Überarbeitung von Kinderbüchern - notwendig oder Zensur?

Wenn schon, würde ich dieses bekloppte 10 kleine irgendwas ganz streichen...es ist nun mal kein Thema für kleine Kinder, von Mord und Totschlag zu singen und das mit ner Heididiedeldumdei-Melodie...

Und Pipis Langstrumpf oder A.A. Kurzsocke...die haben mich schon als Kind nicht begeistern können...
Gibt ja auch heute Kinderbuchautoren, da muß man diesen alten Quark ja nicht weiterverbreiten...

Auch Robinson Crusoue oder der alte Lederstrumpf...und auch Winnetou sind rassistische Pampleteh ihrer Zeit und gehören eigentlich nicht in Kinderhände.


Sage

Sehr richtig. Aber die Rettung naht. Wie wir alle wissen, gehören Grimms Märchen zu den TOP-Hits selbst der heutigen Kinderbuchliteratur und zwar weltweit. Gleichwohl sind sie ein Feuerwerk der Inkorrektheiten. Damit könnte bald Schluß sein, denn dankenswerter Weise hat die korrekte Umformulierung längst begonnen.

Hier mal ein vorbildiches Beispiel:

Rotkäppchen - politisch korrekt

Auszug :)

Ihre Schreie wurden von einem vorbeigehenden Holzfäller gehört (er selbst zieht es vor, sich als Ingenieur für nachwachsende Rohstoffe zu bezeichnen). Er stürmte sofort in die Hütte, nahm die Gefahr wahr, und wollte Rotkäppchen zu Hilfe eilen. Als er aber seine Axt hob, ließ der Wolf von Rotkäppchen ab und beide wandten sich ihm zu.
"Was glaubst Du eigentlich, was Du hier machst?" herrschte Rotkäppchen ihn an. Der Holzfäller zuckte zusammen und er versuchte zu antworten, doch ihm fehlten die Worte. "Du platzt hier rein wie ein Neandertaler, im Vertrauen auf Deine Waffe, die Dir das Denken abnimmt", schimpfte sie, "Sexist! Rassist! Was bildest Du Dir eigentlich ein, anzunehmen, Frauen und Wölfe könnten ihre Probleme nicht ohne die Hilfe eines Mannes lösen?"
Als die Großmutter Rotkäppchens leidenschaftliche Worte hörte, sprang sie aus dem Maul des Wolfs, ergriff die Axt des Holzfällers und hieb ihm den Kopf ab. Nach diesem Gottesurteil ergriff Rotkäppchen, ihre Großmutter und den Wolf ein eigentümliches Gefühl für die Gemeinsamkeit ihrer Interessen und so entschieden sie sich, eine auf gegenseitigen Respekt und Rücksichtnahme gegründete WG zu bilden, worin sie glücklich bis ans Ende ihrer Tage lebten.

:thumbup:
 
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Ich habe nirgentwo gesagt dass ich für ein Verbot bin, ich habe mir gewünscht dass andere freiwillig auf den Benutz des Wortes verzichten,
Wer hier will denn den Begriff benutzen?


wenn ich und einige anderen darauf hinweisen, was der Grund oder der Sinn des Verbots eigentlich ist. Ich habe auch erklärt was ich mit meinen eigenen Kindern gemacht habe und dass sie heute keine Vorteile haben. Mehrer male habe ich geschrieben,dass ich freiwillig darauf verzichte.
Ich habe eine Position eingenommen in der ich gegen Rassismus diskutieren kann, und dass hätte ich nicht machen können, wenn ich an der Seite derer gewesen wäre, die gegen die Überschreibung sind.
Du meinst, man kann nicht gegen Rassismus argumentieren, wenn man die Veränderungen in Büchern eher kritisch gegenübersteht?

