Warum die Ukraine den Krieg nicht verlieren wird/ nicht verlieren kann
Liegt schon länger in den Startlöchern. Diesen Aspekt hat, wenn ich recht sehe noch nie einer formuliert. Also mache ich den Job.
Beginnen möchte ich meinen Aufsatz mit einer Parabel von Franz Kafka, die meine Ausführungen perfekt illustriert.
(Für die Moderation: Da der Autor des Textes seit weit über 70 Jahren tot ist, liegt
keine Urheberrechtsverletzung vor. Kafka-Texte sind gemeinfrei).
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Franz Kafka: Der Geier (1920)
Es war ein Geier, der hackte in meine Füße. Stiefel und Strümpfe hatte er schon aufgerissen, nun hackte er schon in die Füße selbst. Immer schlug er zu, flog dann unruhig mehrmals um mich und setzte dann die Arbeit fort.
Es kam ein Herr vorüber, sah ein Weilchen zu und fragte dann, warum ich den Geier dulde. »Ich bin ja wehrlos«, sagte ich, »er kam und fing zu hacken an, da wollte ich ihn natürlich wegtreiben, versuchte ihn sogar zu würgen, aber ein solches Tier hat große Kräfte, auch wollte er mir schon ins Gesicht springen, da opferte ich lieber die Füße. Nun sind sie schon fast zerrissen.«
»Daß Sie sich so quälen lassen«, sagte der Herr, »ein Schuß und der Geier ist erledigt.« »Ist das so?« fragte ich, »und wollen Sie das besorgen?« »Gern«, sagte der Herr, »ich muss nur nach Hause gehen und mein Gewehr holen. Können Sie noch eine halbe Stunde warten?« »Das weiß ich nicht«, sagte ich und stand eine Weile starr vor Schmerz, dann sagte ich: »Bitte, versuchen Sie es für jeden Fall.« »Gut«, sagte der Herr, »ich werde mich beeilen.«
Der Geier hatte während des Gespräches ruhig zugehört und die Blicke zwischen mir und dem Herrn wandern lassen. Jetzt sah ich, daß er alles verstanden hatte, er flog auf, weit beugte er sich zurück, um genug Schwung zu bekommen und stieß dann wie ein Speerwerfer den Schnabel durch meinen Mund tief in mich. Zurückfallend fühlte ich befreit, wie er in meinem alle Tiefen füllenden, alle Ufer überfließenden Blut unrettbar ertrank.
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Hier also meine These, in gebotener holzschnittartigen Kürze:
1. 1994, Dezember. Russland, USA und GB anerkennen die Ukraine als souveränen Staat und geben ihr Sicherheitsgarantien. Im Gegenzug verpflichtet sich die Ukraine, neutral und atomwaffenfrei zu bleiben. (Budapester Memorandum)
2. Im Zuge der Unterzeichnung des Budapester Memorandums gibt die Ukraine im Dezember 1994 ihr komplettes Nukleararsenal an Russland ab. Ein kolossaler Fehler. Hätte die Ukraine ihre Atomwaffen noch - sie war damals drittgrößte (!) Atommacht der Welt - der Invasionsversuch von seiten Russlands hätte nie stattgefunden.
"Selbst der ehemalige US-Präsident Bill Clinton ist inzwischen der Auffassung, dass einige Entscheidungen in Bezug auf die Ukraine in der Vergangenheit falsch waren. Er nannte das Budapester Memorandum von 1994, an dessen Verhandlungen er maßgeblich beteiligt war, eine falsche Entscheidung.
Im Interview mit dem irischen Fernsehsender RTE sagte Clinton: "Ich fühle mich persönlich betroffen, weil ich sie [die Ukraine] dazu gebracht habe, ihre Atomwaffen aufzugeben."
Die Ukraine war die drittgrößte Atommacht der Welt, bis sie ihre Waffen an Russland übergab. Die Konsequenzen verfolgen das Land bis heute.
www.fr.de
3. Da Russland das Budapester Memorandum einseitig gebrochen hat, ist auch Kiew an keinerlei Verpflichtungen (Neutralität/atomwaffenfreies Gebiet) mehr gebunden. Heißt: Atommacht zu werden, ist für Selenski eine hochwahrscheinliche Option. Und wenn er nicht total bescheuert ist - und das ist er nicht - hat er sich schon längst ein ansehliches Nuklearwaffenarsenal wieder aufgebaut. Spätestens seit klar wurde, dass sich Putin in die Ukraine verbeisst wie ein durchgedrehter Kampfhund, wird die Produktion angefahren sein.
4. Diese Absicht hat Selenski bereits 10 Monate
vor Ausbruch des russischen Angriffskrieges klar und deutlich und unmissverständlich kommuniziert. Hier mal eine Gazettenmeldung vom April 2021(das wohl hat die Öffentlichkeit und wir alle komplett vergessen):
Ukraine droht der Nato – mit Wiederanschaffung von Atomwaffen
Die Ukraine sieht sich durch Russland bedroht und will deshalb Mitglied der Nato werden. Ein Beitritt steht aber vorerst nicht an. Deshalb verliert Kiew zunehmend die Geduld – und droht dem Militärbündnis.
15.04.2021, 18:42 Uhr
Die Ukraine sieht sich durch Russland bedroht und will deshalb Mitglied der Nato werden. Ein Beitritt steht aber vorerst nicht an. Deshalb verliert Kiew zunehmend die Geduld - und droht dem Militärbündnis.
www.rnd.de
Es ist nicht anzunehmen, dass mit der Übergabe der Atombomben 1994 zugleich auch das technische Know How, wie man sie industriell herstellt und in Position bringt, verschwunden wäre. An spaltbarem Material dürfte es auch nicht fehlen, denn die Ukraine nennt vier große AKWs ihr eigen.
So ist denn 5. und letztens folgendes finale Szenario wahrscheinlich. Angenommen - nur mal angenommen - Selenski stünde wirklich mit dem Rücken zur Wand, die Einnahme Kiews stünde unmittelbar bevor. Dann käme folgendes, an Putin gerichtetes Ultimatum zum Vortrage:
"Das Spiel ist noch nicht aus, du Kanalratte. Wir haben alle größeren russischen Städte in die Zielautomatik unserer Nuklearsysteme eingelesen. (Beweis: Video 1, Video 2, Video 3 im Anhang). Sollten deine Truppen nicht innerhalb von 24 Stunden den Rückwärtsgang einlegen, werden wir damit beginnen, eure Städte atomar einzuäschern. Ende der Durchsage, Countdown läuft, mach was draus, mit freundlichen Grüßen, dein W.Selenski."
Sollte Putin tatsächlich bis zum Äußersten gehen, so wird er in den Abgrund mit hineingezogen, ganz so wie es Kafkas Parabel vormachte: Der Geier, der im Blut seines Opfers ertrinkt.