Todesstrafe?

Todesstrafe ja oder nein

  • Ja

    Stimmen: 54 12,7%
  • Nein

    Stimmen: 292 68,7%
  • Kommt darauf an

    Stimmen: 86 20,2%

  • Umfrageteilnehmer
    425
Damura schrieb:
Ja. Das würde ich wollen, weil ...



genau dasselbe für mich gelten würde, wenn ich dem anderen nicht vergeben könnte. Mein Leben wäre zu ende, weil meine ganze Energie in diesen Hass in dieses nicht-vergeben-können fließen würde, weil ich verbittern würde - weil ich irgendwann vielleicht an nichts anderes mehr denken könnte.

Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen: Das Opfer - wenn es kein Mord ist - ist 10 mal wichtiger als der Täter. Dem sollte meine Energie, meine Aufmerksamkeit gehören. Sonst leidet das Opfer doppelt.

Liebe Damura,
hast Du Kinder? Wenn ja: Wie würdest Du es anstellen damit klar zu kommen, dass Dein Kind mißbraucht, mißhandelt, getötet wurde? Es ist uns mit Sicherheit nicht möglich uns eine Vorstellung vom Leid der Eltern zu machen. Wir können es eventuell erahnen.

Natürlich muß sich die Aufmerksamkeit auf das Opfer richten, keine Frage. Aber die Menschen, die sich mit dem Täter befassen müssen, sollten Möglichkeiten haben adäquate Strafen zu verhängen - und nicht "och, dann kommt er/sie eben nach 10 Jahren wieder frei."

Ich habe vor kurzem eine Polizeiausstellung über Kindesmißhandlung gesehen. Tut mir leid, aber wem diese Bilder nicht nahegehen und wer infolgedessen keine Hassegefühle empfindet, ist für mich absolut abgestorben. Den Beamten, die sich mit Kindesmißhandlung und Mißbrauch beschäftigen, gebührt aller Respekt. Und ich glaube nicht, dass die diese Täter in die Kategorie - "auch hier sollten die Menschenrechte greifen" einreihen würden.

Herzlichst
July
 
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July schrieb:
Und ich glaube nicht, dass die diese Täter in die Kategorie - "auch hier sollten die Menschenrechte greifen" einreihen würden.

Hallo July!

Was sagst du zu dem:

Mag200 schrieb:
Eine Frage an alle die Täter foltern, töten oder ins Arbeitslager stecken möchten:

Was, wenn der Täter das eigene Kind ist? Was wenn dein/e Sohn/Tochter zum täter wird?

Eine schreckliche Vorstellung? Ja, aber jeder sollte sich auch mit dieser Seite auseinandersetzen können wenn er sich auch mit der Seite des Opfers auseinandersetzt.

Wie fühlen sich die Eltern eines Täters! Schreien die auch nach Vergeltung? Nach der Todesstrafe? NACH FOLTER?????

LG
Margit

Würdest du deinem eigenen Kind auch die Menschenrechte absprechen?

LG
Margit
 
Namo schrieb:
Im Jahre 2002 erschoß Robert Steinhäuser 16 Menschen.

http://www.mediengewalt.de/_arc/pre/ard/001-4-2.htm

Ich habe mit dem Vater und dem Bruder von Robert Steinhäuser gesprochen.
Ich bat sie um die Geburtszeit von Robert, und sagte ihnen, daß ich gerne helfen möchte, daß man das Unverständliche versteht; die Psyche von Robert und sein Handeln - und klar - es geht nie um das Rechtfertigen.

Hallo Namo!

Danke für dein ausführliches Post!

Darf ich fragen, was der Vater und Bruder von Robert Steinhäuser sagten?
Wie sie mit der Situation umgingen?

LG
Margit
 
July schrieb:
Ich habe vor kurzem eine Polizeiausstellung über Kindesmißhandlung gesehen. Tut mir leid, aber wem diese Bilder nicht nahegehen und wer infolgedessen keine Hassegefühle empfindet, ist für mich absolut abgestorben.
Hallo July,

ich kanns verstehen, diese Wut und Empörung angesichts von solchen Bildern.
Allerdings bist du offenbar nicht Betroffene - weder als Kind gewesen noch als Mutter, oder habe ich vielleicht was überlesen?

