C
Condemn
Guest
Ignoriert man seine eigene Herkunft, nur weil man besser versteht, wie die Nachbarn so ticken?
Was jeder Mensch zuhause tut, kann allen anderen egal sein. Aber spätestens, wenn verschiedene Menschen aufeinander treffen, finde ich es sinnvoll, dass es eine Übereinkunft gibt, wie man sich verhalten kann, darf oder sollte.
Es ist in Deutschland z.B. nicht angebracht, Frauen als weniger wert anzusehen, nur wenn sie weniger Stoff auf dem Körper tragen. Und warum sollte man darüber nicht sprechen?
In manchen Regionen der Erde mag es so sein, dass Frauen mit weniger Kleidung auf dem Körper als weniger wert betrachtet werden - und ich denke, es ist sinnvoll, die Menschen von dort darauf hinzuweisen, dass es hier nicht so ist.
Wenn ich nach Arabien gehe, fände ich es auch sinnvoll, vorher zu wissen, dass ein Minirock mit Korsage dort nicht unbedingt gern gesehen ist. Woher soll ein Mensch so etwas wissen, wenn es ihm nicht gesagt wird?![]()
Im Grunde beschreibst Du hier das Grundproblem: Kommunikation.
Und die Tatsache, dass Kommunikation bei diesem Thema einem Minenfeld gleicht, weil viele Begriffe assoziativ "kontaminiert" sind, ist ein Symptom das darauf schließen lässt, dass das Problem nicht nur Rassismus ist.
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Ein kleines Gedankenspiel: Angenommen, von jetzt auf gleich, ohne Ankündigung und ohne das man/wir es mitbekäme/n, wären alle Rassisten dieser Erde geheilt, wäre das Problem das in diesem Thread recht deutlich wird noch nicht vollkommen gelöst.
Denn das "Minenfeld" bliebe ja noch. Es gäbe noch immer sehr viele Menschen die mit soviel Rassismus-Paranoia im Kopf herumlaufen, dass es nach wie vor zu Diskussionen über Begriffe kommen würde, das es zu Fragen käme warum man die Hautfarbe eines anderen anspricht oder auch warum man sie nicht anspricht, warum man Herkunft vermeintlich betont oder vermeintlich verheimlicht. Ob das nur eine Information ist oder eine Bewertung. Es käme nach wie vor zu Mutmaßungen über vermeintlichen Rassismus in anderen... und das wäre wie ein "Neustart-Knopf" für Rassismus.
Genau das würde sofort wieder Verunsicherung und subtile Abgrenzung erzeugen. Auf die Art lernen Kinder schon mal nicht, selbstverständlich mit offensichtlichen Unterschieden wie Hautfarbe umzugehen. Gerade diese verklemmte Art in der Kommunikation impliziert ja eine große Bedeutung dieser Unterschiede. Auf die Art wird etwas, das relativ unbedeutend sein könnte, mit Bedeutung aufgeladen, bleibt aber gleichzeitig vollkommen im leeren Raum - und damit bleibt es auf diffuse Art fremd. Und was sollen z.B. Kinder daraus für Schlüsse ziehen außer Verunsicherung? Sie lernen: Hautfarbe hat Bedeutung... aber sie wissen gar nicht warum. Genau das würde wieder latenten Rassismus erzeugen.
Unterm Strich ist meine Ansicht dazu: Rassismus ist eine Art gedanklicher Virus den nicht nur Rassisten weitergeben.
