bist du sauer weil sie dir und sich selbst was vorspielen?
Und dann gibt's da noch einen Aspekt, aber ich weiß nicht, ob ich den hier deponieren soll. Vielleicht etwas später, mal sehen.
Mich beschäftigt da die letzten Tage einiges. Und gestern machten mich ein paar deiner Antworten etwas stutzig. Also irgendwas war da bei mir dazu unstimmig.
Und dann lasse ich die Dinge meistens selbst denken, zusammenlaufen, sich ordnen.
Da kommen ein paar Faktoren zusammen.
Es gibt da in mir so eine Art anderer Pespektive als die alltägliche. Da sehe ich mich als so ne Art kleinen Jungen, und der wird wütend, sauer, weil "die" ihm seine(!) Welt kaputtmachen. Und der will was dagegen tun, kann aber nix wirklich tun, also erlebt er seine Ohnmacht, Hilflosigkeit diesen anderen Menschen, Kaputtmachern gegenüber. Was die Wut natürlich erst recht verstärkt.
Diese "seine" Welt wäre eben diese, unsere Welt, oder auch noch mehr. Und die sollte, könnte ganz anders sein, zumindest was das betrifft was Menschen so auf ihr tun und so alles in ihrer, eigentlich Blindheit und Dummheit anstellen.
Und in dieser Perspektive erlebt, empfindet dieser Junge nun den Schmerz anderer als seinen eigenen, den aller Menschen, Lebewesen. Der Mensch, der da wo verhungert, erschossen, vergewaltigt, gefoltert, gequält wird, ist er selbst, eben nur in etwas anderer Gestalt, Form. Zugleich ist er als Mensch aber auch alle Täter, was ihm mitunter bereits ziemliche Probleme bereitet.
Wenn er da nun noch weiter reingeht, so kommt er irgendwann an einen Punkt, an dem er an all dem eigentlich nur verzweifeln oder irre werden kann, das ist ihm zu viel, nicht verarbeitbar, nicht lösbar, auf die Art. Überrollt ihn eher wie eine Lawine an Eindrücken. Also bleibt ihm dann doch nichts anderes übrig als wieder in dieses eine ich zurückzzukehren, in dieses eine Leben hier. In dem kann er allerdings auch nicht allzuviel ausrichten, bewirken, also wieder die Wut, Ohnmacht, Hilflosigkeit. Und manchmal begegnet er anderen Menschen, die auch eine ähnliche Wut in ihm aufsteigen lassen. Und er versteht nicht warum.
Heute morgen ging ich Zigaretten holen und auf einmal wurde das Ganze runder, das Gesamtbild sichtbarer.
Die Wut ist einerseits die auf mich selber, aber aus einem ganz bestimmten Grund, und zugleich auf mich in anderer Form. Was ich beim Gegenüber sehe, bin ich selbst, in meiner eigenen Vergangenheit, sozsuagen. Voll mit Konzepten, die mich selbst in die Irre führten, aber an die glaubte. Und darunter, dahinter, in mir drin nicht nur Wut, sondern tatsächlich lange Zeit jede Menge aufgestauter Aggressionen, Hass. Und darunter, dahinter eben dennoch so was ganz anderes. So was wie dieser kleine Junge.
Der Andere, auf den ich da wütend werde, ist, in gewisser Weise auch ich selbst, nur eben etwas anders, und deshalb nehme ich das beinahe automatisch persönlich, bin ja eben auch ich, hat mit mir was zu tun, geht mich was an. Es ist irgendwie, könnte man sagen, wie eine Art Zeitreise. Ich begegne mir selbst in meiner Vergangenheit, und versuche, mich in dieser anderen Form, die aber nun eben dennoch zugleich ein ganz anderer realer Mensch ist, vor dem zu bewahren, zu warnen, was mir passiert ist, was ich erleben musste. Will nicht dass der/die sich auch so verläuft. Allerdings komme ich an eben diesem Mauern schon nicht vorbei. Und dann eskaliert das eben mitunter. Aber eigentlich möchte ich diese anderen ich's aufwecken, wachrütteln, ihnen helfen, meine Irrtümer zu vermeiden, so wie das wohl Eltern bei ihren Kindern auch (meist eher vergeblich) versuchen. Also eigentlich ist's eine Art Liebe, die sich nicht so zeigen, ausdrücken kann, dass sie beim Gegenüber auch durchkommt.
Was ich da versuche ist, dem Anderen zu sagen, "Schau doch mal hin!", damit dir, wenn du so weitermachst, nicht irgendwann die Folgen so wie mir selbst um die Ohren fliegen. Und natürlich wird das auch dadurch verstärkt, dass es mir in mir selbst wehtut, diese anderen ich's so (leiden) zu sehen, aber das Leiden selbst nicht einmal selbst zu sehen oder sehen zu wollen.
Wenn das aber so ist, dann wäre die Wut eigentlich so nicht unbedingt mehr nötig, denn dann würde es ja um was anderes gehen, nämlich, wie komme ich tatsächlich an diese ich's ran, also wie kommt der eigentliche Inhalt klarer, besser zum Empfänger? Die Wut ist sozusagen nur der Wegweiser, ach schau mal, da ist auch schon wieder mal einer so wie du!
Vielleicht ist das auch noch nicht alles, aber immerhin mal etwas mehr als bisher, glaube ich. Bin mal gespannt ob das auch so funktioniert wie ich hoffe.