Politik-Sexismus-Journalismus

So wie ich Brüderle einschätze, witzelt der ganz gerne.
Ich kenne wirklich viele Menschen, die keinerlei Humor haben, und solche Anspielungen Ernst nehmen. Das ist eine Sache der Erziehung.

Ein Problem ergibt sich eigentlich nur, wenn die Humorlosen zufällig ein Sprachrohr bekommen.

Zum Glück haben noch einige genug Erziehung/Allgemeinbildung, um ein zwiebeiniges Schweinderl als solche zu erkennen und dementsprechend zu behandeln.

Ich hätte allerdings den Artikel vor einem Jahr geschrieben icl. Schweinderles Anzüglichkeiten.


Sage
 
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Sie wird ihre Erfahrungen gemacht haben. Und ich glaube ehrlich gesagt, dass sie Recht hat. Es gab immer schon Männer die Frauen respektvoll behandelt haben und es gab immer schon Männer die das nicht taten und dann gibts doch alles dazwischen. Und ich glaube, sie hat insofern Recht, als dass sich das letztlich nicht ändern wird. Sexismus ist ja wirklich nur eine "Möglichkeit" um andere herabzusetzen... Männer setzen sich auch untereinander herab und Frauen auch. Die Gründe dafür sind ja letztlich menschliche (eigene) Schwächen... und die kriegt man ja nicht weg. Will damit nicht sagen, dass es keine Verbesserung geben kann und die Debatte überflüssig ist, aber ein Ideal, wie es z.B. Koch-Mehrin formuliert (wo sie über ihre Töchter spricht) ist utopisch.

Exakt. Und doch zum Teil hängt es von der Frau an sich ab(nicht immer, nizuz, natürlich), welche Richtung sie der zwischenmenschlichen Kommunikation gibt. Nur unbedarft sind die Frauen natürlich nicht :thumbup:
Bei Frau W: hab nie an gestreute Gerüchte im Internet geglaubt. Silvana Koch-Mehrin dürfte auch kaum in Verlegenheit kommen. Sind eben Frauentypen, die allein durch ihre Präsenz Gönner finden. Männer fliegen auf klassische Germaninnen.:D
 
Zum Glück haben noch einige genug Erziehung/Allgemeinbildung, um ein zwiebeiniges Schweinderl als solche zu erkennen und dementsprechend zu behandeln.

Ich hätte allerdings den Artikel vor einem Jahr geschrieben icl. Schweinderles Anzüglichkeiten.


Sage

Dann hätte es die FDP nicht so getroffen, wie jetzt, wo doch Brüderle "das neue Gesicht" der FDP ist. Es passt der FDP offenbar nicht, daß viele jetzt denken, Brüderle ist nicht nur "das neue Gesicht", sondern auch "der neue Arsch" der FDP. Damit muß sie aber leben.

:)
 
Na ja.. verbockt hat er es trotzdem. Hätte ja auch anders reagieren können.

Sicher kann man immer auch irgendwie anders reagieren.

Brüderle ist nur der Aufhänger. Die "Explosion" des Themas zeigt aber sehr deutlich das es eben eines ist und es ist logischerweise emotional. Es gibt wahrscheinlich kaum eine Frau die nicht mehrmals pro Monat irgendwo von irgendwem blöd angequatscht wird. Und je nach Situation kann das ja auch wirklich ein Problem sein.

Da möchte ich Dich bitten, etwas genauer zu betrachten, und mal zu hinterfragen was eigentlich "normal" ist. Ich jedenfalls fände es normal, dass man auf eine Botschaft reagiert in einer Weise, wie die Botschaft es nahelegt.
Und das ist allerdings keine Frage von dem Brüderle und dieser Journalistin, sondern es ist eine ganz allgemeine Sache:

Wir haben einen riesigen Markt, die nur dem Zweck dient, dass Frauen "schön" sein können (Mode, Kosmetik, Schmuck, Haarstyling, Schönheits-OPs, usw.usf.). Ich möchte behaupten, dass 80% dessen, was Frauen konsumieren, der "Schönheit" dienen soll - auf jeden Fall ist es der bei weitem größte Anteil am Markt.
Daraus folgt unmittelbar, dass das erste und wichtigste Lebensinteresse der meisten Frauen eben ist, "schön" zu sein.

