Mahesh Yogi : "Wie sollen sie auch wirken ? Du musst an sie glauben, dann funktionieren sie." Tantra aber sagt : Wahrheit funktioniert auch ohne, dass ihr glaubt. Wahrheit ist auf euren Glauben nicht angewiesen.

    Saraha sagt, Klarheit wird nicht dadurch erlangt, dass man ein gewisses Wort wiederholt, man wird nur noch unklarer. Es ist nicht so, dass man intelligenter und bewusster wird, man wird nur schläfrig. Natürlich kann man danach besser schlafen, das ist das Gute daran. Und es ist kein Zufall, dass Maharishis TM in Amerika eingeschlagen hat, denn Amerika ist das Land, das unter Schlaflosigkeit leidet, wie kein anderes. Die Leute können nicht schlafen, also brauchen sie irgendeinen Trick um einzuschlafen. TM kann zu einem guten Schlaf verhelfen. Und ich habe überhaupt nichts gegen TM, wenn man sie nur zum Einschlafen benutzt. Ich bin absolut für einen guten Schlaf. Aber merkt euch, TM kann euch nicht in ein anderes Reich führen. Es ist kein spiritueller Weg. Es ist eine Tröstung.

    Diese vier Siegel müssen verstanden werden. Tantra spricht von vier Siegeln, vier mudras. Auf dem Weg zur Erleuchtung durchschreitet der Sucher vier Türen, er muss vier Schlösser öffnen. Diese vier Schlösser werden die "vier Siegel" genannt, vier mudras. Sie sind sehr wichtig.

    Das erste mudra wird das karma mudra genannt. Es ist die äusserste Tür, die Peripherie deines Wesens. Es ist so äusserlich wie irgendein Tun, deshalb nennt man es karma mudra. Karma bedeutet Handlung, Aktion. Aktion ist der äusserste Bestandteil deines Wesens, es ist deine Peripherie. Was du tust, gehört zur Peripherie. Du liebst jemanden, du hasst jemanden, du tötest jemanden, du schützt jemanden. Was du tust, gehört zu deiner Peripherie. Aktion ist der äusserste Teil deines Wesens.

    Das erste Siegel öffnest du, indem du total in deinem Handeln wirst. Was auch immer du tust, tue es total, und eine grosse Freude wird in dir aufkommen. Nicht indem du irgendein Mantra wiederholst, sondern indem du total bist. Wenn du wütend bist, sei total wütend. Du kannst aus deiner Wut eine Menge lernen. Wenn du total wütend bist, und in deiner Wut vollkommen bewusst, wird die Wut eines Tages verschwinden. Wut ist unsinnig, du hast es verstanden. Du kannst sie jetzt fallen lassen. Was du verstanden hast, kannst du loslassen. Nur die Dinge, die du nicht verstanden hast, lassen dich nicht los. Sei also total in allem, was du tust. Versuche, total und wach zu sein : das ist das erste Schloss, das geöffnet werden muss.

    Das zweite Siegel wird gyana mudra genannt. Es ist ein wenig tiefer als das erste, es ist ein bisschen weiter innen als das erste. So wie Wissen. Aktion ist das, was aussen ist, Wissen liegt etwas tiefer. Ihr könnt beobachten, was ich tue, aber ihr könnt nicht sehen, was ich weiss. Wissen ist innen. Aktionen lassen sich beobachten. Wissen lässt sich nicht beobachten, es ist innen. Das zweite Siegel ist das Wissen.

    Fangt jetzt an, nur das zu wissen, was ihr wirklich wisst und hört auf, Dinge zu glauben, die ihr nicht wisst. Irgendwer fragt dich : "Gibt es einen Gott ?", und du sagst : "Ja, es gibt Gott." Pass auf, weisst du es wirklich ? Wenn du es nicht weisst, dann sage bitte nicht, dass du es weisst. Sage : "Ich weiss es nicht." Wenn du ehrlich bist, wenn du nur sagst, was du weisst und nur glaubst, was du weisst, wird das zweite Schloss aufgehen. Wenn du ständig Wissen vortäuscht und Dinge glaubst, von denen du keine Ahnung hast, wirst du das zweite Schloss niemals knacken. Falsches Wissen ist der Feind des wahren Wissens. Alle Glaubenssysteme sind falsches Wissen; ihr glaubt ihnen einfach. Und eure sogenannten Heiligen reden euch ständig ein : "Zuerst müsst ihr glauben, dann werdet ihr wissen."

