Russland greift Ukraine an

Ich war am Freitag mit meinen Nachbarn essen. Dabei kam ich mit der ältesten Mitbewohnerin ins Gespräch. Sie ist neunzig und unglaublich. Körperlich und geistig total fit. Sie ist eine sehr kluge, eher zurückhaltend Frau. Wir kamen auf das Thema Krieg zu sprechen und sie erzählte mir von ihren Kriegserlebnissen im WK II, den sie von ihrem siebten bis dreizehnten Lebensjahr miterlebt hatte.

Obwohl ich viel über die Zeit gelesen, viele Dokumentationen gesehen habe, war es das erste Mal, dass ich eine so ausführliche Schilderung der persönlichen Erlebnisse einer Zeitzeugin gehört habe. Es war einfach nur schrecklich, was sie alles erlebt hat. Ich werde das hier nicht alles erzählen, weil das hier nicht hingehört und ich Stunden schreiben könnte.

Sie sagte, sie habe ja noch Glück gehabt, dass sie nicht vergewaltigt wurde wie ihre Schwester. Während ihre vierzehnjährige Schwester vergewaltigt wurde, wurden sie und ihre Mutter mit Maschinenpistolen, an der Wand stehend, in Schach gehalten und mussten zusehen, wie ein russischer Soldat nach dem anderen die Schwester vergewaltigte. Wobei es hier nicht darum geht, dass es russische Soldaten waren. Das haben Soldaten aller Nationalitäten gemacht.

Ihre Erzählungen haben mich so aufgewühlt, dass ich die letzten Tage ständig daran denke und einen Kloß im Hals habe, während ich unendlich dankbar für mein eigenes unbeschwertes Leben bin.

Ihre Familie hatte öfter gesagt, sie solle doch ihre Erlebnisse für ihre Kinder und Enkel aufschreiben. Jahrzehnte habe sie das nicht gekonnt, weil sie jedes Mal angefangen habe zu zittern, wenn die Bilder und Gefühle auf sie einstürmten. Erst als sie sechzig war hatte sie angefangen zu schreiben. Die Bilder seien so auf sie eingestürmt, dass sie mit schreiben gar nicht mehr hinterher gekommen sei. Ein ganzes Buch hat sie über ihr Leben geschrieben. Auf meine Frage, ob sie es veröffentlicht hätte sagte sie, nein, es sei nur für ihre Familie. Ich würde das Buch unheimlich gerne lesen, habe aber selbstverständlich nicht danach gefragt, weil dies übergriffig gewesen wäre.

Jetzt ist der Krieg wieder so nahe und alles kommt bei ihr wieder hoch. Auch wenn sie später ein glückliches und zufriedenes Leben führte, ist das Trauma nach 77 Jahren genauso gegenwärtig wie damals. Durch ihre Erzählung ist mir noch begreiflicher geworden, welches Leid die Menschen gerade durchmachen.

Und wenn ich dann von dir, @Uomina , so etwas lese:



... dann kommt mir echt die Galle hoch. Das ist eine Ohrfeige für Menschen, die Krieg leibhaftig miterlebt haben und gerade miterleben - von einer Person, die sicher und wohlgenährt in ihrem warmen Zimmerchen sitzt.

Es gibt keinen albernen esoterischen Gründe, warum die vierzehnjährige Schwester meiner Nachbarin von mehreren Soldaten hintereinander vergewaltigt wurde. Es gibt keine albernen esoterischen Gründe, warum Menschen bombardiert, Kinder von ihren Eltern getrennt, junge Männer aus beiden Ländern aufeinander schießen und sich gegenseitig töten müssen.

Sollte der Krieg wirklich nach Deutschland oder Österreich kommen, kannst du dich gerne fragen aus welchem Grund dir das passiert ist und was die Bombardierung deines Heimes dir aufzeigen will und was dein Anteil am Krieg ist. Aber mach das nur für dich.
Bei mir sind die Erzählungen meiner Mum auch derzeit sehr präsent.
Sie musste im Krieg nach der Ermordung ihres ersten Mannes mit 2 kleinen Kindern zu Fuß von Jugoslawien nach Ö fliehen. Was alleinstehende Frauen damals erleben mussten, ist nicht zu beschreiben.
Ich selber bin während der Besatzungszeit in Ö geboren.
Obwohl ich damals noch klein war, kann ich mich noch gut an die Pakete aus Amerika erinnern. Neben den Lebensmitteln waren auch Spielsachen für uns Kinder drin.
Von den amerikanischen Soldaten erzählte meine ältere Schwester immer, dass sie Kaugummis und Süßigkeiten an die Kinder verteilten :D.
Ö war ja bekanntlich bis 1955 von den 4 Siegermächten besetzt, aber von keiner wurden derart viele Vergewaltigungen und Diebstähle dokumentarisch festgehalten wie von den Russen.