Ich habe "schön" hier absichtlich in Anführungszeichen gesetzt, denn "schön" meint hier nicht schön, sondern es meint: erotisch attraktiv.

Es wird also ein immenser Aufwand betrieben, um die Botschaft zu erzeugen "ich bin erotisch attraktiv" (und ich betrachte da nur den Konsum, die Marktanteile - denn das ist meßbar. Dazu kommt noch eine immense Menge persönlicher Aufwand, d.h. die Zeit die im Badezimmer zugebracht wird).

Damit haben wir die Botschaft: wir werden von morgens bis abends ununterbrochen zugeballert mit Botschaften von erotischer Attraktivität.
Die normale Reaktion auf eine Botschaft wäre, wie ich oben schrieb, dass man sie zur Kenntnis nimmt und entsprechend des Inhalts darauf reagiert.
Genau das ist nun aber strikt verboten! Eine Frau auch nur anzuschauen gilt als Belästigung. Und jede Anspielung auf die erotische Attraktivität einer Frau wird als Sexismus angesehen.

Was wir also tatsächlich haben, ist ein gigantischer Bruch im natürlichen Reiz-Reaktions-Verhalten: für Frauen ist nichts wichtiger als sich erotisch attraktiv darzustellen, und gleichzeitig wird von Männern verlangt, dass sie dies vollständig und ununterbrochen ignorieren, d.h. die normale Wahrnehmung dauerhaft unterdrücken!
Und diese ganze groteske Verbogenheit wird als (gesellschaftlich) "normal" angesehen! (Was es für den einzelnen leider praktisch unmöglich macht, aus dem Spiel auszusteigen.) Und gleichzeitig ist es "tabu", diese eigentlich wirkenden Zusammenhänge anzuschauen - stattdessen wird so getan als wäre alles ganz normal, um dann Haß auf sog. "Sexisten" schüren zu können.

Was sich hier also emotional entläd, ist die Reaktion auf eine dauerhafte gesellschaftsweite Verbogenheit und Heuchelei: man hat nun die Möglichkeit, sich abzureagieren, indem man über einen Sündenbock herfällt, der genau das getan hat, was die normale und naheliegende Reaktion auf die Botschaft ist, was aber per Tabu verboten ist.

Ach... red keinen Scheiß. Ich war schon oft mit Frauen alleine in nem Aufzug. Ich hab keine angefallen und keine hat behauptet ich hätte sie auch nur blöd angeguckt.

Es geht ja nicht darum was du tust, sondern nur dass du das Gegenteil nicht beweisen kannst (keine Zeugen dabei)! Denn bei Sexismus-Vorwürfen gilt die Umkehrung der Beweislast: man braucht dir die Schuld nicht beweisen, sondern du musst deine Unschuld beweisen.

Vielleicht willst Du aber auch nur noch mehr von dem überzeugt werden wovon Du sowieso schon überzeugt bist, anstatt mal darüber nachzudenken ob es Sinn machen könnte Deine Überzeugungen zu hinterfragen. Hab das Gefühl Du siehst Geister (siehe Deine Frau-im-Aufzug-Panik).

