Hatte ein "übernatürliches" Erlebniss - suche Antworten!

Sag mal, wie würde sowas aussehen? Was geschieht mit einem solchen menschen oder in einem solchen Menschen??? Paßt vielleicht nicht so ganz hier her, aber mich würde es sehr interessieren. Kannst Du vielleicht ein kurzes Beispiel geben?

Kaji


Hi,

dies würde mich nach wie vor intressieren. Was passiert, wenn Menschen mit einer Psychose sich mit solchen Bildern auseinandersetzen? Ergibt das eine Art Kurzschlußreaktion im Hirn? Oder seltsame phantastische Erscheinungen??? Vor allem auch wenn innere Bilder in Entspannungen oder dergleichen angewendet werden.

Kaji
 
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~Kaji~ vermutlich ruft es bei einer Psychose halluzinationen oder ähnliches hervor. Und das sollte natürlich vermieden werden.

Esoprojekt ist es in dir oder ein äußerer Einfluss der auf dich einwirkt?
Ohne es damit in lächerliche ziehen zu wollen, zu Harry Potter hätte man gesagt "close your mind" (zumindest in den englischen Büchern).

LG,
Anakra
 
Hi Esoprojekt!

Das versuche ich doch, aber diese "Macht" ist irgendwie stärker.
Ich weiß das es nicht einfach ist. Und ich weiß auch, das Wissen nicht unbedingt gleich dazu führt, das man alles sofort in den Griff bekommt. Man hat sozusagen "Schwachstellen" die schwer anzutasten sind. Ich versuche eine Sache noch mal anders zu erklären. Denk Dir mal alles Materielle weg. Welt...Körper... Denk Dir für einen Moment Du bist nur Geist. Du kannst alles denken. Du kannst z.B. denken: "Alles kein Problem, diese Macht ist weg."
Aber: Du kannst das nicht als wahr ansehen, Du kannst nicht davon überzeugt sein. Schon im nächsten Moment können, bzw sie tun es, Gedanken kommen, die Dir sagen das Du Dich irrst. Du hast innerhalb Deines Geistes/Bewusstseins also einen Teil, der sozusagen eigenständig denkt, nicht Deiner Kontrolle unterliegt. Du kannst bewusst Gedanken erzeugen. Du wirst aber auch mit Gedanken konfrontiert die Du nicht bewusst erzeugst, sondern die sozusagen assoziativ auftauchen. Stell Dir mal vor, das in Deinem Bewusstsein das einerseits "rein" ist und jeden beliebigen Gedanken erzeugen kann, eine Art "Teil" ist, der wie ein Magnet das Negative anzieht. Das ist wie eine Art Bewusstseinsfeld, das erstens "Angst-Gedanken" anzieht, zweitens diese mit Überzeugung und Bedeutung "auflädt". Dieses Bewusstseinsfeld, das wie ein Magnet wirkt, erhöht seine Intensität immer dann, wenn Du Gedanken denkst die "gegen es" gerichtet sind, die gegen "dessen" Überzeugung verstoßen. Wenn Du versuchst Dir einzureden, das alles in Ordnung und kein Problem ist, antwortet es, und überzeugt Dich dass das nicht der Fall ist. Und dieses "Bewusstseinsfeld", dieser "negative-Gedanken-Magnet", ist geistig gesehen der "Wiedersacher".

Das was wichtig ist: Man kann sagen, das dieser Teil dadurch aufrecht erhalten wird, das er Gedanken erzeugt die Angst machen, man könnte fast sagen das er sich davon "ernährt". Das tut er immer dann, wenn man ihn dadurch aktiviert das man ihn angreift. Das tut man einmal damit, das man gegenteilige Gedanken erzeugt. Das tut er auch dann, wenn man die Gedanken die er erzeugt bewertet, be- /verurteilt. Kampf ist also unmöglich, wenn man es nicht schaffen kann sich nicht von ihm beeindrucken zu lassen, was man nicht schaffen kann, wenn es akut ist. Ich habe mich oft gewundert wie ich vollkommen bewusst anfing, voller Zuversicht, und mir Überzeugungen "aufgedrängt" wurden, die ich rein intellektuell nicht habe.

