Selbstmord

Liebe Alana

Deine Gedankengänge bestätigen, dass mit dieser Selbstmordsinngebung eben auch Schwerwiegenderes entschuldigt werden kann: der Mord an den eigenen Kindern. Und genau das stört mich, auch einem Mord wird Sinn und damit in gewisser Weise eine Berechtigung gegeben. Das Problem ist, dass manche solche Gedankengänge schon fast als Legitimation zur Tat auffassen könnten - ein heisses Eisen, finde ich.

Sunny, ich sage nichts von Entschuldigung - ich spreche von Bewertung, von Verurteilung - wir stecken ja nicht drin in jemandem, der so etwas tut und insofern können wir nur von außen sehen, was geschehen ist
Einem Mord wird insofern Sinn und Berechtigung gegeben, weil er geschieht oder geschehen ist, nicht weil ich oder du oder irgendwer es für richtig oder falsch hält.
Mitgefühl ist immer angebracht, mit jedem.
 
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Aber genau das glaube ich nicht. Der Suizidgefährdete hat sehr wohl Alternativen, welche er auch sieht, wenn ihm aus der Krise herausgeholfen wird.
Bitte triff keine Urteile über Situationen, die Du nicht kennst. Ich kenne zB. die Witwe eines Psychotherapeuten, der sich Jahrzehnte gegen seine seelischen Schmerzen gewehrt hat und sich schlussendlich getötet hat. Der hatte alles versucht und nichts und niemand konnte ihm helfen.

Reinhard
 
Liebe Sunnygirl

... Die nächste Frage wäre für einen Suizidgefährdeten womöglich, ob ein erweiterter Selbstmord dann nicht auch sinnvoll ist, ohne in seiner Todes- und Himmelssehnsucht zu bedenken, dass die Kinder, welche "mitgenommen" werden sollen nach Drüben, nicht in der Lage sind, die Sachlage in dieser Dimension überhaupt zu begreifen.
...

ich finde es interessant, dass du auf den Gedanken, auch Kinder "mitzunehmen" gekommen bist.
Und sofort gibt es einige, denen dieses Thema auch wichtig ist.

Ich habe lediglich zum Schicksal einer Familie, in der es eine Selbsttötung gibt als einen ähnlich tragischen Fall den Tod eines Kindes angeführt.

Ich bin nun gespannt, wie sich dieses Thema weiter entwickelt.

Und Reinhard, danke für diesen Ordnungsruf. Auch ich will hier nur Möglichkeiten auflisten, keine starren Glaubenssätze.

Allles Liebe
Harry
 
Hallo zusammen

Ihr versteht mich offensichtlich falsch. Ich verurteile keinen Suizid. Aber es ist doch klar, dass derjenige, der dabeisteht, alles tun sollte, um den Suizid zu verhindern, weil er ja schliesslich nicht sicher sein kann, dass der Suizidgefährdete wirklich in der psychisch richtigen Verfassung ist, um seine Situation realistisch einzuschätzen.

Erweiterter Selbstmord bzw. Mord an den eigenen Kindern verurteile ich auf jeden Fall, obwohl mir klar ist, dass der/die TäterIn in diesem Moment wohl als unzurechnungsfähig zu betrachten ist, zumindest in den meisten Fällen.

Genau das wäre auch bei einem normalen Suizid möglich: Es könnte durchaus sein, dass der Gerettete mir später dankbar ist für meine Weigerung, ihn sich und seiner Depression zu überlassen. Hab ich schon oft erlebt. Warum also sollte ich urteilen, ob jemand fällig ist für Suizid und wann nicht. Gerade mein Retten verhilft dem Suizidgefährdeten zu einer wirklich eigenen Entscheidung, überdacht, nicht impulsiv und im Affekt. Wenn er es nämlich wirklich tun will, werd ich ihn sowieso nicht retten können.
 
Bis auf das Wort "verurteilen" (ich denke wirklich, eine Veruteilung steht uns nicht zu) stimme ich ja zu - jemand, der es tun will, der tut es ganz einfach, und jemand, der "gerettet" werden kann oder möchte, wird sein Leben weiterleben.
Mir ist lediglich wichtig, daß Selbsttötung nicht mit so einer Aura von Versündigung dem Leben gegenüber gesehen wird und das ist ja meistens so. Denn, wie schon öfter gesagt, es gibt genügend Fälle, wo eine Hilfe nicht möglich ist. In meiner Familie hat es nicht nur diesen einen Suizid gegeben (bevor ich geboren wurde waren da noch zwei Fälle), und ich weiß von daher, daß da Situationen waren, wo dies der einzige Ausweg war.

liebe Grüsse, Alana
 
ich finde es interessant, dass du auf den Gedanken, auch Kinder "mitzunehmen" gekommen bist.
Und sofort gibt es einige, denen dieses Thema auch wichtig ist.

Ich habe lediglich zum Schicksal einer Familie, in der es eine Selbsttötung gibt als einen ähnlich tragischen Fall den Tod eines Kindes angeführt.

Ich bin nun gespannt, wie sich dieses Thema weiter entwickelt.

Und Reinhard, danke für diesen Ordnungsruf. Auch ich will hier nur Möglichkeiten auflisten, keine starren Glaubenssätze.

