Ziviler Ungehorsam - was darf (Klima-)Aktivismus?

Theoretisch müssten große Schritte gemacht werden und zwar global. Aber da sieht es eher düster aus, fürchte ich.

Ja, es müssten sehr große Schritte gemacht werden - z.B. indem die Energiewende wieder und weiter beschleunigt wird. Und auch richtig: Das muss global geschehen, und das sieht derzeit leider noch düster aus:

Mit dem aktuellen Kurs steuern wir auf etwa 2,9° Erwärmung am Ende des jahrhunderts zu. Wenn alle Regierungen alle konkret zugesicherten Klimaschutz-Maßnahmen wirklich umsetzen, würden wir immerhin die Erwärmung auf wahrscheinlich 2,4° begrenzen können. Das ist schonmal besser als nichts, aber nicht genug, um die drohende Dystopie deutlich zu mildern.

Das brauch einen aber nicht dran hindern, auch die kleinen Schritte zu gehen.
 
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Das sind hauptsächlich bloß „Wohlstandskinder“, die sich selbst als vermeintliche Masterminds profilieren – und ins Rampenlicht des „Boulevards“ tackern wollen, schätze ich mal.
Was sind Wohlstandskinder?
Nicht wirklich „sozial schwach“ aufgewachsen – sondern eher materiell und bildungsmäßig Verwöhnte, meinte ich damit. Repräsentativ für „die“ weltweite Jugend halte ich sie jedenfalls nicht.

Mag ja sein.

Die Klimakriese wird trotzdem alle treffen - beispielsweise auch die weniger materiell verwöhnten Menschen, die in der Äquatorregion wegziehen müssen, weil es da zu schwül-heiß werden wird, als dass man da gut langfristig wohnen könnte. Und das ist dann repräsentativ.
 
Mag ja sein.

Die Klimakriese wird trotzdem alle treffen - beispielsweise auch die weniger materiell verwöhnten Menschen, die in der Äquatorregion wegziehen müssen, weil es da zu schwül-heiß werden wird, als dass man da gut langfristig wohnen könnte. Und das ist dann repräsentativ.
Ja – vor allem und zuerst – besonders aber die „ärmeren“ Menschen und Länder, denk ich mir mal gaaanz naiv. :whistle:
 
Viele Dinge oder Tätigkeiten werden zum Problem, wenn zu viele sie haben oder tun wollen.

Als es mit Flugreisen losging, war lange völlig klar, daß es sich nur wenige leisten können. Dementsprechend elitär und vertretbar klein war die Anzahl der Flugreisenden - zunächst. Die Preise für Business Class im Inland hab ich noch etwa in Erinnerung. Das war richtig Geld. Dann fiel mit den 99 Mark Tickets nach Mallorca eine Schranke. Ein neues Zeitalter begann.

So war damals mein Gefühl. Das sehe ich, 25 Jahre später, mehr als bestätigt. Ist ja pervers, wie billig mittlerweile Flüge (auch innereuropäisch) verscherbelt werden. Und selbst wenn es immer nur einige der Tickets sind, so bleibt doch in den Köpfen hängen "Fliegen ist so billig, daß es Alle können" -und demzufolge auch wollen. Das ist ungehöriges Habenwollenwecken.

Mit dem ein eigenes Auto fahren wars nicht anders, oder den modernen Telefonen für jeden, die selbstverständlich jedes Jahr durch ein neues und noch dolleres ersetzt werden müssen. Kleidung kenne ich noch als wertig und langlebig, ebenso wie Möbel und Elektrogeräte.

Die Entwicklung hin zum Massenramsch nahm mit der Globalisierung richtig Fahrt auf. So kann es nicht wundern, wie das ganze Gefüge von Arbeitsplätzen, Qualität der Güter, Müllbergen, Energie- und Ressourcenverballerung bishin zu Sinnentleerung und Streß sich seitdem entwickelt hat. Das ist so umfassend, daß es mit Einzelmaßnahmen nicht getan ist. Trotzdem werden auch einzelne Ideen sinnvoll sein.

Mit uns ist die Generation derer, die es noch anders kennen, im Verschwinden begriffen. Sie tun ja quasi so, als gäbe es uns bereits nicht mehr. Alt beginnt ab 30, und ich denke, die werden sich alle noch ganz bös umgucken. Nicht nur, weil der Strom eben doch nicht einfach aus der Steckdose kommt, sondern wegen viel mehr. Sie können einem leid tun.