Das ist das Prinzip und es ist paradox, weil dieser "Magnet" in jedem Moment auch von einem selbst gedacht wird. Das ist wirklich wichtig: Es ist eine Art bewusster Entscheidung ihn zu denken, die dann in ihr Gegenteil verkehrt wird. Nenn es für den Moment mal Wille oder Wahl. Also das Aufrechterhalten dieser Macht. Stell Dir für den Moment mal vor, das Du in einem Moment diesen Teil bewusst erzeugst, das sogar willst (ist jetzt nur eine Gedankenspielerei), er Dir das aber genau umgekehrt präsentiert. Alles wird sozusagen ins Gegenteil verkehrt. Sobald Du "ihn" wahrnimmst ist er eine unsichtbare und von Dir "getrennte" Macht die nicht von Dir erzeugt wird, sondern sich Dir aufdrängt, geistig an Dir klebt sozusagen. Er ist also eine Art "geistiger Lügner". Mit diesem Prinzip kämpfen alle, wobei die Intensitäten sehr verschieden sind. Er ist in seiner Grundform die Basis des Egos, und in großer Intensität ist er die Basis des "Wahnsinns". Das Prinzip ist wirklich dasselbe. Leise Zweifel oder absolute Hoffnungslosigkeit... Beides dieses "geistige Biest". Nur: Es ist kein Biest. Es ist eine Art "Funktion". Es soll sozusagen das tun was es tut, also "umkehren". Wahr zu falsch machen und umgekehrt. Es soll beeindrucken und überzeugen und es soll das Negative erzeugen bzw. es soll überzeugen das etwas negativ ist. Es erklärt Wirkungen zur Ursache und das in einem Gedankenstrom der immer dann überzeugend wirkt, wenn man sich ihm wiedersetzt, was man dann tut, wenn man etwas für wahr hält was er "sagt".

Das ist eine Form geistiger Manipulation. Wenn man sich das anschaut, kann man aber bewusst sagen: Umgekehrt ist es wahr. So kann man es nach und nach lösen. Ich könnte Dir ein Beispiel sagen das Dir vielleicht die Wirkung zeigen könnte... also das es funktioniert. Ist mir eigentlich etwas zu persönlich, aber ich schreibe es mal auf "nüchterne" Weise. Ich habe Jahre lang starke Schmerzen aufgrund einer Krankheit gehabt und manchmal immer noch. Daher nahm ich sehr viel Schmerzmittel...wirklich seeeehr viel... in Dosierungen die nicht mehr normal waren. Über die Jahre immer mehr. Das Zeug macht abhängig, einige Zeit nahm ich auch Morphine, ebenfalls in Riesen Mengen. Auf jeden Fall habe ich immer wieder damit aufgehört und hatte dann Entzugserscheinungen, so ähnlich wie man es von einem Heroin-Junkie kennt. Meistens habe ich es nicht durchgehalten. Das Problem dabei ist nicht unbedingt nur der Körper, obwohl der auch durchdreht, es macht ja körperlich abhängig. Das Problem ist der Geist. Der wird verdammt überzeugend, warum es doch besser ist sich schnellstens wieder etwas zu besorgen. Und der ist dann deshalb überzeugend, weil seine Argumente real stattfinden. Und das ist wichtig zu beachten: Das "Argument" und die Erfahrung das es wahr ist, sind ein und dasselbe. Löse das "Argument" und die Erfahrung findet nicht mehr statt. Auf jeden Fall habe ich wie gesagt oft Entzug gemacht, bei Dosierungen die 1/6 dessen waren was ich später nahm und bin dabei fast abgedreht. Sonntag letzte Woche habe ich es wieder gemacht, bin von der höchsten Dosis die ich bisher nahm auf Null gegangen, und es war okay. Es war nicht schön, oder so, das gar nichts war. Aber ich kannte nur einen der annäherend eine Dosierung wie ich nahm und der kämpfte 2 Wochen, geschweige das er es alleine durchziehen konnte. Die meisten brauchen jemanden der sie festbindet :D Ich bin psychisch fit, mir fehlt es nicht und der Körper ist lange nicht so durchgedreht wie früher als ich wie gesagt viel weniger nahm. Ich konnte ruhig liegen, war nur sehr schwach und hatte gewisse Symptome die Grippe ähnlich sind. Aber nicht wie man es von einem Junkie kennt, der sich wimmernd krümmt. Und das gabs eben früher auch. Und das ist wenn man weiß wovon ich spreche schon erstaunlich, v.a. wenn man den Vergleich erlebt hat wie ich, also über die Jahre und das ich irgendwann damit klar kam. Und das liegt eben daran, das ich diesen "Freak" in mir kennenlernte und seine Lügen enttarnen konnte. Auch die körperlichen Symptome die heftig sein können, schwinden dann, tauchen nicht mal auf. Die schlimmsten sind mir erspart geblieben. Ich will nicht sagen, das es gleich ist, oder ich mehr oder weniger oder genausoviel durchmachen musste wie Du jetzt. Ich kann das nicht beurteilen. Aber das Prinzip ist wirklich dasselbe...

