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Ein Gespräch mit dem Moskauer Soziologen Greg Yudin über die Gesellschaft der Lüge, mythische Vereinfachungen und den neuen russischen Faschismus
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Wladimir Putins 9. Mai: "Russland will den gesamten Westen besiegen"
Ein Gespräch mit dem Moskauer Soziologen Greg Yudin
Die Bedeutung des 9. Mai (Sieg über Nazideutschland im 2. WK) hat sich im Zeichen von Putins Geschichtspolitik gewandelt: Seit der Annexion der Krim 2014 ist er zum Tag der nahenden Abrechnung und Rache geworden. Dieser
Feiertag droht dem Westen jetzt mit einer Wiederholung: Man zeigt, man könne es jederzeit wieder tun, wenn Russlands unstillbares Bedürfnis nach Anerkennung nicht gestillt wird.
In Russland zirkuliert die obszöne Darstellung eines Sowjetmenschen, der einen Nazi vergewaltigt. Das ist die Drohung, die heute vom 9. Mai ausgeht: noch einmal Berlin zu erobern. Die Erinnerung an den Kalten Krieg durchdringt heute, gegen alle historischen Tatsachen, die Erinnerung an den
Zweiten Weltkrieg. Mit der Folge, dass Putins Russland den gesamten Westen als Gegner besiegen will: die USA, die Franzosen, die Briten.
Gerade erst hat es ein hoher Militär klar gesagt: "Wir kämpfen gegen die ganze Welt, wie im Großen Vaterländischen Krieg." .. In der Ideologie des russischen Nationalismus bevölkern Nazis die gesamte Außenwelt. Ein Russe kann kein Nazi sein. Es gehört zu den Spezifika des neuen völkischen russischen Faschismus, dass er in seinen Reinheitsfantasien alles ausmerzen will, was er als Nazi auffasst. Das ist alles Nichtrussische, also besonders das sogenannte Abendland.
Es kann sein, dass am 9. Mai der große patriotische Krieg offen erklärt wird, nach 77 Jahren würde man damit ansagen, jetzt den letzten Weltkrieg zu Ende bringen. Das würde eine große Mobilmachung bedeuten. Hoffen wir, dass dieser Wahnsinn nicht wahr wird. Denkbar und wahrscheinlicher ist aber, dass man das Ende von Mariupol, das man dem Erdboden gleichgemacht hat, als Sieg präsentiert.
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