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Abschied

Dieses Thema im Forum "Aufgeschrieben" wurde erstellt von Nahatkami, 30. April 2006.

  1. Nahatkami

    Nahatkami Guest

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    Abschied

    Ich bin gestorben. Doch nicht einfach so. Ich bin freiwillig gegangen. Habe mein Zuhause verlassen, habe ihn verlassen. Jetzt bin ich nur noch ein Geist. Ein hauch, der manchmal durch seine Erinnerungen weht.
    Jetzt, wo er den Verlust verkraftet hat, fühle ich mich dazu bereit, ein letztes mal dorthin zu kehren, was einst mein Heim war, unser Heim.

    Still und unsichtbar bewege ich mich die Stufen des Treppenhauses hinauf. Es ist ruhig hier, wie immer, nichts hat sich verändert. Ich schlüpfe durch die Wohnungstür, nehme sofort den fremden Geruch wahr. Zu hören ist nichts... Im Flur sitzt mein Kater und er weiß, daß ich hier bin, als hätte er auf mich gewartet. Er kommt auf mich zugelaufen, läuft durch mich hindurch und mauzt verduzt und überrascht. Ich knie mich nieder und berühre ihn, doch es gelingt mir genauso wenig wie ihm und enttäuscht richte ich mich wider auf. Ich hauche seinen Namen und er spitzt die Ohren. Er hört mich! Er weiß das ich hier bin, irgendwie. Nervös und verwirrt läuft er in die Küche und läßt mich einsam zurück.

    Geräusche aus dem Bad ziehen mich an. Ich dringe durch die Tür und sehe ihn! Ihn, den ich zurückließ. Ihn, mit dem ich neun Jahre meines Lebens verbrachte und dann verlassen habe. Er summt leise vor sich hin, eine fremde Melodie, über das Waschbecken gebeugt, Zähne putzend. Unendlich oft habe ich ihn so gesehen, doch nun beobachte ich ihn genau; es wird das letze mal sein... Seine Rückenmuskeln bewegen sich sanft, ein Spiel von Licht und Schatten auf weicher Haut. Seine kurzen dunklen Haare sind noch vom Schlaf zerwühlt; weiße Fussel, Zeugen einer lebendigen nacht, haben sich dort verfangen. Sein Summen verstummt, er spült sich den Mund aus. Wasser spritzt, kleine Tröpfchen schweben davon und setzen sich auf dem silbernen Wasserhahn ab, schweben auf den Rand des Waschbeckens. Er greift durch mich hindurch - ich weiche nicht aus -, nach seinem Handtuch und trocknet damit sein Gesicht. Flüchtige, doch gezielte Bewegungen. Jeden Tag auf's neue ausgeführt. Wie schon immer. Mich gibt es nicht mehr, doch diese Bewegungsabläufe sind standfester, sind nicht vergessen worden... Der Rasierer brummt leise vor sich hin, er zieht das Kinn straff um die kratzenden Stoppeln zu bekämpfen. Ich stelle mich hinter ihn, schaue über seine Schulter in den Spiegel. Ich sehe mich nicht mehr darin, oft genbug hatte ich es getan... Er verharrt, zweifelnd, schaut durch den Spiegel direkt in meine Augen und gleichzeitig durch mich hindurch, er dreht sich um, kurz, zögernd - als erahnt er mich. Der Rasierer in seiner hand brummt noch immer, er sieht wieder in den Spiegel, summt seine Melodie, beendet sein Werk. Ich lächele sein Spiegelbild an, küsse ihn leicht auf die rechte Schulter. Er bemerkt es nicht. Ich lasse ihn zurück.

    Mein Kater sitzt in einer Ecke auf dem langen Flur und beobachtet mich aus der Entfernung. Er ist ganz ruhig und starrt in meine Richtung, ohne zu blinzeln, ohne sich zu rühren. Oft habe ich ihn so gesehen und mich gefragt, was er wohl so intensiv beobachten mag. Mir war es immer ein wenig unheimlich. Als würde die Katze etwas sehen, was ich nicht sah. Nun weiß ich es...

    Ich dringe in das Schlafzimmer. Es hat sich nicht viel geändert und doch alles. Im Bett liegt sie. Dort, wo ich einst lag, hat sie nun meinen Platz eingenommen, füllt die Leere neben ihm, an seiner Seite. Ein Sonnenstrahl fällt über ihre schwarzen haare, die sich über das Laken ergießen. Ort der Liebe, denke ich und gehe auf den Lichtstrahl zu, der durch den Spalt zwischen den schwarzen Gardinen fällt. Er durchdringt mich, ich werfe keinen Schatten. Ich schaue auf die Bäume vor dem fenster, sie schaukeln vertraut und ich kenne das Rascheln ihrer dunkelgrünen Blätter im Licht. Sie, in meinem Bett leigend, wälzt sich unruhig im Schlaf. Ich gehe, habe genug gesehen.