Sie scheint mich zu testen, meine Schwachpunkte auszuloten! Ich kenne dieses "Ding"! Es macht folgendes: erstens es konfrontiert dich meist mit Dingen die du nicht willst, es provoziert dich ebenfalls mit Dingen die du nicht willst, dann beobachtet es wie man reagiert. Dann werden die "Daumenschrauben" weiter in etwas anderer Form angesetzt. Es ist ein System aus Beobachtung und Rückkopplung! Es kommt immer mit den gleichen Themen und versucht andauernd bei mir damit zu landen oder dir etwas wegzunehmen was dir lieb und teuer ist! Und es testet dich wie ein "Lügendetektor"!
Ja, das ist eine Form psychischer Manipulation. Aber diese Beschreibungen, so wahr sie auch sind, weil Du sie erfährst... das muss nicht so sein. Es geht nicht darum, das herabzusetzen oder als unwahr zu erklären. Es geht darum, sich dafür zu öffnen das es anders möglich ist.


Was das Karma angeht - auch ich habe nie wirklich daran geglaubt! Ich weiß dass ich ein freies Einzelwesen bin, dass vor keiner "Macht" Rechenschaft abgeben muss! Das Problem ist nur - diese "Macht" sieht das nach wie vor anders!
Inwiefern glaubst Du denn jetzt daran? Wenn Du dieses Gefühl überzeugt zu sein fühlen kannst, obwohl Du intellektuell sagst: "Eigentlich muss das Quatsch sein" dann verstehst Du vielleicht was ich oben zu formulieren versuchte.

Was das Mädchen angeht - das ist wieder eine ganz andere Geschichte! Die intensität dieser Sache und was sie in mir bewirkt hat ist einzigartig, wenn nicht sogar übernatürlich gewesen! Sowas habe ich mein ganzes bisherige Leben noch nicht erlebt! Es stellt alles in den Schatten!
Ja, versteh mich da nicht falsch. Ich will nicht die Erfahrung ankratzen. Aber Interpretationen solltest Du unterscheiden, ob sie Dich irgendwie binden und begrenzen, oder ob sie das nicht tun. Frag nie danach ob etwas wahr ist. Frag, ob es Dir hilft. Das Mädchen spielt sicher eine große Rolle in Deinem Denken, aber glaub mir... sie wäre keine Lösung. Ich meine, angenommen sie würde Dich anrufen und ihr wäret innerhalb kürzester Zeit zusammen und alles wäre schön. Das wäre sicher hilfreich für den Moment. Aber es wäre keine Lösung, selbst wenn es Dir in dieser Zeit gut gehen würde. Was geschehen würde, wäre dann z.B. das Du sie idealisierst und brauchen wirst, weil solange wie es gut läuft Du keine Probleme mit Deinem "Untermieter" hast. Die Angst sie zu verlieren hätte "triftige Gründe"... Und diese Angst würde es dann kaputtmachen.



Du weißt nicht im entferntesten wie es bei mir innen aussieht! Mein Ego ist - alles - was mich definiert! Da gibt es nicht mehr! Zumindest bei mir nicht.
Natürlich weiß ich nicht was in Dir los ist. Das weiß ich aber nicht mal bei meinem Bruder. Und mach Dir nichts vor... Niemand weiß was in einem los ist. Es gibt Menschen die sind einem näher und manche ferner. Solange nicht "Menschen"... "Beziehungen" das Problem sind, ist das aber unbedeutend. Man muss sich meiner Meinung nach damit abfinden, das andere einen unterstützen können, das auf jeden Fall.. ich wäre tot ohne gewisse Menschen in meinem Leben... Aber wirklich verstehen wenn es Probleme betrifft... nein... (zumindest meine Überzeugung). Nimm den guten Willen, wenn Du merkst das sich jemand um Verständnis bemüht. Das ist das Wertvolle. Nicht das jemand vollkommen nachvollziehen kann was in Dir abgeht. Wie oft hast Du erlebt, das Du einen Ratschlag bekommen hast, der erstens neu für Dich war, zweitens so gut, dass er auf jeden Fall zur Lösung führt, und drittens auch für Dich umsetzbar war?

