Was ist gut?

Obwohl der Thread reichlich fortgeschritten ist möchte ich nochmal auf die Eingangsfrage zurück und sagen, was mir dazu einfällt. Was ist gut, was ist schlecht. Die Frage zielt für mich letztlich auf die menschliche Begriffsbildung und die Frage, was über oder hinter dieser Begriffsbildung steckt.

Ein jeder Begriff resultiert aus Unterscheidung, gut und schlecht sind nur Beispiele. Die Ur-Kraft, die im menschlichen Denken wirkt ist die geistige Kraft der Unterscheidung (auch diese Feststellung ist ein Ergebnis davon) Der Geist vermag zwischen Zuständen zu unterschieden und die Welt so in Einzelteile zu fragmentieren, und erst so kann er Veränderung überhaupt wahrnehmen. Unterscheidung, Fragementierung, Veränderung macht die Welt für den Verstand überschaubarer. Zur Beschreibung oder Einordnung dieser Veränderungen operiert der Geist mit unterscheidenden Begriffen. Er benötigt also diese Unterscheidungsfähigkeit zur Begriffsbildung, um eine für ihn greifbare und praktikable Realität schaffen zu können, innerhalb derer er letztendlich auch seine eigene Existenz unterscheiden kann. Wann immer wir gut oder schlecht sagen, formen und festigen wir in Wahrheit unser Identitäts- und Realitätsgefühl. Auch alle anderen Begriffe dienen dazu, dieses Identitätsgefühl zu schaffen. Gut und schlecht sind demnach nichts anderes als Identitätsstifter, so wie alle anderen Begriffe auch, sprachliche und nicht-sprachliche. Es sind letztlich Geisteszustände, die an einen bestimmten Blickwinkel gebunden sind.
Natürlich haben Unterscheidungen, da sie von Blickwinkeln abhängen, keine absolute Realität. Die absolute Realität ist die Realität, die alle Blickwinkel zugleich beinhaltet, darum gibt es dort auch keine Begriffe, also auch kein gut und schlecht. Da diese These jedoch auch aus dem unterscheidenden Denken kommt, bleibt am Ende doch pure Ungewissheit über die Welt jenseits des Unterscheidens. Es ist nämlich möglich, derartig fein zu unterscheiden, das am Ende nicht Greifbares mehr übrig bleibt. Und dort kann man feststellen, wie der Geist in Ermangelungen von Greifbaren die Begriffe hervorbringt.
Nun behaupten die spirituellen Lehren, daß es soetwas, wie einen stationären Geisteszustand hinter allen Geisteszuständen gibt , der das Denken Denken sein lassen und gleichzeitig in sich selbst ohne Unterscheidung verharren kann - und das auch nicht weiter schlimm findet. Aus der Warte dieses Geisteszustands erscheint kein Gut und schlecht und auch die sonstige Welt der Einzelheiten nicht mehr. Es ist für diesen Geisteszustand ganz und gar unmöglich irgendetwas irgendwie zu finden oder nicht zu finden.
Ob das stimmt, kann man nur herausfinden, indem man bis ins feinste und noch weiter unterscheidet - und dafür ist das Denken ein sehr gutes Werkzeug - zumindest bis zum Rand der Unterscheidbarkeit.
 
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Das ganze hört sich so an als ob hier einige wirklich das ganze schon beherrschen oder leben.
Ich bin leider noch nicht so weit. Es ist nicht leicht gewisse Dinge einfach nicht zu bewerten. Zum beispiel unmenschlich, grausame(Achtung Bewertung) Taten. Mir fällt schwer darin was positives oder überhaupt gar nichts darin zu sehen wenn ein Mensch den anderen umbringt. Noch schwerer fällt es mir dann zu sehen das sich daraus was gutes entwickeln könnte.
Ich bin gerade mal soweit hinter einer tat nicht einfach nur das Gute oder das böse zu sehen sondern die Kausalität die zur Tat führt und damit in Zusammenhang hab ich verstanden das alles was auf unserer Welt passiert, für all das ist jeder ein klein bischen mitverantwortlich.