    Tantra sagt : Wisse erst, dann glaubst du auch. Aber es ist eine völlig andere Art von Glauben. Es ist Vertrauen. An Gott glaubt ihr, die Sonne kennt ihr. Die Sonne geht auf, ihr braucht nicht an sie zu glauben. Sie ist einfach da und ihr wisst es. An Gott aber glaubt ihr. Euer Gott ist Schwindel. Es gibt einen anderen Gott, der Gott der durch Erkennen kommt.

    Der dritte Siegel wird samaya mudra genannt. Samaya bedeutet Zeit. Die erste, die äussere Schicht ist Tun, die zweite Schicht ist Wissen, die dritte ist Zeit. Wissen ist verschwunden, das zweite Schloss ist aufgebrochen, du bist nur noch im Jetzt, nur reinste Zeit ist geblieben. Beobachte, meditiere darüber. Im Jetztzustand gibt es kein Wissen.

    Wissen bezieht sich immer auf die Vergangenheit. Im Augenblick des Jetzt gibt es kein Wissen, er ist vollkommen frei von Wissen. Wenn du jetzt denkst, dass du dies und das weisst, dann kommt dieses Wissen aus der Vergangenheit. Es kommt nicht aus dem Jetzt, nicht aus diesem Augenblick. Wissen kommt aus der Vergangenheit oder es ist eine Projektion in die Zukunft. Das Jetzt ist rein von allem Wissen.

    Also ist das dritte Siegel, das samaya mudra, das Sein im Hier und Jetzt. Warum nennt Saraha es Zeit ? Normalerweise sagt man, dass Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft die drei Zeitsparten sind, aber Tantra sieht das anders. Tantra sagt : nur die Gegenwart ist Zeit. Die Vergangenheit ist nicht Zeit, denn sie ist schon vorbei. Die Zukunft ist nicht Zeit, sie ist noch nicht da. Nur die Gegenwart existiert.

    In der Gegenwart zu sein bedeutet, wirklich in der Zeit zu sein. Andernfalls bist du in der Erinnerung oder du bist in Träumen, und beide sind Illusion, Täuschungen. Also wird das dritte Siegel erbrochen, wenn du im Jetzt bist. Zunächst sei total in deinem Tun : das erste Siegel ist erbrochen. Zweitens, sei ehrlich in dem, was du weisst : das zweite Schloss ist erbrochen. Und jetzt sei einfach im Hier und Jetzt : und das dritte Siegel ist erbrochen.

    Das vierte Siegel wird mahamudra genannt. Jetzt ist nur reiner Raum geblieben. Tun, Wissen, Zeit, Raum, das sind die vier Siegel. Raum ist dein innerster Kern, die Nabe des Rades oder das Zentrum des Orkans. In deiner innersten Leere ist Raum, Himmel.
     
  10. Niemand

    Niemand Sehr aktives Mitglied

    Registriert seit:
    21. November 2004
    Beiträge:
    7.604
    Ort:
    Niemandsland / Neutrale Zone
    Werbung:
    Nicht-Denken ist das Tor ... sagt Osho :)
     
Die Seite wird geladen...
Ähnliche Themen
  1. Damour
    Antworten:
    71
    Aufrufe:
    2.665
  2. MrKafka
    Antworten:
    7
    Aufrufe:
    5.136
  3. Vor v Zakone
    Antworten:
    3
    Aufrufe:
    852
  4. MeGaXYZ
    Antworten:
    8
    Aufrufe:
    764
  5. DarkVisions
    Antworten:
    64
    Aufrufe:
    4.751
  6. mika
    Antworten:
    0
    Aufrufe:
    544
  7. Häxli
    Antworten:
    27
    Aufrufe:
    1.375

Diese Seite empfehlen