Das ist keine Panik, sondern konkrete Erfahrung.
Zum Beispiel: zu der Zeit, als Laptops noch extrem teuer waren, war ich mit einem solchen unterwegs, der aber nicht mir gehörte sondern geliehen war. Im Gedränge des öffentlichen Nahverkehrs hat dann ein jugendlicher Rowdy versucht, mir die Tasche im Vorbeidrängeln zu entreißen. Ich wollte das nicht hinnehmen und hab mich zur Wehr gesetzt. Darauf hat diese Person, die weiblich war, laut zu schreien angefangen "der Mann hat mich geschlagen!" und die Polizei holen lassen.
Beim Gerichtstermin hat die Richterin dann vollumfänglich der Klägerin zugestimmt und den eigentlichen Anlaß als Lüge gewertet - offenbar, weil "man ja weiss das Männer grundlos gewalttätig werden" - und ich musste einige Tausender Strafe an die Frauenhäuser zahlen. (Die Klägerin hatte lt. medizinischem Untersuchungsbericht keine irgendwie erkennbaren Verletzungen, hat nur erzählt, dass ich sie ganz arg geschlagen hätte.)

So sieht das real aus (und ist mit Aktenzeichen belegbar) - erzähl mir also nix von "Geistern". Das mit dem Aufzug läuft gewiss in demselben Stil ab.
 
Zuletzt bearbeitet:
Herzlichen Glückwunsch, damit gehörst du auch zu den Untoten. :D

Solange solche Meinungen noch verbreitet sind, daß es "nun mal so ist", "Männer sind eben so, da war immer so und wird auch immer so sein", so lange ist die feministische Bewegung auch bitter nötig und weit davon entfernt, überholt oder überflüssig zu sein.

Erstens sage ich nicht, diese Debatte sei überflüssig. Und ich sage auch nicht "Männer sind eben so". Ich sage: Sexismus ist eine Art Macht-Strategie um eine Hierarchie herzustellen. Derer gibt es viele und in vielen verschiedenen Intensitäten. Du und ich können z.B. auf sachlicher Ebene diskutieren und unterschiedlicher Meinung sein, und trotzdem Respekt voreinander haben, wir können uns aber auch mehr oder weniger subtil selbst zum Thema machen bzw. den jeweils anderen. Dazu könnte man dann im Forum-Kontext "Intellektualismus" sagen (im Sinne von "Ach Jungchen... Du bist eben noch nicht so weit, aber irgendwann checkst Du es auch noch" usw. War jetzt wirklich nur als Beispiel gedacht, um das gleich dazuzusagen... ) Das ist vom Prinzip her nichts anderes.

Ich kann für mich sagen, dass ich es zumindest unterscheiden kann wann ich in solche Kisten greife, aber ich glaube nicht das es viele Menschen gibt, die NIE Hierarchien herstellen und immer sachlich-respektvoll sind.

Was ich sage ist nicht, "Männer sind eben so". Ich sage auch nicht, das ein Mensch sich nicht verändern und in der Hinsicht reifer werden kann. Aber grundlegend sage ich: Menschen sind eben so. Das ist Teil unserer Kommunikation weil es ein Teil des menschlichen Bedürfnisses ist in verschiedenen Situationen Hierarchien herzustellen oder zu verfestigen. Grundlegend hat das mit einem Bedürfnis nach Sicherheit zu tun.

Sexismus ist eine eher schmutzige Kiste, aber es gibt noch andere die nicht weniger schmutzig sind. Und letztlich werden alle Kisten weiterhin benutzt werden. Es wird weiterhin höhnische Bemerkungen geben wenn einer nicht ganz so schnell tickt. Es wird weiterhin Menschen geben, die sich daran aufrichten das jemand anderes nix verdient oder zu wenig. Es wird weiterhin Kinder geben, die sich gegenseitig nicht zuletzt durch Markenklamotten definieren und andere ausgrenzen die die falschen Klamotten haben usw. Es gibt hunderte oder auch tausende von Themen die auf diese Art verwandt werden... verschiedene Ansichten, Hautfarben, Herkunft, Intellekt, Aussehen, Kleidung, Stil, Geschlecht etc.


Frage: Was glaubst Du, wie perfekt Menschen werden müssten, um solche Spielchen ganz zu lassen? Und denkst Du, dass Du solche Spiele absolut gar nicht spielst? Denn meine Erfahrung ist, dass wir alle die ein oder andere Kiste haben in die wir ab und zu mal greifen. Und teilweise geht das so verdammt subtil dass es fast nicht bemerkt wird. Dazu kommt noch, das je nachdem wie Aussagen aufgefasst werden ein großer Interpretationsspielraum besteht. Dann können sogar Aussagen als verletzend aufgefasst werden die so gar nicht gemeint waren.