Vielleicht versucht mir jemand das ganze nochmal in babyblöd zu erklären.*lach*
 
Chrisael schrieb:
Das ganze hört sich so an als ob hier einige wirklich das ganze schon beherrschen oder leben.
Ich bin leider noch nicht so weit. Es ist nicht leicht gewisse Dinge einfach nicht zu bewerten. Zum beispiel unmenschlich, grausame(Achtung Bewertung) Taten. Mir fällt schwer darin was positives oder überhaupt gar nichts darin zu sehen wenn ein Mensch den anderen umbringt. Noch schwerer fällt es mir dann zu sehen das sich daraus was gutes entwickeln könnte.
Ich bin gerade mal soweit hinter einer tat nicht einfach nur das Gute oder das böse zu sehen sondern die Kausalität die zur Tat führt und damit in Zusammenhang hab ich verstanden das alles was auf unserer Welt passiert, für all das ist jeder ein klein bischen mitverantwortlich.

Vielleicht versucht mir jemand das ganze nochmal in babyblöd zu erklären.*lach*

vielleicht so:
Die gleiche Tat, der gleiche Mensch, die gleiche Farbe, das gleiche Landschaftsbild usw. wird von der einen Seite als grausam/böse/schön/hässlich/ bewertet und von der anderen Seite nicht. Was richtet letztendlich darüber, was "wirklich" gut und schlecht ist? Wer hat Recht? Kannst Du beide Seiten gleichzeitig sehen, gehst Du über das Polarisieren und einseitig bewerten hinaus. Meiner Meinung nach ist das wahre Verantwortung! Eben nicht nur Verantwortung dort übernehmen, wo es einem eh leicht fällt und man leicht Urteile fällen kann.

Nicht bewerten heisst nicht, die Finger von allem lassen. Ganz im Gegenteil! Es führt zu grösster Verantwortung, weil es gleichermaßen Hineinfühlen in beide Seiten bedeutet und erst so einen Ausgleich und ein Gleichgewicht schaffen kann. Weil Gut und Schlecht, Gut und Böse usw. sich gegenseitig bedingen und gegenseitig erschaffen kann nur das gleichbewertende, nicht-unterscheidende beide in eines zusammenführen. Das klingt vielleicht "hoch", aber es ist meine tiefste Überzeugung und ich werde tägliche Zeuge der Wirksamkeit dieser Haltung (wenn ich nicht volle Kanne auf das Polariesieren hineinfalle...)
 
Das ist aber überhaupt nicht leicht. Zum Beispiel ein Bild löst bei mir oft ein Gefühl aus. Manchmal ein positives, manchmal ein negatives und machmal, aber eher selten, halt gar keines. Erst beim zweiten mal hinsehen kann ich dann nüchtern bewerten(was die Emotion aber nicht ändert). Aber wie gesagt da bewerte ich ja schon wieder. Eine Neutralität kann ich ja nicht erzwingen. würde ich das tun dann wäre es ja nur ein ignorieren was ja nichts mit neutralem, wertungsfreien Denken zu tun haben würde.
Es ist ja nicht so das ich nicht beide Seiten sehen könnte, das kann ich sogar sehr gut und kann damit auch die Kausalität erkennen oder zumindest erahnen. Das alleine hindert mich aber nicht daran die Dinge wie sie sind trotz allem zu bewerten. Wie kommt man denn von so einem Bewertungsdenken weg? Und warum soll das überhaupt gut sein?
 
Chrisael schrieb:
Das ist aber überhaupt nicht leicht. Zum Beispiel ein Bild löst bei mir oft ein Gefühl aus. Manchmal ein positives, manchmal ein negatives und machmal, aber eher selten, halt gar keines. Erst beim zweiten mal hinsehen kann ich dann nüchtern bewerten(was die Emotion aber nicht ändert). Aber wie gesagt da bewerte ich ja schon wieder. Eine Neutralität kann ich ja nicht erzwingen. würde ich das tun dann wäre es ja nur ein ignorieren was ja nichts mit neutralem, wertungsfreien Denken zu tun haben würde.
Es ist ja nicht so das ich nicht beide Seiten sehen könnte, das kann ich sogar sehr gut und kann damit auch die Kausalität erkennen oder zumindest erahnen. Das alleine hindert mich aber nicht daran die Dinge wie sie sind trotz allem zu bewerten. Wie kommt man denn von so einem Bewertungsdenken weg? Und warum soll das überhaupt gut sein?