Solchen Hass angesichts von Bildern oder Schilderungen aufzubauen, obwohl man nicht selbst betroffen ist, ist zwar verständlich, aber es ist keine gute Sache. Man sollte genau hinschauen, was da wirklich passiert und warum man sich selbst in diesem Hass offenbar gut fühlt und gerecht und unschuldig...

July schrieb:
Und ich glaube nicht, dass die diese Täter in die Kategorie - "auch hier sollten die Menschenrechte greifen" einreihen würden.
Das ist sicher ein harter Brocken für diese Polizisten, auch solchen Menschen, v.a. Wiederholungstätern, die Menschenrechte zuzugestehen.

Menschenrechte sind universell ihrer Natur und Intention nach. Sie gelten oder sollen vielmehr gelten für jede/n, zu jeder zeit in jeder Situation. Selektive Menschenrechte tgibt es nicht.

Sonst sind es keine Menschenrechte mehr, sondern Rechte ausgewählter (privilegierter) Gruppen.


liebe Grüße, Stephan
 
July schrieb:
Liebe Damura,
hast Du Kinder? Wenn ja: Wie würdest Du es anstellen damit klar zu kommen, dass Dein Kind mißbraucht, mißhandelt, getötet wurde? Es ist uns mit Sicherheit nicht möglich uns eine Vorstellung vom Leid der Eltern zu machen. Wir können es eventuell erahnen.

Ich weiß es nicht, July. In der Vergangenheit habe ich so reagiert, wie Du es beschreibst. Ich kann nur hoffen, dass ich daraus gelernt habe und es in Zukunft anders machen würde. Ich kann meine Reaktionen nicht absehen.

Natürlich muß sich die Aufmerksamkeit auf das Opfer richten, keine Frage. Aber die Menschen, die sich mit dem Täter befassen müssen, sollten Möglichkeiten haben adäquate Strafen zu verhängen - und nicht "och, dann kommt er/sie eben nach 10 Jahren wieder frei."

Ich habe meine Vorstellung hier schon öfters jetzt versucht darzustellen. Ich mag jetzt nicht nochmal wiederkäuen.

Ich habe vor kurzem eine Polizeiausstellung über Kindesmißhandlung gesehen. Tut mir leid, aber wem diese Bilder nicht nahegehen und wer infolgedessen keine Hassegefühle empfindet, ist für mich absolut abgestorben. Den Beamten, die sich mit Kindesmißhandlung und Mißbrauch beschäftigen, gebührt aller Respekt. Und ich glaube nicht, dass die diese Täter in die Kategorie - "auch hier sollten die Menschenrechte greifen" einreihen würden.
Herzlichst
July

Ich überlasse den Beamten die Entscheidung und Empfindung dessen, was sie wie wo einreihen. Sie haben sich den Job ausgesucht, weil sie ein Thema damit haben ...

Ich lese immer wieder von den Fällen, wo Kinder mißhandelt werden. Mein Gedanke gilt dann sowohl den Opfern als auch den Tätern, denn ich frage mich immer unwillkürlich: Was bringt einen Menschen dazu so etwas zu tun.
So bin ich nunmal und ich für mich denke auch, dass da die Chance einer Lösung liegt. Die Ursachen erkennen und dann daran gehen, diese Ursachen abzustellen.


Jetzt hab ich doch wiedergekäut !
 
Damura schrieb:
Ich weiß es nicht, July. In der Vergangenheit habe ich so reagiert, wie Du es beschreibst. Ich kann nur hoffen, dass ich daraus gelernt habe und es in Zukunft anders machen würde. Ich kann meine Reaktionen nicht absehen.



Meine Reaktionen kann ich auch nicht absehen - aber meine Empfindungen sehr wohl. Menschsein definiert sich für mich auch über Empfindungen - und es gibt derer viele. Jeder hat die Möglichkeit den Ball emotional flach zu halten und mit einem gewissen Desinteresser der Dinge zu harren, die da kommen könnten.