Ich persönlich benutzte das Wort nicht, würde auch keine Bücher für meine Einkelkinder kaufen, die rassistische Wörter beinhalten. Meine Kinder wurden früher und später damit konfrontiert und dann wurde das Thema sachlich besprochen. Das Argument dass man bestimmte Worte in Kinderbüchern braucht um Geschichte zu erklären macht für mich deshalb auch keinen SInn, ich denke der Grund liegt anderswo.
Ich habe meine Begründungen schon mehrfach erklärt. Und Du könntest doch mal auf die Fragen eingehen, die ich oben stellte. Vielleicht wird es dann klarer:

Denn wo ziehst Du die Grenze? Findest Du es z.B. auch sinnvoll den Begriff "Neger" bei Mark Twain in "Sklave" zu ersetzen? Und wie kann man bei Kinderbüchern dafür sein, aber dann nicht wollen, dass das TV-Programm und Musik nach rassistischen Begriffen durchforstet wird? Dürfen Rapper noch "Nigger" in ihren Texten haben?
 
wenn Rassismus nur eine Einstellung ist, die man persönlich getroffen hat, so wie man sich persönlich dazu entscheidet heute einkaufen zu gehen, dann darf die Frage wohl nicht gestellt werden...

wenn Rassismus aber mehr ist als das, und etwas sein kann, dass nach wie vor in Strukutren existiert und in diesen vielleicht sogar unhintergehbar ist (unhintergehbar für die mItteln die wir zurzeit zur Verfügung haben), dann kann die Frage wohl gestellt werden...oder vielleicht eher negativ in dem man fragt, wie kann man von sich selbst behaupten, kein Rassist zu sein? und wenn man das nicht behaupten kann! wie kann man dann sagen, man sei kein Rassist und möchte nicht als solcher bezeichnet werden...

Ich bin sehr sicher kein Rassist zu sein, wenn man Rassismus als Abwertung eines Menschen wegen einer anderen Herkunft definiert. Und ich würde es daher durchaus als Beleidigung wahrnehmen, wenn man mich als etwas bezeichnet das ich nicht bin.

Dazu kommt, dass der Begriff "Rassist" als Vorwurf ja gar nicht wirklich anders funktioniert als der Begriff "Neger". Man kann in beide Begriffe eine gewisse Neutralität hineinargumentieren, aber so werden beide Begriffe in aller Regel nicht verstanden.
 
Ich bin sehr sicher kein Rassist zu sein, wenn man Rassismus als Abwertung eines Menschen wegen einer anderen Herkunft definiert. Und ich würde es daher durchaus als Beleidigung wahrnehmen, wenn man mich als etwas bezeichnet das ich nicht bin.

Dazu kommt, dass der Begriff "Rassist" als Vorwurf ja gar nicht wirklich anders funktioniert als der Begriff "Neger". Man kann in beide Begriffe eine gewisse Neutralität hineinargumentieren, aber so werden beide Begriffe in aller Regel nicht verstanden.

Du kannst auch Rassist sein wenn du dich weigerst dass System Rassismus abzubauen weil du davon profitierst, oder sogar leugnest dass es dieses System gibt. Nicht Rassist sein, bedeutet nicht nur andere nicht persönlich zu beleidigen, man muss sich auch aktiv für die Rechte anderer einsetzen. Und dass tun die, die hier als Politisch Korrekt verdammt werden.
 
Du kannst auch Rassist sein wenn du dich weigerst dass System Rassismus abzubauen weil du davon profitierst, oder sogar leugnest dass es dieses System gibt. Nicht Rassist sein, bedeutet nicht nur andere nicht zu beleidigen, man muss sich auch aktiv für die Rechte anderer einsetzen. Und dass tun die, die hier als Politisch Korrekt verdammt werden.

indem sie Wörter verbieten?
Was hilft es einem Menschen mit dunklerer Haut, wenn er zwar nicht mehr mit diesen Wörtern beleidigt werden darf, aber gleichzeitig keinen Job oder keine Wohnung findet?
Die tatsächlichen Diskriminierungen sollten endlich mal benannt und abgeschafft werden - und nicht an irgendwelchen längst geschriebenen Büchern rumradiert werden. In meinen Augen dient die derzeitige Aktion nur der Ablenkung von dem, was real (und immer noch) in der Gesellschaft passiert. DORT sollte hingeschaut werden.
Stattdessen wird ein wenig in Büchern übertüncht - nur, damit real keine Veränderung geschehen muss.
 