Das ist also ein weites Feld und die aktuelle Debatte kratzt da sehr an der Oberfläche. Sie wird sicherlich einiges verändern, aber sie wird die Dinge nicht nur verbessern... es wird eine andere Seite der Medaille geben weil an die Stelle von Sexismus in vielen Fällen lediglich "kontrolliertes Verhalten" treten wird. Und Sexismus kann sich auch leicht verlagern. Der Macho-Politiker quatscht dann eine Journalistin nicht mehr auf die Art an wie Brüderle es tat, sondern sagt vielleicht augenzwinkernd "Oh... Jungs... Frau im Anmarsch... ab jetzt vorsicht bitte!"... das ist dann nur eine andere Art.
 
SunnyAfternoon schrieb:
Wibke Bruhns meinte gestern lakonisch, sie verstehe die Aufregung nicht so ganz, Brüderle machte nur, was Männer eben so machen und das werde sich auch nie ändern ....er sabberte...

Sie muss es wissen, sie war Jahrzehnte als politische Journalistin tätig

Hi Sunny!

Ja, gewisse Männer hatten lange Zeit ihre Altherrenwitzchen an "Frau" ablassen können, ohne nennenswerte Folgen natürlich. Auch viele Grabscher wurden oft nicht zur Räson gebracht. Offensichtlich konnten oder wollten sie nicht verstehen, was solche Anmachen bei Frauen auslöst. Sexuelle Herabwürdigungen sind nun mal nicht lustig. Aber gesellschaftlich gesehen hatten solche Männer lang Zeit "Narrenfreiheit". Solche Anmachen wurden von der Öffentlichkeit lange Zeit akzeptiert. Männer sind so und Basta. Fand "Fau" das nicht witzig, war sie natürlich humorlos und schlimmstenfalls ne (frigide) Zicke. Logo.

Allmählich aber werden die Leut gegenüber der Zote oder/und Belästigungen sensibler. Weswegen ich Wiebke Bruns da widersprechen muß, jedenfalls, was die Zukunft solcher Anmachen betrifft. Auch in diesem Bereich wurde nämlich inzwischen die "Büchse der Pandora" geöffnet, d.h., das Kollektiv wird Herrn Brüderle und andere Consorten in Zukunft auf den Prüfstand stellen. Im Grunde ging die Sensibilisierung gegenüber sexuellen Übergriffen schon mit D. Strauss-Kahn los und wird m.E. weitere Kreise ziehen.

Die Zeit für ein Umdenken ist jetzt ganz einfach reif geworden. :)

Zum eigentlichen Thema wollte ich noch anmerken, dass ich die Dame vom Stern dahingehend nicht verstehe, warum sie ihre Erlebnissen nicht schon vor einem Jahr publik machte, sondern erst jetzt, wo Herr Brüderle Parteivorsitzender wurde.( Ein Schelm, der Schlechtes dabei denkt.......;)) Solche Handhabung bereitet mir immer Bauchschmerzen.

LG
Juppi
 
Zuletzt bearbeitet:
Erstens sage ich nicht, diese Debatte sei überflüssig. Und ich sage auch nicht "Männer sind eben so". Ich sage: Sexismus ist eine Art Macht-Strategie um eine Hierarchie herzustellen. Derer gibt es viele und in vielen verschiedenen Intensitäten. Du und ich können z.B. auf sachlicher Ebene diskutieren und unterschiedlicher Meinung sein, und trotzdem Respekt voreinander haben, wir können uns aber auch mehr oder weniger subtil selbst zum Thema machen bzw. den jeweils anderen. Dazu könnte man dann im Forum-Kontext "Intellektualismus" sagen (im Sinne von "Ach Jungchen... Du bist eben noch nicht so weit, aber irgendwann checkst Du es auch noch" usw. War jetzt wirklich nur als Beispiel gedacht, um das gleich dazuzusagen... ) Das ist vom Prinzip her nichts anderes.