LG
July
 
Ich habe mir jetzt nicht mehr alles durchgelesen und moechte nur noch folgendes sagen:
Es gibt meiner Ansicht nach zur Zeit keine wirklich gerechte Loesung, und deshalb muss man das kleinste Uebel waehlen, und das ist Gefaengnis.
Zum Arbeiten der Straftaeter, damit die sich ihren Lebensunterhalt verdienen, sei gesagt, dass sie das niemals koennen.
Reines Essen, Kleidung und ihre warme Zelle schon, aber was ist mit dem ganzen Rechtsapparat, der um sie herum aufgebaut ist?
Es sind naemlich die Gehaelter all derer, die den aufrecht erhalten (muessen), was den Erhalt des einzelnen Strafgefangenen so teuer macht.
Wie soll, wie kann man das aendern?
Vielleicht, indem man harmlosere Straftaeter nicht mehr einsperrt, sondern mit einer hohen Geldstrafe belegt, ihrem Einkommen entsprechend wirklich sehr hoch und schmerzhaft.
Z.B. Steuerhinterzieher.
Was nuetzt es denn, die einzusperren?!
Damit werden nicht nur sie aus dem Verkehr gezogen, sondern auch ihre Familien stigmatisiert.
Der Straftaeter verliert seinen Arbeitsplatz und wird bei Entlassung zum Sozialhilfeempfaenger, den niemand aufgrund seiner Vorstrafe mehr einstellt.
Eine sinnlose Geschichte!
Ich moechte mich aber gegen eins wehren:
hier wird immer so schnell gesagt, wir alle haetten Gewalt in uns.
Okay, bis zu einem gewissen Grad lasse ich das gelten.
Selbst ich, die ich absolut gegen Gewalt und Schlagen von Kindern bin, bin einige Male bei meinen Kindern ausgerastet und habe Klapse gegeben.
Aber nicht mehr!
Und das moechte ich betonen!
Ich wuerde niemals ein Kind oder einen anderen Menschen missbrauchen und quaelen.
Das behaupte ich steif und fest, und wer das Gegenteil behauptet, weil es in irgendein esoterisches Konzept passt, dass wir ja alle gleich sind, der irrt sich gewaltig und macht es sich zu leicht!
Denn bloss, weil es irgendwo geschrieben steht und schon viele Leute nachgeplappert haben, muss es noch lange nicht stimmen.
Das gilt fuer alles.

Bijoux
 
Stephan schrieb:
Hallo July,

ich kanns verstehen, diese Wut und Empörung angesichts von solchen Bildern.
Allerdings bist du offenbar nicht Betroffene - weder als Kind gewesen noch als Mutter, oder habe ich vielleicht was überlesen?

Solchen Hass angesichts von Bildern oder Schilderungen aufzubauen, obwohl man nicht selbst betroffen ist, ist zwar verständlich, aber es ist keine gute Sache. Man sollte genau hinschauen, was da wirklich passiert und warum man sich selbst in diesem Hass offenbar gut fühlt und gerecht und unschuldig...

Das ist sicher ein harter Brocken für diese Polizisten, auch solchen Menschen, v.a. Wiederholungstätern, die Menschenrechte zuzugestehen.

Menschenrechte sind universell ihrer Natur und Intention nach. Sie gelten oder sollen vielmehr gelten für jede/n, zu jeder zeit in jeder Situation. Selektive Menschenrechte tgibt es nicht.