Was das Ego angeht...
Dein Ego hat dieselbe Basis wie diese "Macht". Das Ego ist selbst so eine "Macht". Es sind beschreibende Gedanken die Absolutheit einfordern und daher begrenzend wirken. Es nicht sich "Ich", während es diese Macht vielleicht "es" nennt. Das Prinzip bleibt aber gleich. Du musst ja nicht Dein Ego killen. Aber Du kannst ohne es denken, es benutzen wie eine Maske.

VG,
C.
 
Mein Ego ist - alles - was mich definiert! Da gibt es nicht mehr! Zumindest bei mir nicht.
:) genau.
und gerade diesen Punkt finde ich bei Condemns Ausführungen wenig überzeugend,
wollte das aber nicht hier endlos auseinandernehmen.

Zu deinem Thread hier passt dieser Gedankenaustausch (ab dem verlinkten Beitrag von Powerflower) aus meiner Sicht sehr gut.
Würde mich interessieren, was du davon hältst.
 
Aus der Homepage eines Betroffenen:

"Tagebuch einer Psychose"
Einblicke in die Welt des Wahns
Ein persönlicher Erfahrungsbericht.
Von Bodo Bodenstein.

Psychose – ist das ein fremdes Wort, das nur Unbehagen auslöst? Sind Schizophrenie, Wahnvorstellungen und Halluzinationen für den normalen Menschen nicht zu begreifen? Bodo, selbst Betroffener, versucht mit der Erzählung seiner psychischen Erkrankung, Licht in das Dunkel des Wahns zu bringen, einen Wahnsinn, der doch einen Sinn macht, wenn man ihn miterleben kann. Der Autor führt den Leser auf eine Reise in das Innere einer kranken, verletzten Seele, erzählt von unglücklicher Liebe und neuen Erkenntnissen über den Zustand der Welt, von Geheimdienst-Überwachung im Kalten Krieg zwischen Ost und West und von totaler Gehirnkontrolle. Bodo glaubt schließlich, die ganze Existenz des Universums hinge von ihm ganz allein und seinem Durchhaltevermögen ab. Er zerstört absichtlich sein Denken, um eine riesige Supernova zu verhindern. Doch dann geschieht das Wunder - die Elektroschocktherapie zeigt Wirkung - und Bodo ist vom Wahn geheilt. Nach fünfmonatigem Aufenthalt im psychiatrischen Krankenhaus kann er wieder seiner Arbeit nachgehen. Doch die Zukunft ist ungewiss. Durch die Wende und den Zerfall der DDR ändert sich ein ganzes Gesellschaftssystem. Übersteht Bodo diese soziale Schocktherapie und findet er seinen Platz im neuen Deutschland?

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Zuerst hast du nur gewisse körperliche Symptome, dann hast du plötzlich neue Erkenntnisse über die Welt und deine Lebenssituation. Von einer Minute auf die andere bist du Mittelpunkt einer geheimen Konspiration der Weltmächte. Du wirst von Spezialagenten beider Seiten verfolgt, überwacht und zu einem ungewissen Ziel geführt. Natürlich stehst du auf der guten Seite und hast eine Mission. Aber welche? Auf dich sind Satelliten angesetzt und eine Gehirnabtastmaschine. Die gegnerische Seite will dich verrückt machen. Alle Fernsehprogramme werden extra für dich gemacht. Du willst Mut und Tapferkeit beweisen. Du isst nichts mehr und machst Ausdauerstehen. Nach einer Narkose glaubst du, das Weltall hätte sich in deinem Kopf umgestülpt und die Weiterexistenz des Universums hinge von einer Instabilität in deinem Kopf ab. Du glaubst deshalb, nicht mehr klar denken zu dürfen. Die Wissenschaftler der Erde überwachen deshalb deinen Kopf! Du bist bereit, dich zerstrahlen zu lassen. Schließlich ist der Alptraum vorbei. Dies ist die merkwürdige, aber wahre Geschichte einer schweren psychotischen Episode, wie ich sie erlebt habe.