Ich sehe es nicht so, das man von einem Bewertungsdenken wegkommen soll oder muss - aber man sollte lernen, es nicht absolut zu setzen. Man sollte das Bewerten als solches erkennen und sich fragen, wozu es führt oder führen kann. Die Bewertung kann bestehen bleiben, aber sie verliert an Absolutheit. Wenn aus dem Bewerten dogmatisches Denken wird, entsteht daraus schnell reflexhaftes, unkontrolliertes und in Folge dessen verantwortungsloses Handeln, weil es alles Abweichende ins Unrecht setzt und letztlich bekämpft. Das Abweichende gleichzeitig neben der eigenen Bewertung stehen zu lassen, darin besteht die Übung in Tolleranz und Einfühlung. Und meiner Meinung nach führt nur diese Haltung auf lange Sicht zu einem Ausgleich zwischen den Polaritäten und hebt damit die Ursache dafür auf. Wenn Du ein Bild anschaust und Du findest es spontan schön und freust Dich daran, aber ein anderer findet es hässlich, dann ist an diesen Bewertungen an sich nichts auszusetzen. Negativ wird es erst, wenn einer von beiden seine Haltung als absolut erstrebenswert und besser als die des anderen einstuft und den anderen gewaltsam überzeugen will. Dieses Polarisieren entsteht meiner Meinung nach aus Mangel an echter Identität, oder anders ausgedrückt: weil wir im Inneren nicht wissen, wer wir wirklich sind, benutzen wir Bewertungen, um uns gegenüber anderen abzugrenzen und so an Identität zu gewinnen, in Abgrenzung zum Anderen, zum "Fremden".
Übertragen auf unser Handeln bedeutet das für mich, zunächst die eigenen Bewertungsmaßstäbe zu prüfen und gleichzeitig die Bewertungsmasstäbe und das Bezugsrahmen des anderen zu erfassen. Daraus kann erst wahres Verstehen erfolgen. Und aus wahrem Verstehen kann überhaupt erst Einfühlen entstehen und aus Einfühlen erst Verständigung und aus Verständigung erst Mitgefühl und daraus erst verantwortungsvolles Handeln. Daß dies leicht ist, sage ich nicht - aber ich halte es für möglich, Bewertungen bestehen lassen zu können, ohne das daraus Mord und Todschlag wird.
 
Danke!^^

So wie du das gerade beschrieben hast kann ich das sehr gut verstehen.
Ganz so weit bin ich zwar noch nicht, das ich meine eigene Meinung/Bewertung, so ganz für sich alleine stehen lassen kann. Manchmal ertappe ich mich oft dabei das ich andere versuche von meiner Meinung, manchmal auch ein wenig aggressiver, zu überzeugen. Doch ich versuch davon loszukommen.
Oft kann ich Meinungen anderer einfach so stehen lassen. Aber es gibt immer noch Themen die können mich schnell aggressiv machen, zB. wos um menschliche oder gesellschaftliche Dinge geht und immer dort wo ich das Gefühl habe das die Leute ignorant sind. Bei solchen Dingen habe ich mich immer noch nicht im Griff.
 
Chrisael schrieb:
Danke!^^

So wie du das gerade beschrieben hast kann ich das sehr gut verstehen.
Ganz so weit bin ich zwar noch nicht, das ich meine eigene Meinung/Bewertung, so ganz für sich alleine stehen lassen kann. Manchmal ertappe ich mich oft dabei das ich andere versuche von meiner Meinung, manchmal auch ein wenig aggressiver, zu überzeugen. Doch ich versuch davon loszukommen.
Oft kann ich Meinungen anderer einfach so stehen lassen. Aber es gibt immer noch Themen die können mich schnell aggressiv machen, zB. wos um menschliche oder gesellschaftliche Dinge geht und immer dort wo ich das Gefühl habe das die Leute ignorant sind. Bei solchen Dingen habe ich mich immer noch nicht im Griff.

Das ist bei mir auch nicht anders! Ich bin inzwischen vielleicht nur weniger zweifelnd und etwas überzeugter als Du und vertraue diesem Weg mehr und mehr von Tag zu Tag

Liebe Grüsse,
Haris
 
Hallo Handwerker
Ich will es etwas verkürzen.
Denn viele Dinge sind einfach nur theologisch,und man kann fast unendlich darüber diskutieren.


ich meine eben dieses gute... welches jenseits dieser persönlichen empfindung liegt. daher ja mein einwand... es muss aber dann trotzdem (ausserhalb) von allem (gesehenen) etwas gutes (in der welt) geben.

