Oft wird berichtet, dass man direkt, nachdem man gestorben ist, von anderen Verstorbenen, die man sehr geliebt hat, begrüßt wird. Vielleicht hat man den Eindruck, es wartet Onkel Fritz oder die eigenen Eltern auf einen. Aber das sind alles nur Modelle dieser Personen. Das ist genauso, wie man Informationen aus einer verfügbaren Datenbank über diese Personen abruft. Auch dabei kann einem Onkel Fritz verraten, dass er in einem geheimen Versteck unter einer Diele im Flur eine Schatzkiste versteckt hat. Und wenn man dann nachschaut, findet man dort auch tatsächlich eine Schatzkiste. Niemand, außer dem verstorbenen Onkel Fritz wusste davon. Also schlussfolgert man, dass man tatsächlich Kontakt zu Onkel Fritz hat. Aber tatsächlich hat man nur Kontakt zu einem Modell. Und das Modell war alles, was Onkel Fritz wusste, weil es auf den Daten über Onkel Fritz aus der Datenbank basiert. Wenn man also nach dem Tod von nahestehenden Menschen begrüßt wird, dann sind das nur Modelle dieser Menschen. Es ist nicht so, dass ein frühzeitig gestorbener Mann für die nächsten 20 Jahre auf einem Stuhl im Jenseits herumsitzt und wartet, bis seine geliebte Frau auch stirbt.
Wenn man stirbt, dann wartet man nicht, sondern man begibt sich sofort in neue Abenteuer. Der Aspekt des Freien Willens, der einst als Mann als Autoverkäufer in Rom vorhanden war, ist nun als stämmiger Holzfäller in Kanada inkarniert und heißt John Smith. Und dieser ist nicht mehr der Ehemann der noch lebenden Frau, sondern eine andere Persönlichkeit. Wenn auch sie stirbt, wird sie trotzdem von einem Modell ihres verstorbenen Ehemanns begrüßt, weil das entspricht den eigenen Erwartungen der Frau. Auf ein solches Modell zu stoßen, hilft beim Übergangsprozess. Alles ist okay, mein geliebter Mann ist hier, und wenn er mir die Hand reicht, dann wird das schon, alles halb so wild. Dadurch fällt es einem leichter, das bisherige Leben loszulassen und der Traum verblasst.
Diese ganze Übergangsrealität dient dazu, einem die Angst zu nehmen. Wenn man aus einem Albtraum aufwacht, ist man völlig verängstigt. Deswegen ist es wichtig, in der Übergangsrealität durch angenehme Erfahrungen begrüßt zu werden. Manche Menschen brauchen dabei mehr Ablenkung als andere. Für solche Menschen wird dann ein aufwendiger Prozess inszeniert. ”Sehen Sie die Warteschlange dort hinten? Stellen Sie sich bitte dort an!“ Und dann stellt man sich dahinten an und wartet. Doch im Grunde geht es nur darum, einem solchen Menschen etwas Zeit zu verschaffen, um zu vergessen und zu bemerken, wie die Dinge allmählich verschwinden. Plötzlich fragt man sich: ”Wo bin ich hier? Was mache ich hier eigentlich?“ Und dann erhält man auch schon die Antwort. ”Stellen Sie sich jetzt da vorne in dieser Gruppe mit an. Da erfahren Sie, wie es weitergeht. Es ist alles in Ordnung. Bewahren Sie Ruhe. Kein Grund zur Sorge. Stellen Sie sich bitte einfach dort an.“
Irgendwann trifft man dann auf jemandem, der mit einem darüber spricht, an welchen Aspekten der eigenen Persönlichkeit man noch arbeiten sollte. Wenn man nur lange genug in Warteschlangen gestanden hat und man das Gefühl hat, da schon wochenlang rumgestanden zu haben, ist man ausreichend gelangweilt, um offen dafür zu sein, etwas Neues zu machen. Da bekommt man dann Fragen gestellt wie ”Wo liegen denn Ihre Schwächen? An welcher Stelle Ihrer Persönlichkeit sollte etwas verbessert werden?“ - ”Wie? Schwächen? Ich? Ich habe keine Schwächen.“ - ”Ach, wirklich? Dann schauen wir doch mal in die Datenbank ...“.
Im Rahmen dieses Prozesses bekommt man sein gesamtes zurückliegendes Leben als eine Art Film vorgespielt. Und dann sagt jemand zum Beispiel: ”Wir glauben, Sie sollten Ihre Aggressionen besser in den Griff bekommen.“ - ”Was? Ich? Aggressionen? Sie machen wohl Witze! Ich bin doch der gütigste Mensch, den man sich vorstellen kann. Ich habe Waisenkinder unterstützt und so vielen anderen Menschen geholfen“. Dann wird einem eine Filmszene vorgeführt, in der man gerade ausrastet, man vor Wut knallrot im Gesicht ist und die Anwesenden zur Sau macht. ”Achso, ja, stimmt, ich erinnere mich. Aber das war doch höchstens diese eine Mal.“ Dann bekommt noch vier oder fünf weitere Szenen gezeigt, so lange bis man dann einsieht ”Ja, okay, ich sollte lernen, wie ich meine Aggressionen besser in den Griff bekomme.“
So, vereinfacht gesagt, funktioniert der ganze Prozess.