Ich kann für mich sagen, dass ich es zumindest unterscheiden kann wann ich in solche Kisten greife, aber ich glaube nicht das es viele Menschen gibt, die NIE Hierarchien herstellen und immer sachlich-respektvoll sind.

Was ich sage ist nicht, "Männer sind eben so". Ich sage auch nicht, das ein Mensch sich nicht verändern und in der Hinsicht reifer werden kann. Aber grundlegend sage ich: Menschen sind eben so. Das ist Teil unserer Kommunikation weil es ein Teil des menschlichen Bedürfnisses ist in verschiedenen Situationen Hierarchien herzustellen oder zu verfestigen. Grundlegend hat das mit einem Bedürfnis nach Sicherheit zu tun.

Sexismus ist eine eher schmutzige Kiste, aber es gibt noch andere die nicht weniger schmutzig sind. Und letztlich werden alle Kisten weiterhin benutzt werden. Es wird weiterhin höhnische Bemerkungen geben wenn einer nicht ganz so schnell tickt. Es wird weiterhin Menschen geben, die sich daran aufrichten das jemand anderes nix verdient oder zu wenig. Es wird weiterhin Kinder geben, die sich gegenseitig nicht zuletzt durch Markenklamotten definieren und andere ausgrenzen die die falschen Klamotten haben usw. Es gibt hunderte oder auch tausende von Themen die auf diese Art verwandt werden... verschiedene Ansichten, Hautfarben, Herkunft, Intellekt, Aussehen, Kleidung, Stil, Geschlecht etc.


Frage: Was glaubst Du, wie perfekt Menschen werden müssten, um solche Spielchen ganz zu lassen? Und denkst Du, dass Du solche Spiele absolut gar nicht spielst? Denn meine Erfahrung ist, dass wir alle die ein oder andere Kiste haben in die wir ab und zu mal greifen. Und teilweise geht das so verdammt subtil dass es fast nicht bemerkt wird. Dazu kommt noch, das je nachdem wie Aussagen aufgefasst werden ein großer Interpretationsspielraum besteht. Dann können sogar Aussagen als verletzend aufgefasst werden die so gar nicht gemeint waren.

Das ist also ein weites Feld und die aktuelle Debatte kratzt da sehr an der Oberfläche. Sie wird sicherlich einiges verändern, aber sie wird die Dinge nicht nur verbessern... es wird eine andere Seite der Medaille geben weil an die Stelle von Sexismus in vielen Fällen lediglich "kontrolliertes Verhalten" treten wird. Und Sexismus kann sich auch leicht verlagern. Der Macho-Politiker quatscht dann eine Journalistin nicht mehr auf die Art an wie Brüderle es tat, sondern sagt vielleicht augenzwinkernd "Oh... Jungs... Frau im Anmarsch... ab jetzt vorsicht bitte!"... das ist dann nur eine andere Art.

am meisten schätze ich, daß Du hier nicht einziges Mal Printmedien zitiert hast, sondern Eigengedachtes postest.
 
Sicher kann man immer auch irgendwie anders reagieren.
Es geht letztlich um Respekt... um das Abbauen von Unterschieden die da sind oder die man nur zu sehen glaubt oder sogar sehen will. In dem Moment wo einem klar ist, da steht einfach "nur" ein Mensch vor einem, mit all seinen Schwächen und Stärken, und letztlich verletzlich wie es jeder ist, geht man respektvoll mit jemandem um.