    In der Küche erwartet mich mein Kater, miaut heiser, richtet seinen Schwanz auf und läuft unruhig umher. "Ich kann dir nichts mehr geben", flüster ich ihm zu und denke dabei nicht nur an sein Futter. Dieser Raum hat sich verändert, hat eine andere Ausstrahlung angenommen. Wo einst mein Joghurt stand, befinden sich Gläser mit Babynahrung. Meine geliebte Unordnung mußte weichen und alles scheint einen festen, starren Platz bekommen zu haben. Anstelle von Teegeruch zieht sich der von Kaffee durch die Wohnung. Ich folge diesem Duft und gelange in das Wohnzimmer, wo ich ihn finde, die braune Brühe trinkend, die ich einst verachtete. Zwei Toastscheiben vor ihm auf dem Tisch. Leise läuft Musik aus dem Radio und plätschert vor sich hin. Er nimmt Rücksicht, um sie, neben an, nicht zu wecken und nicht nur sie... Ich schaue ihm zu, wie er ißt, wie er trinkt. Ich habe Zeit... Er lehnt sich noch einige Augenblicke zurück, schmiegt sich an die Lehne der Couch, kratzt sich am Kopf und schaut gedankenverloren in sein Aquarium und beobachtet die Fische, die er gefüttert hat, noch bevor er selbst etwas zu sich nahm. Denkt er manchmal an mich,wenn er so dasitzt? Ich setze mich dazu, schaue auch in das Wasser und erkenne all die kleinen Freunde wieder.

    Er steht auf. Ich bleibe sitzen und schaue ihm nach, wie er leise das Geschirr in der Küche in den Spüler räumt. Leise. Um sie nicht zu stören, die nebenan in meinen Kissen träumt; doch nicht nur sie... Ich höre ihn die letzte Tür dieser Wohnung öffnen, welche einst mir gehörte. Er ist sanft, das Klicken der Tür kaum hörbar. Ich warte noch, bevor ich ihm folge. Ich weiß, was mich erwartet, doch war nicht ganz auf diesen Anblick vorbereitet... Er steht vor dem Kinderbettchen und blickt in die leuchtenden Augen des winzigen Kindes, welches mit seinen kleinen Füßen spielt und glückliche Schnalzgeräusche von sich gibt. Ihr Kind, doch er nimmt den Kleinen auf den Arm, als wäre es sein eigener Sohn. Ich hoffe, du wirst ihm ein guter Vater... Der Kleine lächelt mich an. Ich strecke ihm meine Hand entgegen und er greift vergnügt danach und lacht! Er unterscheidet noch nicht zwischen richtig und falsch, wirklich und unwirklich. Für ihn ist die Welt noch heil, noch ganz. Noch hat der traumatische Schock der Erkenntnis ihn nicht ergriffen und ich wünsche ihm, daß es möglichst lange so bleibt. Vielleicht etwas länger, als bei den restlichen Kindern dieser Welt. Diese Hoffnung habe ich!
    Er legt das Kind zurück in sein Bettchen und es nimmt strahlend sein Spiel mit Hand und Fuß wieder auf. Er streicht zart über das kleine Gesichtchen und für einen kurzen Moment denke ich, es hätte mein Kind sein können, unser Kind...

    Er geht, ich folge ihm. Im Flur zieht er sich seine Schuhe an, seine Jacke; unwissend, daß er nicht nur von zwei Katzenaugen beobachtet wird. Es ist still hier, so fremd.
    Er nimmt seine Tasche, seinen Wohnungsschlüssel. Kurz verharrt er vor der Schlafzimmertür, scheint zu zögern, dann schlüpft er hinein.
    Der Sonnenstrahl ist gewandert, ich kann ihn sehen. Er berührt nicht mehr ihre Haare, hat die Wand erreicht und schmückt die kahlen Stellen, wo einst meine Bilder hingen, für einige Augenblicke.
    Sie schläft noch immer und er drückt ihr einen leichten Kuß auf die Wange, wie er es bei mir neun Jahre zuvor getan hatte. Sie nimmt es wahr, doch reagiert sie kaum, denn sie weiß, daß er am Abend zu ihr zurückkehren wird. Sie vertraut, wie er einst mir vertraute...

    Er öffnet die Tür zum Treppenhaus. Ich dreh mich um, sehe meinen Kater ein letztes mal an in die Augen. Er schaut mich wissend an, erwiedert meinen Blick...
    Ich laufe die Stufen mit ihm hinunter, wie damals. Wie so oft. Ich habe sie nie gezählt und auch jetzt erscheint es mir nicht wichtig. Draußen folge ich ihm noch ein Stück, dann bleibe ich stehen. Er steigt in sein Auto. PENG! Die Tür schließt sich, er dreht den Zündschlüssel und nach einigen Rucks ist der Wagen ausgeparkt. Auch das hat sich nicht geändet. Die gleichen Reaktionen, die gleichen handgriffe und Blicke in den Rückspiegel.
    Er fährt davon, als hätte es mich nie gegeben; als wäre alles wie immer und nie unterbrochen worden.
    Ich sehe dem Auto hinterher, wie es im Sonnenlicht verschwindet.
    "Viel GLück", rufe ich ihm nach und gehe in die entgegengesetzte Richtung davon, die Sonne im Rücken.

    (für K.)
     
  2. Bigenes

    Bigenes Sehr aktives Mitglied

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  3. Bigenes

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