Was mir augenblicklich (aber auch schon als Kind/Jugendliche) besonders gut gefällt, ist ein Zitat aus Psalm 139, David zugeschrieben:
"Nähme ich die Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, würde Deine Hand mich auch dort führen und Deine Rechte mich halten."
Als Kind/ Jugendliche wusste ich noch nicht, was mich hierbei so fazinierte.
Es war allein der Klang des ersten Satzes: "Nähme ich die Flügel der Morgenröte...." Es gibt dann verschiedene Übersetzungen, wie es weitergeht: "...und bezöge/nähme Wohnung am äussersten Meer..." das gefällt mir besonders gut.
Also, mein Satz ist:
"Nähme ich die Flügel der Morgenröte und bezöge Wohnung am äußersten Meer, würde Deine Hand mich auch dort führen und Deine Rechte mich halten."
Und damit wird mir klar, dem David, dem hat das nicht wirklich geschmeckt, unter König Saul ein starker Waffenmann zu sein. Wer völlig einverstanden ist mit seinem kriegerischen Auftrag, der nimmt nicht "die Flügel der Morgenröte", die ihn bis ans äusserste Meer tragen. Und damit wird mir auch ein Rätsel meiner Kindheit klar: Ich wollte diesen erzieherischen Druck nicht!
Ich wollte fortgehen können, bis ans äusserste Meer, und trotzdem geschützt sein. Und das macht Gott ja, er schützt ständig. Okay, nein, mein Vertrauen ist nicht 100%. - Ich erfahre seinen Schutz nur immer wieder.
Ich lebe jetzt in einer Situation, in der ich meine 92jährige, demente Mutter pflege. Ich empfinde sehr viel Verantwortungsgefühl.
Der Satz sagt mir: Du kannst aber auch weggehen! Du kannst das ganze Elend hinter dir lassen! Du darfst abhauen! Du darfst sie in ein Altersheim geben, selbst wenn sie da verungert, weil sie kein Essen mehr anrührt. Lass Elternhaus und damit verbundenes Geld fahren, wenn du das so willst. Du darfst mit den Flügeln der Morgenröte Wohnung nehmen am äussersten Meer! Auch dort bist du okay und du wirst geschützt! - Dieses Gefühl, eigentlich total frei zu sein, trotz aller äusseren Zwänge, es ist total irre und es gibt ganz viel Kraft!
Lieben Gruß,
Geli