Hallo Alice,
wie man hier sehen kann, bist du jung, klug und motiviert, siehst deshalb relativ gelassen in die Zukunft - wissend, dass du all das zu bieten hast, was heute erwartet wird. Das ist schön für dich, denn du hast realistische Perspektiven. Du kannst selbst bestimmen, welche berufliche Qualifikation du absolvieren möchtest, wie ich dich einschätze, wirst du deine Ziele auch erreichen.
Nun betätige ich mich einmal als Wahrsager: Du wirst mit großer Energie und Freude in dein Berufsleben eintreten und auch einige Stufen der Karriereleiter erklimmen. Du wirst mit Erfolg und entsprechenden finanziellen Mitteln dafür belohnt werden. Früher oder später aber, wird es dir auch so gehen, wie den allermeisten Leuten, die heute von staatlichen Stützen leben müssen. Dann wirst du verstehen, was es bedeutet, für die Aufrechterhaltung seines inzwischen freudlos gewordenen Lebens all seine Kraft aufwenden zu müssen, indem man seinen Alltag mit Arbeiten, die keinen Spaß machen und als öde empfunden werden, fristen zu müssen. Und auch du wirst dann feststellen, dass das nicht der Sinn deines Lebens sein kann. Aber du wirst dann erkennen, dass auch du in der Falle sitzt: Aussteigen ist nicht, sonst ist alles weg. Weniger arbeiten ist auch nicht, denn dann reicht es nicht mehr, um den Standard zu halten. Also wirst auch du dich selbst schinden, weil du die oben zitierten neoliberalen Parolen verinnerlicht hast. Du wirst es dir nicht leisten können, dir einzugestehen, dass du nicht mehr leistungsfähig bist und damit entbehrlich. Deshalb wirst auch du weiter wursteln bis du zusammenbrichst, oder man dich entsorgt. Spätestens dann wirst auch du auf den Trichter kommen, dass der Wert eines Menschen
nicht von seiner Leistung abhängig gemascht werden darf, sondern dies nur aus eigennützigen Gründen von spirituellen Kleingeistern so propagiert wurde.
Wir sind keine Leistungsgesellschaft mehr. Leistung lohnt sich nicht wirklich. Die Leute werden abhängig gemacht und zur Arbeit genötigt. Wer nicht mehr kann, fliegt raus. Versuche doch heute noch einmal, wegen Krankheit eine Erwerbsminderungsrente zu bekommen. Gleichzeitig werden Andere, teilweise noch unter 40, zwangspensioniert. Manche klagen auf Widereinstellung und werden abgewimmelt! Von jedem Euro, der für Mehrarbeit gezahlt wird, greift der Staat 50% ab, einschließlich Nebenkosten zahlt der AG also für jeden , der beim AN ankommt, ca. 2,20.
Wer den Hals nicht vollkriegen kann, der sollte sich auch totarbeiten dürfen. Dass man durch Erwerbsarbeit kaum noch die durchschnittlichen Lebenshaltungskosten verdienen kann, ist ein Skandal, der zum Himmel stinkt. Das hat wenig mit Globalisierung zu tun, sondern fußt auf einer hirnrissigen Organisation der Binnenwirtschaft und des Staatsfinanzsystems.
lg esoterix