Ja, ich weiß genau, was du meinst.
Das ist aber nicht der Weg für uns und für unsere Kinder.
Solange wir nicht anfangen „neutral“ zu berichten, Fakten sammeln, Indizien sammeln, auf Berichte von der Polizei, Ärzten, Anwälten, Zeugenaussagen usw. warten und diese dann mit einbeziehen, solange wird sich in der Medienwelt und in unser Welt nichts ändern.
Wie soll sich ein Kind z.B. in der Schule über irgendein Thema eine unabhängige Meinung bilden, der zweite Weltkrieg z.B.
Wir müssen die Fakten sammeln, diese erst suchen, finden und wahrheitsgetreu zur Verfügung stellen.
Ein Reporter würde unabhängig berichten, wenn er, bei einem Konflikt, die Fakten beider Seiten zusammenstellt und diese dann liefert. Eine Meinung müsste sich dann jeder selbst bilden anhand der Fakten. Es kann sein, dass jeder zu einer anderen Meinung gelangen würde. Das wäre nicht mal schlimm. Das wäre ja jedem selbst überlassen. Es könnte aber passieren, dass man zu ganz anderen Schlussfolgerungen gelangen würde und das passt der Elite nicht.
Das hat schon früher den Monarchen und Regierenden und auch den Kirchen nicht gepasst.
Und was wird gemacht?
Unsere Berichterstattungen sind so gesehen keine, weil die Reporter und Medien feste Meinungen liefern oder anhand ihrer Rhetorik und Wortgewandtheit eine bestimmte Meinung erzeugen.
Zum einen sind wir ja schon in der Situation, dass wir in der Gesellschaft unterschiedlichste Meinungen vorfinden. Das zeigt sich alleine hier im Forum, wenn eben über Themen diskutiert wird, und die Meinungen da unterschiedlich ausfallen.
Ich stimme Dir zu, dass bei sehr vielen Meldungen "Abwarten und Fakten sammeln" wünschenswert ist, und dass manchmal viel zu schnell geschlussfolgert und geurteilt wird - nicht nur in den Medien, sondern vor allem in der Gesellschaft.
Das Beispiel zweiter Weltkrieg ist dabei ziemlich unglücklich gewählt von Dir, weil der schon mehr als 70 Jahre zurück liegt und von Historikern schon detailiert durchleutet wurde und noch wird. Welche unabhängige Meinung sollen die Schüler denn da Deiner Ansicht nach bekommen?
Die allgegenwärtige Forderung nach der "Betrachtung beider Seiten" teile ich bedingt. Damit kann man es auch übertreiben. Es gibt zum Beispiel auch immernoch Menschen, die an die falche Erde glauben (oder zumindest behauoten dran zu glauben). Es ist natürlich ihr Recht, das zu glauben, was sie wollen. Aber in einer Berichterstattung würde ich trotzdem nicht ihre "Fakten", die sehr leicht zu entkräften sind, unentkräftet stehen lassen. Eine gleichwertige unkommentierte Betrachtung beider Seiten ist da nicht sinnvoll. Ebensowenig halte ich z.B. Biologiebücher, in denen die biblische Schöpfungsgeschichte als der Evolutionstheorie gleichwertige Theorie dargestellt wird, für absolut falsch, weil die Schöpfungsgeschichte eben NICHT der Evolutionstheorie ebenbürtig ist. Wer aus religiösen Gründen an die biblische Schöpfung glaubt... von mir aus soll er/sie das tun, aber wissenschaftliche Arbeit und der aktuelle wissenschaftliche Stand drüfen dadurch nicht gestört und beeinflusst werden.
Und die Meinung der Berichterstatter wird sowieso immer mit durchscheinen. Alleine schon durch die Wahl der Themen und Vorfälle, über die berichtet wird, kann ein Bias entstehen. Wie Du auch schreibst, scheint die Meinung auch mit der Wortwahl der Berichterstattung durch.
Machen wir mal ein Gedankenexperiment, wie die Medienlandschaft aussähe, wenn nach Deinen strengen Regeln gearbeitet würde: Zum einen hätten wir ziemlich dicke Zeitungen, weil wirklich über JEDEN Vorfall berichtet werden müsste, und das nicht nur einmal, sondern immer dann, wenn ein neuer Fakt auftaucht. Desweiteren würden diese Berichte alle identisch sein. Unterschiedliche Zeitungen und Zeitschriften würden da keinen Sinn mehr machen. Wer also hätte da das so entstehende Monopol auf die Berichterstattung?