....
Interessante links und Wissenswertes über die Psychose, ebenfalls aus der Seite des Autors.
 
Eine äußerst interessante Schilderung (aus Psychose-Netzwerk), auf die ich über die vorher verlinkte Seite gestoßen bin,
und der ich persönlich sehr sehr sehr viel abgewinnen kann:
Parallelen zwischen Traum und Psychose
als Hilfe zum Psychose-Verständnis. Von Dorothea Buck
[FONT=Verdana, Arial, Helvetica, Geneva, Sans-Serif]
Wie läßt sich die eigene Psychose verstehen? Ich hatte das Glück, während meines vierten schizophrenen Schubes 1946 durch das Miterleben der Psychose einer Mitpatientin zu erkennen, daß in der Psychose Inhalte unseres eigenen Unbewußten ins Bewußtsein einbrechen. Das Merkwürdigste war für mich, daß sie dabei eine andere, wie französisch klingende Sprache sprach, obwohl sie nie Französisch gelernt hatte. Ich wußte aber von ihr, daß sie aus einer Hugenottenfamilie stammte. Offensichtlich war mit ihrer Psychose dieser von ihren Vorfahren ererbte Sprachrhythmus aufgebrochen, der sie die zweite statt der ersten Silbe im Deutschen betonen ließ. Zum ersten Mal kam mir der Gedanke, daß unsere Psychoseerfahrungen nicht von außen, von Gott oder anderen Mächten "eingegeben" sind, sondern aus uns selber, aus einem Unbewußten in uns, aufbrechen. Ohne aber zu wissen, was dieses Unbewußte sein könnte und was es enthält, konnte ich diese Spur noch nicht weiter verfolgen.
Erst nach meinem fünften und letzten Schub 1959 fiel mir auf, daß seit dem Aufbruch meiner psychotischen Vorstellungen bereits Monate zuvor meine Nachtträume ausgesetzt hatten. Ich konnte mir das nur so erklären, daß die psychotischen Vorstellungen an die Stelle meiner Nachtträume getreten waren.
Sie mußten daher aus der gleichen Quelle wie meine Nachtträume, aus meinem gleichen Unbewußten kommen. Auf diese Spur hatte mich 13 Jahre vorher bereits die französisch klingende Sprache meiner Mitpatientin gebracht. Nun sagte ich mir: Ebensowenig wie Träume "geisteskrank" sind, kann es die psychotische Vorstellung sein.
Unsere Krankheit kann nur darin liegen, daß wir unsere psychotischen Vorstellungen für wirklich halten, während wir dies im Traum nur tun, solange wir ihn träumen.
Wenn ich die Vorstellungen meiner abgeklungenen Psychose auf der Traumebene verstand, konnten sie ihren Sinn für mich behalten, nur ihre Wirklichkeit nicht.
Als Wirklichkeit erschienen sie mir nach der Rückkehr in den Normalzustand nach keinem meiner fünf Schübe mehr. Im nachhinein konnte ich selber nicht verstehen, daß ich so Phantastisches hatte glauben können.
Diesmal war es anders: Ich verstand jetzt, daß nicht nur einzelne Symbolhandlungen in der Psychose, sondern ihr gesamtes Erleben dem Traum verwandt ist und wie dieser aus unserem eigenen Unbewußten in unser Bewußtsein aufbricht.

Dieses Verstehen der Psychose als Aufbruch des eigenen Unbewußten befreite mich von der uns alle schwer belastenden psychiatrischen Bestimmung der Schizophrenie als einer körperlich und erblich verursachten "unheilbaren Geisteskrankheit", wie es damals hieß. Durch ein zunehmendes Psychose- und Selbstverständnis bin ich seither "gesund" geblieben.