Allles Liebe
Harry

Hi Harry

Das mit dem erweiterten Selbstmord liegt für mich nahe, weil meine Schwester daran dachte, bei jedem ihrer beiden Kinder.

Du sprichst die Entwicklung des Threads an: Darüber mache ich mir auch Gedanken, denn es erinnert mich an eine Diskussion, welche ich einmal in einem anderen Forum führte. Da ging es um Kindsmissbrauch, der durch den esoterischen Sinnbezug, der auch hier anklingt, als sinnvoll betrachtet wurde, es nunmal (selbstgewähltes oder karmisches) Schicksal dieser Kinder war.

Gegen diesen esoterischen Sinnbezug komme ich nicht an, weil er für mich irreal und spekulativ ist und sich nicht mit meinen Hellwahrnehmungen über das Jenseits deckt.

Ich hab mich damals in der Diskussion fürchterlich aufgeregt, deshalb klicke ich mich nun lieber aus, bevor es so weit kommt.

Es wäre so, als würde ich mit einem Andersgläubigen diskutieren. Es geht um Religion. Das ist nunmal Glaubenssache, hat aber meiner Meinung nach nichts mehr mit Psychologie zu tun.
 
Hi Harry



Du sprichst die Entwicklung des Threads an: Darüber mache ich mir auch Gedanken, denn es erinnert mich an eine Diskussion, die ich einmal in einem anderen Forum führte. Da ging es um Kindsmissbrauch, der durch den esoterischen Sinnbezug, der auch hier anklingt, als sinnvoll betrachtet wurde, es nunmal (selbstgewähltes oder karmisches) Schicksal dieser Kinder war.

Gegen diesen esoterischen Sinnbezug komme ich nicht an, weil er für mich irreal und spekulativ ist und sich nicht mit meinen Hellwahrnehmungen über das Jenseits deckt.

Ich hab mich damals in der Diskussion fürchterlich aufgeregt, deshalb klicke mich nun lieber aus, bevor es soweit kommt.

Es wäre so, als würde ich mit einem Andersgläubigen diskutieren. Es geht um Religion. Das ist nunmal Glaubenssache, hat aber meiner Meinung nach nichts mehr mit Psychologie zu tun.

Ich finde nicht, daß es etwas mit einem esoterischen Sinnbezug zu tun hat, mit Karma, mit selbstgewähltem Schicksal, wenn man es ablehnt, jemanden zu verurteilen für das, was er tut. Niemand von uns weiß, wozu er fähig ist im schlimmsten Fall und wozu er vielleicht schon fähig war. Niemand hat gesagt, versuche nicht, deine Schwester davon abzuhalten, genau das würde ich auch tun, was du tust.
Und auch von der Psychologie her weiß man doch, daß nicht jedem geholfen werden kann, oder?
Es geht auch gar nicht so um Glauben, sondern um ein Mitgefühl jedem Menschen gegenüber.
 
Ich finde nicht, daß es etwas mit einem esoterischen Sinnbezug zu tun hat, mit Karma, mit selbstgewähltem Schicksal, wenn man es ablehnt, jemanden zu verurteilen für das, was er tut. Niemand von uns weiß, wozu er fähig ist im schlimmsten Fall und wozu er vielleicht schon fähig war. Niemand hat gesagt, versuche nicht, deine Schwester davon abzuhalten, genau das würde ich auch tun, was du tust.
Und auch von der Psychologie her weiß man doch, daß nicht jedem geholfen werden kann, oder?
Es geht auch gar nicht so um Glauben, sondern um ein Mitgefühl jedem Menschen gegenüber.

Hi Alana

Ja, ich habe auch schon mir seelisch nahestehende Menschen durch Selbstmord verloren, teilweise sogar ihren Tod vorausgesehen, obwohl sie es nicht ankündigten. Ich konnte es nicht verhindern. Wenn ich an sie denke, dann nur in Liebe. Ich glaube auch nicht, dass ein Selbstmörder in die ewige Verdammnis kommt oder sündigt, das sind religiöse Ausdrücke und hat nichts mit der psychischen Dissoziation des Suizidgefährdeten zu tun.
 
Hi Sunnygirl,

das tut mir sehr leid für dich, und läßt mich umsomehr deine Gefühle verstehen.
Da kann ich dir nur sehr viel Kraft und Liebe wünschen - euch allen.

Alana
 
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Hi Sunnygirl,

das tut mir sehr leid für dich, und läßt mich umsomehr deine Gefühle verstehen.
Da kann ich dir nur sehr viel Kraft und Liebe wünschen - euch allen.

Alana

Hi Alana

Danke, ist lieb von Dir, gilt aber auch Dir und dem, was Du mitgemacht hast.

Meine Einstellung kommt jedoch daher, dass ich tatsächlich schon vielen Menschen erfolgreich den Selbstmord ausreden konnte. Das beweist, es lohnt sich, den anderen nicht aufzugeben. Damit entscheide ich auch nichts, sondern gebe dem anderen nur die Gelegenheit, sich noch zu besinnen. Wenn ich jedoch nicht helfe, entscheide ich, dass der andere fällig ist für den Suizid. Dieses Urteil steht jedoch niemandem zu.
 
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