Sonst sind es keine Menschenrechte mehr, sondern Rechte ausgewählter (privilegierter) Gruppen.


liebe Grüße, Stephan


Lieber Stephan,

Genau, Menschenrechte sollten universell sein und in jeder Sekunde gelten. Und Täter machen in jeder Sekunde die Menschrechte ihrer Opfer zunichte. Sie stellen genauso eine priviligierte Gruppe dar wie die der Menschenrechtler. Menschenrechtler müssen Diktatoren genauso respektieren und tollerieren wie Opfer. Menschenrechtler müssen sich für jedes Individuum auf dieser Welt einsetzen. Sie tuen das für den einen mehr - für den anderen weniger. Jeder von uns muß ein Menschenrechtler sein - sonst funktioniert das System nicht. Wenn ich meinen Nächsten nicht achte, wenn ich ihm das Recht zu Leben nehme, bin ich kein Menschenrechtler. Ich zerstöre jede Sekunde eines Lebens. Und mit dem gleichen Menschenrecht kann ich diese Zerstörung verurteilen mir dafür Sanktionen wünschen. Vor allem, wenn es mich direkt und unmittelbar betrifft.


Bilder, Berichte, Vorträge erreichen mich emotional sehr stark. Noch stärker erreicht mich persönliche Betroffenheit. Ich kenne Frauen, die betroffen sind. Sei es durch häusliche Gewalt, sei es durch häuslichen Mißbrauch. Noch Fragen?

LG
July
 
Mag200 schrieb:
Hallo Namo!

Danke für dein ausführliches Post!

Darf ich fragen, was der Vater und Bruder von Robert Steinhäuser sagten?
Wie sie mit der Situation umgingen?

LG
Margit
Hi Margit,

Der Bruder war äußerst gefaßt, freundlich, entgegenkommend und verständnisvoll. Ich hatte den Eindruck, daß er es als positiv empfand, daß jemand für die Familie und Robert Verständnis hatte, und Robert nicht nur als Täter sah, sondern, auch als Opfer (unseres unbarmherzigen Schul-beurteilungs-systems). Ich denke, seine Geschichte ist bekannt.

Der Vater nannte mir die Geburtszeit von Robert, die ihm seine Frau sagte, aber ich hatte den Eindruck, daß er sehr traurig war und mein Anliegen in dem Moment nicht verstand und die Situation wohl auch nicht verstand. Aber das ist nur mein Eindruck.

LG

Namo
 
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Mag200 schrieb:
Hallo July!

Was sagst du zu dem:



Würdest du deinem eigenen Kind auch die Menschenrechte absprechen?

LG
Margit


Das würde ich. Warum sollte ich mein Kind in dieser Situation anders beurteilen? Ich würde es nicht wiedererkennen. Mich würde ich gleichzeitig in Frage stellen - denn irgendwas wäre dann möglicherweise zu Hause komplett falsch gelaufen. Ich bemühe mich meinem Kind die größtmögliche Freiheit zu geben. Aber, es gibt Grenzen. Es gibt auch Diskussionen über Umgangsformen, über Gewalt in der Schule, über Schulhof-Erpressungen, über den Wohlstand in dem wir Leben, über den Umgang mit Freunden, mit Lehrern, mit Eltern. Und ich weiß, dass es in vielen Familien nicht so ist. Nichts wird thematisiert. Ich unterhalte mich mit meinem Kind auch über Gewalttaten, über Kindesmißbrauch über Prävention. Wenn wir unsere Kinder ernst nehmen und unseren Kindern Informationen mit auf Ihren Lebensweg geben, die für sie wichtig eventuell sogar überlebenswichtig sind, schaffen wir ihnen die Möglichkeit, auf der sicheren Seite zu landen. Mein Kind macht Selbstverteidigung, es gibt zu Hause nur meinen Computer, der wird nach Absprache benuzt. Fernsehen ist inzwischen relativ uninteressant. Es ist anstrengend. Man muß sich viel und häufig mit seinem Kind beschäftigen ohne dabei aufdringlich zu werden - das schlaucht, vor alllem, wenn man auch noch berufstätig ist. Ich hoffe, meine Einstellung wird sich für mein Kind irgendwann mal lohnen. Und wenns dann ein mordendes Monster wird, muß ich mich dem fügen und werde die Konsequenzen tragen. Mit Sicherheit würde mein Herz bluten, aber ich würde einen solchen Menschen an meiner Seite ablehnen.

LG
July
 
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