Es bleibt den Frauen nichts anderes übrig als ihre Kinder allein zu lassen und sich irgendwie durchzuboxen. Damit man das besser aushalten kann werden eben andere Ressourcen gestärkt und Frau macht auf andere Weise Karriere. Wer das nicht kann weil er einfach zu sensibel dafür ist (was übrigens in meinen Augen eine Stärke ist auch wenn es gesellschaftlich als Schwäche gesehen wird) fällt hinten runter. und das sind nicht wenige.
Und ist dir nicht in den Sinn gekommen, dass sich da einfach nicht viel geändert hat? Frauen waren immer schon die Angeschmierten, wenn Männer sich aus dem Staub gemacht haben. Der Unterschied ist, dass heute mehr Frauen sich selbst aus Beziehungen lösen, und das wird nicht gern gesehen. Frauen sollen heiraten und bei ihren Männern bleiben, egal, wie die Beziehung ist. Wer sich trennt, muss eben sehen, wie er klar kommt. Männer werden da nach wie vor wenig in die Verantwortung genommen. Frauen sollen sich dreimal überlegen, ob sie wirklich ein Kind allein großziehen wollen. In einer von Männern oder männlichen Werten bestimmten Welt ist Freiheit eben nichts, was man bei Frauen sehen will. Die meisten Scheidungen gehen von den Frauen aus, das finden Männer gar nicht schön. Jahrhundertelang konnten sie machen, was sie wollten, die Frauen waren abhängig und mussten es erdulden.
Inzwischen kann eine Frau sich trennen, ohne verhungern oder sich prostituieren zu müssen. Ihr werden nicht automatisch die Kinder weggenommen, wenn sie den Mann verlässt (das war vor noch nicht allzulanger Zeit noch so), sie kann einen Beruf erlernen, wodurch sie in der Beziehung eine andere Stellung hat, weil sie nicht auf Gedeih und Verderb ausgeliefert ist. Allerdings ist dies ein langsamer Prozess, der immer noch nicht abgeschlossen ist. Immer noch sind es die Frauen, die eine Doppelbelastung haben, wenn sie Kinder kriegen und sie allein aufziehen (müssen). Und immer noch werden Frauen, die es tun, dann so mit Existenzsorgen und auch mit der Belastung der Trennung vom Kind allein gelassen, dass sie es nicht wirklich erstrebenswert finden, sich selbst zu trennen.
Es ist inzwischen auch gar nicht mehr so gern gesehen, dass Frauen auf dem Arbeitsmarkt Stellen besetzen, während es noch arbeitslose Männer gibt. Es ist nicht gewünscht, dass Frauen sich auf Karriere konzentrieren können und nachher vielleicht Stellen in den Chefetagen besetzen. Sie kriegen ja schon Geld dafür, wenn sie ihr Kind in den ersten Jahren nicht in die Krippe geben, damit sie schön zuhause bleiben und auch schön den Anschluss in ihrem Beruf verlieren.
Natürlich wäre es wünschenswert, dass Frauen mehr unterstützt würden, wenn sie Kinder allein aufziehen. Nur kann man geteilter Meinung darüber sein, aus welchen Gründen das nicht gemacht wird.
Ich wünsche mir jedenfalls keine Gesellschaft zurück, in der Frauen ihren Mann um Erlaubnis fragen mussten, ob sie arbeiten dürfen, wo Frauen einzig auf ihre Mutterrolle festgelegt wurden, wo Frauen kein eigenes Geld hatten, wo Frauen seelisch zugrunde gingen, wenn sie das Pech hatten, den falschen Mann geheiratet zu haben, wo Frauen zur Engelmacherin gehen mussten, weil ein uneheliches Kind eine Schande war und ihr Aus als Frau bedeutete.
Viele, die hier die ach so romantische Mutterrolle hochhalten, wissen anscheinend gar nicht mehr, wie unser Eltern-und Großelterngeneration gelebt hat, als Frauen sich zu fügen hatten, als Frauen kein Wahlrecht hatten, als Frauen sich nicht wehren konnten, wenn sie misshandelt wurden ect..
Die Romantik der Familie war oft überhaupt nicht romantisch für die Frauen und auch nicht für die Kinder, die in den stereotypen Rollen erzogen werden mussten.
Nicht, dass ich die Familie als solche nicht schätzen würde, aber Frauen haben immer einen hohen Preis bezahlt.
Das Ideal, wo sich eine Frau wirklich frei entscheiden kann, wie sie leben will, ist noch weit entfernt. Denn nach wie vor ist sie als die, die nun eben die Kinder kriegt, in der Zwickmühle zwischen Abhängigkeit und Unabhängigkeit.
Es geht mir persönlich auch nicht darum, Frauen zu Männern zu machen und umgekehrt. Ich selbst sehe mich als privilegiert, weil ich als Frau Leben gebären kann. Ich finde es schön, ein Kind aufwachsen zu sehen und ihm bei seinen ersten Schritten ins Leben zur Seite zu stehen. Weniger schön fände ich es, wenn ich dafür meine Identität als Mensch aufgeben müsste, der auch andere Interessen hat, der seinen Partner nach Neigung und nicht nach Fragen der Absicherung wählt, der ein Leben nach oder neben der Kindererziehung hat und nicht in ein tiefes Loch stürzt, sobald die Kinder aus dem Haus sind. Es gibt eben auch noch andere Dinge auf der Welt als Kinderjäckchen stricken, und ich möchte nicht, dass das allein den Männern vorbehalten ist. Heute ist es eben nicht mehr so, dass Frauen 10 Kinder kriegen und dann bei der elften Geburt sterben. Heute sind es eben meist nur ein oder zwei, und das lässt viel Platz für andere Dinge, die man im Leben auch noch entdecken kann.