Da möchte ich Dich bitten, etwas genauer zu betrachten, und mal zu hinterfragen was eigentlich "normal" ist. Ich jedenfalls fände es normal, dass man auf eine Botschaft reagiert in einer Weise, wie die Botschaft es nahelegt.
Das ist im Grunde zu wenig wenn man ein Ideal anstrebt. Erstens weiß man nicht immer genau wie eine Botschaft genau gemeint ist... man interpretiert ja. Es könnte sein das ich etwas zu jemandem sage, ein Thema anschneide ohne zu wissen dass es für den anderen ein Problem ist und diese Person das als subtile Beleidigung versteht... der schießt dann scharf zurück und ich weiß nicht mal warum. Hab ich schon erlebt und andere mit Sicherheit auch.

Ich glaube, es ist wichtig, immer davon auszugehen das man Schwächen hat und die Person die vor einem steht ebenfalls Schwächen hat. DAS ist das Verbindende... Gute Beziehungen sind ja z.B. nicht frei von Schwächen. Gute Beziehungen sind deshalb gut weil man die Schwächen kennt und sie nicht verwendet.


Und das ist allerdings keine Frage von dem Brüderle und dieser Journalistin, sondern es ist eine ganz allgemeine Sache:

Wir haben einen riesigen Markt, die nur dem Zweck dient, dass Frauen "schön" sein können (Mode, Kosmetik, Schmuck, Haarstyling, Schönheits-OPs, usw.usf.). Ich möchte behaupten, dass 80% dessen, was Frauen konsumieren, der "Schönheit" dienen soll - auf jeden Fall ist es der bei weitem größte Anteil am Markt.
Daraus folgt unmittelbar, dass das erste und wichtigste Lebensinteresse der meisten Frauen eben ist, "schön" zu sein.

Ich habe "schön" hier absichtlich in Anführungszeichen gesetzt, denn "schön" meint hier nicht schön, sondern es meint: erotisch attraktiv.
Ja... und bei Männern ist es in der Regel Erfolg und Macht. Ist zwar etwas zu grob gezeichnet, weil sich da vieles überschneidet, aber für die Mehrheit aller Frauen und Männer trifft es sicherlich zu, zumindest vom Prinzip her.


Es wird also ein immenser Aufwand betrieben, um die Botschaft zu erzeugen "ich bin erotisch attraktiv" (und ich betrachte da nur den Konsum, die Marktanteile - denn das ist meßbar. Dazu kommt noch eine immense Menge persönlicher Aufwand, d.h. die Zeit die im Badezimmer zugebracht wird).

Damit haben wir die Botschaft: wir werden von morgens bis abends ununterbrochen zugeballert mit Botschaften von erotischer Attraktivität.
Die normale Reaktion auf eine Botschaft wäre, wie ich oben schrieb, dass man sie zur Kenntnis nimmt und entsprechend des Inhalts darauf reagiert.
Genau das ist nun aber strikt verboten! Eine Frau auch nur anzuschauen gilt als Belästigung. Und jede Anspielung auf die erotische Attraktivität einer Frau wird als Sexismus angesehen.
Nein... sehe ich anders. Ich glaube, die meisten Frauen sind durchaus offen für nette Komplimente. Die gibts ja auch auf Augenhöhe. Die Frage ist immer, ob da ein Machtspiel veranstaltet wird, eine Hierarchie hergestellt wird indem ein Mensch auf ein Thema reduziert wird.


Was wir also tatsächlich haben, ist ein gigantischer Bruch im natürlichen Reiz-Reaktions-Verhalten: für Frauen ist nichts wichtiger als sich erotisch attraktiv darzustellen, und gleichzeitig wird von Männern verlangt, dass sie dies vollständig und ununterbrochen ignorieren, d.h. die normale Wahrnehmung dauerhaft unterdrücken!
Wie gesagt... ich sehe das anders. Allerdings sehe ich es auch deshalb schon anders weil ich nicht den Eindruck habe, dass sich Frauen ständig übermäßig reizvoll geben. Bin wohl zu selten auf Partys...


