Ich bezweifle, dass deine Art ausgeprägte Islamfeinde und Populisten zum Nachdenken bringt, ich denke einfach, dass du dir mit deiner relativ mittigen Haltung ein argumentatorisches Tänzeln auf beiden Seiten des Balles leisten kannst. Das bewirkt neben der Möglichkeit des offenen, sachlichen Austauschs leider auch noch den faden Beigeschmack, es sei tolerierbar oder gar diskutierbar und verständlich, was hier an Verdrehung und Hetze läuft.
Ich stimme dir zwar zu, finde auch Shimons Reaktion gerade dir gegenüber ungerechtfertigt in diesem Fall (und auch in einigen anderen übrigens, aber um die solls jetzt nicht gehen), das heisst aber nicht, dass es nicht nachvollziehbar oder gar verständlich wäre.
Ich kann nicht wirklich wissen inwiefern meine Posts irgendwen zum Nachdenken bringen, aber ich weiß das meine "Art" funktioniert weil ich auch schon persönliche Gespräche über solche Themen hatte, also Auge in Auge.
Und worin ich wirklich total sicher bin: Moralisieren und Überheblichkeit und Vorwürfe ohne auch nur ein Mindestmaß an Willen sich in die andere Perspektive hineinzuversetzen führt genau ins Gegenteil. Und das mache ich z.B. immer. Ich versuche immer die andere Perspektive zu verstehen. Darin bin ich sogar ziemlich extrem, also dass ich immer möglichst verstehen will was hinter dem ist was offensichtlich ist. Und das ist echtes Interesse. Ich würde auch gerne genau verstehen wie Hitler funktioniert hat um mal ein Extrem-Beispiel zu nennen. Das heißt aber nie das ich meine eigenen Standpunkt einfach räume.
Du sagst z.B.:
"Das bewirkt neben der Möglichkeit des offenen, sachlichen Austauschs leider auch noch den faden Beigeschmack, es sei tolerierbar oder gar diskutierbar und verständlich, was hier an Verdrehung und Hetze läuft."
Ich selbst sehe "Verständnis" in aller Regel wertneutral. Mir ist zwar bewusst, dass es eher wertend benutzt wird im Sinne von "Ist verständlich = eher gut", aber ich will immer "nur" verstehen. Es gibt Menschen die ich fast schon verabscheue, und doch kann ich relativ viel verstehen wenn/weil ich viel über sie weiß und warum sie taten was sie taten etc. Das heißt aber nicht dass ich das was ich falsch finde auf einmal richtig finde. Es heißt auch nicht, dass ich mich auf deren Seite stellen würde. Es bleibt in der Regel umgekehrt.
Und der Begriff "tolerierbar"... Ich bin grundlegend dafür, dass so wenig wie möglich unterdrückt wird. Wenn jemand hetzt, dann kann ich mich dagegen stellen, und wenn Walter oder ein Mod es löscht werde ich nie sagen es sollte stehen bleiben, aber es ist doch eh in manchen Köpfen drin. Gleichzeitig wird hier m.A.n. zu viel und zu schnell mit "Hetze-Beschuldigungen" um sich geworfen. Und der Begriff "tolerierbar" bringt da einfach nichts. Denn es ist da wenn es da ist. Ob ich das toleriere oder nicht ändert gar nichts. Und wenn ich das angreife, oberflächlich und moralisierend und überheblich, werde ich es verstärken. Und das mache ich nicht. In solchen Angriffen sehe ich nichts anderes als Ich-Bezug derer die das tun. Das ist für mich eine Form moralisierender Eitelkeit. Eher ein "seht her" als das es tatsächlich um die Sache ginge. Denn ginge es um die Sache wären es nicht so dermaßen oberflächlich.
Was übrigens interessant ist, und lies es Dir mal genau durch.
Du schreibst zum Thema Hetze was ich oben zitierte. Lies zuerst mal das oben.
Und zu meinem Streit mit @Shimon schreibst Du:
"Ich stimme dir zwar zu, finde auch Shimons Reaktion gerade dir gegenüber ungerechtfertigt in diesem Fall (und auch in einigen anderen übrigens, aber um die solls jetzt nicht gehen), das heisst aber nicht, dass es nicht nachvollziehbar oder gar verständlich wäre."
Du verwendest auf einmal ganz andere Maßstäbe. Das findest Du, mir gegenüber zwar ungerechtfertigt, aber doch nachvollziehbar und verständlich. Und ich stimme Dir insofern zu als das es das aus seiner Perspektive natürlich ist. Das gilt aber generell für jeden. Und da es mich selbst betraf habe ich es nicht toleriert bzw. eben zurückgeschossen.
Anders gesagt: Würde ich Shimon gegenüber sitzen und ihn fragen warum er so impulsiv reagiert, mich derart attackiert, und er mir offen antworten würde, dann könnte ich sagen "Okay, finde ich verständlich. Aber ich akzeptiere das trotzdem nicht.". Und das ist grundlegend mit jedem möglich wenn man genug weiß. Das ist auch bei/mit Hetzern nicht anders. Theoretisch kann (könnte) man
jeden verstehen, denn jeder funktioniert in sich verständlich und auf der Basis der eigenen Psyche die durch individuelle Erfahrungen und Eindrücke geprägt wurde. Aber inwiefern man etwas tolerieren kann - das ist dann wieder eine individuelle Frage. Da gibt es keine objektiven Regeln.