Sie nennen sich Letzte Generation und denken, sie wären die Letzten, die es noch packen. Genau genommen müßten wir uns so nennen, denn sie sind jetzt schon als lost anzusehen. Und dabei ist noch nichtmal an die anderen Länder Europas oder gar der Welt gedacht.

Klingt grad sehr negativ. Die Amsel badet in der Abendsonne, 3 Meter vor meinem Fenster.
Die stiebenden Wassertropfen funkeln, daß es eine wahre Pracht ist. Das ist und war Jetzt.
 
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Und da denkst Du gaaanz naiv richtig. So what?
Sich auf die Straße zu pflastern, damit ein 49 Euro Ticket, das sich viele von ihnen ohnehin locker leisten können – dann nur noch 9 Euro kosten soll – ist gelinde gesagt, mit Kanonen auf Spatzen schießen – Wobei kostspielige „Kollateralschäden“ dabei bewusst – gerne von ihnen in Kauf genommen werden. Ok, vielleicht checken sie es aber auch bloß wirklich nicht, dass sie selbst eine ganz, ganz große Meise haben. :rolleyes:
 
Viele Dinge oder Tätigkeiten werden zum Problem, wenn zu viele sie haben oder tun wollen.

Ja. Du wirst den Klimaschutz allerdings nicht massentauglich hinbekommen, indem man nur mit dem moralischen Zeigefinger dasteht und anmerkt, was man nicht mehr tun wollen soll bzw. worauf man alles verzichten soll. Dann würden wir weiter dabei bleiben, dass eine kleine Minderheit in der gesellschaft mit viel Mühe, Verzicht und trotzdem Mehrkosten für sich klimafreudlich lebt, und einer Mehrheit, die daneben steht, den Kopf schüttelt und das Schreckgespenst einer drohenden Öko-Diktatur an die Wand malt.

Für Klimaschutz, bei dem auch alle mitmachen, muss dieser eben einfach und günstig sein; die dafür nötige Infrastruktur muss zur Verfügung stehen, so dass ein klimafreundlicheres Leben gut möglich ist, ohne auf sehr viel verzichten zu müssen.

Als es mit Flugreisen losging, war lange völlig klar, daß es sich nur wenige leisten können. Dementsprechend elitär und vertretbar klein war die Anzahl der Flugreisenden - zunächst. Die Preise für Business Class im Inland hab ich noch etwa in Erinnerung. Das war richtig Geld. Dann fiel mit den 99 Mark Tickets nach Mallorca eine Schranke. Ein neues Zeitalter begann.

So war damals mein Gefühl. Das sehe ich, 25 Jahre später, mehr als bestätigt. Ist ja pervers, wie billig mittlerweile Flüge (auch innereuropäisch) verscherbelt werden. Und selbst wenn es immer nur einige der Tickets sind, so bleibt doch in den Köpfen hängen "Fliegen ist so billig, daß es Alle können" -und demzufolge auch wollen. Das ist ungehöriges Habenwollenwecken.

Und auch hier: Die Infrastruktur muss geschaffen werden, damit viele Flugverbindungen obsolet werden. Das Bahn-Netz muss verbessert werden, und dann braucht es vielleicht gesetzliche Regelungen, dass es keine Flugverbindung zwische nStäden geben darf, zwischen denen eine brauchbare Bahnverbindung existiert. Damit wäre schon ein klein wenig was gewonnen, und z.B. Frankreich plant oder plante solche Gesetze schon.

Wir werden nicht komplett auf den Luftverkehr verzichten können, und das sehe ich auch nicht nur als Luxusproblem oder "Habenwollen" an. Die Fähigkeit zu reisen - auch weit zu reisen - erweitert Horizonte und baut Xenophobie ab. Und, wer ab und zu - muss ja nicht alljährlich sein - wohin reisen will, wo es keine brauchbare andere Verbindung dazwischen gibt, kann und soll mMn ruhig das Flugzeug dazu benutzen können (tue ich auch...)

Mit dem ein eigenes Auto fahren wars nicht anders

Ja, und unser Verkehrsminister unterstützt das gerade stark. Die FDP ist groß darin, plötzlich die soziale Gerechtigkeit zu entdecken und zu fordern, dass alle sich ein fettes Auto leisten können sollen. Und ich gebe es zu: Auto fahren macht auch mir Spaß. Da werden wir aber runter kommen müssen - nicht nur runter vom Verbrennermotor, sondern allgemein muss der Individualverkehr reduziert werden. Und damit da alle mitmachen können, ohne starke Abstriche im Alltag machen zu müssen, muss eben auch da die nötige Infrastruktur geschaffen werden: Ein brauchbarer ÖPNV, und eine Stadtplanung, die es ebenfalls ermöglicht, den Alltag ohne viele Autofahrten zu erledigen.