Du kannst auch Rassist sein wenn du dich weigerst dass System Rassismus abzubauen weil du davon profitierst, oder sogar leugnest dass es dieses System gibt. Nicht Rassist sein, bedeutet nicht nur andere nicht persönlich zu beleidigen, man muss sich auch aktiv für die Rechte anderer einsetzen. Und dass tun die, die hier als Politisch Korrekt verdammt werden.

Bornfree... antworte doch bitte mal auf diesen Beitrag:


Wer hier will denn den Begriff benutzen?



Du meinst, man kann nicht gegen Rassismus argumentieren, wenn man die Veränderungen in Büchern eher kritisch gegenübersteht?


Ich habe meine Begründungen schon mehrfach erklärt. Und Du könntest doch mal auf die Fragen eingehen, die ich oben stellte. Vielleicht wird es dann klarer:

Denn wo ziehst Du die Grenze? Findest Du es z.B. auch sinnvoll den Begriff "Neger" bei Mark Twain in "Sklave" zu ersetzen? Und wie kann man bei Kinderbüchern dafür sein, aber dann nicht wollen, dass das TV-Programm und Musik nach rassistischen Begriffen durchforstet wird? Dürfen Rapper noch "Nigger" in ihren Texten haben?


Ich antworte dann auf Deinen obigen.
 
indem sie Wörter verbieten?
Was hilft es einem Menschen mit dunklerer Haut, wenn er zwar nicht mehr mit diesen Wörtern beleidigt werden darf, aber gleichzeitig keinen Job oder keine Wohnung findet?
Die tatsächlichen Diskriminierungen sollten endlich mal benannt und abgeschafft werden - und nicht an irgendwelchen längst geschriebenen Büchern rumradiert werden. In meinen Augen dient die derzeitige Aktion nur der Ablenkung von dem, was real (und immer noch) in der Gesellschaft passiert. DORT sollte hingeschaut werden.
Stattdessen wird ein wenig in Büchern übertüncht - nur, damit real keine Veränderung geschehen muss.




bravo, es geht doch...


shimon
 
bravo, es geht doch...


shimon

nee, eben nicht. Denn wärend wir hier diskutieren, werden weitere Bücher gesucht, die man verstümmeln kann.

Ich fände es halt sinnvoll, wenn Betroffene von real-erlebten rassistischen Erlebnissen darüber reden würden. Dann würde nämlich ein Bewusstsein für das tatsächliche Ausmaß geschaffen werden können.
Andere Menschen konnten für ihre Anliegen auch durch das Bekanntmachen zumindest ein Nachdenken und darüber hinaus auch Solidarität bewirken (z.B. Menschen, die als Kind missbraucht wurden).

Ich denke, dass man durch persönliche Berichte mehr erreichen kann als durch die Ersetzung von veralteten Wörtern durch politisch-korrektes Vokabular.
 
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Die Debatte wäre ja nicht so hitzig, wenn es nur um ein paar Beispiele und um zwei, drei Bücher gehen würde. "Negerkönig" durch "Südseeinselkönig" zu ersetzen wie in Pippi Langstrumpf, ist jetzt nicht unbedingt der Zensur-Aufreger. Aber die Sache hat doch einen prinzipiellen Aspekt. Familienministerin Kristine Schröder hat ja auch gegen "Jim Knopf und die wilde 13" losgelegt und vor allem gegen Grimms Märchen, die sie nicht mehr vorzulesen empfiehlt. Dagegen richtet sich u.a. die Satire, die ich zitierte.

http://www.stern.de/politik/deutsch...inisterin-zensiert-beim-vorlesen-1943902.html

Das ist der Anfang vom Wahnsinn. Wenn man dann wie in Amerika Huckleberry Finn oder "Onkel Toms Hütte" zensiert, indem man wie bei Mark Twain, über 200x den "Nigger" rausstreicht, dann wirds wirklich krank und pathologisch. Dann zieht man nämlich Meilensteinen der antirassistischen Literatur den Zahn.

Bei Huckleberry Finn greift nicht einmal das *Kinderpädagogik*-Argument, denn es gehört in die Sparte "Jugendbuch".
 
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