Ganz genau! Man erinnere sich z.B. daran, was er im Februar 2016 sagte:Auf Seehofer würde ich nicht setzen. Der ist ja selbst Teil des Rechtsrucks.
"Wir haben im Moment keinen Zustand von Recht und Ordnung. Es ist eine Herrschaft des Unrechts".
Dazu kündigte er eine Verfassungsklage gegen die deutsche Flüchtlingspolitik an, aus der dann natürlich nie etwas wrde. Mit solchen Aussagen hat Seehofer am Mythos eines angeblich herrschenden Notstandes mitgebastelt. Immer wieder wurden aus der CSU die Vorstellungen derjenigen bedient, die meinen, in Deutschland würde das Volk von einer linksgrünversifften Macht- und Medienelite, und einer durchgeknallten, rechtsbrüchigen Kanzlerin unterdrückt. Man denke nur an das von Alexander Dobrindt geschaffene Unwort des Jahres 2018 von der "Anti-Abschiebeindustrie", oder das Rumgeeiere um den ehemaligen Verfassungsschutzpräsidenten Hans-Georg Maaßen. Wie gerade immer deutlicher wird, war es letzterem ja offenbar wichtiger, öffentlich über den Begriff "Hetzjagd" zu diskutieren und Verschwörungstheorien gegen Grüne und SPD zu verbreiten, als wirksam gegen Naziterror und rechtsextreme Netzwerke vorzugehen. Den wollte Seehofer als Sonderberater ins Innenministerium holen.
Dass die CSU als Regierungspartei all diesen rechten Narrativen Vorschub geleistet, und damit die Absolution erteilt hat, hat meiner Meinung nach ganz entscheidend dazu beigetragen, dass sich immer mehr Menschen radikalisiert haben und auch vor Gewalt nicht mehr zurückschrecken, bzw.davor, Gewalt als legitimes Mittel im Kampf gegen die vermeintlich bestehende, staatliche Diktatur anzusehen.
Und gestern sehe ich dann eben diesen Horst Seehofer in den Nachrichten, wie er - befragt nach dem neuen Höchsstand bei der Zahl der Rechtsextremen und dem Mord an Walter Lübcke - etwas von Zivilcourage faselt, die jetzt jeder zeigen müsse, und dass jetzt alle Demokraten zusammenstehen müssten.
Da hätte ich am liebsten meinen Fernseher eingetreten.