, oder den modernen Telefonen für jeden, die selbstverständlich jedes Jahr durch ein neues und noch dolleres ersetzt werden müssen.

Und auch da gibt es Angebote, die die Telefone "haltbarer" machen.

(Mein aktuelles ist übrigens jetzt 4 Jahre alt, hat leider die Spider-App, aber ich plane noch nicht, es auszutauschen,weil es sonst noch gut brauchbar ist)

Kleidung kenne ich noch als wertig und langlebig, ebenso wie Möbel und Elektrogeräte.

Ja, wäre schön, wenn man diesen Zustand wieder irgendwie hinbekommen könnte.

(...) Das ist so umfassend, daß es mit Einzelmaßnahmen nicht getan ist. Trotzdem werden auch einzelne Ideen sinnvoll sein.

Natürlich ist es mit Einzelmaßnahmen nicht getan, sondern nur mit einem großen Maßnahmenkatalog. Das bedeutet aber nicht, dass Einzelmaßnahmen - so klein deren Effekt auch ist - deswegen komplett sinnlos wären.
 
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Sich auf die Straße zu pflastern, damit ein 49 Euro Ticket, das sich viele von ihnen ohnehin locker leisten können – dann nur noch 9 Euro kosten soll – ist gelinde gesagt, mit Kanonen auf Spatzen schießen

Die Klebeaktionen fingen an, als auch vom 49-Euro-Ticket noch nichts zu sehen war; im gegenteil war es die FDP damals, die sich gegen ein Nachfolgeangebot zum 9-Euro-Ticket letztes Jahr streubte. Erst später kamen dann ja vorsichtige Meldungen, dass es ein ähnlich einfaches, aber eben teureres Deutschland-weit gültiges Ticket geben wird. Ob die letzte Generation jetzt explizit noch fordert, dass dieses Deutschlandticket gefälligst günstiger sein soll... das habe ich noch nicht gesehen.

Darüber hinaus geht es um ein allgemeines Tempolimit auf deutschen Autobahnen und Landstraßen. Was es bringen würde, habe ich vorhin schonmal wieder dargelegt. Trotzdem streubt sich da Herr Wissing extrem dagegen u.a. mit der fadenscheinigen Ausrede, es gäbe nicht ausreichend viele Schilder dafür. Da frage ich mich, wie all die anderen Länder in Europa das hinbekommen, die alle ein allgemeines Tempolimit haben. Ach ja... für ein allgemeines Tempolimit braucht man nicht mehr sondern weniger Schilder. Wer sagt das Herrn Wissing?

Ob es nun 100 km/h, 110 km/h, 120 km/h oder nur 130 km/h sein würden... ich weiß nicht, wie weit die letzte Generation weiter protestieren würde, wenn es eben wie z.B. in Schweden bei 110 km/h landen würde.

– Wobei kostspielige „Kollateralschäden“ dabei bewusst – gerne von ihnen in Kauf genommen werden. Ok, vielleicht checken sie es aber auch bloß wirklich nicht, dass sie selbst eine ganz, ganz große Meise haben. :rolleyes:

Sie checken vor allem nicht, dass zum effektiven Klimaschutz auch alle mitmachen müssen, und dass sie sicher nicht dafür sorgen, wenn sie nur den moralischen Zeigefinger auf alle halten, die nicht perfekt klimafreundlich leben, aus welchen Gründen auch immer. Da trifft die Kritik von FfF, die Du vorhin mal zitiert hast, vollkommen ins Schwarze. Das Problem der Klimakriese wird aber nicht kleiner, weil da ein paar Aktivisten durchdrehen.
 
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Das geht allerdings auch zu weit!

Die Wut gegen Klima-Kleber eskaliert: Am Donnerstag versuchte ein Passant, einen Aktivisten der „Letzten Generation“ bei den Protesten in Berlin mit einem brennenden Feuerzeug anzuzünden.
Die Polizei konnte Schlimmeres verhindern. Heute wurde ein weiterer Aktivist von einem Auto angefahren.
Umsichtigen und schnell reagierenden Berliner Polizeibeamten ist es zu verdanken, dass ein Brandanschlag auf einen Aktivisten der „Letzten Generation“ in allerletzter Sekunde noch verhindert werden konnte.

 
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