Und so bleibt irgendwie in Erinnerung, die Amerikaner haben gegeben und die Russen haben genommen (etwas pauschal, ich weiß....).
Mich hat das insofern geprägt, als dass ich seit Jahrzehnten Care-Pakete für Kinder in Afrika spende, um ihnen Essen, Kleidung und Schulbesuch zu ermöglichen.
Wir hätten damals ohne diese Hilfe auch nicht überleben können.
 
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Zwei Twitter-Threads mit wichtigen Punkten zur Diskussion:

Zuerst einmal ein paar Fragen an die Anhänger der "Verhandlungen jetzt!"-Position:


Besonders wichtig finde ich folgende Punkte:

5. Was halten Sie für ein Verhandlungsergebnis, dass Russland akzeptieren würde? Was müsste die Ukraine dafür aus Ihrer Sicht abgeben? Welche Lehre folgt daraus für mögliche weitere Konflikte, die Russland beginnt?

6. Welche Maßnahmen zur Absicherung des Verhandlungsergebnisses und der Verhinderung eines erneuten Kriegsausbruchs müsste Russland aus Ihrer Sicht akzeptieren? Wie wahrscheinlich ist es, dass Russland diese tatsächlich akzeptiert?

9. Nachdem es einem mächtigen Staat gelungen ist, Teile des Territoriums eines anderen souveränen Staates zu erobern und diese nach Verhandlungen zu behalten - wäre ein solcher Frieden stabil? Lebt die Bevölkerung in dem besiegten und besetzten Land dann auch im Frieden?


Und 5 Punkte, die die Basis jeder Diskussion zum Thema bilden sollte. Wenn man sich in einem dieser Punkte schon arg uneins ist, lohnt sich ein Diskurs eigentlich nur kaum:


Ich zitiere mal die meiner Meinung nach wichtigen ersten drei dazugehörigen Tweets hier:
1. Russland hat die Ukraine angegriffen (im Februar 2022 begann die großflächige Invasion, aber der Krieg hat schon 2014 begonnen mit der Annexion der Krim und dem darauf folgenden Krieg in der Ostukraine). Täter: Russland; Opfer: Ukraine.

2. Der Angriff Russlands auf die Ukraine ist völkerrechtswidrig. Er verstößt gegen die völkergewohnheitsrechtliche Ächtung des Angriffskrieges wie auch gegen kodifiziertes Recht: das Gewaltverbot in Artikel 2(4) der UN-Charta, die auch Russland als UN-Mitglied anerkannt hat.

3. Das russische Territorium war zu keinem Zeitpunkt durch Ukraine oder die NATO bedroht. Die souveränen mittel- und osteuropäischen Staaten traten auf eigenen Wunsch der NATO bei. Der NATO-Beitritt der Ukraine stand nicht bevor. Selbst wenn es so gewesen wäre, wäre es kein legitimer Kriegsgrund.
 
Was hat die Demo für einen Sinn?

Wenn Deutschland keine Waffen mehr liefert, beendet es denn Krieg früher!? Wohl nicht. Ukraine wird ja auch von anderen Ländern unterstützt. Frau Wagenknecht und Frau Schwarzer sollten dann wohl besser in Washington demonstrieren.
Offensichtlich gehen Schwarzer/Wagenknecht davon aus, wenn sie Scholz weichgeklopft haben, dass dann die anderen Staaten nachziehen und auch nichts mehr liefern. Ein eklatanter Irrtum. Sleepy Joe hat erst kürzlich wieder seine unverbrüchliche Unterstützung der Ukraine zugesichert. Und solange die USA liefert, stehen die Chancen gut, dass sich die Ukraine verteidigen kann, egal ob Scholz mitmacht oder nicht.
 
... dann kommt mir echt die Galle hoch. Das ist eine Ohrfeige für Menschen, die Krieg leibhaftig miterlebt haben und gerade miterleben - von einer Person, die sicher und wohlgenährt in ihrem warmen Zimmerchen sitzt.
Es ist nicht nur eine Ohrfeige für die Opfer, sondern auch für alle, die dieses schwachsinnige Geschwafel von @Uomina lesen müssen.
 
Interessanter und gut differenzierter Beitrag:


Alice Schwarzer und Sarah Wagenknecht hätten wenigstens die Russland-Flaggen auf ihrer Demo unterbinden müssen - mit diesen Flaggen entlarvt sich mMn ihre Bekundung der Solidarität mit der Ukraine in ihrem Manifest als reines faules Lippenbekenntnis.
Noch was zu Schwarzer, der ach so hochgejubelten...ich konnte die Olle noch nie ab und behalte da wohl mal wieder recht.


Gruß

Luca
 
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„Reden wir nicht von den vergewaltigten Frauen, reden wir nicht von den traumatisierten Kindern“. Ohne Übergang springt Schwarzer über zu der These ihres „Manifestes“, der Krieg sei militärisch nicht zu gewinnen.

Tatsächlich ist die Schwarzer gerade dabei, ihr eigenes Lebenswerk zu zerlegen. :rolleyes:
 
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