Was ist das deiner Ansicht nach konkret,dieses Gute was ausserhalb der persönlichen Empfindung liegt?


oh ja. die ganzen schmusis. aber kann wehtun nicht auch schön sein ? haben wir eine zu verkappte auffassung von schmerz... oder sind wir nicht entsprechend traumatisiert ? wer weiss.... :-|

Ja,wer weiss.
Für einen Masochisten ist der Schmerz durchaus etwas schönes.Dieser hat dann wohl sicher keine verkappte Auffassung von Schmerz mehr. ;-)
Oder ist der Masochist eher traumatisiert?
Wer weiss....


was ist mit einem leben jenseits dieses lebens ? vielleicht denkt ja einer auch da an die allgemeinheit (des lebens; alias illusion).

Kannst du mir das besser erklären was du damit meinst?
Ich verstehe es nämlich nicht was du damit sagen willst.


das ist eben m.e. ein irrtum.

Das ist deine Auffassung.


dieses seine... ist etwas aus ein und dem selben selbst. die illusion ein selbst in einer welt zu sein ist eine inszenierung. es gibt nur ein selbst. man fragt das selbst ;-)

Für mich ist das widersprüchlich.
Wenn es nur ein Selbst gibt,dann kann es keine Illusion sein ein Selbst in einer Welt zu sein.

Es liegt doch an jedem Einzelnen selber aus seinem Leben etwas Gutes zu machen.
Für die Reifung braucht der Mensch das Gute,somit kann er nicht darauf versichten.
Nur,lieber Handwerker,wer legt denn feste ob etwas Gut oder Schelcht ist?
Gott?
Oder das Individium?
Vielleicht ist Gott ja das Individium in Person!?
Wer weiss?
vielleicht ist auch das gute... dass das leben ein traum ist. ein abbild des selbst ;-)

Das ist aber nicht das Gute von dem wir reden.


das gute daran wäre... dass du diesen jungen auch in dir selbst aufnimmst. denn dieser junge... erschafft... weder tötet er.

Was tut der Junge genau?
Was erschafft er?


nein... du hast etwas für dich selbst getan.

Und ob das gut war?


ich rauche weiter... denn alles wird gut (wirkliches kann nicht bedroht werden). was nun ? unwirkliches kann nicht (aus sich selbst heraus; ohne ein und des selben selbst) existieren.

Richtig!
Also kannst du ruhig weiter rauchen.


Denn nicht nur wir,sondern die gesamte Welt unterliegt zu jeder Sekunde einer Veränderung.
ich würde meinen, sie unterliegt... des ein und des selben selbst. es gibt nur ein selbst.

Sag ich was anderes? *grins*


Grüsse vom Narren
 
TIGERMAUS schrieb:
Hallo Handwerker

Der Mond bewirkt nicht? Und die göttliche Kraft?

hi tigermaus,

wenn es nun eine göttliche... statt eine mondliche :-) kraft gibt... was soll dann in dieser welt noch wirken ?

ich habe einen intaliener kennen gelernt der meinte: alles information... alles besteht aus information.

also... no information, no funktionale ;-)


Die Erde bringt ständig neues Leben hervor, und die Menschen denken über eine unsichtbare Kraft des Lebens nach.
Aber die Kraft ist viel stärker, ja es ist die göttliche Kraft.

Mutter Erde

Aber Mutter Erde braucht auch den Mond und die Sonne, so auch wir, und auch ohne göttliche Kraft können Mensch und Natur nicht leben.

das ist m.e. alles insziniert. das leben gibt es schon immer... und wird es immer geben.

ich muss an dieser stelle den thread abbrechen und ein neues thema mit umformulierungen anstellen.

es gibt einen moment da zeigt sich dir die (ganze) anleitung des lebens. und diese "anleitung" ist die eintrittskarte in die ewigkeit.

Was wenn eines Tages sich der Mond von der Erde entfernt, und die Sonne zu einem roten Riesen sich entwickelt, und nach und nach alles verschluckt so auch uns.?

dieses wird niemals geschehen. denn es ist (bereits) ein geschriebenes ende des selbst. und alles was das selbst zu einem ende zu sagen hat, wird sich immer auf eine welt beziehen, die niemals aus sich heraus existieren wird.

cu
 
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Suria schrieb:
Die Welt ist und Du bist. In Wirklichkeit ist das Eins.Wir kreiren diesen Unterschied um bestimmte Erfahrungen zu sammeln...

m.e. kann von einem wir oder einem ich, welches etwas kreiert da keine rede sein. es geht um was ganz anderes. selbst eine zuschreibung von erfahrung sammeln ist meiner meinung nach nicht notwendig. denn alles ist ja insziniert ;-) es ist ein spiel ;-)

cu
 
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