Und diese ganze groteske Verbogenheit wird als (gesellschaftlich) "normal" angesehen! (Was es für den einzelnen leider praktisch unmöglich macht, aus dem Spiel auszusteigen.) Und gleichzeitig ist es "tabu", diese eigentlich wirkenden Zusammenhänge anzuschauen - stattdessen wird so getan als wäre alles ganz normal, um dann Haß auf sog. "Sexisten" schüren zu können.
Sexismus ist nicht, auf Reize zu reagieren. Sexismus ist "Objektisierung"... eine Frau (oder auch Mann) auf diese Reize zu reduzieren und ein Machtspiel zu spielen...


Was sich hier also emotional entläd, ist die Reaktion auf eine dauerhafte gesellschaftsweite Verbogenheit und Heuchelei: man hat nun die Möglichkeit, sich abzureagieren, indem man über einen Sündenbock herfällt, der genau das getan hat, was die normale und naheliegende Reaktion auf die Botschaft ist, was aber per Tabu verboten ist.
Teilweise stimme ich da zu. Ich kann Brüderle nicht leiden, aber ich finde es nicht angemessen und auch für die Debatte schädlich, dass er auf diese Art zum Aufhänger dessen gemacht wird.


Es geht ja nicht darum was du tust, sondern nur dass du das Gegenteil nicht beweisen kannst (keine Zeugen dabei)! Denn bei Sexismus-Vorwürfen gilt die Umkehrung der Beweislast: man braucht dir die Schuld nicht beweisen, sondern du musst deine Unschuld beweisen.
Das so etwas theoretisch passieren kann bestreite ich nicht. Aber ich frage mich, in welcher Vorstellungswelt Du lebst, wenn Du das wirklich als alltägliche Gefahr siehst. Da habe ich mehr Angst das mir ne Taube ins Gesicht fliegt.

Das ist keine Panik, sondern konkrete Erfahrung.
Zum Beispiel: zu der Zeit, als Laptops noch extrem teuer waren, war ich mit einem solchen unterwegs, der aber nicht mir gehörte sondern geliehen war. Im Gedränge des öffentlichen Nahverkehrs hat dann ein jugendlicher Rowdy versucht, mir die Tasche im Vorbeidrängeln zu entreißen. Ich wollte das nicht hinnehmen und hab mich zur Wehr gesetzt. Darauf hat diese Person, die weiblich war, laut zu schreien angefangen "der Mann hat mich geschlagen!" und die Polizei holen lassen.
Beim Gerichtstermin hat die Richterin dann vollumfänglich der Klägerin zugestimmt und den eigentlichen Anlaß als Lüge gewertet - offenbar, weil "man ja weiss das Männer grundlos gewalttätig werden" - und ich musste einige Tausender Strafe an die Frauenhäuser zahlen. (Die Klägerin hatte lt. medizinischem Untersuchungsbericht keine irgendwie erkennbaren Verletzungen, hat nur erzählt, dass ich sie ganz arg geschlagen hätte.)

So sieht das real aus (und ist mit Aktenzeichen belegbar) - erzähl mir also nix von "Geistern". Das mit dem Aufzug läuft gewiss in demselben Stil ab.
Okay... das ist wirklich eine beschissene Erfahrung. Aber ich würde Dir nicht raten daraus zu weitreichende Schlüsse abzuleiten was Frauen und Männer betrifft.

Alles was ich sage ist: Ich will mich in meinem täglichen Handeln nicht von solcher Art Ängste bestimmen lassen.
 
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am meisten schätze ich, daß Du hier nicht einziges Mal Printmedien zitiert hast, sondern Eigengedachtes postest.

Am meisten schätze ich, dass Deine Aussage ein gutes Beispiel für das ist was ich sagen wollte. Denn theoretisch könnte ich das als subtil-herabsetzend verstehen... Du sagst damit erstens, dass ich endlich mal selbst gedacht habe, was impliziert dass das vorher nicht der Fall war. Damit wäre das ein Versuch eine Art intellektuelle Hierarchie herzustellen.... mit Betonung auf "Versuch" weil Du schon deshalb nicht ganz richtig liegst, da ich in vielen Beiträgen nichts zitiert habe und in vielen Beiträgen genau dasselbe sagte wie in dem obigen. ;)
 

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