Fragen wir uns, was in der Psychose eigentlich geschieht. In der Regel ist es wohl so, daß ein ihr vorausgegangener Konflikt oder eine Lebenskrise, die wir mit unseren bewußten Kräften nicht lösen konnten, sich in der Psychose in konkrete Vorstellungen verwandeln. Das können beängstigende, aber auch befreiende Vorstellungen sein. Das Entscheidende ist aber, daß das zuvor Ungestaltete oder Ausweglose einer Lebenskrise in unserem Psychoseerleben Gestalt gewinnt. Vielleicht ist das auch der Sinn unserer Nachtträume: Probleme, Emotionen und uns gar nicht bewußte Inhalte unserer Seele im Traum in konkrete Vorstellungen, in real erlebte Situationen bildhaft zu verwandeln, die sie uns zugänglicher machen, in denen wir unsere Phantasien ausleben können, wie wir es auch in unseren Psychosen tun.
Statt nun aber die in der Psychose Gestalt gewordene Lebenskrise als Chance zu verstehen, sich mit ihr auseinander zu setzen, hat unsere Psychiatrie in der Regel nichts Eiligeres zu tun, als sie medikamentös zu bekämpfen und sie ins Unbewußte, aus dem sie aufbrach, zurückzudrängen, ohne zu fragen und mit den Betroffenen zu überlegen, was die Psychose-Inhalte uns zu sagen haben. Daß Verdrängtes immer wieder aufbricht, ist eine alte Erfahrung.
Ich machte mir die Mittel klar, die Traum und Psychose anwenden. Zum Beispiel das bildhafte Erleben in Symbolen. Daß die erlebten Symbole und Identifikationen so glaubwürdig für uns sein können wie sie es im normalen Zustand nicht wären, liegt vor allem daran, daß sich in der Psychose das Weltgefühl verändert. Man spürt überall Sinnzusammenhänge, ohne sie erklären zu können. Das ist ein anstrengendes Erleben und läßt uns auch Unmögliches miteinander in Beziehung setzen. Die Psychiatrie nennt das "Beziehungs- und Bedeutungswahn oder Größenwahn".
Ich nannte es "Zentralerleben", weil alle Bereiche des Lebens wie bei einem Fächer von einer gemeinsamen Mitte auszugehen und miteinander verbunden zu sein schienen im Unterschied zur "normalen" Welterfahrung. Das verführt sehr leicht dazu, nicht sich auf das Ganze, sondern das Ganze auf sich zu beziehen. Mit dem Gefühl der Angst kann dies als persönliche Bedrohung erfahren werden und zu Verfolgungsideen führen.
Psychoseerfahrungen ohne klare Parallelen zum Traum, wie z. B. gehörte Stimmen, können besser verstanden werden, wenn man weiß, daß unsere frühen Vorfahren wahrscheinlich ihre Gedanken hörten, und daß das Stimmenhören eine alte, ursprüngliche Form des Denkens war. Auch das Denken und Vorstellen in Symbolen und Bildern, das in der Psychose aufbrechen kann, gehört zu diesen älteren, sinnenhaften Denkformen, bevor sich das abstrakte Denken entwickelte.
Wer keine Stimmen hört, wird doch innere Impulse kennen, die die Führung übernehmen. Besonders nach vorausgegangenen anstrengenden Lebenskrisen kann es eine Erleichterung für uns sein, sich diesen inneren Impulsen zu überlassen. Sie können im genaueren Zusammenhang des Ganzen leiten als es der eigene Wille vermag. Ein gewonnenes Verständnis der Psychose und ihrer inneren Sinnzusammenhänge mit der eigenen Lebensgeschichte wird zur Heilung allein nicht genügen, wenn nicht die dynamischen Kräfte, Gefühle und Impulse, durch ihre Einbeziehung in unser Leben daran gehindert werden, sich zu stauen und dadurch in neuen Psychosen aufzubrechen.
Daß viele Psychosen ähnliche Mittel einsetzen, wie unsere Nachtträume zur Verarbeitung unserer Tageserlebnisse, kann eine Brücke zum Verständnis der Psychose sein, nicht nur für uns selbst, sondern auch für die Außenstehenden.
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Dorothea Buck, wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Dorothea_Buck
Mut zum Anderssein: http://mut-zum-anderssein.de/freiraumbuck1.html
Ihre persönliche Homepage: http://www.bpe-online.de/buck/index.htm (1917 geboren!)

:) Danke für diesen Thread, esoprojekt!
 
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