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magdalena
Guest
Ich lese dich sehr gerne, weil sehr vieles deiner Erkenntnisse mir bewußt geworden ist.![]()
hallo constantin,
und du stellst viele fragen, die mich anregen weiter zu denken.
aber mich beschäftigt momentan eine geschichte sehr intensiv, die an mich herangetragen wurde, und ich überlege, wie ich damit umgehen soll.
ich will versuchen die geschichte zu schildern, um mir selbst schreibend noch mehr klarheit zu verschaffen, über das was ich zu erkennen glaube - und damit vielleicht auch gleichzeitig eine reihe deiner fragen beantworten.
eine frau hat sich telefonisch bei mir gemeldet, die ich vor langer zeit kannnte - allerdings nur höchst oberflächlich - ein gesellschaftlicher kontakt, wie viele andere auch. was sie mir erzählt hat, war einerseits erschütternd - zugleich habe ich mich doch sehr gewundert, dass sie sich ausgerechnet an mich wendet - ja, war auch etwas unangenehm berührt davon, dass sie mich mit ihren problemen belastet, denn sie weiß von anderen, was ich selbst zu bewältigen hatte und habe.
zur geschichte -
sie hat einen bösartigen gehirntumor.
die zeit, die ihr verbleibt, will sie exzessiv ausleben - parties, reisen etc.
nach ihrer schilderung wäre sie drauf gekommen, dass ihr mann sie nach strich und faden betrügt. außerdem würde er auschließlich von ihrem geld leben.
ihre langjährige beziehung hatten sie erst vor einem jahr legalisiert.
sie hätte nie geahnt, dass er es mit der treue nicht sehr ernst nimmt - nur alle anderen hätten es gewusst -
jetzt will sie sich scheiden lassen.
ihr mann behaupte von ihr bedroht zu werden - und obwohl er sehr viel größer und kräftiger ist als sie, würde die polizei ihm glauben, dass sie ihn tatsächlich bedroht.
mein erster gedanke war - nun der tumor hat ihre persönlichkeit verändert, macht sie agressiv - und ich habe angst bekommen, denn ich hatte sie in einem ersten impuls eingeladen mich zu besuchen.
dann habe ich nachgedacht - auch mein wissen und meine empfindungen aus der zeit ausgegraben, als ich die beiden kennen lernte.
er war in jeder beziehung der, keine kost verachtende, schwarm aller frauen - hatte gerade seine frau verlassen - und sich mit dem schüchternen mädchen zusammen getan, das genau so alt war, wie seine töchter.
die beiden haben in jeder beziehung glanzvoll gelebt - und ich hatte den eindruck, dass es eine sehr offene beziehung ist - von beiden seiten so auch akzeptiert.
sie hatte sich all die jahre etwas vorgemacht.
sie war bereit wegzuschauen - sie war bereit sich aufzuopfern für ihn -
mehr zu geben, als sie bekommen hat.
sie hat es für liebe gehalten.
in wahrheit hat sie verdrängt -
sie hat verdrängt, dass sie aus angst heraus verdrängt und gehandelt hat, ihn zu verlieren.
wir ordnen uns nur unter, passen uns an, geben mehr als wir bekommen, verschließen unsere augen vor der relität -
wenn wir uns selbst nicht in einem so hohem ausmaß selbst lieben, achten und wertschätzen, dass wir auch auskommen können ohne die liebe, achtung und wertschätzung von außen.
der tumor ist die körperlichwerdung der verdrängung - zugleich aber auch chance und auftrag die wahrheit zu erkennen.
sie reagiert jetzt kurzschlüssig.
sie weist ihm alle schuld zu.
er hätte sie getäuscht.
sie erkennt jetzt - er ist durchaus nicht bereit alles hinzuschmeißen - sich selbst (vor allem auch seine materielle existenz) zu opfern, und mit ihr zusammen ihre exzessiven wünsche auszuleben. (er ist selbsständig - die finanzkrise hat ihn getroffen - muss sehen wirtschaftlich wieder auf die beine zu kommen -
für ihn gibt es auch noch ein leben danach.)
beide sind zu verstehen.
aber heilung für sie -
manchmal geschehen ja 'wunder' -
kann es vielleicht geben, wenn sie begreift, was der tumor ihr erzählen will -
wenn sie die selbsttäuschung erkennt -
wenn sie aufhört ihn zu hassen dafür, dass sie selbst es war, die sich getäuscht hat -
wenn sie die chance auf selbstheilung erkennt -
statt in ihrer angst vor dem tod -
in panik um sich zu schlagen.
tja - ich überlege jetzt, wie ich ihr die wahrheit so schonend wie möglich vermitteln kann -
zugleich achtsam umgehe mit mir selbst.
irgend einen sinn muss es ja haben, dass sie die geschichte an mich heranträgt - für sie, aber auch für mich -
für mich liegt schon alleine eine erkenntnis darin -
hilfe zu leisten, wenn man angesprochen wird ist gut,
aber der helfer ist gut beraten sich selbst nicht in gefahr zu bringen, weil er ja - wenn er selbst zu schaden kommt - nicht mehr helfen kann.