Anfang Teil 2:
Ich finde es schade, das viele große Politiker, Philosophen, Journalisten,Intellektuelle, die früher Hochachtung genossen, nun plattgewalzt werden.
Nehmen wir beispielsweise Alice Schwarzer. Sie genoss sehr viel Hochachtung für ihre Arbeit für Frauenrechte... und das sind auch Leistungen, für die ich ihr immernoch einigen Respekt zolle. Jetzt stellte sie sich aber dahin, forderte auf, dass Friedensgespräche angestrebt und auch vom Westen an die Ukraine angemahnt werden müssten. Da kommt dann auch der "Kompromiss, mit dem beide Seiten leben können" ins Spiel.
An und für sich ein schöner Wunsch. Der Punkt ist: Er ist schlicht naiv-utopisch. Wenn die militärische Unterstützung der Ukraine versigt oder es absehbar ist, dass sie versigen wird, wird Putin sehr sicher nicht sich mit weniger als der kompletten Kapitulation zufrieden geben, und er wird drauf bestehen, dass alle Punkte eines Wunschzettels abgehakt werden. Sie - Alice Schwarzer, Sarah Wagenknecht und alle Unterzeichner - beteuern zwar, dass Friedensgespräche nicht mit Kapitulation gleichzusetzen wären... aber sie ignorieren, dass es im aktuellen Status Quo automatisch nur darauf hinauslaufen kann und würde.
In einem Interview erklärt sie dann noch, dass natürlich die russischen Streitkräfte aus der Ukraine raus müssten, bevor und damit Friedensverhandlungen starten könnten. Tja... da möchte ich ihr dann sagen, dass sie jetzt auch darstellen sollte, wie man Putin dazu bewegen soll, genau das mit umzusetzen. Darüber hat sie offensichtlich nicht nachgedacht, denn Putin wird das keinesfalls tun. Wenn sie dazu einen nachvollziehbar gangbaren Weg erklärt, wäre es prima. Ohne einen solchen ist die gesamte Forderung nur ein Wunsch - als Wunsch wirklich gut nachvollziehbar und verständlich - aber als Plan/Idee eine Lachnummer, weil schlicht nur naiv und nicht realistisch. Da würde eben nicht der besagte Kompromiss rauskommen, den alle immer heraufbeschwören, und der diesne namen auch verdienen würde.
Auch hier gilt: Schwarzer, Wagenknecht und all die Intellektuellen, die Du hier mit-erwähnst und einbeziehst, wären meine Helden, wenn sie denn mal eine konkret nachvollziehbare Idee vorlegen, wie man Putin dazu bewegen kann, einen Waffenstillstand mit-einzuleiten, seine Truppen aus dem Land zu ziehen, an einem Verhandlungstisch Platz zu nehmen und sich mit deutlich weniger zufrieden zu geben, als sein aktueller Wunschzettel wie auch schon am Anfang des Einmarsches 2022 aufgelistet hat.
Man darf und muss sich in einer Demokratie eingestehen, das nicht immer alles optimal gelaufen ist, das man auch mit Diktaturen reden muss ( und bitte, ich schreibe hier nicht-nur- reden, man braucht auch das Militär.).
Auch wieder eine Binsenweisheit. Natürlich läuft bei weitem nicht alles optimal. Und ich erklärte oben auch schon: Es ist nicht die Aufgabe der Demokratien, die ganze Welt zu demokratisieren. Natürlich muss man auch mit Diktaturen reden. Das passiert ja auch. Zu Hauf. Wir müssen auch (notgedrungen) mit Diktaturen zusammenarbeiten uvm. Wir werden auch weiter und wieder mit Russland zusammenarbeiten und uns austauschen müssen.
Es ist immer eine Kombination aus vielem. Und vermutlich wird es Kompromisse geben, wie ungerecht sich das stellenweise anfühlen mag.
Natürlich wird es Kompromisse geben - anders wird es wahrscheinlich leider nicht gehen. Sie sollten dann aber wenigstens diesen Namen auch verdienen. Es bedeutet dann auch, dass tatsächlich Putin von seinem Wunschzettel ettliche Punkte streichen muss. Wer dann von der Ukraine fordert, Zugeständnisse an Russland zu machen, sollte wenigstens dann auch mal Putins Wunschzettel detailiert durchgehen und die Punkte nennen, bei denen man der Ukraine zugesteht, dass sie sie doch weiter hat verteidigen uhnd sicher NICHT Russland zugestehen brauchen. Wenn der schwammige Wunsch nach einem Kompromiss nur bedeutet, dass doch auch wieder Putin alles bekommen könnte... dann ist das kein Komproimiss, sondern nach wie vor nur eine Lachnummer.
Und ich kann den Verdacht äußern, dass da vorerst sich gar nichts regelt und weiterhin viele Menschen sterben werden.
Das bestreitet auch niemand. Erst recht nicht, wenn das Niveau der Unterstützung nur dazu ausreicht, den Status Quo zu halten. Ist also wieder schlicht eine Binsenweisheit. Und im Krieg sterben viele Menschen. Das ist grausam und mit viel Trauer und Leid verbunden. Den Krieg hat hier aber einzig und allein Putin/Russland verschuldet. Russland ist ungerechtfertigt sowohl 2014 als auch 2022 in die Ukraine eingedrungen und hat damit den offenen Krieg angefangen - eine Aktion, die absolut NICHT legitim ist.
Und die Ukraine verteidigt sich. DAS ist legitim. Das ist das Recht der Regierung des Landes und auch des Landes selbst.
Man sollte -anders als in Russland und der Ukraine- , Dinge hinterfragen, ohne dem gegnerischen Lager zugeordnet werden zu müssen, ein Troll zu sein, ein AFD‘ler oder ein Verschwörer zu sein.
Natürlich. Wenn man aber hinterfragt und dabei nicht diesen Lagern zugeschrieben werden will, kann man sich u.U. auch mal die Mühe machen, auszuarbeiten, was einen dann von diesen Lagern unterscheidet. Wenn sich dieses Hinterfragen nur darin äußert, dass man letztendlich doch genau so klingt, wie ein Putin-Troll, AfD'ler oder Aluhut-tragender Verschwörungserzähler, brauch man sich nicht wundern, dass man doch diesen Lagern zugeschrieben wird. Denn, was quakt und watschelt wie eine Ente ist wahrscheinlich auch eine Ente.