Na, vermutest Du gerade, dass mir was Böses fehlt? Mir fehlt nichts.
Wenn Du es nicht vermutest, andere machen es sicherlich, daher möchte ich doch etwas dazu schreiben:
Leider gibt es noch diese extrem oberflächliche und umso verbreitetere Meinung: wer lieb ist, ist doof und wer böse ist, ist klug oder anders: Wer ein sich durchsetzender A... ist, der ist ein toller Hecht Das ist beides Humbug.
Meiner Erfahrung werden Äußerungen folgender Art (ist nicht von Dir hier, ist etwas was ich in einer früheren Firma hörte)
"äy Du bist zu lieb, Du musst mal arschig sein bzw so rumschreien wie ich, dann biste normal, ne, du bist ja nicht normal und ich glaub dir nicht, dass Du nicht böse bist .... bla bla bla bla ...."
Also solche Äußerungen werden von egozentrischen Menschen gemacht, die nicht über die eigene Projektion hinausdenken können und ihre eigenen Unfähigkeiten und Defizite nur ertragen können, wenn sie genau diese überhöhen und sich damit profilieren, in Ermangelung von etwas selbst erarbeitetem.
Aber das wurde hier ja schon geklärt. Es geht um Menschen, es geht um Selbsterkenntnis und Entwicklung ... es geht nicht darum, sich oder andere für böse zu erklären oder das eine oder andere auf unterster Schiene für das nonplusultra zu erklären.
Im kabbalistischen Lebensbaum sind die Sephiroth der Güte (Liebe, Nachsichtigkeit usw) und der Strenge (Grenzen setzen, Konsequenz, Verantwortung) gegenüber und im absoluten Gleichgewicht. Das bedeutet, man hat am besten beide Eigenschaften gleichermaßen in sich entwickelt und im Gleichgewicht.
Ein nachgiebiger "lieber Narr" ohne jede Verantwortung und Durchsetzungsstärke ist genauso im Ungleichgewicht wie jemand, der immer das Bild des "ich bin so böse und allen überlegen, die so dumm sind, lieb zu sein" aufrecht erhält. Beide sind im Ungleichgewicht. Keiner von beiden kann aufrichtig lieben, sich selbst und andere, und keiner von beiden kann die volle Verantwortung für jede Handlung und für jede Situation, die sich im eigenen Leben abspielt, übernehmen. Oft spiegeln sich bei Begegnungen die Schatten derer, die sich begegnen. Deshalb lernt man ja so viel aus menschlichen Beziehungen ...
Nach einem Schock oder Ausschlag in eine extreme Richtung besteht wie bei einem Pendel eine große Energie, in das Gegenteil zu gehen. Das extreme Gegenteil in der anderen Richtung bietet jedoch das gleiche Dilemma an, nur spiegelverkehrt.
Für mich las sich der Fadentitel also so: Ich bin im Ungleichgewicht, es geht mir um "lieb" und "böse", ich bin mitten in der Transformationsarbeit und Integrationsarbeit.
Das ist tatsächlich ein für mich derzeit brandaktuelles Thema, außerdem verarbeite ich in der Retroperspektive meine bisherigen Beziehungen. Ich löse meine Projektionen auf. Damit die mir bei der nächsten Partnerschaft, sollte ich mal eine haben, nicht in die Quere kommen. Weil ich das soooo satt habe.
Ich bin übrigens mitnichten immer die Liebe gewesen.
Ich hab beide Extreme gelebt und integriert.
Ich bin aus Entschluss lieb zu andren Menschen, wo ich es nicht sein kann oder will, schweige ich. Wozu sollte ich Urteile und Hass auf Menschen abladen, die ohnehin schon genug zu tragen haben und die durch eine Analyse von mir, die sie gar nicht wollen, sich selbst nur schlecht fühlen würden, ohne dass es irgendeinen Nutzen bringt. Das denk ich mir so.
Wo ich merke, ich kann was beitragen und vielleicht ist es nützlich, da mach ich es.
lg
eva